Die Lösung der Welternährungs- und Ökokrise: Kunstfleisch aus dem Silicon Valley?

Anbei ein Youtubevideo von David Precht über die Welternährungskrise. Nicht die übliche Veggieday-Moral, sondern die Lösung des Fleischkonsums mittels des Kunstfleischs aus dem Silicon Valley.In dieses Gebiet fliessen inzwischen mehr Investitionen als in Künstliche Intelligenz und es könnte die Lösung der Welternährungskrise und der Ökokrise sein, weswegen dies eine derartige Priorität im Silicon Valley hat. Mag man zwar bei Silicon Valley an Digitialsierung, Quantencomputer, Mikrochips, Internet of Things, Industrie 4.0, autonomes Fahren, Künstliche Intelligenz, Computeralgorithmen denken, so ist doch die Nano- und Biotechnologie da auch ganz führend, was sich auch in Schriften von Ray Kurzweil und seinem Buch „Singularity“ zeigt, das ein posthuanes Verschmelzen des Menschen mit Maschine und Bio- und Gentechnologie als Vision hat. Viel Science Fiction, viel auch Spinnerei, hier wird gerade viel ausgetestet, aber die Hauptinvestitionen des Sillicon Valley gehen in die Technologie des Kunstfleisches hinein und das ist jetzt schon machbar und wird auch hergestellt, wenngleich noch nicht in Massenproduktion.

Laut Precht sind die Kosten für einen Kunstfleischburger von anfangs 330 000 Euro in 5 Jahren auf 80 Euro zurückgegangen und werde dieser auch schon bald für 1-2 Euro verfügbar und damit massenkompatibel und damit zur Herausforderung für das natürliche Fleisch. Natürlich wäre erst einmal nachzuprüfen, ob die eschastologischen Welterlösungs- und Heilsversprechungen David Prechts technologisch und ökonomisch so stimmen oder ob Precht sich hier nicht zum unkritischen Fürsprecher der kalifornischen Idelogie und der PR-Promotion des Silicon Valley macht. Elon Musk investiert ja auch in viele Projekte, von denen Space X und Tesla efolgreich sind, aber schon der Hyperloop und andere Projekte auf schwachen Beinen stehen. Investitionsvolumen sagen ja noch nichts über die Erfolgsträchtigkeit selbiger Investitionen aus. Die Wissenschaftsgeschichte ist gepflastert mit Fehlinvestitionen. Gut möglich, dass der naturwissenschaftlich, technologisch und ökonomisch weniger versierte Philosoph und Geisteswissenschaftler Precht da eine Überdosis Californian Ideology abbekommen hat. Ebenso bleibt die Frage, ob sich Kunstfleisch auch gegen kulturelle Widerstände durchsetzen würde. So schrieb mir auch ein befreundeter Bekannter als Reaktion:

„Ich halte solche Wege für Irrwege, weil all diesen Dingen das wesentliche Element fehlt, das ich mal als „beseelte Natur“ bezeichnen möchte. Letzten Endes sind all diese Retortenschöpfungen unserer Gesundheit unzuträglich, wie wir jetzt schon mit der GMO Nahrung erleben, die Frequenz dieser Schöpfungen korrespondiert nicht mit der unsrigen. Da die meisten Menschen für so etwas „keine Antenne“ haben, rennen wir wie die Lemminge in die falsche Richtung.

M.E. gibt es nur einen Weg: den einer radikalen weltumspannende Verringerung der Geburtenraten. Dazu müsste sich mal die UN aufraffen als Sprachrohr und Steuerungsauthorität. Da dort aber in solchen Fragen unsere Asiaten, Latinos und Afrikaner die Mehrheit in Abstimmungsprozeduren haben, also unsere Vertreter des ungebremsten „Kindersegens“, bedarf es größerer Überzeugungsarbeit und Kraftanstrengungen der „aufgewachten“ Industrienationen.
Aber vielleicht regelt sich das Problem auch durch die Natur selbst, denn mit unseren wachsenden Fehlverhalten geht bereits messbar unsere Lebenserwartung zurück, eine stetig steigende Reparaturmedizin verschleiert das noch ein wenig, und die Fertilität der Spermien nimmt seit 2 Jahrzehnten laut den Forschungsberichten stetig ab.“

Kunstfleisch hört sich erst einmal gruselig an.Aber es ist eigentlich natürliches Fleisch,das aus natürlichem Fleisch gezüchtet wird. Beseelte Natur hört sich religiös, ja etwas pantheistisch an, hat wohl die Vorstellung,was keine Seele hat,kann auch nicht gesund sein. Abgesehen von der Frage,ob es eine Seele gibt und die Natur, der Mensch oder ein Tier oder gar Pflanzen eine Seele haben , abgesehen davon, ob man nun an die mehr panthesistische Vorstellung einer „besselten Natur“ glaubt oder nicht. wäre es natürlich sinnvoll erst einmal zu erforschen,ob das Kunstfleisch für den Menschen unbedenklich ist. Bevor es zur Produktion und zum Einsatz kommt, wäre erst einmal zu erforschen, ob es schädliche Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hat. Zumal es wohl auch auf die Produktionsverfahren ankommt, etwa ob Wachstumshormone oder andere zellvermehrende und wachstumsfördernde Substanzen beigegeben werden, die schon bekannte Auswirkungen haben.

