Moscheenattentate in Neuseeland-cool bleiben!

Gerade kommt die Breaking News über die Moscheenattentate in Neuseeland.

In Neuseeland existiert keine rechtsradikale Szene bedeutenden Ausmasses. Es gab auch noch nie besondere Vorkommnisse rechtsradikaler Provinienz oder gar einen Anschlag.Es ist der erste in der Geschichte des Landes, weswegen die Sicherheitskräfte wohl auch nicht damit rechneten. Der Haupttäter ist ein 28-jähriger australischer Rechtsradikaler, der schon seit längerem in Neuseeland wohnt und dabei einige Leute um sich geschart hat, ein langes Manifest geschrieben hat, in dem er explizit erklärte, dass er islamophop, rechtradikal und ausländerfeindlich sei und die Tat arbeitsteilig lange vorher und gut plante, zumal mit einer Helmkamera das Massaker in den beiden Moscheen filmte und ins Internet stellte.

Warum Neusseland? Wohl weil es das friedlichste Land mit guter Integration und kaum einem Migrationsproblem ist.Eigentlich die Vorzeige-Multikultigesellschaft und die Insel der Glückseligen.

Warum jetzt? Wohl weil der IS geschlagen ist und es schon seit längerem keinen islamistischen Anschlag mehr im Westen gegeben hat. Dieser „Friede“ gefiel den Rechtsradikalen wohl nicht und so sind sie nun in die Offensive gegangen- in der Hoffnung zum einen, dass es muslimische Vergeltungs- und Racheanschläge geben wird und zum anderen, dass der Anschlag Signal und Weckruf für die rechtsradikale Szene weltweit werden könnte. Man befürchtet ja eine Gewaltspirale. Ob es dazu kommen wird, bleibt abzuwarten. Vielleicht geschieht auch nichts Nennenswertes.

Interessant ist, dass in Deutschland inzwischen auch Bomben- und Anschlagswarnungen seitens der Sicherheitsbehörden gegeben werden wegen e-maildrohungen des NSU 2.0 und einer Gruppierung, die sich „Wehrmacht“nennt an 100 Prominente und Politiker, ja selbst Helene Fischer, zumal ja schon einige hessische Polizeibeamte von der Staatsanwaltschaft verdächtigt werden, dahinter zu stecken. Dann noch die Focus- und taz-Berichte über rechtsradikale Netzwerke in der Bundeswehr. Inwieweit sich hier also ein NSU-Nachfolgenetzwerk versteckt und wie gross dies ist bleibt unklar. Bleibt abzuwarten, ob diese Kräfte nun nach Neuseeland aktiv werden.  Aber vielleicht geschieht auch gar nichts.

Ich glaube, dass wichtigste ist erst einmal „postheroische Gelassenheit“ zu bewahren, wie Henfried Münkler dies immer so treffend zu sagen pflegt. Vielleicht geschieht auch gar nichts oder nur ganz punktuell und bleibt die befürchtete Gewaltspirale aus. Jedenfalls freut es diese Leute, wenn Medien, Politiker und Gesellschaft wie die aufgescheuchten Hühner herumrennen und herumschnattern.Diese laben sich wie ein Vampir daran, wenn die Zivilgesellschaft und deren Regierende Zeichen von Angst, Panik und Alarmismus zeigen. Zum Glück behält die kurdische YPG auch vorerst die deutschen IS–Kämpfer. Nun sollte man einmal verstärkt die islamistischen Gefährder beobachten und diesem ominösen NSU 2.0 nachgehen. Also erst einmal cool bleiben und relaxen!

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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