Trump setzt Friedensgespräche mit Taliban aus-aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Das vorläufige Aussetzen der Friedensgespräche wegen des 1 toten US-Soldaten infolge eines Talibanangriffs zu Zeiten des Wahlkampfs,wird keine Kehrtwende einleiten.Nach einer gewissen Zeit wird Trump die Gespräche wieder aufnehmen,da er sich aus Afghanistan zurückziehen will.Aufgeschoben ist eben nicht aufgehoben.Meiner Ansicht nach zeigen aber die fortlaufenden Talibanangriffe,wie wenig sich die Taliban an irgendwelche Abmachungen halten werden.Wenn die US- und NATO- Truppen weg sind,wollen sie die ganze Macht und die afghanische Regierung zum Teufel jagen.Bestenfalls ist zu erwarten,dass sie gegen Al Kaida und den IS mobil machen. Dass Trump den afghanischen Präsidenten und den Talibanchef nach Camp David laden wollte wie einst Rabin und Arafat oder Sadat und Begin zeigt,dass sich Trump die Taliban als Ordnungsmacht vorstellen kann. Fehlt eigentlich nur noch der Friedensnobelpreis für die Taliban. Wichtiger aber als die Einsicht,dass man einen Krieg verloren hat,sind nun die Lehren daraus zu ziehen und die sich daraus ergebende geopolitische Lage neuzubewerten. Zum einen bezüglich der Kriterien von Auslandseinsätzen, zu anderen auch auf Hinblick China-Pakistan-Indien und BRI (Südasien) und den Greater Middle East. Z.B.Die Kaschmirentscheidung Indiens dürfte auch durch die Entwicklung in Afghanistan mitverursacht sein. Diesen Zusammenhang gesteht der indische General Asthana inzwischen in einem neueren Beitrag bei Global Review indirekt ein.

Ein ehemaliger deutscher Botschafter in Afghanistan beurteilt die Lage etwas anders:

„Trump will m.E. wie im Falle Nordkorea seiner Wählerschaft suggerieren, dass er ein „Friedenspräsident“ ist. Dazu braucht er die medienwirksame Rückkehr eines größeren Truppenkontingents. Ein vollständiger Rückzug in kürzerer Zeit ist damit nicht gemeint, sondern lediglich der Abzug von maximal einem Drittel der jetzt in Afghanistan stationierten Truppen. Diese können durch private Sicherheitsdienstleister wie die Organisation von Erik Prince ersetzt werden. Die beiden Luftwaffenstützpunkte in Baghram und Shindand wollen die USA m.E. nicht aufgeben! Mit den Taleban hat Khalilzad übrigens bereits in den 1990er Jahren gute Kontakte gepflegt.

Die Fighting Season in AFG dauert noch ca. drei bis 4 Wochen. Dann ziehen sich die Kader der Aufständischen wieder in ihre Winterquartiere nach PAK zurück und die Verhandlungen der USA mit den Taleban können bei geringerer Kampfintensität wieder aufgenommen werden. Frieden am Hindukusch bringen diese „Friedensgespräche“ jedoch nicht, vielmehr werden ab 2020 der innerafghanische Bürgerkrieg noch blutiger und die verdeckte Einmischung interessierter Dritter noch intensiver werden.“

