Papstbesuch in Arabien und der interreligiöse Dialog- ein Kreuzritter in Abu Dhabi?

von Ralf Ostner

Papst Franziskus besucht in einer Konferenz zum interreligiösen Dialog erstmals ein arabisches Land, nämlich die Vereinigten Arabischen Emirate und dessen Hauptstadt/staat Abu Dhabi. Allen Seiten ist an einem Gelingen der gegenseitigen Begegnung gelegen und alle Widersprüche sind auch allen Seiten bewusst und weltweit wird dieses Treffen gelobt mit Ausnahme der Islamisten, die dazu zwischen distanzierten und klar feindlichen Positionen sich selbst outen.. Die Vereinigten Emirate sind so neben Oman und der Libanon  das liberalste Land im Nahen Osten, das vor dem Papstbesuch zudem eine Moschee in Jesus-Maria- Kirche umbenannte, da beide christiche Symbolträger ja auch im Islam als Propheten und heilige Figuren angesehen werden, aber eben einem muslimischen Gott Allah dienend und nicht als Sohn Gottes oder dessen Mutter.Man redet allgemein über Weltfrieden, Toleranz und ein Miteinander der Religionen und Staaten,ohne deren konkrete Verhältnisse konkret zu benennen. Man spricht sich gegen Extremismus und Radikalität des Glaubens aus, wobei jedem der IS einfällt,aber schon unklar bleibt, ob Erdogans AKP, die Muslimbrüder andere Islamisten oder der Iran dazugehört.Man kann es vermuten, aber explizit wird nichts ausgesprochen.Man verständigt sich also auf recht abstrakte Minimalkonsense, wenngleich der Besuch eines Papstes in der islamischen Welt nicht als solcher, sondern eher als Präzendentfall und historisches Ereignis angesehen werden muss.Aus Sicht der Islamisten: Der Chefkreuzritter im Heiligen Land, wenngliech noch nicht ganz direkt vor Mekkas Kabaa oder in Jerusalem auf dem Tempelberg.

Über solche theologischen Spitzfindigkeiten hat man sich erst gar nicht unterhalten, sondern erst einmal das Verbindende und das Gemeinsame betont, wenngleich der Papst dann auch in seiner Rede Passagen brachte, die dem Gastgeber nicht so gefallen haben. Zuerst ist einmal festzuhalten, dass hier ein Staatsvertreter, der Scheich der Vereinigten Emirate mit einem theologischen Vertreter des Christentums zusammenkommt., wenngleich der Papst auch noch ein paar Theologen traf. Der vermeintlich weltliche Vertreter der VAE ist zugleich der religiöse Vertreter und scheinbar umgekehrt. Beim Papst ist es klar: Er ist nur religiöser Vertreter, hat keine weltliche Macht, noch hard power, symbolisiert bestenfalls das Christentum aus seinem atomwaffenfreien, demilitarisierten Mini-Vatikanstaat wie eben auch die Vereinigten Arabischen Emirate das kleinste Gebilde im Nahen Osten und auf der arabischen Insel sind, die hoffen so eine Art Islam- Vatikan zu werden. Da kommen zwei machtpolitische Zwerge als symbolische Stellvertreter grösserer Regionalmächte und Grossmächte und ihrer Religionsabteilungen symbolisch zusammen als Geste und Fanal eines Appells eines Miteinander.

 

Das zeigt, dass es mit der Trennung von Religion und Staat in muslimischen Ländern nicht so weit her ist, zumal eben der Islam auch keinen Papst oder eine derartige Klerikerhierarchie kennt mit Ausnahme eben der Theokratie des Irans, der Taliban Afghanistans oder des Kalifen des Islamischen Staates, die der Papst wie auch sein islamischer Gastgeber aber eben bewusst nicht als Ausgangspunkt, sondern eher als gemeinsame Ausgrenzungspunkte für Christentum und Islam zugleich sehen wollte. Entscheidender war die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung gegen religiösen Extremismus und für die Toleranz zwischen den Religionen, die der Papst mit dem Rektor der Al Aznar-Universität unterschrieb. Die Al Aznar-Universität in Kairo gilt als wesentliche Autorität für sunnitische Muslime vom Greater Middle East bis hin nach Indonesien und wird auch von General Al Sissi genutzt, um den Islamismus zu bekämpfen.

Nun ist die Frage, wie bedeutend denn dieses Treffen einzuschätzen ist. Zum einen ist eben die alte Frage Stalins: Wieviel Truppen hat der Vatikan auch auf die Vereinigten Arabischen Emirate zu übertragen. Sie haben keine faktische Macht, dienen eher als symbolische Stellvertreter recht weltlicher und zumal aber eben auch damit zusammenhängend religiöser Konflikte, aber beanspruchen eben auch 1.4 Milliarden Christen und 1.6 Milliarden Muslime zu vertreten, also zwar keine hard power, sondern vor allem soft power, aber eben ganz beträchtlich.Ihre Stärke ergibt sich eher aus den Interessen und der Untertsützung der sie unterstützenden Gross- und Regionalmächte für diesen interreligiölsen Dialog, sind also nicht spontaner Gutmütigkeit, sondern klaren Kalkül entsprungen und sollen der Annäherung zwischen diesen Mächten und Kulturkreisen dienen, für die sie als Türöffner vorgesehen sind.

