Japan und Indien: Madra-Beats im Reich der aufgehenden Sonne und Identitätsdebatte

Japan und Indien: Madra-Beats im Reich der aufgehenden Sonne und Identitätsdebatte

Heute in der japanischen Asahi Shimbum ein Artikel über einen Film , den eine Japanerin aus Indien ins Reich der Sonne brachte, den sie inspirieren fand, wobei über nicht klar wird, inwieweit der Filminhalt nun gesellschaftskritisch ist, da dort von Arbeitern unter Grundeigentümern die Rede ist, wie auch von Madra- Beats, was eher auf einen Musikfilm hindeutet. Vielleicht ist es aber auch beides. Jedenfalls findet die Japanerin ihn inspirierend undwill etwas von indischer Kultur auch nach Japan bringen. In meiner Zeit in Indien war ich mehrmals im Kino und viele Filme, insofern es nicht die Upper-class Bollywoodfilme mit Sharuk Khan sind, haben eigentlich ein ähnliches Schema: Gutaussehender Slumdog billionaire und Poor boy from the ghetto in Liebe in ein hübsches Mädchen, das von einem fetten, bösen reichen Großgrundbesitzer gestalkt wird und zur arrangierten oder Zwangsheirat mit ihm gezwungen werden soll, aber das Ganze nimmt nach viel Tanz und Musik ein Happy End, wie es wohl im realen Indien nicht so vorkommen dürfte. Wahrscheinlich finden deswegen solche Filme aus der Traumfabrik auch solch begieriges Massenpublikum. Interessant ist auch immer, wie sich die indischen Zuschauer da emotional mitreißen lassen, auch laut das Geschehen an der Leinwand mit Zwischenrufen kommentieren und au der eine oder die andere da auch mal mittanzt. Ein bisserl anders als deutsches und amerikanische Popcornkino.

“Ex-shut-in brings inspirational Indian film to fans in Japan

By TAKESHI NARABE/ Staff Writer

January 13, 2024 at 07:00 JST

Photo/Illutration

Noriko Inagaki in Tokyo (Photo by Takeshi Narabe)

A former recluse, or “hikikomori,” who found motivation in Bollywood films, now is paying it forward by bringing one of her favorite Indian movies to the big screen in Japan.

“I believe the film will give some people, like me, an encouraging push on the back,” Noriko Inagaki said of “Madras Beats.”

In the late 1990s, Inagaki was having a difficult time. Immediately following the end of Japan’s asset-inflated economic boom, she had been laid off as a judicial scrivener at three offices in a row.

After that, she began to fear venturing outside by herself.

Luckily, an acquaintance recommended the Indian movie “Muthu” to Inagaki some six months later.

She was knocked out by the “blazing smile” of the film’s protagonist, a chubby man who works under a landowner. The character somehow gave Inagaki, now 53, the courage to escape her life as a social recluse.

“I laughed so much,” recalled Inagaki. “I started feeling like going outside to work and watch films.”

Transitioning back into society, Inagaki visited India on vacation to see more movies and tour film locations.

Inagaki first encountered “Madras Beats” at the 2018 Tokyo International Film Festival. Its main character chases his dream of becoming a “mridangam” drum performer despite difficulties involving the nation’s caste system.

She started selling DVDs of the movie in 2020 at a southern Indian restaurant in Tokyo that she runs with her husband, Tomihisa. As many as 200 copies flew off the shelves during the COVID-19 pandemic, quadruple the usual sales.

Inagaki emailed the film’s director, Rajiv Menon, and told him that many fans in Japan were waiting for the movie to be screened here. His reply suggested that Inagaki buy the rights to show the movie herself.

Purchasing the film’s screening rights did not cost much. Inagaki raised more than 1.5 million yen ($10,450) through a crowdfunding campaign to cover expenses for a venue to show the film at a preview and other purposes.

“Madras Beats” hit the theaters last year and is still showing across Japan.

Now, each time Inagaki visits a screening venue and makes an introductory speech on stage, fans thank her for having “made the movie accessible.”