Unklares Bild: General a.D. Domroese erwiderte mir als ich meinte Trump wolle ein Restkontingent in Afghanistan belassen, dass die USA an ihrem Zeitplan festhalten und bis 2020 alle US-Truppen abziehen wollten.Was stimmt nun? Ist Abzug Abzug oder einfach nur Ersetzung durch private Sicherheits- oder Söldnerdienste? Um die zwei Luftwaffenbasen zu halten,müssten US-Truppen, privaten Sicherheitskräften oder Teile der afghanischen Armee diese schützen.Zumal fraglich ist,ob die Taliban einem Friedensvertrag zustimmen werden,der den USA zwei Militärstützpunkte gewährt.Oder sind sie von ihrer Maximalforderung des völligen US-Truppenabzugs inzwischen abgerückt?Hat Khalizad dies als Zugeständins für eine Akzeptierung der Taliban als neue Ordnungsmacht ausgehandelt.Oder wird das Land in Sektionen aufgeteilt,bei denen die von der Kabuler Regierung kontrollierten Zonen US-Stützpunkte zulassen?Zumal ja Luftunterstützung durch die USA existentiell ist.Das fehlte ja bei der südvietnamesischen Armee und daher war sie ein leichtes Opfer für die zu Luft und Land operierenden Nordvietnamesen.Für sein Drohszenario und möglichen Krieg gegen Iran sind Trump Luftwaffenstützpunkte in Afghanistan doch sehr nützlich. Gegen Pakistan und China wäre dies dann ein roadblocker in Sachen der Neuen Seidenstrasse und zumal für den Fall eines sinoamerikanischen Konflikts oder gar Kriegs. Da dürften die beiden Luftwaffenstützpunkte dann so interessant sein wie Camp Bondsteele in Kosovoalbanien für den Balkan gegenüber Rußland.Wahrscheinlich wird es keine Einheitsregierung geben,sondern das Land wahrscheinlich wieder im Bürgerkrieg versinken,zumal noch der Islamische Staat als neuer Akteur hinzutritt.

Vielleicht ist es auch so, wie russische Geostrategen das kommen sehen, dass Afghanistan aufhört ein Einheitsstaat zu sein, der er ja heute schon in weiten Teilen nicht mehr ist., weder die Afghanen noch außenstehende Mächte daran glauben und eine Aufteilung des Landes erfolgt.Auch meine afghanischen Exilfreunde, die anfangs noch als Mudjahedin gegen die Sowjetunion kämpften, hoffen jetzt seit 1979 auf eine irgendwie poitive Entwicklung in Afghanistan und hjatten 2001 wieder Hoffnung, nachdem die USA die Taliban stürzten, aber sahen ihre Hoffnung immer wieder aufs Neue enttäuscht. Sie sind inzwischen resigniert, wollen nicht mehr zurück, sehen in ihrem Land nicht nur wie Homer Lea den „graveyard of empires“, sondern auch den graveyard jeglicher gesellschaftlicher Entwicklung, einen failed state, den man nun möglicherweise aufteilt:
In eine inoffizielle US-Zone mit US-Luftwaffenstützpunkten von der afghanischen Armee und Regierung kontrolliert nach Vorbild Kosovoalbaniens mit Camp Bondsteele, eine chinesisch-pakistanisch-Talibankontrollierte Zone und dann noch den einen oder anderen Warlord und ethnische Gruppen mit eigenen Bedürfnissen und wechselnden Koaltionen und den Islamischen Staat, der aus diesen Differenzen und dem Zerfall des Nationalstaats und eines geeinten Talibanstaats Propaganda für einen alles einigenden islamischen Ummah-Weltstaat macht. Zu ergänzen wäre das Bild noch durch eine iranische Einflusszone um Herat (sehr problematisch, u.a. wegen des dort erhofften US-Luftwaffenbstützpunkts Shindand) und die indisch-iranisch-russische Unterstützung für die Tadschiken im Nordosten.

Eine etwas längerfristig persepktivische Frage zum Ende:

In den 2000ern mobilisierte der Iran ja gegen die Taliban, weil afghanische Schiiten in der Region Herat von diesen malträtiert wurden und Iran sich da als Schutzmacht sah. Über einen möglichen Krieg wurde spekuliert, jedoch schien Iran nicht denselben Fehler machen zu wollen wie GB, SU und die USA.

Wie sehen denn die Chancen nun umgekehrt für eine Iran-Taliban- Pakistan-Chinaallianz gegen die USA aus im Falle eines US-Kriegs gegen Iran und China? Zudem einen von ihnen kontrollierten geographischen Korridor,schafft b der die Neue Seidenstrasse Chinas mit dem CPEC Pakistans, dem südlichen Taliban-Afghanistan mit Iran verbindet.Wird da angesichts des gemeinsamen Feindes das religiöse Schimsa zwischen Schiiten/Iran und Sunniten/Deorandwahhabiten- Taliban hintenangestellt und dem Islamischen Staat überlassen?

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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