Trends in der polykrisenhaften Zeitenwende: Vertikale versus bisheriger horizontaler Integration , Umstellung auf Kriegswirtschaft für einen „protracted war“ und eine neue digitale Planwirtschaft?

Trends in der polykrisenhaften Zeitenwende: Vertikale versus bisheriger horizontaler Integration , Umstellung auf Kriegswirtschaft für einen „protracted war“ und eine neue digitale Planwirtschaft?

In der ganzen Diskussion um Decoupeln, Dersiking, „hard break“, Globalisierung 2.0. Glolocalization, Offshoring, Nearshoring, Kriegswirtschaft, Neokeynesianismus, Neoliberalismus und Libertarismus ala Argentinien Milei und Bitcoin- El Salvador ist noch nicht ganz klar, was herauskommen und sich durchsetzen wird. Die Jungle World hat jedoch einmal einen ganz interessanten Aspekt herausgestellt- vertikale integration versus horizontaler Integration, zumal sie da nicht wie die Relotius- Presse mit ihren tagesaktuellen soft Themen und einziger Erwähnung von Elon Musk als Irren, Visionär oder E- Autohersteller sieht, sondern eben auch als Vorreiter eines Paradigmenwechsels:

04.01.2024

Konzerne sind bemüht, wieder mehr Produktionsschritte unter direkte Kontrolle zu bringen

Vertikal gewinnt

Outsourcing und komplexe Lieferketten können Kosten sparen – dennoch versuchen zahlreiche Konzerne nun immer stärker, möglichst viele Produktionsschritte selbst zu kontrollieren. Die sogenannte ­vertikale Integration ist eine Reaktion auf die kapitalistische Dauer­krise und weltpolitische Konflikte.

Von

Tomasz Koniczmail

Am Anfang war der Elektroautokonzern Tesla – nicht nur als Pionier des öko­logischen Selbstbetrugs, den die kapitalistische Elektromobilität darstellt, sondern auch als Avantgarde einer neuen Organisationsstruktur, die derzeit in Reaktion auf die multiplen Krisenschübe allerorten Nachahmer und breite Anwendung findet. Das Tesla-Prinzip erlebte in der Covid-19-Pandemie seinen Durchbruch. Weil Tesla von der Herstellung zahlreicher Einzelteile bis zur Fertigung der Autos und deren Verkauf den Produktionsprozess weitestgehend selbst organisiert, konnte der Autokonzern die disruptiven Effekte der Pandemie, unter der vor allem stark globalisierte Industriesektoren wie der Autobau litten, minimieren.

Eine solche Strategie einer »vertikalen Integration« war bis vor kurzem unüblich; im neoliberalen Zeitalter dominierte das Streben der Konzerne nach »horizontaler Integration«. Tesla war hinsichtlich seiner Organisationsstruktur ein Außenseiter, womit er in der Pandemie jedoch das große Los gezogen hatte.

Unter horizontaler Integration versteht die Ökonomie Geschäftsstrategien, die darauf abzielen, den Marktanteil durch Übernahmen von Konkurrenten zu erhöhen. Mit höherem Marktanteil wird der Konkurrenzdruck reduziert, es werden neue Märkte erschlossen, die Verhandlungsposition in den globalen Lieferketten wird gestärkt. Das Ende und Ziel aller Marktkonkurrenz ist das Monopol, wie es etwa Microsoft im Segment der Computerbetriebssysteme errungen hat.

In der Ära der Globalisierung ging das Streben des Kapitals nach »horizontaler« Marktdominanz mit der Tendenz zum Outsourcing einher.

In der Ära der Globalisierung ging das Streben des Kapitals nach »horizontaler« Marktdominanz mit der Tendenz zum Outsourcing einher, dem Abstoßen von Unternehmensbereichen, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Hierbei wurden arbeitsintensive, umweltschädliche oder wenig lukrative Bereiche oder Fertigungsschritte (Vorprodukte, Komponenten, Dienstleistungen) an formell oder reell unabhängige Fremdunternehmen ausgelagert, die oft in Billiglohnländern angesiedelt waren. Das ging zumeist mit Entlassungswellen in den Zentren einher. Letztlich basierte das renditesteigernde Outsourcing auf einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, auf einer Absenkung der Kosten der Ware Arbeitskraft als des »variablen Kapitals« (Marx) im Verwertungsprozess.

In der Ära der Globalisierung entstanden auf diese Weise unüberschaubare und weitverzweigte globale Produktions- und Lieferketten, die es horizontal integrierten Konzernen in den Zentren des Weltsystems ermöglichten, ihre Marktmacht gegenüber einer ­unüberschaubaren Zahl von Zulieferern in der Peripherie – wo die Ausbeutung weiterhin frühkapitalistische Züge trägt – auszuspielen.

