Putin: Kühl kalkulierender und nüchterner Schachspieler oder seniler, machttrunkener 69-jähriger Greis?

Putin: Kühl kalkulierender und nüchterner Schachspieler oder seniler, machttrunkener 69-jähriger Greis?

So ganz überraschend kam die Anerkennung der Seperatistenrepubliken nicht. Zum einen schon der frühzeitge Beschluss der Duma, dann die russische Propaganda über einen Genozid an Russen in der Ukraine als erste Omen. Global Review sagte dies schon mit dem Artikel „Wird der 20. Februar Novorussia D-Day?“ voraus, wie uns auch während der Münchner Sicherheitskonferenz aufgrund der verhärteten Positionen, der Absage der russischen Delegation, Putins und Lawrows als auch der ablehnenden Haltung Russlands gegenüber Dr. Rahrs Vorschlag eines NATO-Stoppmoratorums als auch des westliche Unwillens über eine Neutralität der Ukraine mit Südtiroler Autonomielösung nach Konzept des von Globa Review veröffentlichten Artikels des ehemaligen österrichischen Generalsekretärs Dr. Walter Schwimmersüberhaupt zu diskutieren, bewusst wurde, dass es zu keiner diplomatischen Lösung kommen würde. Ebenso geht es eben nicht nur um die Ukraine, sondern wie der russische Vertragsentwurf zeigt um einen Rollback der NATO vor die Grenzen von 1997 und um eine neue Europäische Sicherheitsarchtitektur.

Vergleiche auch: „Wird der 20. Februar Novorussia D-Day?“

https://www.global-review.info/2022/02/11/ukraine-will-february-20th-be-novorussia-d-day/

Bei der Analyse der heutigen Geopolitik unter Putin bezeichnete der ehemalige Chefinspekteur des Auswärtigen Amts Dr. Hans-Ulrich Seidt diese als „Strategie der dynamischen Defensive“ die im wesentlichen  das Denkerpaar Snesarew und Swetschin (die in ihrem Schaffen mit dem Duo Marx/Engels verglichen werden)  in ihrer Auseinandersetzung mit Clausewitz und russischer Geopolitik vom Zarenreich bis unter den Bolschewiki als ideen- und handlungsrelevant für die heutige russische Geopolitik unter Putin sieht.

Speziell Snesarews Sicht des Britischen Empires weniger als Demokratie, sondern als imperiales Finanzzentrum, das unaufrichtig ist und mittels des russisch-britischen Vertrags von 1907 Russland einhegen, Britisch-Indien als wichtigsten Baustein seines Empires erhalten, sich den Zugang zu den ölreichen Gebiete des Greater Middle East schaffen und zugleich Russland als Juniorpartner des British Empire in Stellung gegen das Deutsche Reich bringen wollte, werden analog für die heutige Sichtweise der USA durch Russlands strategische Entscheider gesehen. Putin, Gerassimow und noch 3 andere Leute aus der russischen Sicherheitselite als Belege zitieren ausgiebig Snesarew, wie es auch ein Revival seiner Werke in Russland gibt, ja selbst Alexander Solschenyzin wird als Kronzeuge gleichen Denkens innerhalb der russischen Bildungsintelligentsia genannt.

Snesarews Geostrategie sah dann als Conclusio eine unabhängige Außenpolitik Rußlands , die sich nicht von der damaligen Weltmacht GB instrumentalisieren lässt, auch nicht als dessen Juniorpartner oder untergeordneter Juniorpartner, sondern gegenüber dem British Empire eher eine defensive Ermattungsstratgie verfolgt, zumal in Kooperation mit dem sich modernisierenden China und mehr mit einer eurasischen Ausrichtung und sich nicht in eine Konfrontation mit der neuen aufsteigenden Weltmacht Deutsches Reich treiben lässt.

Als definierende Passage für den Terminus „Strategie der dynamischen Defensive“ ist folgende zu nennen:

„Jenseits der tiefgreifenden politischen Zäsuren des 20. Jahrhunderts lassen sich also jene Leitideen aufzeigen, die 100 Jahre nach dem 3. Anglo-Afghanischen Krieg, 40 Jahre nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan, 30 Jahre nach ihrem Rückzug und 20 Jahre nach dem Einzug Wladimir Putins in den Kreml die Geostrategie Russlands bestimmen. Sie sind historisch fundiert, geopolitisch ausgerichtet und konzentrieren sich auf den eurasischen Raum. Dabei sieht sich Moskau aufgrund seiner ökonomischen und demographischen Schwäche in der strategischen Defensive und wartet ab, bis die Hauptgegner, die USA mit ihren europäischen Verbündeten, politisch, ökonomisch und militärisch ermatten. Jedoch kann unterhalb der strategischen Ebene, falls möglich und erforderlich, offensiv gehandelt werden. Vorrausetzung dafür ist allerdings eine von der politischen Führung zu billigende, sorgfältige Planung. Sie muss klare räumliche und zeitliche Begrenzungen der jeweiligen Operationen vorsehen. Sie solte-wenn irgend möglich-verdeckt und durch Sonderkräfte, nicht durch reguläre Einheiten erfolgen.“

