Erdogans neoosmanisches Reich in the making

Erdogan schreitet bei der Etablierung seines neosmanischenReiches voran. Die Liste ist lang: Nachdem er die Muslimbrüder im Greater Middle East überall unterstützt, islamistische Mordbrennermilizen von Syrien bis Lybien ausrüstet, für die Bürgerkriege und Flüchtlingsströme mitverantwortlich ist und sich als Retter der Flüchtlinge und Menschenrechte aufspielt, sowie die EU mittels des Flüchtlingsdeals mundtot gemacht hat, die er nun auch auf Lybien erweitern will, einen Militärstützpunkt im Sudan errichtet hat, nun in Nordsyrien einmarschiert ist und türkische Truppen nach Lybien verlegt hat und auch neben seinen Ansprüchen um Gasvorkommen im Mittelmeer letzteres als sein Mare Nostrum sieht, einen zweiten Bosporuskanal baut, NATO-Schiffen die Durchfahrt ins Schwarze Meer verweigerte, von Russland S 400-Raketen trotz aller NATO-Proteste bezieht, sowie auch russische Atomkraftwerke und sich mit Putin als neue Ordnungskraft in der MENA-Region sieht, greift er nun auch nach Pakistan und Zentralasien aus. Dies auch noch vor dem Kontext, dass die USA inzwischen Pakistan als wichtigen Teil bei einer Friedenslösung in Afghanistan betrachten.

Die USA haben die Gespräche mit den Taliban wieder aufgenommen und der indische Aussenminister ist empört,dass die Financial Action Task Force Pakistan bei ihrem Treffen in Paris wieder von der Terrorismusfinanzierungsliste gestrichen hat.Wahrscheinlich erhoffen sich nun die USA und die NATO-Staaten Hilfe Pakistans, das die Neue Seidnestrasse Chinas über eigenes Gebiet nun auch weitertreiben will, bei einer Friedenslösung in Afghanistan.Interessanter Artikel dazu auch:

Erdogan nähert sich Pakistan an. Über eine doppelte Staatsbürgerschaft sowie eine militärische Zusammenarbeit und die Lieferung von Kampfhubschraubern wird diskutiert. Ich beschäftige mich gerade mit der CENTO, die von GB und den USA von 1955 bis 1979 organisierte und bestehende Middle East NATO, der die Türkei, Irak, Iran und Pakistan angehörten, die auch mal Middle East Treaty Organization (METO) und Bagdadpakt zwischendurch genannt wurde. Desweiteren plante die Türkei 1992 ein Militärbündnis mit zentralasiatischen Turkstaaten,aber Usbekistan lehnte dies aus Furcht vor zuviel Einfluss der Türkei in Zentralasien ab.Für die Zukunft stellt sich die Frage,ob solche Militärbündnisse angesichts neuer Konstellationen, SCO und neoosmanischen Ambitionen wieder denkbar wären.

Ein ehemaliger NATO-General schrieb dazu:

„Ein Militärbündnis muss einem Zweck dienen. Nato stand anfangs dafür
* to keep the Russians out
* to keep the Americans in
And the Germans down.

Was wäre das bei TUR/PAK ?

Ich halte da eher eine coalition of the willing für vorstellbar. „

Zumal Pakistan ja auch für die Türkei und Saudiarabien auch nach dem Khannetzwerk wegen seiner Atomwaffen interessant ist, die beide sich vielleicht auch selbst zulegen wollen und ja auch kräftig ihre Atomindustrie, die Türkei mehr mit russischer und japanischer Hilfe ( dem nach Fukushima reichlich desavourierten und nach Auslandsaufträgen lechzenden TESCO) , Saudiarabien mehr mit US-Hilfe ausbauen wie auch Ägypten seine Nukleartechnologie vorantreibt. Dies dürfte noch mehr auf der Tagesordnung stehen, sollte der Iran Atomwaffen nach dem geplatzen Atomdeal mit den USA entwickeln wollen und Trump stillschweigend Nordkorea als Atommacht akzeptiert. Erdogan reizt sicherlich die Option eines nuklearbewaffneten neoosmanischen Reichs.Dann wäre er auch von den USA und Russland unabhängig.

Einige Experten überlegen, ob die Türkei nicht eines Tages Mitglied der SCO, zumal auch in Chinas neue Seidenstrasse integriert werden wird. Das hängt aber auch davon ab, inwieweit Erdogan auf neoosmanische Ambitionen innerhalb Zentralasiens und der SCO verzichten würde oder ob er nicht auch die Muslimbrüder Zentralasiens samt Uiguren gegen die von Russland und China unterstützten säkularen zentralasiatischen autoritären Herrscher aufwiegelt und dort nicht in Zusammenarbeit mit diesen sondern in Konfronation mit China und Russland geraten würde. Und China und Russland sehen auch, wie sich troublemaker Erdogan in westlichen Bündnissen wie der NATO gebärdet. Fraglich, ob sie in der SCO weitere troublemaker haben wollen, sind doch nun auch das verfeindete Pakistan und Indien nun Vollmitglieder.

