Wie geht es weiter mit dem Islamischen Staat? Was würde ein internationales IS-Tribunal bringen?

Wie geht es weiter mit dem Islamischen Staat? Die meisten Experten gehen davon aus, dass er nun in Syrien und im Irak einen Guerillakrieg aus dem Untergrund heraus führen wird und desweiteren versuchen wird in anderen Ländern wieder zu erstarken. Die US-amerikanische Jamestown Foundation weist aber in ihrem Terrorism Monitor Volume: 17 Issue: 5 auf eine kommende Zersplitterung innerhalb des IS und mögliche kommende Fraktionskämpfe, vor allem durch die Abspaltung der Hazimiten hin, die noch radikaler in ihrem salafistischen Glauben sind als der schon bekannte IS, was man ja eigentlich nicht für möglich hält Zudem werde es neben Glaubensfragen auch um die Frage gehen, ob nun ein territoriales Kalifat noch anstrebenswert sei oder man sich nur dem destruktiven Terror hingeben wolle.  Das Scheitern des IS wirft bei seinen Mitgliedern nun die Frage auf: Woran lag es? Staat oder Anarchie? Diese Diskussion kennt man ja auch in der säkularen Linken und Rechten. Woran lag es? An der Etablierung eines territorialen und letztendlich angreifbaren Kalifats und/oder dass man zu lasch war, nicht gläubig genug, nicht noch härter war und zu wenig Terror ausgeübt und Massaker begangen habe oder sich nicht in weniger konventionell angreifbaren nichtstaatlichen terroristischen internationalen Netzwerken und Untergrundarmeen samt Schläferzellen organisert habe? Zentraler, territorialer Islamistischer Islamischer Staat oder grenzenloser, staatenloser Anarchismus? Will man ein eigenes Herrschaftsgebiet oder nur als terroritischer Dauerquerulant ala Al Kaida weiterexistieren und ewig ein nicht fassbares und vermeintlich nicht angreifbares Phantom sein oder einen Islamischen Staat unter noch puritanisch-wahhabistischerer Reinheit?  Oder lag es nur an dem falschen Führungspersonal oder an falschen Rekrutierungskriterien für die Basis? Waren es taktische oder strategische Fehler?

Erwartet wird ein heftiger Kampf um die Nachfolgeführung und gegenseitige Denuzationen der anderen Seite als Ungläubige und Apostaten zwischen den IS-Kämpfern.Zudem sollte man sehen, dass der IS zwar Terror in Europa und Terror im Greater Middle East säte, aber eben auch die Weltgemeinschaft für eine Zeit in Form der internationalen Anti-IS-Koalition zusammenrücken liess gegen den gemeinsamen Feind. Seine Wirkung ist also ambivalent. Zu überlegen ist ein internationales Tribunal gegen den IS, wie dies jetzt von den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) vorgeschlagen wird. Solch ein Tribunal würde aller Welt die Verbrechen, die Ideologie und die Barbarei des bisher extremsten Islamismus vor Augen führen und auch innerhalb der muslimischen Welt für überfällige Diskussionen sorgen, welchen Islam man denn nun will.

Aber vielleicht will dies weder die muslimische Welt, die ja auch zerstritten ist, noch die mit den jeweilig mit den zerstrittenen Teilen der muslimischen Welt verbündeten Teile des Westens, den es seit Trumps Kündigung des Irandeals auch nicht mehr gibt, wie auch Russland, China und Indien da auch nochmals unterschiedliche Interessen haben. Gegen den IS dürften wohl alle sein, aber was dies dann für den Islam und die jeweils muslimischen Staaten und ihre Unterstützer bedeuten würde, ist eben auch klar.Alle meiden zusammen die Diskussion, was der Islam oder Saudiarabien oder andere ideologische Strömungen mit dem Aufkommen des Islamischen Staates zu tun haben, der immer bezeichnenderweise als „der sogenannte Islamische Staat“genannt wird.