Ex-shut-in brings inspirational Indian film to fans in Japan | The Asahi Shimbun: Breaking News, Japan News and Analysis

Auch mal ein Kapitel, dass mich mal interessieren würde. Man sagt ja immer, dass Japan vor allem durch China und dann spätesten seit dem Schwarzen Schiff von Commandant Perry und nach dem 2.WK von den USA geprägt wurde.Also Konfuzius, Buddhismus nebst eigenem Shintoismus nebst American Way of Life. Aber wie steht es mit Indien? Die Japaner galten/gelten(?) ja auch als spirituell, Schnittmenge auch Buddhismus, was ja vielleicht einige Affinitäten hervorbringen könnte. Desweiteren war ja Indien auch zu Hippiezeiten sehr populär, wo auch der indisch inspirierte Hermann Hesse im psychodelischen Sommer of Love sein Revival erlebte. Wie sah das denn in Japan aus? Gab es, da auch so einen „Hippietrail“ und Hippies? Mir fällt da spontan auch Yoko Ono ein, zumal ihr Lebenspartner John Lennon und die Beatles ja auch mal in Indien ihre Phase hatten, was man auch bei einigen Liedern mit ein wenig Sita Sound herausholt. Auch Ravi Shankar als Musikhub. Und dann die ganzen Gurus (wobei die Beatles nach anfänglicher Begeisterung ja von ihrem damaligen spirituellen Guru als materialistischen Scharlatan und Blender schnell desillusioniert wurden).Dazu gilt ja Indien ja auch als Mekka des Pazifismus -sei es wegen Buddhismus und Mahatma Ghandi (der gute Chandra Bose, der faschistische RSS und die mit Hitler und Tojo-Japan verbündete Indian National Army, in der Bagwan-Guru Osho in jungen Jahren diente,  der anders als der pazifistische und civil rights movement-Apologet Ghandi den bewaffneten Kampf gegen das British Empire wird da nicht so  gerne erwähnt, wie auch Ghandis Brief an Hitler und sein Besuch bei Mussolini, wobei Hitler in seinem Mein Kampf ja von Ghandi eher als lumpengekleideten Hippie seiner Zeit recht verächtlich spricht und anfangs mehr auf die weißen, arischen Anglosachsen und Briten hoffte und da Bluts- und Rasseverwandschaft sah. Zumal Japan wie Deutschland mit seinem Nachkriegspazifismus da vielleicht auch ein inspirierende Mekka und Kompensation des alten japanisch-imperialen Samurai-Bushido-Zenbuddhistischen (Himmler war ein Fan des Zen-Buddhismus) Tojo-Kamikaze-Militarismus analog zum preußisch-deutschen Militarismus hätte finden können. Make Love not war und Imagine als Lennon/Yoko Ono samt Sleep-In für den Weltfrieden. Wobei ja viele Westler seit der Martial Arts-Welle infolge von Bruce Lee ja auch nach Japan zu einem Karate-oder sonstigen Kampfsport/kultur-Großmeister pilgerten .In diesem Fall scheint es ein wie immer geartete „inspirational“ Film. VIelleicjht findet sie das dann auch irgendwie wieder spirituell. Vielleicht verweist „Madra-Beat“ auch auf die inzwischen auch in Indien angesiedelte Techno-, House, Trance- und Electro-Goa- Beatszene, bei der erst Loveparade-Jünger und Althippies auch aus Deutschland sich sammelten, dann andere betuchtere Touristen und Weltenbummler zum Standurlaub in der Partymile folgten. dann auch mit dem mehr kommerziellen Bollywood und dessen mit fröhlich-kitschige indischer Musik und Tanz das Motiv und Inspirationsquelle? Wobei ich mir die Japaner weniger als so beschwingte Tänzer wie die Inder vorstellen kann, wobei einige japanische Girlie-Bands da nach westlichem Spice-Girl-Vorbild inzwischen auch schon etwas lustiger als der mehr steife Durchschnittsjapse rumhopsen..Zumal Indien ja auch mittels des geo- und sicherheitspolitisch antichinesischen Quads und Quadrinenntal Dialogue samt Asia-Africa Economic Corridor , der nun auch mittels Modis Indian- Middle East- European Economic Corridor ergänzt werden soll und nach der Zeitenwende nach jahrzehntelangen Chinaengagement vermehrt Anknüfungspunkte und neue Affinitäten entdecken dürfte, dann eben wahrscheinlich zunehmend auch auf kulturellem Gebiet.

Bei all diesen ausländischen Einflüssen und zunehmenden Multikulti scheinen einige ältere Japaner auch etwas besorgt, was denn nun noch japanisch ist oder an welchen und Werten man sich orientieren solle. Ich kann nicht beurteilen, ob das alles historisch und logisch richtig ist, was der japanische Autor Keishi Saeki hier so ausführt. Jedenfalls fordert er jetzt eine Emanzipation Japans von seinem strukturellen Gottesglauben zuerst an China, dann den japanischen  Sonnengott-Kaiser, dann Demokratie, Westen, USA oder nun an eine globale Weltzivilisation. Was er stattdessen setzen will, bleibt unklar. Er scheint damit zuerst einmal eine japanische Selbstreflektion und vielleicht auch japanische Identitätsdebatte imitieren zu wollen.