Dennoch sollte man solche Innovationen thematisieren und auch mal weiter auf ihre möglichen Folgen durchdenken.

Mögen zwar in Deutschland immer mehr auf Fleisch verzichten, 10% der Bevölkerung inzwischen Vegetarier sein, so ist dies global betrachtet marginal, zudem der Fleischkonsum infolge der Bevölkerungsexplosion steigen wird, wie auch Milliarden Inder, Chinesen und Afrikaner immer mehr Fleisch essen. War Indien einmal eine Veggie- Nation, bei der es vor allem das Linsengericht Dall gab, so ist es heute eine Fleischfressernation geworden , der größte Rindfleischexporteur trotz heiligen Kühen und wird dies weiter zunehmend werden. Und China und Taiwan sind auch nicht mehr die Reisessernationen, als die sie so gerne idealisert wurden, obgleich da alles gegessen wurde, was mehr als 2 Beine hatte, sowie es auch Kannibalismus während der Kulturrevolution in Guangxi und andernorts gegeben haben soll ( Jung Chang: Mao) , nicht etwa wegen Hungersnot und es in Peking auch Hundelokale gab, obgleich die Nordchinesen diese kulinarischen Exzesse eher den Südchinesen andichten wollen. Zumindestens wird man von Chinesen, wenn man mehr Vegetarisches oder Reis ordert dahingehend kritisiert, warum man dieses „Arme-Leute-Essen“bestelle , was auch zeigt,dass hier der Fleischkonsum eher auch mit Statusfragen zusammenhängt.

Bevor man nun versucht die globale Proteinversorgung der Menschheit mittels Insektennahrung zu kompensieren, gibt es nun neuerdings eine Innovation: Kunstfleisch. Invitrofleisch. Keine Science Fiction: Fleisch,das heute schon aus Fleischzellen gezüchtet wird und in Zukunft in Massenproduktion in Silos, mittels 3d druckern oder was es noch gibt.. Keine Gentechnik, im weitesten Sinne Reproduktionstechnik. Man züchtet kein ganzes Huhn,sondern nur den Hühnerschenkel, mästet keine ganze Gans sondern züchtet nur die Gänseleber,etc. Keine Sciencefiction,sondern wird schon gemacht und die Preise fallen rapide.Keine Massentierhaltung mehr,keine Abrodung der Regenwälder mehr, keine Gülle, die das Grundwasser verseucht, keine Tierquälerei und Tiertransporte mehr, kein Kükenschreddern, kein Vegetariertum und Veganertum mehr als einziger Ausweg, keine Ökokatastrophe mehr und die Biobauern sind auch nicht mehr die Guten. Während Vegetarier und Veganer dies kritisieren, da der Wandel technologisch und von außen und nicht von innen durch eine Änderung des Bewusstseins und des Denkens erfolge, sieht David Precht hier eher das Problem, dass die Firmen die Patente auf die Herstellungsverfahren haben und Monopole wie bei Montesano bei dem Saatgut die Folge sein könnten.

Spannende gesellschaftliche Debatten und Konflikte tun sich dann auf: Quaisreligiöse- und moralische Vegetarier, Veganer, Regional- und Biobauern und konventionelle Landwirtschaft und Massentierhalter gegen „künstliches Fleisch“ aus ganz unterschiedlichen Gründen, aber im Konsens, dass man nichts „Künstliches“ wolle, sondern nur „Natürliches“. Doch die Kunstfleischproduzenten werden dann argumentieren, dass ihr Produkt nichts Künstliches ist, sondern Fleisch aus natürlichen Fleischzellen, also sehr natürlich, auch ohne Chemie und keine Gentechnik, zumal eben die ganze Tierquälerei, die Gülle und Verseuchung des Grundwassers, die Abrodung der Wälder und Regenwälder,ja eben die Ernährungs- und ökologische Katastrophe verhindere. Es wird spannend sein, wie sich dann die etablierte Parteien dazu positionieren, vor allem die der etablierten Landwirtschaftslobby hörige CDU/CSU und die von Vegetariern und Veganern durchtränkten Grünen, die aber auch Probleme mit Tierschützern bekommen könnten. Die AfD dürfte gegen künstliches, undeutsches Fleisch sein, das den Bauernstand, seine Scholle und bisheriges Geschäfftsmodell schädigt.

Wir leben in einer Zeit der neuen Technologien und damit einhergehenden gesellschaftlichen Umbrüche. Neue Produktionsweisen werden ausprobiert, viel auch nach dem Try und Errorverfahren ausgetestet und die gesellschaftlichen Kräfte werden sich neu sortieren. Das Ergebnis ist offen und wird gerade versucht zu verstehen und sich darauf einzustellen, wobei die einen noch auf eine BRD der 70er Jahre hoffen oder weiter in die Geschichte zurückgehen wollen, während andere zukunftsverliebt und futuristisch zu einer vermeintlichen neuen Moderne des Fortschritts voranstürmen wollen, wobei letzteres in Deutschland nicht so der Fall ist, die Energiewende und Digitalisierung droht zu scheitern und man mehr über Flugtaxis und E-Roller spricht, denn über wirklich zukunftsentscheidende Fragen. Zum Beispiel eben das Kunstfleisch.Deswegen der Verweis auf den hervorragenden Vortrag von Daniel Precht, den man weiterverbreiten sollte

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.