Regime change- Szenarien in Russland und den USA- nun auch mit Hilfe von Schamanen

Regime change- Szenarien in Russland und den USA- nun auch mit Hilfe von Schamanen

Laut Russlandexperten Alexander Rahr wird Nawalny am Sonntag auf dem Moskauer Flughafen in Handschellen abgeführt werden, das würde dann in der russischen Bevölkerung, die ihn für einen Verräter hält, bejubelt werden, in Deutschland dagegen zu weiteren Verstimmungen führen. Wenn Nawalny eingeknastet wird, gibt es dann sicherlich eine westliche Kampagne für seine Freilassung.Soweit bekannt, hatte Sascha Rahr ja Genscher bei der Exilierung Chodorkowskis geholfen.Ob das dann wiederholbar ist? Es bleiben Zweifel.Die Lage ist zugespitzter und Nawalny hat eine andere Persönlichkeitsstruktur.Rahr glaubt jedoch an ein anderes Szenario:

 „Putin wird Nawalny nicht sofort einkerkern. Aber der Blogger wird durch Gerichtsverfahren getrieben und verrieben werden. Wichtig wird nicht sein, wie der Westen reagiert. Das interessiert den Kreml nicht im Geringsten. Wichtig wird sein, ob mehr als 50 Leute kommen, um Nawalny bei der Ankunft zu begrüssen. „.

Interessant.Sind da westliche Medien dabei oder nur Putin-TV? Vielleicht passt ja das Begrüßungskommando auch in eine Telefonzelle.Da gehört schon Mut zu. Aber ist das der einzige Gradmesser und Indikator, denn der Gerichtsprozess kann ja auch dauern und zu Sympathiekundgebungen führen. Oder wird das ein Schautribunal oder Standgericht?Wer übernimmt denn die Verteidigung und wie lautet die Anklageschrift- oder schriften? Hört sich eher nach Zermürbungstaktik an.Aber Nawalny ist ein harter Knochen.Zudem wird er auch versuchen,die Prozesse als Forum und Bühne zu nutzen. Vorerst ist laut Rahr erst einmal folgendes zu erwarten:

„Nawalny will grossen Bahnhof. Kommen werden 5000. FSB wird da sein. Und westliche Reporter auch.” 

Nun bleibt erst einmal anzuwarten, ob Nawalny wirklich zurückkehrt oder lieber im Exil bleibt, zumal man nie weiss, ob derartige Äusserungen nicht vielleicht Lockfinten oder versteckte Drohungen im Rahmen einer Desinformationskampagne des Kreml sind.

Nach den politischen Morden an Nemzrow, Politskaja und der Vergiftung Nawalnys und nun dessen scheinbarer Wiederkehr, sucht man im Westen nach weiteren Gralsgestalten gegen Putin, wobei man auch schon mal den von Putin  abgesezten Gouverneur der russischen Nazipartei Schirinowskis zeitweilig als Oppositionellen hochlobte. Doch die russische Opposition wird immer skurriler und esoterischer. Hier die neueste Lichtgestalt des Westens gegen Putin und der alternative Hoffnungsträger der grünen taz:

Oppositioneller Schamane in Russland: Mit weißem Pferd gegen den Kreml

Von Sibirien nach Moskau, um den Dämon Vladimir Putin zu vertreiben: Alexander Gabyscheff erregt auf YouTube Aufmerksamkeit. Und erlebt Repression.

Bei Alexander Gabyschew läuft es demnächst wieder – ab März und mit 1 PS. In dieser Woche kündigte der selbst ernannte „kriegerische Schamane“ auf Youtube an, sich erneut aus dem sibirischen Jakutsk auf den Weg in die russische Hauptstadt Moskau zu machen. Die rund 8.000 Kilometer will er dieses Mal nicht zu Fuß, sondern auf einem weißen Pferd zurücklegen, Unterstützer*innen könnten ihm ja in Autos folgen. „Wir werden Sibirien durchqueren und dann den Ural erreichen. Dann ist es nur noch ein Katzensprung nach Moskau“, sagte Gabyschew. Sein Ziel ist der Kreml – genauer gesagt Präsident Wladimir Putin, den er vertreiben will.