( Vergleiche: Dr. Hans Ulrich Seidt „Lehrjahre am  Hindukusch: Kontinuität und Zäsuren russischer Geostratege“ in Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik ZFAS)

Vergleiche auch den GRartikel  “Russlands Geostrategie der strategischen Geduld, des Asian Pivot und ihr Chefideologe Karaganow“ von 1. Oktober 2018.

In einem neueren Interview mit SNA/Novostoi erklärte Dr. Seidt, der einen Sonderstatus für den Donbass als mögliche Lösung der Ukrainekrise ansah, gleichlautend:

„Ich habe den Eindruck, dass die russische Führung sehr sorgfältig die sowjetischen Erfahrungen in Afghanistan ausgewertet und daraus Lehren gezogen hat. Ich glaube auch, dass Russland eine große eurasische Großmacht ist und bleibt, eine eurasische Großmacht zwischen Sankt Petersburg und Wladiwostok, deren Bedeutung und Wirkungsmöglichkeiten gerade im militärischen Bereich weit über ihr Territorium hinausreichen. Insofern ist das Potenzial durchaus vorhanden, auch der Wille zur Machtprojektion ist gegeben.(…)

Wird sich die Führung Russlands in der aktuellen Lage mit einer Demonstration ihres militärischen Potenzials begnügen? Das würde aus meiner Sicht auf eine genau durchdachte und sorgfältig kalkulierte strategische Selbstbeschränkung der russischen Führung hinweisen.“

https://snanews.de/20220217/sonderstatus-fuer-donbass-republiken-5389640.html

Nun hat Putin mit der Anerkennung von Donetsk und Lugansk, der wahrscheinlich auch die Entsendung russischer Truppen folgen wird, ja dann als nächste Stufe auch die Besetzung des gesamten Donbass die erwartete Selbstbeschränkung scheinbar nicht erfüllt. Umgekehrt stimmt die Theorie aber noch soweit, dass es bisher auch kein zweites Afghanistan ist und Russland auch noch nicht die ganze Ukraine besetzt hat und um sie Krieg führt und damit in einen Besatzungssumpf ala Afghanistan reingezogen wurde. Aber das könnte durchaus noch kommen.

General a. D Kujat sieht das russische strategische Denken ähnlich wie Dr. Seidt und glaubt an eine Selbstbeschränkung Putins,um ein zweites Afghanistan zu verhindern als Lehre der Geschichte und dass man dieses Denken dazu nutzen könnte, u eine Mega-Invasion in der Ukraine zu verhindern..

https://m.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise/interview-mit-harald-kujat-ex-general-kujat-analysiert-was-putins-mega-invasion-verhindern-koennte_id_57624964.html

Nawalny glaubt hingegen, dass Putin jetzt erst recht eskalieren werde, in der Ukraine, dann in Osteuropa, Zentralasien, Finnland und dem Baltikum. Er sei nicht der rationale, kühl kalkulierende Schachspieler und Stratege, sondern ein 69jahriger seniler Greis, der von Gauner umgeben sei. Alexey Nawalny, der berühmteste Oppositionelle Russlands, sitzt immer noch im Gefängnis. Doch auch von dort verfolgt er die neusten Geschehnisse rund um Putin und die Ukraine. Nun meldete er sich via Twitter zu Wort. Das ist der Wortlaut:

„Gestern schaute ich die ‚Sitzung des Sicherheitsrats‘, diese Zusammenkunft von Schwachsinnigen und Gaunern (es kommt mir so vor als habe unsere Anti-Korruptions-Einheit zu jedem einzelnen von ihnen ermittelt). Und ich dachte an die Schwachköpfe aus dem Politbüro des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion – die, ganz ähnlich, aus einer Laune heraus, sich selbst als Geopolitiker am ‚großen Schachbrett‘ wähnend, entschieden, sowjetische Truppen nach Afghanistan zu schicken.

„Die dementen Greise rund um Putin haben nicht mal eine Ideologie“

Das Ergebnis waren Hunderttausende Opfer. Ganze Nationen wurden verletzt. Die Folgen haben Russland und Afghanistan bis heute nicht überwunden. Und es war schließlich ein Auslöser für den Zerfall der UDSSR. Diese Trottel aus dem Büro taten dies unter dem Deckmantel einer zwei-gesichtigen Ideologie. Die dementen Greise rund um Putin haben nicht mal eine Ideologie. Sie haben nur andauernde und unverhüllte Lügen. Sie scheren sich nicht mal darum, ihrer Invasion die geringste Glaubwürdigkeit zu verleihen.

