„Wir sind Papst“-Ratzinger: 68er für Kindermißbrauch in der katholischen Kirche verantwortlich-Machtkampf im Vatikan

von Ralf Ostner

Der sexuelle Mißbrauchsskandal der katholischen Kirche nimmt immer witzigere Formen an. Nachdem Papst Franziskus die Opfer nicht empfing, erklärte, dass es sexuellen Mißbrauch in allen Formen und zu allen Zeiten und zumal in auch anderen Institutionen und Gesellschaftsschichten gebe und er daher einen Kreuzzug gegen sexuellen Mißbrauch propagierte, kamen erst mal keine weiteren Konsequenzen und Meldungen aus dem Vatikan. Man fragte sich gar, ob der Vatikan sich noch als Avandgardist in Sachen MeToo-Bewegung gebärden wolle. Nachdem das Treffen des Vatikans in Sachen Aufarbeitung sexuellen Mißbrauchs nun selbst von den eigenen Mitgliedern als „vertanene Chance“begriffen wurde, seitens der Opferverbände als „Katastrophe“, vermehrt gefordert wird, die Religionsfreiheit einzuschränken und Kinderficker nicht mehr der christlichen Eigengerichtsbarkeit, sondern der weltlichen Gerichtsbarkeit zu übertragen, ja auch die Nr. 3 des Vatikans seitens eines weltlichen Gerichts angeklagt wird, versuchen nun reaktionäre Kräfte innerhalb des Vatikans eine Gegenoffensive zu starten.Papst Franziskus hat zwischenzeitlich versucht, die Sache einschlafen zu lassen, da prescht der deutsche Ex-Papst Ratinger/Benedikt nun vor und erklärt, dass die 68er Bewegung und deren Propagierung des Sitten- und Wertezerfalls schuld sei, an den sexuellen Mißbrauchsfällen in der katholischen Kirche.

Bevor man sich über den Ratzinger empört, sollte man festhalten, dass ja jede Propagandalüge auch ein Korn Wahrheit enthält. Die 68er Bewegung war zum Teil von der Frabkfurter Schule inspiriert, von Horkheimer, Adorno, aber eben auch ein Teil von Wilhelm Reich. Die Reichisten sahen den Grund von Faschismus und Stalinismus in der kleinbürgerlichen Familie, ihrer sexuellen Repression und der dadurch Herausbildung eines autoritären Charakters. Daraus zogen Teile der 68er Bewegung die Schlussfolgerung, dass es eine „sexuelle Revolution“bräuchte um die harten Emotionspanzer der Nazigeneration aufzuknacken. Teile der Bewegung sahen auch die Notwendigkeit einer Frühsexualisierung von Kindern. Idee: Je früher sexuell wahrgenommen und befreit, desto antifaschistischer. Dies wurde auch in einigen Kinderläden versucht umzusetzen und von Cohn-Behndit kursiert immer noch das von rechter Seite inflationär gezeigte Video einer Talkshow, in der er offen bekannte, dass er sich an dem eregierten Glied eines Jungen ergötzt hätte und der Pädophilie so offen das Wort redete.

Insofern ist die Kritik Ratzingers berechtigt und die Grünen haben ja selbst eine Untersuchungskommission gegründet, die eben bestätigte, dass es Tendezen innerhalb der 68er Bewegung gegeben hatte, die die Pädophile förderten.Dennoch wurde dies in den meisten Kinderläden nicht gemacht, bestand die 68erBewegung keineswegs aus antiautoritären Gruppen, sondern auch vielen autoritären, zumal totalitären K-Gruppen, die eher der sexuellen Repression und der Negierung der Sexualität infolge ökonomistischen Klassenkampfdenkens ignorierten.Bestenfalls waren diese K-Gruppen indifferent bezüglich Fragen der sexuellen Orientierung, aberzumeist wünschten sie sich anstatt der kleinürgerlichen Familie eine proletarische Kleinfamilie, wie dies auch in den Ostblockstaaten , China oder Nordkorea vorgemcht wurde-Kita hin oder her. Man brauchte halt die Frauen in der Produjtion,aber mit sexueller Berfreinung oder Gleichberechtigung hatte dies nichts oder nur ganz tertiär zu tun.