Tesla als Modell der vertikalen Integration

Vertikale Integration bildete im globalisierten Neoliberalismus hingegen eine Ausnahmeerscheinung, denn dabei wird der entgegengesetzte Weg eingeschlagen: Ein Konzern ist bemüht, die direkte Kontrolle über die Lieferkette und den gesamten Produktions- und Distributionsprozess zu erlangen.
Tesla stellt Batterien, Steuerungssoftware, Autositze und Elektromotoren konzernintern her. In der Pandemie, als die Containerschifffahrt zeitweise zum Erliegen kam und in zahlreichen Ländern Fabriken schließen mussten, wodurch andernorts Komponenten fehlten, zahlte sich das aus. Während der Lieferengpässe im Pandemiejahr 2021 konnte Tesla – Konzernleiter Elon Musk zufolge ein »absurd stark vertikal integrierter Konzern« – seinen Absatz um 87 Prozent steigern.

Andere Autohersteller wie General Motors (GM) hat das zur Nachahmung bewegt. GM ist nicht nur dabei, Batteriefabriken für seine Elektrofahrzeuge in den USA zu errichten, der Konzern sichert sich auch exklusiven Zugang zur Rohstoffgewinnung in Quebec (aktives Kathodenmaterial) und Südkalifornien (Lithium). Ford – historisch gesehen ein Pionier vertikaler Integration – baute ebenfalls ein eigenes Werk für Elektromotoren auf, während deutsche Hersteller, die Akkufabriken in Europa oft in Joint Ventures aufbauen, sich vor allem bemühen, die Software­produktion unter dem eigenen Konzerndach zu reintegrieren.

Noch in den siebziger Jahren fertigten PKW-Hersteller im Schnitt 90 Prozent ihrer Fahrzeuge selbst, in den vergangenen Jahren betrug dieser Eigenanteil nur noch 50 Prozent. Diese Dynamik kehrt sich jetzt wieder um, nicht nur in der Autoindustrie. Auch Markenhersteller, beispielsweise von Konsumgütern wie Kleidung, bemühen sich um Vertikalisierung, indem sie durch den Aufbau eigener Läden oder eines Online-Vertriebs den Einzelhandel immer mehr ausschalten.

Aber auch Einzelhandelskonzerne gehen zur Strategie vertikaler Integration über, wie es bislang vor allem deutsche Discounter wie Lidl mit ihren billigen Eigenmarken praktiziert haben. Edeka kaufte Brot- und Pastafabriken, die Rewe Group erwarb im März 2023 eine Großfleischerei. Diese große Übernahmewelle im Einzelhandel zielt auf die Absicherung der Lieferketten. Ähnliches vollzieht sich in den USA, wo der Einzelhandelskonzern Walmart Hunderte Millionen US-Dollar investiert, um eine eigene Rindfleischlieferkette aufzubauen.

Vertikale Integration als Krisenstrategie

Die ökologischen und geopolitischen Disruptionen des hochglobalisierten Weltmarkts, die durch die sozioökologische Krise des Kapitals an Häufigkeit und Schwere zunehmen, machen solche Krisenstrategien notwendig – denn darum handelt es sich bei der vertikalen Integration. Das britische Magazin The Economist beschrieb schon Mitte 2022, wie zunehmende Spannungen und Erschütterungen (Pandemie und Ukraine-Krieg) die globalisierten Lieferketten belasteten und einen grundlegenden Wandel einleiteten, da Entscheidungsträger in Konzernzentralen immer mehr darauf achteten, »nicht nur effiziente, sondern auch robuste Lieferketten« zu haben.

Dabei kämen neben der vertikalen Integration noch andere Strategien zur Anwendung, beispielsweise die, wieder größere Lager­kapazitäten aufzubauen, also Rohstoffe und Bauteile zu horten, oder die, Produktionsstandorte in mehreren Weltregionen aufzubauen, um regionale Krisen abfedern zu können. Ähnliches gelte für die Tendenz zum Abschluss langfristiger Verträge mit mehreren Rohstofflieferanten.

Der Trend zur vertikalen Integration bildet somit – ähnlich dem zum Near­shoring – ein Teilmoment eines umfassenden Wandels der globalen Produktions- und Handelsstruktur, der einer krisenbedingt einsetzenden Deglobalisierung gleichkommt.