Sowohl das Politbüro als auch Putin geht es um eine Sache: Die Aufmerksamkeit von den wirklichen Problemen der Russen abzulenken: die Entwicklung der Wirtschaft, höhere Preise, regierende Gerichtslosigkeit. Diese Aufmerksamkeit wird stattdessen auf imperialistische Hysterie gelenkt.

Wann haben Sie das letzte Mal Nachrichten im staatlichen Fernsehen geschaut? Ich schaue nur das derzeit und ich kann Ihnen versichern: Es gibt da keine Nachrichten aus Russland. Es geht nur um die Ukraine, die USA, Europa. Reine Propaganda reicht den senilen Gaunern nicht mehr. Sie wollen Blut. Sie wollen ihre Panzerfiguren über eine Landkarte der Feindseligkeiten fahren lassen.

„Ein 69-jähriger, betrunkener Großvater, der ein Land regiert, das Atomwaffen besitzt“

Und so gibt der Kopf des Politbüros im 21. Jahrhundert eine wirklich verrückte Rede. Auf Twitter las ich dazu die perfekte Metapher: ‚Es war wie der betrunkene Großvater auf der Familienfeier, der jeden damit nervt, dass er erklären will, wie Weltpolitik wirklich funktioniert.‘

Das wäre lustig, wäre der betrunkene Großvater nicht ein 69-Jähriger, der ein Land regiert, das Atomwaffen besitzt.

Ersetzen Sie in seiner Rede ‚Ukraine‘ durch ‚Kasachstan‘, ‚Belarus‘, ‚Baltische Staaten‘, ‚Aserbaidschan‘, ‚Usbekistan‘ und so weiter, sogar durch ‚Finnland‚. Und dann denken Sie darüber nach, wo der Zug seiner geopolitischen Gedanken als nächstes Station machen könnte.

„Wir vergeuden eine historische Chance“

1979 endete das alles sehr übel für alle. Und es wird auch jetzt übel enden. Afghanistan wurde zerstört, doch die UDSSR behielt eine tödliche Wunde. Wegen Putin könnten jetzt Hunderte ukrainische und russische Bürger sterben. Vielleicht werden es in Zukunft Zehntausende sein. Er wird der Ukrainer keine Entwicklung erlauben. Er wird es in einen Sumpf hinabziehen. Aber Russland wird denselben Preis zahlen.

Wir haben alles, um uns im 21. Jahrhundert gewaltig zu entwickeln. Öl. Gut ausgebildete Bürger. Aber wir werden unser Geld verschwenden und vergeuden unsere historische Chance ein normales, reiches Leben zu führen. Für einen Krieg. Für Schmutz. Für den Palast mit goldenen Adlern in Gelendzhik (Anm. der Redaktion: Hier soll eine milliardenteure Residenz Putins stehen).

„Putin und die senilen Gauner sind die größten Feinde Russlands“

Putin und die anderen senilen Gauner aus dem Sicherheitsrat sind die Feinde Russlands und seine größte Bedrohung. Nicht die Ukraine oder der Westen. Putin tötet und will noch mehr töten.

Der Kreml macht euch ärmer, nicht Washington. Es liegt nicht an London, dass wir hier eine Wirtschaftspolitik betreiben, die die Preise verdoppelt. Es liegt an Moskau.

Um für Russland zu kämpfen, um es zu bewahren, müssen wir darum kämpfen, dass Putin und seine Kleptokraten ihre Macht verlieren. Und das ist auch ein ‚Kampf um Frieden‘.“

https://m.focus.de/politik/ausland/ukraine-krise/nachricht-aus-dem-knast-putins-groesster-gegenspieler-putin-und-seine-senilen-gauner-sind-die-groessten-feinde-russlands_id_57793745.html

Trump lobt wiederum Putin als schlau, clever und behauptet unter seiner US-Präsidentschaft wäre es nie zu dieser Eskalation gekommen.

„Ukraine-Konflikt: Trump voll des Lobes für Putins Vorgehen – „genial“, „schlau“, „smart“

Trump hat das Vorgehen des Kremlchefs in der Ukraine-Krise als „genial“ und „schlau“ bezeichnet. Der Ex-US-Präsident sagte am Dienstag in einer konservativen Radio-Talk-Sendung mit Blick auf Putins jüngste Entscheidungen: „Das ist genial.“ Der russische Präsident erkläre einen großen Teil der Ukraine für unabhängig und schicke „Friedenstruppen“ dorthin. „Wie schlau ist das denn?“, erklärte Trump. Mit Blick auf Putin sagte er: „Das ist ein Mann, der sehr klug ist. Ich kenne ihn sehr gut.“ Der russische Präsident sei „smart“ und „ausgebufft“, so Trump weiter.