POINT OF VIEW/ Keishi Saeki: No ‘Japanizing’ goal exists to guide Japan in today’s world

SPECIAL TO THE ASAHI SHIMBUN

January 13, 2024 at 07:00 JST

Photo/Illutration

Illustration by Miyu Isaka

Critic Shichihei Yamamoto (1921-1991) was known for his works including “Japanese and the Jews,” which he published under the pseudonym of Isaiah Ben-Dasan, and “‘Kuki’ no Kenkyu,” which roughly translates as “A study on ‘air/atmosphere.’”

Yamamoto underwent grueling experiences in the Imperial Japanese military during the Pacific War. At the starting point of his activities as a critic was the question of what had driven Japan to wage the reckless war. 

Talking of critics whose thoughts were founded on war experiences at their core, however, we are more prone to recall the names of Masao Maruyama (1914-1996) and other so-called progressive intellectuals.

They sought to ascribe the war waged by Japan to the backwardness of Japanese society in an imperial state, and therefore placed their hopes for postwar Japan on building a democratic civil society modeled after the West.

Yamamoto said, by contrast, that abolition of imperial sovereignty and transition to democratic postwar society had resolved none of the problems.

Let us ask what separated the two parties from each other.

In fact, the true question, for Yamamoto, consisted not just in the war experiences per se but also in whether anything had changed between the prewar and postwar periods.

To put it plainly, his question was about why the Japanese, who would chant slogans for hailing the emperor and demonizing the United States and Britain until the war ended, suddenly changed into hailers of Douglas MacArthur, the supreme commander for the Allied Powers in Japan, and hailers of democracy on Aug. 15, 1945.

The sudden change of attitude could have been attributed to the backward-country mentality of the Japanese who, one might say, lack an independent identity, lack the notion of responsibility, or tend to conform to the circumstances.

Yamamoto, however, elicited a slightly different argument, which could be summarized as follows.

JAPANESE SOCIETY DOMINATED BY ‘AIR’

The general public in Japan did not, in fact, believe from their heart, before the war ended, in hailing the emperor or demonizing the United States and Britain. The “emperor” was simply venerated as an absolute being, whom people were not allowed to criticize.

In the postwar period, absolute status was instead given to “democracy,” and postwar democracy became something that precluded all criticism. MacArthur was given absolute status during the Allied occupation of Japan (1945-1952).

MacArthur, postwar democracy, individual freedom and other values could be summarized under the name of the “United States.” While the emperor was the source of all values until the war ended, the United States replaced him as the value standard in the postwar period.

The structure, however, remains unchanged. People are now venerating something else, but they simply keep repeating their daily routine according to their customs and common sense.

Once the “emperor,” “democracy” or the “United States” has been given absolute status, however, there forms an “air” that discourages people from criticizing it. And the people are dominated by the “air” that forms there, which is a certain sort of emotional atmosphere.

And interestingly enough, people venerate these things as if they represented self-evident truths, even though most of the people have never given a serious thought to what the “emperor” is, what “democracy” is and what the “United States” represents. People foster the “air” together and conform to that “air.”

They venerate different things according to the times and circumstances. But the very act of venerating something warrants social cohesion.

What is venerated is, so to speak, a proxy of God.

Therefore, just like the hailers of the emperor did not, in fact, ever truly believe in the emperor as a living god, the postwar hailers of democracy do not truly believe in it. They simply need something that serves as God’s proxy.

And that becomes a value standard, which provides order to Japanese society and points to a direction in which Japan should be going.

UNIVERSAL CIVILIZATION AS GOD’S PROXY

An advanced, universal civilization from overseas has mostly served, in Japan’s case, as that proxy of God.

From time to time, and both overtly and covertly, Japan needed a universal, overseas civilization.

That dates to the times when Queen Himiko sent a mission to the Wei Dynasty of China in the third century and the so-called five kings of Wa sent envoys to China’s southern dynasties in the fifth century.

Female Emperor Suiko followed suit by sending messengers to Sui China in the seventh century. Missions were also sent to Tang China during the Nara (710-784) and Heian (794-1185) periods.