Der 52-Jährige wurde in Jakutien geboren. Dort absolvierte er ein Geschichtsstudium, arbeitete jedoch als Schweißer und Hausmeister. Sein schamanisches Erweckungserlebnis hatte er 2009 infolge des Todes seiner Frau, den er meditierend verarbeitete.

Den ersten Ausflug nach Moskau unternahm Gabyschew 2018, um seinen Landsleuten den traditionellen Glauben der kleinen Völker Sibiriens näher zu bringen. Das Unternehmen fand ein jähes Ende, als sein Hund buchstäblich unter die Räder kam und medizinisch behandelt werden musste.

Ein Jahr später nahm Gabyschew erneut Kurs auf Moskau – notwendige Reiseutensilien, wie eine Jurte, zog er auf einem Handwagen hinter sich her. Jedoch war die Mission eine andere: Putin verjagen. Seine Aufgabe sei es, im Land eine Demokratie zu errichten und für Harmonie zu sorgen. Putin jedoch sei ein Dämon, die Natur liebe ihn nicht. Überall, wo Putin auftauche, ereigneten sich Katastrophen. Deshalb müsse der Präsident weg, friedlich, wenn nötig aber auch mit Gewalt, sagte Gabyschew.

Politischer Gefangener in der Psychiatrie

Unterwegs erfreute sich der Schamane wachsenden Zuspruchs. Wohlmeinende Bür­ger*in­nen versorgten ihn mit Geld und ­Lebensmitteln. Videos wurden millionenfach geklickt.

Am 19. September wurde Gabyschew an der Grenze zwischen Burjatien und dem Gebiet Irkutsk festgenommen, nach Jakutsk überstellt und dort in die Psychiatrie eingewiesen. Am 3. Oktober wurde er von Amts wegen für „verrückt“ erklärt. Damit einher ging ein Strafverfahren wegen Aufrufs zum Extremismus. Amnesty International führt Gabyschew als politischen Gefangenen.

Ein weiterer Reiseversuch im Dezember endete nach wenigen Tagen mit einer erneuten Festnahme und einer Verurteilung zu einer Geldstrafe von umgerechnet 11 Euro wegen Beschädigung der Uniformjacke eines Polizisten. Auch 2020 verbrachte Gabyschew wieder mehrere Monate zwangsweise in der Psychiatrie. Doch der Schamane lässt partout nicht locker.

Im Herbst 2019 sagte der amerikanisch-belarussische Politikberater Witali Schklarow, dass Gabyschew dem Kreml viel gefährlicher werden könne als Protestaktionen in Moskau mit mehreren tausend Teilnehmer*innen. Mal sehen, wie lange seine Reise wohl dieses Mal ­dauert.

https://taz.de/Oppositioneller-Schamane-in-Russland/!5739219/

Mann mit langen Haaren und bemaltem Gesicht

Guter Oppositionsschamane in Russland

A man wearing a horned fur hat holding a spear yells inside the US Capitol Building while holding a spear.

Böser Oppositionsschamane in den USA

Spiritueller naturgeistlicher Exzorzismus aus den Tiefen Sibiriens, es fehlt jetzt nur noch ein Exorzist aus dem Vatikan, was beim Polenpapst Johannes Paul 2 ja noch denkbar gewesen wäre. Und es fehlt nur noch ein neuer Rasputin im Kreml und gegen Putin und der regime change ist perfekt. Während Trump-fanatische US-Schamanen, die mit Fellmütze und Büffelhörnern auf dem Kopf und Stars und Stripe-befahntem Speer das Kapitol stürmen seitens der westlichen Medien als offensichtliche Fanatiker angesehen werden, als Geisteskranke und die archaische Inkarnation von Verrücktheit, so gelten russische Schamanen, die zu weißen Pferde in den Kreml stürmen wollen als ultima ratio und Hoffnungsträger des Volkes und von Teilen des Westens.

