Griechenland in der deutschen Rezeption: Von der Wiege der Demokratie zum Sozialschmarotzer

Griechenland wurde in der deutschen und auch internationalen Rezeption zumeist als Wiege der Demokratie, der Naturwissenschaften und der Philosophie gesehen. Zumal in Bayern auch als Quasikolonie unter König Otto, der seinen Sparkommisar von Armansperg (Spitzname. Sparmannsperg) runterentsandte, um die damals bankrotten Staatsfinanzen und die Rivalität zwischen russischem Zarenreich und British Empire als neutraler Treuhänder zu moderieren. Dann die Unabhängigkeitskriege,die auch Lord Byron und andere englische Vertreter unterstützten , später zumal mit Attatürk nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs.Im Zweiten Weltkrieg eroberte die deutsche Wehrmacht dann Griechenland, nachdem Mussolini seine erfolglosen Balkanfeldzüge begonnen hatte, die so desaströs endeten wie seine Afrikaabenteuer, bei denen das deutsche Afrikakorps unter Rommel dann versuchte zu retten, was nicht mehr rettbar war. In Griechenland massakrierte die deutsche Wehrmacht Zehntausende von Partisanen und Zivilisten neben dem sonstigen Kriegsgeschehen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verzichtete Griechenland auch aufgrund von US-Druck auf zu exzessive Reperationsforderungen, um Deutschland als zentralen Frontstaat des Antikommunismus aufrüsten und wiedererstarken zu lassen. Zumal das deutsche Wirtschaftswunder ohne die Griechen gar nicht denkbar gewesen wäre. Der griechische Reederkönig Onassis wollte seine neue Flotte aufbauen und sah in Deutschland mit seinen Werften in Noddeutschland da den geeigneten Produktionsstandort. Bis zu 60% der deutschen Schiffsbauaufträge deutscher Werften in den späten 40er bis 60er Jahren wurden von Onassig getätigt neben dem Koreakriegboom. Onassis wurde als der Stargrieche gefeiert. Onassis expandiete mittels deutscher Schiffswerften bis zu dem Punkt, dass die deutschen Weften zu klein wurden für seine Öltanker. Zudem handelte er mit Saudiarabien einen Vertrag aus, der ihm ein Transportmonopol ermöglichen sollte.Die USA unter Nixon dachten daraufhin nach dem OPEC-Embargo 1973 ernsthaft über die Ermordung Onassis nach, zumal in Zusammenarbeit mit seinem mit ihm verfeindeten Schwager. Dazu kam es nie, aber der Vertrag mit den Saudis kam dann auch nicht zustande.Onassis wurde dann auch mehr vom treusorgenden Familienvater, der Schiffe nach seiner Frau unter Beisein seiner ganzen Familie taufen liess immer mehr zum Jetset-Playboy, der dann auch JF Kennedys Witwe Jackie Kennedy umgarnte und so auch der deutschen Yellowpress ähnliche Geschichten wie schon zwischen dem Schah und Soraya bot.

In den 60er und 70er Jahren übte sich die deutsche Linke in Solidarität mit den Griechen nach dem Obristenputsch 1967. Der linke Investigativjournalist Wallraff demonstrierte in Griechenland, wurde festgenommen und schrieb sein Buch „Unser Faschismus nebenan“. Man ging als Linker zum Griechen essen als symbolischen Akt des Internationalismus und Antifaschismus. Man las Oriano Fallacis Liebesroman-Politthriller „Ein Mann“, in dem sie ihre Romanze mit einem griechischen Anarchisten schilderte, der unter ungeklärten Umständen umkam und Fallaci die CIA und Kissinger persönlich dahinter vermutete. Und nachdem der Film Alexis Zorbas mit Anthony Quinn in den Kino lief, tanzte der Grieche aufgrund der deutschen Touristen wieder Siataki.Nach dem Rücktritt der Obristen kam Papandreous von der Pasok dran, der Griechenland in die EG führte.

Seitdem hörte man von Griechenland nicht mehr soviel, bis es in den Euro eintrat und nach der Finanzkrise 2008 zum Kernland einer Eurokrise wurde. Seitdem ist die alte Griechenlandfreundlichkeit der Deutschen weg, sieht man in Griechenland nicht mehr die Wiege der Demokratie, sondern ein faules Volk, das über seine Verhältnisse gelebt hat, keine Strukturreformen unter Pasok und Neo Democracia durchgeführt hatte, nicht über einen Agrar- und Touristaat eine eigenständige Industrie und Dienstleistungssektor aufgebaut hat und als Totengräber des Euros und als Fass ohne Boden galt.Nun macht Griechenland wieder Schlagzeilen, da es nun mit Polen Kriegsentschädigungen von Deutschland fordert: Griechenland 280 Milliarden Euro und Polen 380 Milliarden Euro, während die deutsche Regierung die Reperationsfragen für juristisch und politisch schon geklärt ansieht. Insofern nicht auch Trump diese Forderungen unterstützt um Griechenland gegen die Türkei und Polen gegen Russland aufzurüsten, wird dies folgenlos bleiben. Aber das Griechenlandbild wird von dem eines Schmarotzers in Deutschland wahrgenommen.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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