Dass Ratzinger nun die 68er und deren sexuelle Revolution verantwortlich macht für die katholischen Mißbrauchsfälle, ist aberwitzig und nur noch reaktionär und eine zumal schlechte Gegenoffensive, denn jeder weiß, dass es diese Fälle auch schon vor 68 und zumal noch mehr gab. Zudem auch die Frage ist, wuie denn die 68er Bewegung in die katholische Kirche reingewirkt haben soll. Haben haschrauchende, pädophile Hippies die katholische Kirche infiltriert , eine Art Marsch durch die Instutionen gemacht oder wurden katholische Priester so sexuell libertär, dass sie die Kinder mißbrauchten, was es ja demach vor 68 nie gegeben hätte.

Es gibt sexuelle Mißbrauchsfälle überall, nicht nur in der katholischen Kirche, zumeist geschehen sie in der Familie, aber eben auch auf Campingplätzen, Patchworkfamilien , Vereinen und zumal in allen gesellschaftlichen Schichten. Es gibt diese in christlichen Internaten wie aber auch in reformpädagogischen Internaten wie der Odenwaldschule, egal ob die einen die sexuelle Repression oder sexuelle Liberalisierung als Programm hatten. Auch die „sexuelle Revolution“hatte ihre Schattenseiten,wie Feministen klarmachten, machten sie doch in Werbung und Pornographie die Frau von der sittsamen Gebärmaschine und Ehefrau  innerhalb eines Patriachats das sozial schutzlose, gefügige , käuflich ausbeutbare Sexualobjekt.Zudem hat auch Dagmar Knecht in ihrem Buch nachgewiesen, dass die Nationalszialiten keineswegs so puritanisch in der Sexualität waren, sondern gegenüber den christlichen Milieus wesentlich körperfreundlicher und sexualorientierter. Freilich unter dem Kriterium des Gebärens und des Fruchtbarkeitskults eines zu expandierenden Volkes und seiner Krieger, aber eben sexuell liberaler als die cristlichen Kirchen und die mit ihnen verbundenen Parteien und Organisationen.

Was die 68er in ihrer Jugendzeit erfuhren war die zeitweise Rechristianisierung der spätem 40er und frühen 50er Jahre, als sowohl Nationalsozialismus und Kommunismus als gottlose, wertelose Systeme seitens christlicher Gruppen und Parteien unter Adenauer und CSU-Hundthammer gelabelt wurden, die dann aber durch Petticoat, Peter Kraus , Big Bands, Jazz, Elvis  und Rock´n Roll dank US-Reeducation abgelöst wurde. Jedenfalls versucht Ratzinger nun den Mainstream der rechtsradikalen Populisten zu bedienen, dass die 68er für alles Schlechte der Welt, ihrer Krisen und destruktiven Erscheinungsformen verantwortlich seien—dekadentes Rom in seiner Endphase und die katholische Kirche und das Christentum wurde mißbraucht von den 68er und nicht die Kinder. Vielleicht tut er sich auch noch mit Bischof Müller, Gloria von Thurn und Taxis zusammen, die mit Steve Banon eine klerikalfaschistische Wende in Europa und die Kräfte innerhalb des Vatikas dazu nutzen wollen und sich zu diesem Zweck in einem italienischen Kloster als Kaderschmiede eingemietet haben.

Mit derselben Berechtigung könnte man behaupten, dass Josephine Bakers Bananentanz in der Weimarer Republik, Swing , Neger-Jazz, Elvis und die Petticoats den moralischen Zerfall des christlichen Abendlands eingeläutet hätte. Na, warten wir mal ab, was der jetzige Papst zu seinem Vorgänger sagt oder ob er auch dazu schweigt.

Schützenhilfe erhält Ratzinger von Kardinal Müller, der Kritiker als glaubensfrei und unmoralisch bezeichnet:

https://www.merkur.de/politik/kirche-ehemaliger-papst-benedikt-sorgt-fuer-entsetzen-kardinal-spricht-kritikern-anstand-ab-zr-12183005.html

Das interessante ist, dass sich Kardinal Müller mit AfD-Unterstützerin Gloria von Tut und Taugt nix/Thurn und Taxis  zusammengetan hat und nun mit Steve Bannon Kontakt aufgenommen hat, der in einem ehemaligen katholischen Kloster in Italien nun eine rechtsradikale, klerikalfaschistische Kaderschmiede eröffnet hat und sich auch schon mit Salvini getroffen hat. Da rotten sich erzreaktionäre Christen, Rechtsradikale und Mussolinianhänger ganz traditionell zusammen und wollen auf Politik und Religion Einfluß ausüben und das Rad der Geschichte zurückdrehen, um einen klerikalfschistischen Staat zu errichten..

https://www.br.de/nachrichten/bayern/steve-bannon-empfing-gloria-und-kardinal-mueller,R7AyWwX


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