Aber es ist kein Wunder in solch religiösen Ländern wie Russland und den USA, dass da Irrationalismus Urstände feiert. Vielleicht ruft Putin dann die russisch-orthodoxe Kirche zu Hilfe und entwickelt sich das Ganze noch zu einem Glaubenstreit zwischen Ökologismus und Indeustrialismus, monotheistischem Mystizismus und neopaganen und neuheidnischen Bewegungen mit etwas Blut- und Bodenphilsophie, auf die dann auch wieder Nationalisten und Faschisten auf seinem esoterischen Kreuzzug aufspringen können, wenn man die Büchse der Pandora einmal öffnet, zumal die Proteste in Ostrussland ja auch viele Schrinowskianhänger dabei hatten. Mother Earth against Mother Russia oder aber beides irgendwie synkretisch vereint. Da könnte Putin Nawanlny fast schon wieder als rationalerer Gegner erscheinen.

Zudem vergessen viele regime change- Unterstützer im Westen, dass die Bevölkerung in Russlands Fernen Osten vielleicht nicht so modern wie im westlichen, urbanen Russland in Moskau und St. Petersburg ist, wahrscheinlich wesentlich konservativer und autoritätsgläubiger und lieber einen noch stärkeren Mann in Moskau hätte, der sie nicht vergisst. Der Zar ist weit, aber mit einem wirklich starken Mann im dekadenten Moskau könnte er nahe sein und sich um einen kümmern. Zumdinestens muss der oppositionelle Schamane erst einmal einen Langen Marsch antreten, der distanzmäßig wesentlich länger ist als Mussolinis Marsch auf Rom oder Maos Langer Marrsch nach Yenan und eine Anhängerschaft anziehen könnte, die gar nicht im Interesse des Erfinders ist, ihn zwar als Eisbrecher wahrnimmt, aber dann die Regie beim Kremlsturm selbst übernimmt. Und auf der langen Strecke könnte der Oppositionsschamane und sein weißes Pferd auch noch von einem FSB-trainierten sibirischen Tiger aufgefressen werden, wenn kein Novitschok in der Unterhose plaziert werden kann, da Liebhaber ungebändigter Naturgeister eben vielleicht auch keine Unterhosen tragen, sondern naturwüchsig rüberkommen wollen.

Während in Teilen des Westen neue regime change-träume aufblühen, sieht Putin nach Trumps vorerst gescheiterten regime change in den USA der Zukunft ebenso hoffnungsvoll entgegen. Zumal inzwischen selbst eine US-Militärdiktatur zur Rettung Trumps in westlichen Medien offen diskutiert wird, wie im folgenden FAZ-Interview:

„Wie Trump mit Hilfe des Militärs an der Macht bleiben könnte

Ist ein Militärputsch in Amerika ausgeschlossen? Der Verfassungsrechtler Russell Miller über Neuland und Hoffnung in einem System des Scheiterns.

Herr Professor Miller, die Vereinigten Stabschefs des amerikanischen Militärs haben den Sturm auf das Capitol verurteilt und alle Angehörigen des Militärs an ihre Pflichten erinnert. Könnte der amtierende Präsident Trump gleichwohl mit Hilfe des Militärs an der Macht bleiben?

Eine beunruhigende Frage. Aber: Ja, das wäre möglich. Schon vor dem Aufstand am Capitol gab es Berichte über einen inneren Zirkel im Weißen Haus, der über extreme Strategien diskutiert hat, damit Trump nach dem 20. Januar an der Macht bleiben kann. Es scheint, dass die Ausrufung des Kriegsrechts tatsächlich einer dieser verzweifelten Pläne war. Es fällt schwer zu glauben, dass dies eine Diskussion im Herzen von Amerikas alter und meist bewundernswerter Demokratie ist. Aber zumindest aus der Perspektive des positiven Rechts ist das nicht ausgeschlossen. Es gibt verfassungsmäßige Beschränkungen für die Ausübung der Macht des Präsidenten als Oberbefehlshaber, besonders im Innern. Die Macht über das Militär teilt er sich mit dem Kongress, der Kriege erklären kann und das Militär finanziert. Auch die Grundrechte schränken die Befugnisse des Präsidenten ein. Schließlich hat der Oberste Gerichtshof entschieden, dass der Umfang der Befugnisse des Präsidenten im Innern durch die Berücksichtigung der Absicht des Kongresses festgelegt wird. Diese gegenseitige Kontrolle wird durch die klare Zuweisung der Kompetenz über den Einsatz der Streitkräfte im Inland an den Kongress verstärkt. Die Verfassung von 1787 gewährt dem Kongress die Macht, „die Miliz aufzurufen, um die Gesetze der Union auszuführen, Aufstände zu unterdrücken und Invasionen abzuwehren“.“