Die Annäherung der Türkei an Pakistan bringt jetzt auch iranische Träume von einer Koalition zwischen dem Iran, der Türkei, Pakistan, Russland und China hervor. Ob dies realistisch sind oder aus der Verzweiflung des Iran über die US-Sanktionen geboren sind, bleibt die Frage:

„Ein iranischer Gesandter hat einen neuen Block von fünf Ländern – Türkei, Pakistan, Iran, Russland und China – vorgeschlagen, um die Zusammenarbeit zu stärken und Probleme in der Region zu lösen.

„Länder wie der Iran, Pakistan, die Türkei, Russland und China haben das Potential, eine neue Allianz für eine bessere Zukunft der Region zu bilden“, sagte der iranische Botschafter in Pakistan, Seyyed Mohammad Ali Hosseini, in einem Vortrag am Islamabad Strategic Studies Institute (ISSI) am Dienstag.

Angesichts der Zusammenarbeit zwischen wichtigen regionalen Ländern, so Hosseini, könne die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECO) – eine politische und wirtschaftliche zwischenstaatliche Organisation Irans, Pakistans und der Türkei – ihre Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung spielen.

„ECO bietet Iran-Pakistan eine angemessene Gelegenheit, ihre Politik im Einklang mit dem Wirtschaftswachstum zu koordinieren und die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, um wirtschaftliche Aktivitäten zu erleichtern und Investitionen und Handel zu fördern sowie Transithürden zwischen den beiden Ländern zu beseitigen“, fügte er hinzu.

Der iranische Gesandte sagte, dass Pakistan als islamisches und benachbartes Land einen besonderen Platz in der iranischen Außenpolitik einnimmt.

„Iran und Pakistan haben an den meisten Konferenzen der OIC teilgenommen. Leider war diese Organisation aufgrund der Rolle einiger Länder nicht in der Lage, Probleme der islamischen Ummah anzugehen und Positionen zur Unterstützung der islamischen Sache einzunehmen “, sagte er, ohne die Länder zu benennen.

Hosseini rief auch dazu auf, die Zusammenarbeit zwischen den muslimischen Entwicklungsländern zu verbessern, um einen gemeinsamen islamischen Markt zu schaffen.

„D-8 Gruppe der sich entwickelnden islamischen Länder; Das heißt, Indonesien, Iran, Pakistan, Bangladesch, die Türkei, Malaysia, Ägypten und Nigeria sind regionale Foren, um die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den sich entwickelnden islamischen Ländern zu stärken “, sagte er.

Über die pakistanischen Häfen Gwadar und Chabahar sprach der Botschafter, die beiden Häfen ergänzten sich.

„Der Aufbau eines Schienennetzes zwischen Gwadar und Chabahar und dessen Verbindung nach Europa und Zentralasien über den Iran wird eine wichtige wirtschaftliche Entwicklung in der Region einleiten. Andererseits wird der Bau einer Eisenbahnstrecke auf pakistanischem Territorium nach China, die die beiden Häfen verbindet, zu einer wirtschaftlichen Entwicklung in dieser Region führen, „schloss Hosseini.“
https://www.aa.com.tr/en/middle-east/iranian-envoy-proposes-new-alliance-of-5-countries/1724935

Sollte dies Realität werden, würde die Neue Seidenstrasse Chinas sich zügig weiterentwickeln und es teilweise zu der von Parag Khanaa in seinem Buch „The Future is Asian“ prophezeiten Asianisation of Asia, ja vielleicht auch einer Islamisation of Asia kommen.

Einige Experten meinen, dass die EU bei den Entwicklungen im Greater Middle East nur noch Zaungast sei. Die Frage ist, ob das positiv oder negativ ist. Nach dem imperial overstretch der USA infolge des Irakkriegs, nach der strategischen Überdehnung von EU und NATO im Osten, toben sich nun Russland und die Türkei im Greater Middle East aus, aber es bleibt abzuwarten, ob beide nicht auch einen imperial overstretch erleiden werden, zumal wenn man sich Erdogans ambitionierte neoosmanische Träume ansieht. Die EU und NATO könnte erst mal eine Verschnaufpause gebrauchen, die sie zur Konsoldierung und Neuorientierung nutzen könnte.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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