„Das ist die stärkste Friedenstruppe, die ich jemals gesehen habe. Da gab es mehr Panzer, als ich jemals gesehen habe.“ Eine solche Friedenstruppe könnten die USA an ihrer Südgrenze gebrauchen, fügte Trump in einem Nebensatz hinzu – ein Verweis auf die Ankunft zahlreicher Migranten aus Zentralamerika an der US-Grenze zu Mexiko. Der Rechtspopulist Trump hatte im Weißen Haus auf einen harten Kurs in der Flüchtlings- und Einwanderungspolitik gesetzt – der Bau einer Grenzmauer zu Mexiko war eines seiner Prestigeprojekte.(…)

Trump hatte bereits zuvor Bidens Kurs in der Ukraine-Krise kritisiert und behauptet, wäre er Präsident, wären die Spannungen mit Russland nie derart eskaliert. Nie sei jemand härter zu Russland gewesen, und Putin und er hätten einander respektiert. Kritiker hatten dagegen Trump in seiner Amtszeit vorgeworfen, den Kremlchef mit Samthandschuhen anzufassen. US-Ermittlungsbehörden zufolge hatte sich die russische Regierung „in umfassender und systematischer Weise“ in die US-Präsidentenwahl 2016 eingemischt, aus der Trump damals als Sieger hervorging.

https://www.merkur.de/politik/ukraine-konflikt-putin-russland-trump-begeistert-vorgehen-einmarsch-invasion-ex-us-praesident-91366713.html

Wohl richtig dürfte sein, dass Trump wohl z.B. bezüglich einer Neutralität der Ukraine wohl nicht abgeneigt wäre, ja vielleicht würde er sogar Donetsk und Lugansk anerkennen und Putin überlassen. Die Frage ist jedoch, ob er mit seinem Infragestellen der NATO-Beistandsartikel und erratischen Art Putin nicht erst ermutigt hätte. Auch stellt sich die Frage, was an Europa Trump zu opfern bereit gewesen wäre bei einem Deal. mit Putin und ob er nicht sogar auf Teile des russischen Vertragsentwurf eingegangen wäre. Wäre Trump bereit die NATO zurückzurollen, auch um Russland in einem sinoamerikanischen Konflikt auf seiner Seite oder zumindestens neutral zu halten? Möglicherweise stellt sich diese Frage im Falle einer Wiederwahl. bald wieder und möglicherweise hat dies Putin und 2024 auch als Perspektive.

Interessanter Kommentar auch von Ulrich Reitz im Focus in seinem Beitrag “Wer meint Putin bestrfen zu können, begeht einen Denkfehler“. Seine Meinung:

Sanktionen im Nachhinein, sei keine Abschreckung im Vorhinein, vor allem wenn es sich dann auch noch um Sanktiönchen handele. Auch ist er der Meinung, dass N2 noch nicht vom Tisch sei und die Sache mit der Betriebsgenehmigung eher ein Trick von Scholz, um die Pipeline noch zu retten und erst Mal aus der Schusslinie zu nehmen. Aber der Westen habe geopolitisches Machtdenken infolge des Globalisierungshypes und der Friedensdividende sowie Abschreckung verlernt. Es gab nie ein Ende der Geschichte.

https://m.focus.de/politik/ausland/ein-kommentar-von-ulrich-reitz-putin-bestrafen-zu-wollen-produziert-einen-denkfehler_id_57800359.html

Perspektivisch ist auch die Frage,was passiert,wenn Deutschland N2 beseitigt und das 2%Ziel der NATO dann realisiert äatte.Wären dann Firden in den trasatlantischen Beziehungen und Trump’s Bedenken ausgeräumt, falls er wiedergewählt werden sollte oder würde er dann auf den Kauf US-amerikanischer Waffensysteme bestehen. Stichwort F35 statt europäischer/deutsch-französischer Joint Fighter. Würde es dann zum nächsten transatlantischen Streit kommen oder zu einem deutsch-französischen Zerwürfnis,f alls Deutschland wieAustralien eineArt U-Bootdeal.macht. Und wäre dies überhaupt eine Garantie,dassTrump die NATO weiter ernst nimmt und nicht doch mit Putin einen Deal auf Kosten der Europäer macht,wie er ja auch die EU als Wirtschaftskonkurrenten „kleiner,aber schlimmer als China“ betrachtet, aber als militärisch und politisch schwach und an deren Zersetzung wie Xi und Putin arbeitet? General a. D. Domroese meinte dazu auch noch: „

„…viel schlimmer als alles andere ist die Bedeutungslosigkeit der Europäer!!“

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