Wahrscheinlich befürchtet man, insofern das Tribunal nicht nur auf kriegsverbrecherische Straftaten und die Führungsclique ala Den Haag und Milosevic, Mladic, etc. begrenzt sein sollte, eine ideologische Auseinandersetzung mit dem Islam. Dass IS-Führer eben auch die gewaltstrotzenden Suren des Korans zitieren und als ihre Legitimation sehen, die westliche Rechtsradikale so treffend immer zusammentragen. Dass die IS-Führer aus solch einem Tribunal auch eine Propagandatribüne machen können wie dies Adolf Hitler nach seinem gescheiterten Feldherrenhallenmputsch tat. Dass die IS-Führer sich für die Unterstützung ideologisch und finanziell aus Saudiarabien und der Erdogantürkei öffentlich bedanken, Erdogans Sohn für die Öleinnahmen des IS-Staates danken oder Erdogans Frau, die IS-Kämpfer im Krankenhaus besuchte, wie auch der Türkei für ihre Durchlässigkeit in Sachen Jihadtourismus. Dass die IS-Führer auch noch befeindete Islamistengruppen und islamistische Mordbrennermilizen benennen, die zusätzlich noch seitens der Türkei, Saudiarabiens, der Golfstaaten inklusive Katar von Muslimbrüdern bis sonstigen isamistischen Milizen wie Ahrar al Sham, Jayesh el- Islam, Jayesh el Fatah, etc, unterstützt wurden. Und dann auch noch die iranischen Revolutionsgarden, die für Assad und Putinnebst der Hisbollah mitkämpfen. Nein, so genau will das keiner in die Welt massenmedial rauslassen und dargestellt wissen.Von daher wird es niemals zu solch einem Tribunal gegen den IS kommen. Und falls theoretisch doch:  Bei Zustandekommen würde dies eher eine Reinwaschungsfunktion für andere Islamisten und autoritäre muslimsiche Regierungen haben, die nicht ganz so extrem wie der IS unterwegs sind, da dieser scheibar nicht mehr zu toppen ist, es sei denn durch die Hamaziten. Inzwischen wird ja auch überlegt, die Taliban gegen den IS zu nutzen, da diese weniger extrem sein sollen. Kurz: Solch ein Tribunal würde vielleicht erst recht die Legitimation für so alle anderen kruden, aber nicht so extremen Islamisten wie der IS oder alle anderen Regierungsformen von liberal-demokrtaisch bis autoritär.Und wie schnell die Anti-IS-Koalition wieder aufgelöst wurde, zeigt eben die Fragilität und Zerbrüchlichkeit dieses Bündnisses.

Die Frage ist, ob ein IS-Tribunal denn sinnvoll wäre und ob da überhaupt Interesse daran besteht, ob also solch ein IS-Tribunal mehr zu einer Formierung einer internationalen Weltgemeinschaft mit einem gemeinsamen Feind als kleinsten vereinigenden Nenner trotz sonstiger nun akut werdender Gegensätze und dem absoluten Übel dienen könnte oder aber da nicht mehr Streitgkeiten international hervorrufen würde, wenn man außer personellen Aburteilungen auch Ursachenforschung zum Aufstieg des IS betreiben würde.  Wie man von den Reaktionen des SDF-Vorschlags eines IS-Tribunals sehen kann herrscht da bezeichndenderweise allerortens Zurückhaltung weltweit.

 

Alleged Coup Attempt Exposes Hazimite Faction Within Islamic State

Publication: Terrorism Monitor Volume: 17 Issue: 5

By: Rafid Jaboori

March 12, 2019 09:24 AM

As Islamic State (IS) was losing its last strongholds in Syria to the advancing, U.S.-backed, Syrian Democratic Forces (SDF), there were reports of a coup attempt against its leader Abu Baker al-Baghdadi. The attempted ouster of the IS leader started with reports about fighting near the town of Hajin in Eastern Syria near the border with Iraq, which is one of the last IS-controlled areas to fall to the hands of the U.S.-backed forces. The plan included an attack on his convoy with an improvised explosive device (IED)—a direct attempt on the life of al-Baghdadi (Asharq al-Awsat, February 8).

The attempt had apparently failed, but it revealed the scale of the internal division between IS and a more radical group within it known as the Hazimite, named after the radical Saudi jihadist cleric Sheikh Ahmed Bin Omar al-Hazimi. Al-Hazimi was arrested in his home country and has been in prison since 2015. Media reports indicated that IS issued a warrant and put a bounty on an individual named Abu Muath al-Jazairi, who was accused of leading the ultra-radical Hazimite faction (Alsumaria, October 7, 2016). [1]

The recent events also indicate a possible new path for the group after losing all the territory it controlled in Iraq and Syria. One of the features of this next period could be shaped by the rivalry between two or more IS factions over who is more genuine in its extremist ideology and practices.

Roots of Division

Abu Muath al-Jazairi is believed to be a prominent leader of the Hazimite faction. He is from Algeria and is better known as Abu Muath al-Asimi. [2] Hazimites and their supporters appear to hold high respect of al-Asimi and his writings. Since the arrest of al-Hazimi and the killing of other Hazimites, al-Asimi emerged as a Hazimite ideologue. [3] A considerable number of IS members from North African countries are believed to have become Hazimites. That could be tracked to the years al-Hazimi himself had spent in Tunisia after the Arab Spring upheaval that struck the region in 2011 and after (Noon Post, July 31, 2017).

The central point of the disagreement between Hazimites and the rest of IS concerns the notion of takfeer (excommunication). IS is well-known for its broad, extremist definition of who should be declared apostate or non-Muslim and consequently excommunicated, but Hazimites believe IS has not gone far enough. According to the doctrine introduced by al-Hazimi and promoted by those influenced by him, anyone who does not embrace a radical Salafist interpretation of Islam is not a Muslim. In their world, ignorance of their ideology or having no access to it is not an excuse for an individual or a group not to embrace al-Tawheed (literal meaning is monotheism, but for them, it is specifically Salafism and more specifically their interpretation of it). Accordingly, those who do not believe in al-Tawheed should be considered kafir (non-believers) and anyone who does not consider them kafir should be excommunicated as he is equally a nonbeliever (Almarjie-Paris, May 9, 2018).