People who embraced the advanced overseas civilization of China thus constituted Japan’s ruling class and drew on China’s authority in providing order to Japanese society and setting the direction for it.

While all this was taking place, Japan, as a marginal nation, had to compete with the advanced, universal civilization by at once learning from that universal civilization and “Japanizing” it.

Ancient Japan, therefore, introduced various forms of culture and institutions from China, including even Buddhism and an administrative system based on legal codes, but the country never subordinated itself to China’s emperors.

In that sense, Emperor Tenmu (reigned 673-686), who established the emperor system and ordered “Records of Ancient Matters” and “Chronicles of Japan” to be compiled to serve as the grounds thereof, deserves the name of the formal initiator of “Japan.”

He thus helped develop an imperial state that was modeled after China but was uniquely Japanese.

What, then, about the Tokugawa Shogunate of the Edo Period (1603-1867), which helped develop an original culture through a policy of national seclusion?

The Tokugawa Shogunate needed an ideology for maintaining a class society and lord-vassal relations. And that was Confucianism introduced from China and the Zhu Xi school of Neo-Confucianism, in particular.

Zhuism gives absolute status to social order grounded on a loyalty-based lord-vassal relations. That came in handy for maintaining the shogunate system.

That, however, gave rise to a curious twist.

In China, the ruler of the nation is the emperor, who governs it under the mandate of heaven. And the legitimacy of his government is warranted by the heavenly mandate.

If that idea is applied to Japan, the legitimate ruler of the country should not be the shogunate but should be the emperor in an unbroken line of succession. The shogunate is only governing the nation by mandate under the emperor’s authority.

And that became a cause for the royalist movement of the closing days of the Edo Period, which ended up overthrowing the shogunate.

If that is the case, one could say the imperial sovereignty of the Meiji Era (1868-1912) was brought about, in fact, by the Edo Period “Japanization” of Zhuism, the Chinese school of scholarship (see “Arahitogami no Sosakusha-tachi” (Inventors of the living God), a Yamamoto book).

The Meiji Era was, needless to say, an age of Japan’s modernization modeled after the West.

China was replaced by the West as the advanced, universal civilization. Japan embarked on the modern times by learning from the West, and “Japanizing” it, very diligently in all fields.

The West became the source of values for Japan. The imperial state of the Meiji Era came into being through the somewhat reckless idea of likening Japan’s “living god” to a constitutional monarch of the West.

With the imperial sovereignty dismantled after the war, the United States provided basic order to the Japanese state and set the direction for it. The democratic “United States” replaced the “emperor,” who had been a living god, to become the pseudo-sovereign of Japan.

The United States symbolized an advanced, universal civilization. Japan found a way to set the direction for itself by learning from, and Japanizing, that universal civilization exclusively.

GLOBAL WORLD WITHOUT FIRSTHAND SENSE

What, then, serves as the standard of values for us today?

The world entered an age of so-called globalism following the end of the Cold War. We have taken the “global world” as our provisional value standard. One could argue the United States has been reshaped into the global world.

That now represents the universal civilization, to which Japan is a marginal nation.

This being so, public opinion in this country is driven by experts and journalists well-informed about international affairs, who tell us what is taking place elsewhere in the world. An “air” is fostered by the cliche, “Don’t fall behind the global trend.”

We have thus jumped into an innovation race in domains including artificial intelligence, quantum technology, space development, life science and environmental technology, and we have ended up being engulfed in a fierce competition between states, which is being brought about by global capitalism.

Nobody, however, can perceive a “global world civilization” with a firsthand sense, no matter how much it may be venerated.

We are certainly being exposed today to information that comes from all corners of the world, and our necessaries of everyday life are being procured by supply chains from around the globe. But the firsthand sense that we get from our daily experiences is by no means directly linked to a global world civilization.”

To put it plainly, the general public is certainly venerating something called a global world, but nobody believes in it any more than anybody ever did so in the emperor or in democracy.

And the global world civilization in question is now showing holes here and there and has fallen into dysfunction.

NO GOAL TO OVERTAKE

At few other times in Japan’s history did we probably ever lose sight of a value standard, which would warrant national cohesion and indicate the direction in which Japan should be going, to such an extent.

The Japanese approach of taking an advanced, universal civilization from overseas as a yardstick, and learning from it and Japanizing it to maintain national order and values, has almost become meaningless.

Roughly speaking, that probably accounts for why, in today’s Japan, politicians have lost their sense of orientation, bureaucrats have lost their clout, and intellectuals and journalists have lost solid language.