Daher muss man den Papstbesuch in die Gesamtkonstellation einordnen. Der Islamische Staat ist vorerst durch die Anti-IS-Kolaition von zweit Dutzend Staaten zurückgedrängt, Saudiarabiens Kronprinz Mohammed Bin Salmann, der in einer Anti-IS-Koalition mit den Vereinigten Arabischen Emiraten gegen die Türkei, Iran und Katar ist, setzt Reformen durch bei Frauenrechten, Wirtschaftsbeziehungen, religiöser Liberalisierung, hat auch angekündigt, dass er für das Existenzrecht Israels eintreten könne. Der Scheich von Oman hat letztens den israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu empfangen und nähert sich auch wie Ägypten, der Irak und Jordanien immer weiter an Israel an. Ägyptens Al Sissi hat jetzt auch demonstrativ die erste koptische Kirche eröffnet und bei der Al Aznar- Universität, die zentral für den sunnitschen Islam im Greater Middle East bis hin nach Indonesien ist und als Autorität aufgefasst wird,  eine Revolution des Islams gefordert, der solche islamofaschistischen Gruppen wie die Muslimbrüder und den Islamischen Staat verunmöglichen soll.

Es gibt also eine gewisse Polarisierung und Fragmentierung in der islamischen Welt, Fortschritte bei Reformen des Islams, wenngleich sie noch nicht soweit gediehen sind, dass es christliche Kirchen in Saudiarabien geben darf, ja es auch schwer vorstellbar wäre, wenn der Papst den interreligiösen Dialog mit Khassoggimördern und Christenverfolgern wie Saudiarabien beginnen würde.weswegen Saudiarabien dem Papstbesuch nicht ablehnend gegenübersteht, aber sich nicht an vorderste Front spielen will, sondern dies lieber seinem Verbündeten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten überlässt.  Wie aber auch in den Vereinigten Arabischen Staaten noch die Scharia für die Muslime herrscht und Blasphemiegsetze gegen Gotteslästerungen für Islam, Christentum und Buddhismus gilt,wobei eigentlich Buddha kein montehistischer Gott ist, aber scheinbar seine Schmähung oder Witze über ihn auch schon strafbar zu sein scheinen. In letzterem sehen die Emiratis eine Gleichstellung der Religionen, zeigen aber eben auch wie entfernt sie von jeglichem weslichen Säkularismus oder gar politischer Liberalität sind.  In dieser religiösen Einigkeit scheint man sich gegen Atheisten, Agnostiker oder kritische Muslime einig und gleichberechtigt.Dies ist auch unter Ägyptens vermeintklich säkularem General Al Sissi der Fall, der Atheismus als Straftat ins Strafgestezbuch aufnahm und aktiv bekämpft, aber weniger aus eigener Überzeugung, sondern ZUgeständnisse der Al Aznbar-Universität bei seinem Kampf gegen die Muslimnrüder und den IS abzutrotzen und ihnen nicht den Gefallen lassen will das Propagandaargument der Gottlosigkeit gegn ihn in Stellung zu bringen.

Der Papst selbst in seiner Person, wenngleich nicht seiner Restkirche steht für dmeonstrative Bescheidenheit und Askese, während die islamischen Vertreter eher für offen zu Tage getragenem Prunk und Protz stehen, die schon einen Luther bewogen von der katholischen Kirche abzufallen und die Reformation in Deutschland auslöste.Diese Prasserei und dieser Materailsimus samt korrupter Dekandenz in den ölreichen Scheichtümern, die aber keine muslimischen Flüchtlinge als ihre Brüder aufnehmen, sondern dies lieber Europa und Deutschland überlassen,  auch ein Punkt, der Islamisten ein Einfallstor lässt.

Zu den vielen christlichen Gastarbeitern und deren Rechte in den Vereinigten Arabischen Emiraten als rechtlose Gastarbeiter und Lohnsklaven äusserte sich der Papst nicht, da er seine Gastgeber nicht verärgern wollte. Islamisten werden den Papstbesuch und den interreligiösen Dialog als unislamisch verdammen, da nach den USA und Israelis da ein weiterer Kreuzritter im Nahen Osten seitens unislamischer  Marionettenregierungen und deren religiösen  Vertreter ins Heilige Land eingeladen wird, zumnal diesmal nicht ein Irgendwer oder säkularer Seppl, sndern der hochrangigste Vertreter des Christentus. .Kurz. Der Papstbesuch ist ein wichtiger Indikator dafür, dass es in Teilen der muslimischen Welt ein Bedürfnis gibt, Entspannung in politischen und religiösen Differenzen mit dem Westen, den USA, Europa und Israel als auch dem Christentum zu haben. Von daher ein wichtiger symbolischer Schritt, den man nicht über- aber auch nicht unterschätzen sollte.

Der interreligiöse Dialog setzt an einer ähnlichen Idee des von der katholischen Kirche geschassten Theologen Hans Küng an, der einen interreligiösen Dialog voranbringen wollte, um ein gemeinsames Wertegerüst, das allen Religionen gemeinsam sei herauszufiltern, einen „Weltethos“. In seiner Zeit hatte dies kaum Erfolg, zumal auch nicht von der katholischen Kirche unterstützt. De facto geht aber der Versuch von Papst Franziskus mittels seines Besuchs in der arabischen Welt einen ersten Schritt in diese Richtung.



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