Short notice: Den Turbo bei der Globalisierung einschalten: gerade wegen Corona?

Interessant,wie nun über die Reorganisation und Neustrukturierung des globalen Wirtschaftssystems und seiner supply chains sowie Reregionalisierung diskutiert wird.Inzwischen werden auch der staatliche Schutz strategischer Industrien,Infrastrukturen,Logistikketten und systemrelevater Wirtschaftsbereiche angesprochen.Klingt fast ein wenig nach Putins Credo des staatlichen Schutzes von strategischen Industrien. Keynesianer wie Boeffinger und Flachsbeck genießen nun mediale Wertschätzung vor allen Neoliberalen.Man scheint sich einig,dass ein Weiter so nicht angemessen ist, wenngleich der Tenor ist, dass man die Globalisierung nicht völlig zurückdrehen kann und sie auch unbestreitbare Wohlstandsgewinne und Vorteile hat..Es gibt jedoch auch vermeintliche Kreuz- und Querdenker,die sich nun für eine Beschleunigung der Globalisierung aussprechen,wie dieser Beitrag von Anders Indset verdeutlicht, der ein trotziges „Jetzt erst recht“ in die Debatte schleudert. Anders Indset zählt angeblich ud laut Eigenwerbung zu den weltweit führenden Wirtschaftsphilosophen und gilt als vertrauter Sparrings-Partner für internationale Konzernchefs und führende Politiker. :

“ Das ist Wirtschaft im 21. Jahrhundert. Neue Plattformen werden einen kleinen (3 bis 5 Prozent) Teil vom Profit nehmen, doch es entsteht eine direkte Verbindung. So können Hersteller und Künstler durch Einsicht in eigene Daten erkennen, wer sie wo hört. Sie können dann dort Events veranstalten und von ihren Künsten leben. Ob Wuhan, Wolfsburg oder Worpswede: In der Welt-Wirtschaft gibt es in Zukunft keine Grenzen. Alles hängt mit allem zusammen. Die Gestaltung neuer Mikro-Ökonomien, die auf großer Bühne skaliert werden, ist bereits in vollem Gang. Plattform-Ökonomie, Share-Economy, Kreislaufwirtschaft, Aufmerksamkeitsökonomie: Es muss und wird weitergehen, denn nur so können wir Risiken minimieren. (…)

Dabei ist die Welt nicht wie vor 500 Jahren. Heute leben wir in einer globalen interdependenten Weltgesellschaft, auch wenn manche Führer meinen, sie müssten mit uns zurück zum Nationalismus und zur Aristokratie. 2002/2003 brach die SARS-Pandemie aus, und man rechnete mit mehreren Hunderttausend Toten. Am Ende waren es 774.

Vielleicht war die Übertreibung – und dies mag auch bei Corona der Fall sein – die bessere Lösung, als die Gefahr zu leicht zu nehmen. Denn bei einem wirklich ernsthaften Ausbruch stehen wir heute vor einer ganz anderen Herausforderung: In den vergangenen 15 bis 20 Jahren hat sich China von 4 auf 20 Prozent des Weltwirtschaft-Volumens entwickelt, und die Volksrepublik zählt zum wichtigsten Exportmarkt der deutschen und europäischen Wirtschaft. In China werden Autos gekauft, in den Bergdörfern füllen Chinesen heute Geldbeutel und Hotels, Waren und Produktion sind für die europäische Industrie wesentlich.

Doch vielleicht muss es erst schlimmer kommen, bevor es besser wird? Die Frage ist nur, wie viel schlimmer wir es uns erlauben können, und ob wir es darauf ankommen lassen wollen. Die Strukturen und die Entwicklung im 21. Jahrhundert müssen wir im Kern verstehen, es sind die Wirkkräfte des Wandels.

Die Welt ist nicht mehr, wie sie einmal war. Wir brauchen eine Gesellschaft des Verstandes: mit Respekt und Mitgefühl für alle Leidenden. Covid-19 werden wir meistern. Auf eine globale Lungenentzündung sind wir allerdings nicht vorbereitet. Lasst uns den Turbo bei der Globalisierung einschalten: gerade wegen Corona.



https://www.n-tv.de/wirtschaft/Lasst-uns-den-Globalisierungs-Turbo-zuenden-article21623385.html

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.