Folgen der Globalisierung und mangelnder Industriepolitik–sind die USA noch kriegsfähig?

Die Globalisierungsideologie und der Neoliberalismus zweier Jahrzehnte haben für ein Schwinden der Mittelklasse in den Industriestaaten, der extremen Reichtumspolarisierung, dem Outsourcing in andere Länder geführt, während in den ehenmaligen Entwicklungsländern eine neue Milliardärenklasse, eine neue Mittelklasse und neue Arbeiterklasse entstand, eine Aufwärtsbewegung zu verzeichnen war, die inzwischen Länder wie China und Indien als neue Weltmachtaspiranten einer multipolaren Weltordnung kennen. War die Globalisierungskritik anfangs der 90er ein Kampffeld der Linken, so hat Trump seit seiner Wahl hier mit seinem America first, die weltweite Führung gegen den Globalismus übernommen und sieht in China seinen Hauptfeind, wie dies inzwischen parteiübergreifender Konsens in den USA zu werden scheint. Joe Bidens moderate Worte zu China wurden ihn seitens der Republikaner, aber auch bei den Demokaten um die Ohren gehauen und als altes Denken des Washington Consensus ad acta gelegt. Nun sorgen neueste Pentagonstudien für weitere heftige Diskussionen und Aufregung in den USA:

„DARPA

Erich Moechel

Spätfolgen der Hightech-Globalisierung treffen Pentagon

Die Auslagerung der zivilen Produktionstätten nach Übersee hat die Industriebasis der US-Streitkräfte so ausgedünnt, dass es für immer mehr kritische Komponenten von Waffensystemen in den USA kaum noch Lieferanten, Know-How und Ingenieure gibt.

Die jährliche Bilanz des Pentagon zum Status der Industriebasis der Militärs 2018 wurde erst jetzt zur Veröffentlichung freigegeben. Auf den 130 Seiten zum Versorgungsstatus quer über alle Waffengattungen offenbart sich da nämlich ein- und dasselbe tiefsitzende Strukturproblem. Die Verlagerung der Industrieproduktion nach Übersee hat die Versorgungsbasis des Militärs so stark ausgedünnt, dass es für eine Unzahl kritischer Komponenten – wenn überhaupt -nur noch ein, zwei US-Lieferanten gibt.

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Die Frage, die sich inzwischen nicht nur die Trumpbefürworter stellen: Haben die USA durch die Globalisierung nicht ihre eigene Weltmachtstellung ausgehöhlt, vor allem die eigene Industirebasis für ihr Militär? Sind die USA überhaupt noch imstande einen langen, weltweiten Krieg an mehreren Fronten für den Westen und seine Verbündeten zu führen oder damit glaubwürdig zu drohen, um seine Feinde abzuschrecken und die Pax Americana aufrechtzuerhalten, wenn schon boots on the ground inzwischen für nicht mehr zeitgemäß gehalten werden, sondern sich mehr auf Airseabattle, Offshore Control und möglichen Cyber- und Spacewars eingestellt werden soll?

Bedarf es eines Autarkieprogramms oder einer staatlich forcierten Industriepolitik? Können sich die USA überhaupt Handelskriege und Sanktionen leisten, wenn wesentliche Teile ihrer militärischen Produktion aus Importen und Technologietransferen aus dem Ausland bestehen. Auch möglich, dass die Pentagonstudie bei der Bestandsaufnahme übertreibt. Interessant ist aber, dass diese Fakten eigentlich schon jahrelang bekannt sind ohne, dass jemand darauf reagiert hätte. Wie bei Altmeiers Industriestrategie 2030 wird nun erst einmal eine Bestandsaufnahme durchgeführt, um sich für Wirtschafts- und vielleicht auch militärischen Krieg zu rüsten und die Grundlagen dafür wiederherzustellen.Scheinbar wird dies nun erst wahrgenommen, wenn man die Notwendigkeit einer militärischen Auseinandersetzung und eines mögliche sinoamerikanischen Krieges oder zuminedestens der glaubwürdigen Drohung damit auf die Tagesordnung setzt.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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