Die näheren Ausführungen zum Posse Comitatus Act von 1878 und zum Insurrection Act und wetergehenden Putschszenarien kann man ausführlich im FAZ- Interview nachlesen:

https://www.faz.net/aktuell/politik/staat-und-recht/trump-ein-moeglicher-militaerputsch-und-das-verfassungsrecht-17144669.html

Das FBI warnt vor „bewaffneten Protesten“ in den Hauptstädten der Bundesstaaten und in Washington bei Bidens Amtseinführung, da Trump-Anhänger bereits mobilisieren würden. Was für ein Euphemismus. Als Trump-unterstützende Milizen im vergangenen Jahr die Gouverneurin von Michigan entführen und sie hinrichten wollten, was damals gerade noch vom FBI unterbunden wurde, wurde dies als Akt einer kleinen Minderheit und nicht als Vorbild dessen angesehen, was kommen könnte und wird. Das war die Vorlage für den Sturm aufs Capitol,,Warum nennst man es nicht einfach Terrorismus und führt mal einen weiteren entschiedenenen War on Terror? Der Grund ist recht einfach: Es ist inländisch, man fürchtet denzweiten ameriknaischen Bürgerkrieg und es sind eben nicht nur eine „small minority of extremists“ wie Joe Biden verkündet, sondern eben auch Trump, Trumpisten, Tea Partybewegung , Gingriches, Altright, sogenannt legalistische konservative Revolutionäre, Neocons, breite Teile der Republikaner und auch der Bevölkerung, die da als aktive Sympathisanten des Ganzen agieren und es vorantreiben., ja auch Bidens Wahlsieg immer noch nicht anerkennen, sondern einfach sich selbst als einzige Macht und als 1 Parteiensystem in den USA durchsetzen wollen.

Interessantes Detail: Der gemeinsame Generalstab, sein Chef Milley und hochrangige US-Generäle haben jetzt einen offenen Brief geschrieben, in dem sie klarstellten, dass das US-Militär nicht Einzelpersonen, sondern die Verfassung unterstützen und schützen werde. Vielleicht muss das Militär eingreifen, wenn die Polizei und die Nationalgarde nicht ausreichen. Trump hat jedoch auch Anhänger in der Polizei, der Nationalgarde und dem Militär. Interessant ist auch, dass das Außenministerium von Pompeo auf seiner Website veröffentlicht hat, dass Trumps Amtszeit abgelaufen sei. Gleichzeitig behauptet Pompeo, dass der Iran und Al Qaida zusammenarbeiten würden. Vielleicht könnte es einen angeblichen islamistischen Angriff auf die USA geben, der dann den Vorwand für einen Krieg mit dem Iran darstellt. Und dann könnten sich die meisten Amerikaner um die Flagge versammeln, auch das Militär.  Möglich, dass es eher zu einem regime change in den USA kommt als gegen Putin oder man die innenpolitische Krise außenpolitisch kanalisiert. Letzteres könnte sich aber je nach Ausgang auch wieder gegen Russland richten und dann hätte sich Putin mit seiner Trumpunterstützung verkalkuliert und würde die Arschkarte ziehen. Vorerst aber sind Putin und Xi erst einmal zufrieden, dass die USA innenpolitisch mit sich selbst und der Covidkrise beschäftigt und paralysiert sind, ja der Welt vorführen, dass die USA keine verlässliche Macht mehr sind und Demokratie eher zu Chaos und Instabilität führt.

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