This last notion has been alarming for many IS members and its leadership because it could lead to what is called “chain takfeer,” an endless chain of denunciation for the group’s members and even leaders who showed the slightest degree of tolerance. Before his killing in a coalition airstrike in 2015, Bahraini IS ideologue Turki al-Bin Ali wrote arguments against the Hazimites condemning their hard lines (Al-Quds, July 26, 2017).

In 2016, IS launched a purge against the Hazimites. Prominent Hazimite figures were executed but al-Asimi survived and is believed to be living in Turkey now. He has written a number of essays against IS leadership. As the military campaigns against IS intensified and reached the largest two cities it controlled—Mosul in Iraq and its self-declared capital Raqqa in Syria—IS communication lines became difficult to maintain. In an attempt to tackle that challenge, al-Baghdadi delegated some of his power to a body called the Delegated Committee and decreased his visibility significantly in order to avoid being detected. The Delegated Committee, which was created to go around logistical and field challenges, found itself in the middle of the theological debate of who should be kafir and what were the limits, if any. In May 2017, the Delegated Committee issued a statement that was perceived to be an acknowledgment of the Hazimi doctrine. At one point, even an article in the IS weekly publication al-Naba attacked and condemned prominent jihadists like al-Qaeda’s Attiyah al-Libi as kafir (Jihadology, June 15, 2017). That implied that al-Baghdadi himself might be considered kafir as he previously praised al-Libi. That led al-Baghdadi to appear again to take back control of his group which was seemingly about to disintegrate. He reshuffled the Delegated Committee, removing members and putting more trusted men in charge (Al-Quds, October 21, 2017). However, by the time al-Baghdadi introduced his new measures the Hazimites seemed to have morphed into a distinct, new entity that is not part of IS. That led to a significant question—will the Hazimites split completely from IS or try to take it over?

Conclusion

Since the inception of the Hazimite group, the question was if it was part of IS or a new group. The writings of al-Asimi indicate the latter, but the recent attempt on al-Baghdadi’s life suggest otherwise. The appeal of the Caliphate figure has been quite attractive to jihadists around the world, and convinced many to declare allegiance to IS and consider themselves parts of the movement. IS might be very weak and lost in Iraq and Syria, but there are other regions that could be well suited to become its new headquarters, helping maintain the claim it persists and holds territory, or according to its infamous slogan, is “remaining and expanding.”

The Hazimites have already gained a base of support in West Africa. The leader of the Nigerian radical group Boko Haram Abubakar Shekau is already leading a faction that was condemned by IS as too extremist (Mauri News, November 21, 2017; See Militant Leadership Monitor, January 4).

The Hazimite ideology is more suitable for an age of total violence without any consideration of governing a territory. Yet the symbolism of the Caliphate has been central in the IS’ appeal to jihadists. By eliminating al-Baghdadi, Hazimites could well be poised to take over leadership of the IS heartland in Iraq and Syria in order to subsequently inherent influence over its franchises in North and West Africa.

Unlike in 2016-2017, IS and its leadership obviously do not have the capacity to quell a better-prepared coup attempt. One of the main reasons behind IS’ domination in Syria was that it was less prone to splits compared to other militant groups. By moving to areas controlled by the Syrian government, IS will need to face new challenges that are not similar to the environment of 2011-2014. Groups of IS fighters have reportedly already moved to the areas controlled by the Syrian regime, fleeing the SDF’s final campaigns against their last remaining pockets. The IS element in the Syrian civil war was vital to the survival of the Syrian regime which always wanted the war to be portrayed as a confrontation between a secular government and savage jihadists who threaten not only the regime, but the world. Therefore, the regime would not accept being excluded from the U.S. and SDF endgame. Both IS and the Hazimites will likely try to initiate new bases or revive old ones in Syria.

Iraq, however, remains IS and its leaders’ favorite retreat. More than a year and a half since the Iraqi government declared victory against IS, the group is not completely defeated. It lost all the territory it held in Iraq, but a new phase of IS insurgency has emerged. Despite deployments of thousands of Iraqi armed forces and Shia militias in the areas IS controlled, the group is still able to launch attacks and destabilize the area. The Iraqization of the IS leadership, which was introduced by al-Baghdadi, was vital to the group’s ascendancy. It will likely be key to any strategy of survival and revival. But that will always require keeping the position of the Caliphate intact and occupied by al-Baghdadi or one of his inner circle when he dies. The Hazimites have proven to represent an imminent threat to that.

Notes

[1] The bounty is new but the warrant was issued in 2016. See November 7, 2016 https://www.alsumaria.tv/news/181897/بالوثيقة-داعش-يصدر-مذكرات-قبض-واعدام-بال/ar

[2] Al-Jazairi means the Algerian in Arabic. Al-Asimi means the one who comes from al-Asima which means the capital in Arabic and that is a common word Algerians use to refer to their capital.

[3] See writings about al-Asimi July 7, 2016 https://justpaste.it/vy9e

https://jamestown.org/program/alleged-coup-attempt-exposes-hazimite-faction-within-islamic-state/

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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