Kurznotiz: Iranische Revolutionsgarden und das iranische Militär

Über die iranischen Revolutionsgarden hört man recht unterschiedliche Geschichten.In US-Berichten dominiert das Bild einer recht mächtigen Organisation,eines Staates im Staat,der militärisch hochgerüstet ist,in das Atom- und Raketenprogramm involviert ist,über ein eigenes Geschäftsimperium verfügt und auch die Auslandseinsätze in Jemen,Irak,Syrien,Libanon und Afghanistan unter der bisherigen Kommandanteur Hussein Sulmeinis zentral steuert und eine wichtige pressure group.mit Eigenleben sei,vergleichbar der SS.Unlängst habe ich im ORF einen österreichischen Militär von einer sicherheitspolitischen Institut gehört,der meint die US-Berichte seien stark übertrieben und propagandistisch aufgeblasen.Von der Grösse,der Bewaffnung und der Bedeutung her seien die Revolutionsgarden bei weitem kleiner als das iranische Militär,bestenfalls eine Art Paramilitär zum Schutz der Revolution und unter direktem Befehl des Obersten Geistigen Führers Khameini.Salami spiele da also keine Eigenrolle.Im Ausland dienten die Revolutionsgarden zumal mehr als Militärberater denn als wirklich kämpfende Truppe

Obwohl es richtig ist,dass die Revolutionsgarden eine politische Organisation,Schild und Schwert der iranischen Revolution sein sollen,so muss man doch sehen,dass im Falle eines US-iranischen Kriegs das iranische Militär ein Hauptakteur sein wird.Auffällig finde ich,dass es kaum nennenswerte Analysen über das iranische Militär gibt,man dessen Generäle im Gegensatz zu den inflationären Berichten über Sulemani und Salami gar nicht für erwähnenswert hält und sich auch nicht fragt,ob dieses über die reine Landesverteidigung hinaus im Krisenfall eine andere Rolle spielen könnte.

Und ob die Revolutionsgarden nur politisch sind und das iranische Militär nicht, ist auch die Frage. Nur folgendes Beispiel : Eine weitere Verbindung des möglichen Nachfolgekandidaten für Khameini Motjaba Khameinis zu den Hardlinern ist Brigadegeneral Sayyed Muhammed Hejazi, ehemaliger Kommandeur der Basiji-Milizen und nun Vizechef des iranischen Generalstabs. Nun ist dieser mehr ein Politkommisar und Aufpasser auf die Truppe, aber scheinbar braucht man solche Leute, um auf die Truppe aufzupassen, damit diese nicht eigenwillig wird. Bei allen regimechangeoptionen wird als potentiell treibenden Kräften seitens westlicher Thinktanks und Politiker die neue Mittelschicht, die Volksmudjaheddin, die Arbeiterbewegung, die grüne Bewegung gesehen, aber das iranische Militär wurde bisher als von den gesellschaftlichen Entwicklungen vom Iran als völlig abgeschottet und aufstandsresistent betrachtet, als völlig negible Grösse.

Unser Wissen über das iranische Militär bleibt auf die Schahzeit begrenzt,die weitere Entwicklung des iranischen Militärs nach 1979 und dem Irakkrieg bildet eher einen weißen Fleck in Berichterstattung und den meisten Analysen. Irans Armee hat die Wehrpflicht,verfügt über 530 000 Mann und ein Reservecorps von 1,5 Milllionen.Unwahrscheinlich,dass diese Basiserdung und die gesellschaftlichen Zusrände nicht auch Einwirkungen auf die Streitkräfte haben könnte. Generalstabschef ist Bagheri, ehemals Revolutionsgarden,der da den Oberaufpasser auf die Truppe spielt.Es würde aber darauf ankommen,wie eine Bedrohung durch die USA aussieht.Insofern die Airseabattle ist,wären vor allem Marine und Luftwaffe betroffen.Im Falle eines Cyberwars wäre die Armee wahrscheinlich auch nicht involviert.Zumal boots on the ground eher unwahrscheinlich erscheinen und wo sollten die USA solch einen Truppenaufmarsch machen–im Irak, in Afghanistan-no way. .Ansonsten wenig Literatur im Internet und bei den Thinktanks.CIA Factbook ist auch nicht sehr ergiebig und CIA und Pentagon werden ihre Erkenntnisse auch für sich behalten. Im Falle innerer Unruhen bleiben nur die Revolutionsgarden,die Bassidschi oder eben sollte dies nicht ausreichen eben das Militär und speziell deren Law Enforcementtruppe.Und dann wird eben die Frage sein: Schiessen die Söhne des Volkes aufs Volk.Etwas pathetisch, vielleicht auch nach den Erfahrungen mit dem Tiananmen . Und falls das iranische Militär wirklcih in den Irak geschickt werden sollte, wäre das wahrscheinlich eine Überdehnung aller Resourcen, weswegen das wohl auch ausscheidet.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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