Indien-China-Pakistan-Krieg eher unwahrscheinlich

Interesante Einschätzung eines bekannten indischen Sinologen: Zwar stimmen die Vorwürfe Indiens bezüglich der Unterstützung Pakistans und Chinas bezüglich Islamisten in Kaschmir und Afghanistan, u.a. der Taliban sowie einigen jihaddistischen Gruppen, wollen beide und vor allem China einen jihadistischen  Islamistenführer in der UNO nicht als „globalen Terroristen“ betiteln lassen, aber ein Krieg zwischen Indien und China sei unwahrscheinlich, wahrscheinlich damit auch gegen Pakistan, wofür die Deeskalation der letzten Tage spricht.Näheres in dem Artikel:

India-China war unlikely, says nation’s best known Sinologist Kondapalli

Kondapalli, who heads the Chinese Studies at Jawaharlal Nehru University, said Chinese military intelligence teamed up with Pakistan’s ISI to train the jihadis in the Afghan War against Soviet Union.

“They continue to retain close ties with the Taliban and other jihadi groups in the AF-Pak region. By that the Chinese ensure that these jihadis dont back the Uighur rebel groups in its Sinkiang province, so this is some kind of an insurance against trouble in its own territory,” said Kondapalli.

He said it was highly unlikely that, despite much global pressure, the Chinese would back off and agree to brand Masood Azhar as a ‘global terrorist’.

Kondapalli, however, feels that any conventional or nuclear war between India and China is unlikely , though China sees India’s military ties with US and Japan with much suspicion as an effort to contain its rise and India’s sees China port building in her neighborhood as a ‘string of pearls’ strategy to contain her influence.

Die Frage ist, wie die Einschätzung Indiens führenden Sinologen Kondapalli, wonach ein konventioneller oder gar nuklearer Krieg zwischen China und Indien, auch um Pakistan oder Kaschmir unwahrscheinlich sei, zu bewerten ist. Wird dies als Freibrief für einen indischen Krieg gegen Pakistan, bei dem China nicht eingreifen wird, aufgefasst oder ist dies nur eine allgemeine Prognose?

Zu diesem Thema hat der indische General a.D Asthana Global Review einen Artikel geschickt, der „out of the box“-Lösungen gegenüber Pakistan vorschlägt , China da gar nicht in einem Konflikt zwischen den beiden Nuklearmächten da einbezieht, da es dieses in einem Konflikt auch nicht so ivolviert sieht:

https://www.global-review.info/2019/03/09/out-of-box-options-needed-to-deal-with-pakistans-proxy-war-post-indian-air-strikes/

Ein breites Spektrum an Optionen, aber eben auch die Aussage, dass Pakistans Nuklearwaffen ein Bluff seien und man sich auch einen indischen konventionellen Krieg um Kaschmir vorstellen könne- freilich als last resort. Zumal er auch die Anerkennung einer Exilregierung der Balutschen in Pakistan in und durch Indien befürwortet. Viel Säbelgerassel. Ich glaube auch nicht an einen Krieg, halte es aber für möglich, dass Indien die Balutschen unterstützt als Gegenzug gegen die pakistanische Unterstützung der Islamisten in Kaschmir. Wie mir General Asthana in fürheren Interviews darlegte, geht es nicht darum, die pakistanische Regierung so zu destabiliseren, dass pakistanische Islamisten die Macht in Pakistan und dann auch über die Atomwaffen ergreifen können, aber doch insofern so zu schwächen, dass Pakistan seine UNterstützung für die Islamisten in Kaschmir einstellt und Indien den  China-Pakistan-Economic -Corridor und den Hafen von Gwadar sabotiert. Zudem es drei balutschische Bewegungen gibt. Eine, die mehr Autonomie innerhalb Pakistans fordert, eine, die einen eigeenen balutischen Staat fordert, also Seperatisten, die dritte, die ein Großbalutschistan fordert, das auch Gebiet des Irans umfasst. Die letzte Option dürfte wohl nicht die indische Wahl sein, zumal es gute Beziehungen zum Iran unterhält–welche der beiden vorhergehenden es sein könnten, darüber hält sich die indische Seite bedeckt und ist da vielleicht auch noch nicht so entschieden.

Interessant aber, dass der Fall eines indisch-pakistanischen Krieges schon bei der Studie

„Zu einer Gesamtstrategie in einer ungewissen Welt–Die transatlantische Partnerschaft erneuern“ der 5 Ex-NATO-Generale

General Dr. Klaus Naumann

General John Shalikashvili(USA)

Feldmarschall The Lord Inge(GB)

Admiral Jacques Lanxade(F)General Henk van den Breemen(NL) aus dem Jahre 2008

schon in ihrem Entwurf für eine neue NATO-Strategie thematisiert wurde–O-Ton:

 

„Gleichzeitig hat die globalisierte Welt eine strategische Umgebung geschaffen, diean Komplexität ohnegleichen ist. Die Bedrohung durch den kalten Krieg, mit einem rationalen Gegner war eindimensional und dominiert durch militärische Angelegenheiten.(…)Das Neue an der heutigen Globalisierung ist aber, dass sie es ermöglicht, dass lokale Risiken und Bedrohungen globale Gefahren werden können.

(…)Diese Verletzlichkeit des Westens durch die neue Abhängigkeit von den Dienstleistungen und der Produktion Asiens ist heute so stark, wie die europäischeAbhängigkeit vom ¨Öl des Mittleren Osten. F¨ur die Menschen im Westen ist es nicht ungewohnt während Krisen oder Kriegen im Mittleren Osten eine gewisse Erhöhung der Benzinpreise zu erdulden, aber sie sind nicht vorbereitet auf den vielplötzlicheren und einschneidenderen Kollaps, der durch eine Krise, welcher die indische High-tech Industrie beeinträchtigen würde, hervorgerufen könnte, ausgelöst durch einen Krieg mit Pakistan oder größere Unruhen. Die positivsten Nutzungender globalen Wirtschaft machen mit anderen Worten die Welt als Ganzes durchlokale Krisen verwundbar.“(S.12)

 

https://www.global-review.info/2018/07/08/die-nato-nach-ende-des-kalten-kriegs-und-in-der-trumpatlantischen-aera/

 

 

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.