Come to think of it, however, that probably also means an emancipation from the disquieting psychological premise, which has remained there consistently throughout Japan’s long history, that we have to overtake an advanced overseas civilization.

Neither China, the West, the United States nor a global world serves as a value standard any longer. We have no goal to overtake.

That being so, we probably have no choice today but to use our hands to redraw our own image of Japan in the future.

***

Born in 1949, Keishi Saeki, a Kyoto University professor emeritus of economics and social thought, has written reviews on various matters from the standpoint of conservatism. He has authored books including “Saraba, Yokubo” (A farewell to desire). Saeki is also supervising editor of “Hiraku,” a thought periodical.

POINT OF VIEW/ Keishi Saeki: No ‘Japanizing’ goal exists to guide Japan in today’s world | The Asahi Shimbun: Breaking News, Japan News and Analysis

Sinologieprofessor Hans van Ess kommenterte:

„Ich schätze, er spricht vielen älteren Japanern aus der Seele. Das Land scheint seine Kultur verloren zu haben. Es ist für mich immer noch was Besonderes, nach Japan zu kommen, aber ich habe nicht den Eindruck, als gebe es noch so etwas wie eine lebendige japanische Kultur. Alte Formen ja, aber keine neuen Inhalte darin. Vielleicht merken die Japaner auch, dass der große Japan-Hype weltweit abgeflaut ist. Korea hat ihnen den Rang abgelaufen.“

Naja, Erdogan ,Xi, Putin ,etc. plündern scheinbar auch mehr die Kleiderständer von gestern, als dass das alles neue Inhalte wären. Wie sollten die denn aussehen? 

 „Es geht nicht um die offizielle, vom Staat gemachte Kultur, sondern um das Fortleben von kulturellen Traditionen. Während die offizielle chinesische Kultur zum großen Teil von grotesker Hässlichkeit ist, gibt es in China eine ganze Menge Leute, die an chinesischen Kulturtraditionen hängen und sich erstaunlich stark damit beschäftigen. Es gibt massenhaft private Spezialisten für den Traum der Roten Kammer oder die Gedichte Du Fu’s, um nur mal zwei Beispiele zu nennen. Man könnte aber viel mehr Dinge aufführen. Japan hatte eine extrem verfeinerte Version der ostasiatischen Kultur, ganz anders als die Russen oder die Türken, wo es neben der Religion viel weniger Anknüofungspunkte für moderne Menschen gibt. In Japan habe ich aber den Eindruck, als habe die Amerikanisierung diese Dinge weggewischt. Das merkt man erst jetzt so richtig, wo die alte Generation, die noch vor dem Krieg geboren ist, wegstirbt. Und plötzlich macht sich ein Vakuum breit. Ich glaube, darum geht es.“

Die Japaner dürften doch auch noch ihre Klassiker lesen und sich mit ihnen beschäftigen Und ist moderne Lite4atur dann nicht mehr japanisch? .Und inwieweit sind Mangas nun japanisch oder amerikanisch? Nun, inwieweit die K- und J-Pop-Girl- und Boygroups japanisch oder schlechte Kopien der westlichen sind, ist so eine Frage. Sind die Spice Girls britische Kultur, wo ihnen die Royal Mail nun eine eigene Briefmarkenkollektion widmete oder hätten sie in viktorianischen Gewändern rumhüpfen sollen? Sind nur die Klassiker nationale Kultur, dann könnte sich ja nichts weiterentwickeln? Oder braucht es Neo-Shakespearianer? Oder  Neosamurai- und kimonofashion wie es in China ja auch mal zeitweilig die Hanfu- Welle gab, die sich an traditionelleren Kleidungsstilen orientierte oder nun der von der KP China gehypte China chic? Mit einer Neuen Seidenstraße kann ja Japan auch nicht aufwarten und eine Seefahrernation oder wirkliche Seemacht war es auch nicht. Mehr eine Inselkultur? Oder gibt es da auch solche Diskussionen wie in China zwischen „Gelber Erde“ und Blauer Meer“- Kultur

Professor van Es meinte noch dazu:

„Maggie Thatcher sagte ja mal, die Deutschen hätten keine Kultur mehr, und zählte dann für die Briten die Beatles und die Stones und dergleichen auf. Für die wären die Spice Girls natürlich britische Kultur. Leider ist im Falle Japans Tokyo Hotel eine deutsche Band und keine japanische.

