Gründungskrieg Israels 1948: Ethnischer Säuberungsplan und Nakba oder Eigendynamik eines Verteidigungskrieges?

Gründungskrieg Israels 1948: Ethnischer Säuberungsplan und Nakba oder Eigendynamik eines Verteidigungskrieges?

Heute ein sehr interessanter Artikel in der Jungle World über das Buch von Benny Morris „1948“, das nun angesichts der antiisraelischen und antisemitischen Angriffe postkolonialer, postmodernen woker Studentengruppen gegen jüdische Studenten vorgestellt wird und sich mit dem Unabhängigkeitskrieg 1948 und die von den Palästinensern so genannten Nakba beschäftigt:

„22.02.2024

An der FU Berlin wurde Benny Morris’ Buch über den arabisch-israelischen Krieg 1948 vorgestellt

Ein paar Hundert Seiten Kontext

An der Freien Universität Berlin wurde die deutsche Übersetzung von Benny Morris’ »1948 – Der erste arabisch-israelische Krieg« vorgestellt.

Johannes Simon

Palästinensische Flüchtlinge aus Galiläa, 1948

Israel traf damals die Entscheidung, sie nicht zurückkehren zu lassen: Palästinensische Flüchtlinge aus Galiläa, 1948

BILD: WIKIMEDIA / FRED CSASZNIK / GEMEINFREI

In Benny Morris’ Buch über Israels Staatsgründungskrieg erfährt man, dass »die Juden viel mehr Gräueltaten als die Araber verübten und viel mehr Zivilisten töteten«. Man kann dort lesen, dass die »palästinensische arabische Gesellschaft zerschlagen« wurde, »zusammenbrach« und von den jüdischen Streitkräften »gebrochen« wurde. Man erfährt von den Hunderttausenden Arabern, die während des Krieges flohen oder vertrieben wurden und dass »Israel fast sofort – im Sommer 1948 – die Entscheidung traf, sie nicht zurückkehren zu lassen«.

Man könnte meinen, so ein Buch wäre vielleicht die Bibel des israelfeindlichen Protests, der seit Wochen regelmäßig an der Freien Universität Berlin (FU) stattfindet. Doch als am Freitag vergangener Woche die neue deutsche Übersetzung von Benny Morris Buch »1948 – Der erste arabisch-israelische Krieg« in der FU vorgestellt wurde, geschah dies als Teil der »Aktionswoche gegen Antisemitismus«. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Studentengruppe für jüdische Themen, Chaverim.

Herausgeber der deutschen Übersetzung war die Gesellschaft für kritische Bildung. Deren Vertreter Andreas Stahl sagte, Morris löse tatsächlich ein, was von antizionistischer Seite oft gefordert werde: Er liefere »Kontext«.

Die arabische Seite hatte den Krieg begonnen, weil sie den UN-Teilungsplan nicht akzeptieren wollte, der ­einen palästinensischen Staat neben einem jü­dischen vorsah.

Im Fall von »1948« handelt es sich um den Kontext der Ereignisse, die von Palästinensern als Nakba, als »Katastrophe«, bezeichnet werden. Und weil er sich dem Kontext widmet, kommt Morris zu dem Urteil, dass die Zahl der massakrierten jüdischen Zivilisten nur deshalb relativ klein gewesen sei, weil die arabische Seite militärisch erfolglos war. Die Vertreibung der Juden, schreibt er, sei als Ziel »im Mainstream der Palästinensischen Nationalbewegung von Anfang an« verankert gewesen, während eine solche Vertreibungspolitik im Zionismus nur ein »kleines und sekundäres Element« gebildet habe.

In Morris’ Buch lässt sich nachlesen, wie sich damals einige Hunderttausend staatenlose Juden – viele von ihnen waren gerade erst eingewanderte Holocaust-Überlebende – gegen die Invasion mehrerer arabischer Staaten zur Wehr setzten. Sie waren dabei auf sich allein gestellt, erhielten keine militärische Unterstützung durch andere Staaten.

Die arabische Seite hatte den Krieg begonnen, weil sie den UN-Teilungsplan nicht akzeptieren wollte, der ­einen palästinensischen Staat neben einem jü­dischen vorsah. Eine religiös grundierte Kriegsbegeisterung erfasste die gesamte arabische Welt. Die Juden in Palästina verstanden den Krieg aus guten Gründen als Kampf ums nackte Überleben – die »zionistischen Führer hatten eine tiefe und echte Furcht vor einer Wiederholung des Holocaust«, schreibt Morris.

