Afghanistan vor den Präsidentschaftswahlen: Hekmatjar for President?

Ich habe gestern mit einem mehr säkularen Exilafghanen über die Situation in Afghanistan gesprochen. Er meinte, dass die Situation sehr verfahren sei. Die afghanische Armee sei zwar inzwischen an der Spitze ganz gut aufgestellt, aber die Truppenbasis sei konfessionell und ethnisch zerstritten, viele Desertationen, geringe Kampfmoral, viel Korruption, eher wie die südvientamesische Armee mit ersten Zeichen von Auflösungserscheinungen, zumal heterogener. Militärisch könne man bestenfalls von einem Patt sprechen, zumal ein möglicher Vollabzug der USA im Raum stehe. Er wisse auch nicht, ob die Taliban die kommenden Präsidentschaftswahlen boykottieren würden und zu weiteren Geländergewinnen nutzen. Er erzählte mir dazu, dass in Exilkreisen das Gerücht rumginge, dass die USA und China vermehrt auf Hekmatjar als Präsdientschaftskandidaten setzen könnten, da ein säkularer, demokratischer Staat in Afghamnistan mit Menschen- und Frauenrechten eine Illusion sei und er als das kleinere Übel gegenüber den Taliban wahrgenommen werde. Die Hoffnung sei, dass Hektamayar eine Art afghanische AKP/Ennadah nach Vorbild der Muslimbrüder aufbaue, die auch Talibankämpfer resozialisieren könne oder zumindestens einen Teil. Als islamistischer „Schlächter von Kabul“ und aufgrund seines islamistischen Hintergrunds ( seine Islamsiche Bewegung schüttete an Kabuler Unis emanzipierten Afghaninnen Säure ins Gesicht..daher dürfte er auch in islamistischen Kreisen einige Kredenzien haben…) , wie auch seiner aktiven Teilnahme am Jihad sowohl gegen Die Kommunisten/Sowjetunion wie auch gegen die USA samt zeitweiliger Kooperation mit Taliban und Al Kaida verfüge er über die Fähigkeit Tele der Taliban zu integrieren. Umgekehrt dagegen spreche, dass es 9 Kandidaten gebe, Hektmatjars Basis bei weitem nicht so breit sei wie etwa die Muslimbrüder oder die AKP, die Taliban doch eher dem wahhabtischen Deodorandislam zuneigen und sich an moderateren Formen stören, sowie die USA und Indien bisher immer noch auf die bisherige, mehr säkulare Regierung in Kabul setzen würden. Aber wenn die USA sich zurückzögen und Stabilität oberste Maxime sei, dann könne sich das auch ändern.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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