Genau die Sache mit den Klassikern ist aber das Problem in Japan. Das Interesse an den eigenen, alten Dingen ist extrem stark zurückgegangen. Die Geisteswissenschaften sind in Japan meiner Einschätzung nach in einem deutlich schlechteren Zustand als in Deutschland, obwohl wir auch hier schon einen sehr deutlichen Einbruch bemerken. Der Autor des Artikels ist Jahrgang 49, wenn ich das richtig gesehen habe, und wahrscheinlich interessieren ihn die japanischen Spice Girls nicht die Bohne.“

Wobei die Frage ist, ob Maggie sich wirklich so mit deutscher Kultur auskannte oder dieses Urteil eher auf zu ebenso bisher scheinbar traditionellen britischen Leitkultur und ihrer antideutschen Resentiments beruhte. Jedenfalls scheint etliche Japaner auch die Frage zu umtreiben, was denn nun noch das Land, seine Kultur und sein vermutetes Wesen ist, wobei das vielleicht noch leichter zu beantworten wäre, da Japan wie China und Island keine Einwanderungsländer sind, keine Migration zulassen, noch demographische melting pots, sondern noch mehr ethnische Homogenität aufweisen als die ehemalige WASP- USA oder das nun in heftigen Migrations-, Islamismus/Antisemitismusdebatten vor dem HIntergrund muslimscher Neudeutscher oder Flüchtlinge. Vielleicht ist aber nicht einmal eine Debatte um eine Leitkultur gemeint, von der ja viele auch schwanken zischen kulinarischen Nationalgerichten, Verfassungspatriotismus, neopaganen- germanisch- heidnischen Definitionen, christlich-jüdischer oder abendländischer Vorstellungen und anderem vielleicht meint er ja auch mehr eine ArT spirituellen Kern; eine vermutete metaphysische Kultur, so eine Art japanisches Wesen, an dem dann die Welt oder zumindestens erst einmal Japan genesen soll oder so eine Art japanische Seele, wie sie einige auch bei den Russen oder Slawen als „russische Seele“ oder „slawische Seele“ behauptet, was im übrigen mehr als auf einen psychischen, gegebenenfalls manisch-melanolisch oder gar manisch-depressiven oder seelischen Gemütszustand oder Volksmentalität, sondern mehr in Richtung gleich einer „russischen Welt“ verweisen will. Dann eine „japanische Welt“. ABer schwierig nagesichts Chinas und seiner erhofften multipolaren und chinesischen Welt und nicht einmal mehr zu einer „Großasiatischen Wohlstandsphäre“ wie in guten alten Zeiten taugt es, zumal nicht mal mit Unterstützung von Chinas Weltmachtstatuskonkurrent USA. Oder vielleicht doch japanische Werte in Anlehnung an asiatische Wertse statt universalistischer Werte und vielleicht im Sinne eines neuen Panasianismus mit Interventionsverbot für raumfremde Mächte ala Carl Schmitt, abe auh da ist zu erwarten, ass sich bei Rückzug der USA dann der Panasianismus unter der chinesischen „Global Community of a share future“unter den Xi Jinping- Gedanken als neuer Xivilization abspielen würde, Japans bestenfalls Juniorpartner wie zunehmend jetzt Putin- Russland würde und zweite Geige im Konzert der Mächte, zumal Chinas Ambitionen sich nicht nur auf Asien beschränken, sondern bei weiterem Aufstieg eben global sind. Aners als Japan kann und hofft es neue Weltmacht zu werden. Bleibt abzuwarten, ob solch eine Identitätsdebatte in Japan auch kommt oder welchen Verlauf sie nehmen wird  oder inwieweit sich die meisten Japaner selbst noch japanisch genug fühlen und daran keinen größeren Bedarf haben. Oder  ob nicht Liberalismus, Demokratie,  Hedonismus , Feminismus, Genderismus und Pazifismus die Japaner verweichlicht, entjapanisiert („amerikanisiert“) haben, denkbar unjapanisch (ähnlich wie undeutsch, unamerian, etc. sind) und demographisch aussterben lassen, dies der Niedergang des angry yellow man sei wie dies auch in anderen Staaten seitens nationalistischer, faschistischer  und autoritärer Bewegungen in Sachen Neonationalismus, Neomaskulinismus, Autoritarismus, Militarismus angesichts zunehmender geopolitischer und demographischer Konflikte von Trump, Putin, XI, Orban u, Kaczynski, Modi und anderen vorangetrieiben wird.

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