Atom-Greta und die Energiewende

von Ralf Ostner

Groß ist das Entsetzen der bisherigen Gretafans, da die „Prophetin“(Katrin Göring-Eckhardt) sich nun für Atomkraft ausgesprochen hat. So war dies nicht gedacht und Grüne und andere Atomkraftgegner versuchen sich nun um Schadensbegrenzung, während Atomkraftbefürworter und Klimaskeptiker, die zuvor die Schüler als unreife, unwissende Pennäler und Schulschwänzer kritisierten, diese nun für ihre Altersweisheit  loben und adeln und nun ihrerseits Atom-Greta als neue Ikone für eine Renaissance der Atomkraft instrumentalisieren wollen. Times are changing! Greta Thunberg hat den Bericht des Klimarats zitiert, in dem dieser Atomkraft als CO2-freie Energieform diskutierte, wobei Greta nun nach einigen Shitstorms ihre Aussage dahingehend relativiert hat, dass sie sich Atomkraft nur für Länder vorstellen könne, bei denen es schwer sei erneuerbare Energien auszubauen und sie ansonsten ablehne.

Doch das Problemgeht tiefer: Die deutsche Energiewende fährt scheinbar voll gegen die Wand. Zum einen werden die Subventionen für erneuerbare Energie gekürzt, zum anderen die nötigen Stromtrassen nicht rechtzeitig gebaut ( bisher 800km von 6500 km), nicht zuletzt wegen Umweltgruppen, zudem verfügt man nicht über die notwendigen Speichertechnologien, zum vierten müssen Gaskraftwerke als teure Alternativen nach dem anvisierten Atom- und Kohleausstieg dienen. Sechstens klagt die deutsche Wirtschaft, vor allem die energieinteniven Betriebe von Aluminium bis chemischer Industrie über zu hohe Energiekosten. Wacker und andere überlegen nun in die USA oder ins europäische Ausland abzuwandern, da die dort wesentlich niedriger sind.Der Verband der bayerischen Wirtschaft bemängelt zudem, dass es seitens der GroKo überhaupt kein Konzept oder eine Strategie für die Energiewende gebe. Noch ist Deutschland Stromexporteur, doch nach Abschalten der Kohle- und Atomkraft könnte es zum Stromimporteur werden, das dann Kohle- und Atromstrom aus dem umliegenden europäischen Ausland bezieht. Teile der Witrschaft malen da Horrorszenarien von Blackouts, während die Energieexpertin Kempfert dies wiederum für Panikmache hält. Zudem ist auch ungeklärt, woher all der Strom für Elektroautos kommen soll, der dann im Falle einer weitgehnden Umstellung auf E-Autos im Falle der Energiewende trotz sparenden Mobilitätskonzepten und Radwegen kommen soll.

„Zehn Millionen Elektro-Pkw bis 2030 – diese Anzahl ist aus Sicht von Bundesverkehrsminister Scheuer nötig, um Klimaschutzziele zu erreichen. Während Länder wie China bis 2030 ihre Emissionen noch erhöhen dürfen, verlangt die EU eine Radikal-Reduzierung.

Daneben brauche es 500.000 Elektro-Nutzfahrzeuge und 300.000 Ladepunkte, sagte Scheuer am Dienstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist eine gewaltige Herausforderung für Politik und Industrie – aber machbar. Deutschland kann saubere Autos und saubere Luft.“

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E-Fahrzeuge haben bisher trotz deutlicher Steigerungen immer noch einen sehr geringen Marktanteil in Deutschland. Die Bundesregierung hat sich bereits von ihrem ursprünglichen Ziel verabschiedet, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren.

Im Verkehrsbereich ist der Ausstoß von CO2 seit 1990 absolut gesehen nicht zurückgegangen; allerdings stieg seitdem die Zahl der Fahrzeuge und der gefahrenen Kilometer durchaus an. Nach dem 2016 von der damaligen schwarz-roten Regierung verabschiedeten sogenannten Klimaschutzplan soll der CO2-Ausstoß aber bis 2030 um 40 bis 42 Prozent sinken. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) will dieses Ziel gesetzlich verankern, dagegen gibt es heftigen Widerstand in der Union.

Größter CO2-Produzent China genießt Sonderrechte

Grund für die Maßnahmen sind die weltweit schärfsten CO2-Reduzierungsziele, die die EU zentral für alle Mitgliedstaaten beschlossen hat. China dagegen, der weltweit mit Abstand größte Verursacher des von vielen Wissenschaftlern als Klima-wirksames Gas eingestuften CO2, das man deshalb weltweit reduzieren möchte, darf seine Emissionen bis 2030 sogar erhöhen. “

https://www.focus.de/auto/elektroauto/klimaschutz-im-verkehr-scheuer-sieht-gewaltige-herausforderung_id_10442221.html

Autoproduktion und Ladestellen sind eine Seite der Medaille, aber über die Stromkraftwerke sagt dies noch nichts aus. „Machbar“ hört sich ein wenig an wie „Wir schaffen das!“bei der Flüchtlingsfrage, wobei der Bund nun bei der Integration spart und die Kommunen und Länder im Regen stehen lässt.

Wem soll man glauben? Wie dem auch sei: Scheitert die Energiewende in Deutschland als Vorreiterland, wird kein Staat der Welt diesem Beispiel mehr folgen. Zudem soll ja neben Energiewende auch eine Verkehrswende und eine Agrarwende erfolgen. Viel ist im Umbruch. Es wird interessant, ob diese neuen Schülerdemos ihrem Vorbild Atom-Greta folgen und vielleicht sogar eine Renaissance der Atomkraft einläuten. Zudem spricht die IATA in ihrer Prognose davon, dass sich die Zahl der Linienflüge weltweit in den nächsten 20 Jahren verdoppeln wird. Was man an CO2 durch Kohleausstieg einspart, wird dann durch Kerosin mehrfach wieder rausgestossen. Kurz: Mit den Klimazielen wird es nichts und nicht einmal Musterknabe Deutschland hält sie ein anders als das Atomland Schweden, aus dem Greta Thunberg kommt, was wieder Atomkraftbefürworter als Totschlagargument für den „billigen und sauberen Atomstrom“auch angesichts „sicherer Reaktorentypen“ trotz ungeklärter Entsorgungsfrage , GAU-Risiken und staatlichen Subventionen nutzen werden. Die Debatte scheint einen Reset zu erfahren.

Eine sehr interessante Studie, die untersucht, wie rechtspopulistische Parteien in Europa zum Klimaschutz stehen. Ergebnis: Die meisten leugnen den Klimawandel durch den Menschen, aber nicht alle und einige fordern den Ausbau erneuerbarer Energien für die heimische Umwelt. Nur die deutsche AfD ist der Klimawandelleugner durch Menschenhand per excellence und vertritt innerhalb des rechten Spektrums da eine extreme Außenseiterposition:

https://www.klimafakten.de/meldung/rechtspopulistische-parteien-europa-leugnen-den-klimawandel-aber-beileibe-nicht-alle

Was aber nicht ausschliesst, dass sich nicht viele Atomkraftbefürworter wie die AfD unter den Rechtspopulisten befinden, was leider nicht untersucht wurde.

 

 



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