Vor allem mit der vertikalen Integration reproduziert das Kapital heutzutage ein industrielles Organisationsmodell, das in der Endphase des real existierenden Sozialismus weitverbreitet war: das industrielle Kombinat. Es beruhte auf der aus der Not geborenen Idee, möglichst viele Vorprodukte in einem Unternehmen herzustellen, um den allgegenwärtigen Versorgungsproblemen im Staatssozialismus zu begegnen. Denn niemand traute seinen Lieferanten, Lieferengpässe stellen einen Dauerzustand dar.

Das Siechtum des osteuropäischen Staatskapitalismus sowjetischer Prägung spiegelt sich in der derzeitigen Krise der westlichen Zentren des Weltsystems.

Der Drang zum Horten und zur vertikalen Integration diente der Mangelverwaltung, wie sie der osteuropäische Staatskapitalismus in der Phase seines stagnativen Siechtums praktizierte. Dies gilt auch für den ebenfalls wieder beliebten Aufbau von Lagerkapazitäten, die in der Ära neoliberaler Globalisierung mit ihrer Just-in-time-Produktion oftmals auf die Straßen und Verkehrswege ausgelagert worden sind. Im real existierenden Staatskapitalismus bemühten sich alle Unternehmen um möglichst große Bestände an Rohstoffen und Komponenten, um für Lieferengpässe gewappnet zu sein, was den allgemeinen Mangel nur vergrößerte.

Miniaturkopie der sowjetischen Industriestruktur

Die derzeitige Regionalisierung von Förder- und Produktionskapazitäten von Großkonzernen hat ebenfalls eine Entsprechung im Staatskapitalismus des sogenannten Ostblocks: All diese Volkswirtschaften bildeten eine Miniaturkopie der sowjetischen Industriestruktur aus, da die internationale Arbeitsteilung, die mit einer Spezialisierung auf einzelne Industriezweige und Sektoren einhergegangen wäre, zwischen den Mitgliedern des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) schlicht nicht funktionierte. Die internationale Verflechtung der Volkswirtschaften im »internationalistischen« Ostblock war in dessen Niedergangsphase niedriger als im Westen.

Das Siechtum des osteuropäischen Staatskapitalismus sowjetischer Prägung spiegelt sich somit in der derzeitigen Krise der westlichen Zentren des Weltsystems. Vertikale Integration, der Unterhalt größerer Lagerkapazi­täten, der parallele Aufbau mehrerer regionaler Produktionsstätten für dasselbe (Vor-)Produkt, langfristige, unflexible Lieferverträge – all diese Maßnahmen lassen die Kosten und letztlich die Preise der entsprechenden Waren steigen. Somit dürften diese Strategien spätkapitalistischer Krisenanpassung einen weiteren Faktor bilden, der die allgemeine Inflation anheizt, da die Kosten immer auf die Lohnabhängigen abgewälzt werden.

jungle.world – Vertikal gewinnt

Interessant finde ich, dass man in den noch wenigen linksradikalen Zeitschriften manchmal sehr grundsätzliche und auch analytische Artikel über Militär-oder Sicherheitspolitik oder eben Weltwirtschaft lesen kann, wie sie vielleicht in Fachzeitschriften , Economist oder Harvard Business Journal finden kann, in den Mainstreammedien aber gar nicht kommen. Zudem auch kontinuierlich und systematisch auch zu den Prä-Zeitenwendezeiten,als das keinen interessierte.

