Kurznotiz: Bolsonaro bei Trump–Brasilien NATO-Mitglied und Verbündeter bei einer US-Intervention gegen Maduro-Venezuela?

Bolsonaros Besuch vor Guadios Millionenmarsch nach Caracas in Venezuela  bei Trump zeigt, dass die USA hier Brasilien zu einem „major non-NATO-ally“machen wollen. Trump geht sogar soweit, dass die USA nun auch versuchen wollen, dass Brasilien NATO- und OECDmitglied wird. Soll die NATO dann auch noch Lateinamerika als Einsatzgebiet dazu bekommen und gegen Venezuela marschieren?  Kolumbien wurde ja  2018 in ein NATO-Partnerschaftsprogramm genommen. Global NATO ala Ivo Daalder während man diese dann aber insgesamt seitens Trumps immer wieder infrage stellt? Gleichzeitig hat Brasilien den USA US-Militärstützpunkte angeboten und werden nun Gespräche darüber geführt, ob Brasiliens Militär nicht bei einer Militärintervention gegen Maduro-Venezuela mitmachen könnte, zumal eben Trump betont, dass alle Optionen auf dem Tisch sind . Zumal locken für Petrobas und die US-Ölmultis die riesigen Ölvorkommen Venezuelas neben den neuentdeckten in Guyana. Bezüglich der Handelspolitik und autoritärer Weltsicht sind beide auch sehr konform, wenngleich Bolsanaro betonte, dass er weiter Handel mit China betreiben wollte und scheinbar nicht in den US-chinesischen Handelsstreit hineingezogen werden möchte. Gleichzeitig fällt aber Bolsonaro-Brasilien durch seine pronouncierte Pro-Taiwan- und Israelpolitik auf, was seitens Netanjahus auch schon mit einem Staatsbesuch im rechtsradikalen Bolsonarobrasilien honoriert wurde. Zudem eben auch die brasilianischen Evangelikalen, die Bolsanaros wichtige Wähler sind, sich auch vehement für eine Anerkennung Jerusalems als israelischer Hauptstadt sehen und den Kampf ums Heilige Land gegen den Islam anfachen wollen.Interessant hierbei ist auch, dass die USA nun gerade mit Russland über Venezuela und dessen weitere Entwicklung Gespräche führt. Brasiliens Außenminister hatte ja zudem eine antiglobalistische, christliche und wertekonservativ-autoritäre Achse zwischen Trump-USA- Bolsonaro-Brasilien und Putin-Russland sowie erchtsradikalen europäischen Ländern wie Salvini-Italien und Orban-Ungarn vorgeschlagen.

Der Politikwissenschaftler, Rußlandkenner und EU-Berater von Gazprom Alexander Rahr meinte dazu:

„Lieber Herr Ostner:

Hier mein Kommentar dazu:
Die westeuropäischen Eliten reiben sich die Augen – Unfassbares geschieht. Trump braucht offensichtlich die alte Nato nicht mehr. Warum auch? Aus seiner Sicht ist Russland ein Konkurrent, aber kein Feind, für dessen Eindämmung man einen solch riesigen Militäraufwand in Europa betreiben muss. Ausserdem sieht er, dass die Europäer untereinander zerstritten sind. Was will der US Präsident: ganz einfach – strategische Bündnisse mit willigen Staaten, nicht solchen die nur „parasitieren“. In Asien haben die USA fünf Verbündete: Südkorea, Saudi Arabien, Israel, Japan und mit Abstrichen Pakistan. Mit diesen Staaten besteht eine militärische Kooperation, bilaterale Militärbündnisse. Für ihren Einfluss in Asien reicht das den Amerikanern völlig aus. Gleiches schwebt Trump in Europa vor: er wird die Nato nicht mehr benötigen, stattdessen Militärbündnisse mit Schlüsselstaaten schliessen. Dies wären: Grossbritannien, Polen und Rumänien. Die anderen EU Staaten können ihm mit ihren Nörgeleien den Buckel runterrutschen. Über diese drei Schlüsselstaaten, die mit USs Militärtechnik aufgerüstet werden, behalten die USA ihre Kontrolle über Europa und werden durch diese Spaltung nicht zulassen, dass die Europäer eine von der NATO unabhängige Armee begründen. Nach gleichem Schema wird auch in Lateinamerika hantiert. Dort könnte Brasilien zum wichtigsten Militärverbündeten der USA werden.
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Rahr
Senior Research Fellow
WeltTrends Institut für Internationale Politik,Potsdam“
Ich kommentierte das derfolgt:

„Lieber Herr Rahr,

ich teile Ihre Einschätzung von Trumps sicherheitspolitischen Absichten ( bilaterale Bündnisse mit strategischen und kampfwilligen Schlüsselstaatem Israel, Saudiarabien, Polen, Rumänien, Südkorea, japanstatt multilaterale Verteidigungsbündnisse mit freerider-Mentalität ala NATO),  wobei ich nicht glaube, dass er Pakistan da einbezieht, da dies zu unverlässlich ist–Indien ist da der bevorzugte Partner in Asien–sowohl gegen China wie auch gegen Pakistan. Interessant finde ich , dass Polen hier die alte Intermariumstrategie Pilsudskis wiederbelebt, unter anderem auch mit der Drei-Meeresinitiative und George Friedmanns STRATFOR-Prognose eines US-unterstützten Sperriegels gegen Deutschland und Russland gewisse Konturen annimmt. Umgekehrt finde ich bezeichnend,dass in unseren Medien gar nicht so herausgestellt wurde, dass der neue deutsch-franzöische Verteidigungsvertrag auch bedeutet, dass Frankreich faktisch seine Force de Frappe als Atomschutz für Deutschland und als Alternative zu dem US-Atomschirm in die Pflicht nimmt.Die damalige französische Verteidigungsministerin Michèle Jeanne Honorine Alliot-Marie stellte ja damals der Merkelregierung diesen französischen Atomschutz in Aussicht, als es zwischen den USA und Deutschland/Frankreich infolge des Irakkriegs sowie Differenzen über das Verhältnis zu Russland und China zu Spannungen kam, dass Rumsfeld vom Alten und Neuen Europa sprach, wie dies Trump und Pompeo heute tun. Damals lehnte die deutsche Seite aber noch ab, da man die USA für einen verlässlichen Bündnispartner hielt und auf deren militärischen und Atomschutz vertraute. Von daher erklärt sich auch mit welcher Pampigkeit die deutsche Seite nun auf die Vorhaltungen des US-Botschafters Grennels reagiert, ja Kubicki ihn sogar zur persona non grata erklären lassen will. Das kann man nur, wenn man sich sehr sicher fühlt und aus einer Position der Stärke. Ich glaube der Elyssevertrag und der deutsch-franzöische Verteidigungspakt geben den deutschen Politikern da scheinbar das Selbstvertrauen in Sachen Meinungsverschiedneheiten mit den USA wegen der NATO-Verteidigungsausgaben (nebst Irandeal, Northstream und Huawei). Jedenfalls scheinen sich die transatlantischen Friktionen immer weiter zu verbreitern, wenngleich Demokraten und Republikaner doch versuchen Trump da noch entgegenzuwirken und abzuwarten bleibt, ob Trump sich halten wird und sein neuer sicherheitspolitscher Bilateralismus als Common Sense der US-Sicjherheitseliten etablieren wird und es wirklich zur Aufkündigung der NATO oder einem offiziellen Rückzug der USA aus der NATO kommt. Vielleicht will Trump diese auch nicht offiziell aufkündigen, sondern diese formal beibehalten, aber eben als leere Hülle existieren lassen.“

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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