Wie würde sich Deutschland im Falle eines sinoamerikanischen Kriegs positionieren?

In einem Punkt sollte man accord mit Carl Schmidt gehen, nämlich die Dinge auch auf den Ausnahmezustand hin zu überdenken und sich auch auf worst case- szenarien gedanklich vorzubereiten. Eine wichtige Frage, die mir immer wieder in den Sinn kommt, ist wie sich Deutschland im Falle eines sinoamerikanischen Krieges positionieren wird–selbst und innerhalb der EU, zumal es durchaus möglich ist , dass sich die Rumsfeldsche Polarisierung in das alte und neue Europa wieder einstellen könnte. Diese Frage wurde bisher nur einmal so gestellt, nämlich in einer 8-seitigen Publikation der Stiftung Wissenschaft und Politik, aber mehr als kurze Frage, denn dass Antworten darauf gegeben wurden und auch nur für den Fall eines begrenzten Konflikts im Südchinesischen Meer, der nicht einmal kriegerisch verlaufen müsste.

Zum einen sollte man sehen, dass Trump alles in Szene setzt, um Putin zu sich herüberzugewinnen. Dass Trump mit Maduro nun direkt verhandelt, die demokratische Opposition und Guaido draussen sind, zeigt, dass er einen Deal in Venezuela auch als Öffner für einen Deal mit Putin nutzen möchte. Daher auch logischerweise sein Insitsieren darauf, dass Putin wieder in die G 7 aufgenommen werden soll. Zwar sind nach der Aufkündigung des INF-Vertrags die US-russischen Beziehungen momentan auf ein neues Wettrüsten gerichtet, doch sollte man sehen, dass die Kündigung des Vertrags den USA auch Gelegenheit geben soll, im Pazifik mit Mittelstreckenwaffen gegen China aufzurüsten. Trotz momentaner Verstimmungen zwischen den USA und Russland scheint Trump immer noch zu hoffen, Russland auf seine Seite oder neutral in den kommenden Kofliketn mit dem Iran ud China zu bekommen.Für Russland gibt es eigentlich nur 2 denkbare Optionen: Mit China in einen Krieg ziehen, vielleicht sogar die Focusierung der USA auf den Pazifik für Veränderungen in Europa zu nutzen oder aber neutral zu bleiben und eher der lachende Dritte zu sein. Auf Seiten der USA wird Putin niemals gegen China in den Krieg zeiehen.

Wie Professor Rahr richtig beschrieben hat, will Trump im wesentlichen nur noch bilaterale Bündnisse mit einigen Kernstaaten, die ihm wichtig erscheinen, begreft die EU  und Deutschland wie auch China und Iran da gleichermassen als Gegner. Zumal man eben auch sehen muss, dass Deutschland und die EU mit China recht enge wirtschaftliche und politische Kontakte haben, die er als schädlich für die USA ansieht.

Deutschland blieben im Ernstfall eigentlich nur drei theoretische Optionen:

1) An der Seite der USA in den Krieg ziehen, was nicht militärisch, sondern mehr politisch-diplomatisch und wirtschaftlich geschehen dürfte.Vielleicht auch mehr als mehr Lastenübernahme im Raum des Greater Middle East und Europas, wie dies Trump ja nun auch schon im Falle Syriens und bei den Rüstungsausgaben und der NATO gefordert hat.

2) Neutralität–hier ist die Frage, inwieweit dies von den USA, Russland und China akzeptiert würde oder nicht gar sanktioniert würde

3) Gegen die USA in den Krieg–momentan völlig undenkbar.

Von daher bleiben nur die ersten beiden Optionen.Zumal muss Deutschland auch noch versuchen seine Position in der EU durchzusetzen und mit den Bündnispartnern abzustimmen, was aber auch etliche Differenzen innerhalb der EU auslösen könnte. Unwahrscheinlich, dass die EU in diesem Falle mit einer Stimme spricht.

Was auch immer wieder verblüfft ist, wie ignorant sich einige akademische Gesprächspartner zur Frage eines sinoamerikanischen Krieg stellen.Zum einen schließen sie die Möglichkeit kategorisch aus, zum anderen sind sie der Ansicht dieser bleibe lokal begrenzt.Sie haben das traditionelle Kriegsbild des Kalten Krieges noch in ihren Hirnen,als es nur konventionelle und Atomwaffen gab.Die neuen Kriegsschauplätze Weltraum und Cyberspace haben sie noch gar nicht im Kopf, noch die US-Studien des CSBA Rethinking Armaggeddon und The Second Nuclear Age, in denen der Unterschied zum ersten nuklearen Zeitalter des Kalten Krieges angesichts der neuen Multipolarität, ökonomischen Verflechtungen und neuern Waffentechnologien als instabil beschrieben wird.

Dass Peking die europäischen Kommunikationssatelliten blenden oder zerstören kann wie etwa das Gallileosystem oder mittels Cyberattacken ganze europäische Grossstädte im Blackout versinken lassen kann oder kritische Infrastrukturen paralysieren könnte.Sie denken,Asien ist weit weg und das betrifft uns nicht,zumal denken einige Narren,dass Deutschland im Falle eines solchen Konflikts vielleicht sogar der lachende Dritte sein könnte.Von den wirtschaftlichen und menschlichen Verlusten mal ganz abgesehen.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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