So war etwa das World Socialist Web immer eine gute Informationsquelle über neueste Militärstrategiediskussionen von Offshore Controll bs nuleare Abschreckung und urban warefare, wie etwa nun dieser Jungle World Artikel über vertikale Integration und Nearshoring. Auch interessant, dass Tesla da der organisatorische Vorreiter der vertikalen Integration versus bisher trendigen horizontalen Integration ist wie scheinbar Toyota in den 90ern mit seiner lean production, just in time, Kaizen, etc. Viele Neoliberale, Rechte und Libertäre sehen ja den Sozialismus von Cultural Marxism bis Finanzpolitik,  Industriepolitik, keynesianistischen New Green Deal am Entstehen und überall dämmern .Interessant dabei auch die Vergleiche der vertikalen Integration mit Pionier Tesla als Vorreiter und der damaligen Sowjetwirtschaft. Wobei immer unklar bleibt , ob hier nicht einige Linke darin ein Argument für eine neue Planwirtschaft machen wollen mit diesen Vergleichen , wie auch früher immer gerne darauf hingewiesen wurde, dass Konzerne auch Wirtschaftspläne haben und Plan deswegen irgendwie gut und Planwirtschaft dann irgendwie dann wieder auch sei-wobei da gerne betriebswirtschaftliche Organisation auch auf volkswirtschaftliche und dann eben auch gesellschaftliche und politische/staatliche Bereiche übertragen würden. Einigen gelten da auch Chinas System inzwischen als mögliche Alternative ( wenngleich da teils erhofft nicht mit chinesischem Besonderheiten, sondern humanen Gesicht).Warren Buffett oder einer der Vordenker des Klimaschutzes ,Lockeman denken angesichts des, Klimaschutzes ,auch an eine Art grüne Kriegswirtschaft im Stile Roosevelts Kriegswirtschaft oder Churchills Kriegswirtschaft (Albert Speer wird noch nicht zitiert) , wie dies aber auch rechte Ideologen wie etwa Trumps neuer Vordenker des American Compass Owen tut, der in der möglichen zweiten Amtszeit Trumps den „hard break“ mit China bewirken will, zumal es in Folge der zunehmenden Kriegsgefahr und Konflikte auch Tendenzen in diese Richtung gibt und sei es nur   dass der Chefredakteur des Münchner Merkurs angesichts der Zeitenwende auch infolge des Ukrainekriegs nun auch eine Umstellung der NATO und Deutschlands auf eine Kriegswirtschaft geht. Ähnlich auch das DGAP-Papier von Nico Lange in dem Kriegstüchtigkeit ala Pistprius innerhalb von 6-10 Jahren gefordert wird. Wie erklärte Hitler 1036 vor der Fürhung der Wehrmacht: Man müsse in 4 Jahren kriegsbereit sein. Aber das die Mefowechsel platzten, wurden Hjalmar Schacht abgesetzt, der das Tempo kritisierte und Oberst Beck, der einen Krieg ablehnte  gefeuert und fing Hitler den Krieg mit Polen schon 1939 an, als Deutschland noch gar nicht kriegsfähig war, wie man dann in der Folge sah.Eben auch eine Sache des timimg , ob enem die anderen die Zeit lassen, die Rahmenbedingungen sich so entwickeln wie man hofft (mal ohne moralische Bewerung von Aggressionskriegen).Putin und Xi sind da bei der Umstellung auf Kriegswirtschaft für einen „protracted war“ weiter als der Westen, der zumal politisch und wirtschaftlich selbst zu kollabieren scheint.

Merkels ehemaliger Militärberater Brigadegeneral Erich Vad meinte noch zu der linksradikalen Literatur:

„Guter Artikel. Sie haben recht, dass World Socialist Web eine sehr gute Quelle ist. Ich bin wegen meiner Affinität zu Carl Schmitt mehrfach angegriffen worden. Die Kritik von World Socialist Web war am fundiertesten. Und Friedrich Engels kannte den Krieg sicher besser als die bürgerlichen Strack Zimmermanns oder Röttgens von heute. 

Beste Grüße und ein gutes Jahr für Sie ! 

Ihr Erich Vad“.

Und das bezieht sich nicht nur auf die klassischen Schriften von Mao oder Giaps Guerillakrieg oder Schmitts „Der Partisan“ oder eben Friedrich Engels  „Die Rolle der Gewalt in der Geschichte“, in welcher er auch die Entwicklung der Gesellschaft samt Kriegsführung und Militär in Verbindung mit den Produktivkräften , heute würde man auch „disruptive Technologien“ sagen, sehr plastisch schildert- ähnlich wie die Entwicklung der Eigentumsformen, des Staates und der Familie in seinem KlassikerDer Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staat“ anhand der Entwicklung der „Produktivkräfte“ wenngleich Kultur und Überbau( Ideologie da kaum oder nicht als teilsautonome Sphäre, sondern alles nur Histomat- technologisch-ökonomistisch und sehr deterministisch abgehandelt wird. Zudem es nicht nur eine Frage der Umstellung auf Kriegswirtschaft ist, sondern auch eine Frage, ob mit KI und Big Data vielleicht auch ein neues Gesellschafts- und Wirtschaftssystem entstehen wird. Dazu noch als Lesetip:

KYBERNETISCHE WENDE, AKZELERATIONISMUS UND DIGITALER TOTALITARISMUS- IST EINE DEMOKRATISCHE, DEZENTRALE PLANWIRTSCHAFT UND NEUES GESELLSCHAFTSSYSTEM MIT DEN IT- TECHNOLOGIEN MÖGLICH?

Kybernetische Wende, Akzelerationismus und digitaler Totalitarismus- ist eine demokratische, dezentrale Planwirtschaft und neues Gesellschaftssystem mit den IT- Technologien möglich? – Global Review (global-review.info)

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