Die Flucht und Vertreibung der arabischen Bevölkerung habe sich erst aus der Dynamik des Krieges entwickelt und gehe nicht auf einen zionistischen Plan zurück: Das ist Morris’ zentrales Urteil, das auf mehreren Hundert Seiten begründet wird. Israelische Verbrechen werden dabei nicht beschönigt. Die Lektüre könne auch »desillusionierend« sein, sagte Nora Pester vom Verlag Hentrich & Hentrich, wo das Buch erschien.

Es gebe in der Antisemitismusforschung wenig Verlangen, sich mit dieser »anstrengenden und detaillierten« Geschichte auseinanderzusetzen, sagte Stahl. Lieber beschäftige man sich mit der Ideologie des Antisemitismus und deren Wirkungsweise. Doch wenn es um Israel geht, müsse man »eben irgendwann über historische Fakten sprechen«.

»1948« erschien bereits vor 15 Jahren, es stieß im englischsprachigen Raum auf enorme Resonanz und gilt als historisches Standardwerk.

Das leuchtet ein: Wer begründen will, warum eine Behauptung über Israel eine Dämonisierung darstellt, muss die historische Wahrheit kennen. Und wer allgemein für eine prozionistische Haltung bei Linken eintreten will, sollte eine geschichtswissenschaftlich seriöse Auffassung des Konfliktes haben, um nicht gleich auf den Versuch zu verzichten, auch Palästinenser und deren Unterstützer überzeugen zu können.

»1948« erschien bereits vor 15 Jahren, es stieß im englischsprachigen Raum auf enorme Resonanz und gilt als historisches Standardwerk. Warum in Deutschland bisher keines von Morris’ Büchern übersetzt worden ist, sei eine gute Frage, die er nicht recht beantworten könne, meint Andreas Stahl. Die Gesellschaft für kritische Bildung selbst habe das Vorhaben nur finanzieren können, weil die beiden Übersetzer »quasi umsonst« gearbeitet hätten.

Eine Absicht bei der deutschen Übersetzung von »1948« war wohl, den Büchern des antizionistischen israelischen Historikers Ilan Pappé entgegenzuwirken. Einige liegen schon seit langem auf Deutsch vor. Sein »Die ethnische Säuberung Palästinas« hat die Sichtweise hiesiger »Israelkritiker« wohl maßgeblich geprägt. Pappé lasse »sämtliche Komplexitäten unter den Tisch fallen«, sagt Morris in einem Interview, das der deutschen Ausgabe seines Buches vorangestellt ist, seine Bücher strotzten »vor Lügen, Verzerrungen und absichtsvollen Fehlzitationen«.

Benny Morris’ politische Positionen lassen sich schwer klar zuordnen. Die israelische Besatzung der Westbank sei »unmoralisch und schlecht«, sagte er vergangene Woche der US-amerikanischen jüdischen Zeitung Algemeiner. Doch er glaube nicht, dass es auf palästinensischer Seite eine Bereitschaft zu einer friedlichen Lösung gibt. »Sie wollen ganz Palästina. Das ist der Kern des Problems.«

jungle.world – Ein paar Hundert Seiten Kontext

Ich habe mich mit der Nakba noch nie so richtig auseinandergesetzt.Es scheint scheinbar 2 Standardwerke als Extrempositionen zu geben.Ilan Pappe „Die ethnische Säuberung der Palästinenser“und eben Morris „1948“.Interessant,dass Morris bisher im deutschsprachigen Raum scheinbar ignoriert wurde und dies nun an der FU Berlin nachgeholt werden soll.Im Jungle Worldartikel werden die Positionen ganz gut zusammengefasst.Pappe:Israels Plan zur ethischen Säuberung versus Morris Eigendynamik eines defensiven Abwehrkampfs zumal eben nicht nur gegen Palästinenser ,sondern mehrere arabische Armee, die alle Juden ausrotten und vertreiben wollten,  zumal auch teilweise religiös motiviert, also so eine Art halber Jihad.

Eine Frage, die mir auch noch nicht hinreichend geklärt scheint ,ist das damalige militärische Kräfteverhältnis. Waren das nur einige schlechtbewaffnete, Haganah-Kibbuzis mit ein paar Uzis. Golda Meir flog ja damals in die USA, um dort Waffenhilfe für Ben Gurion klarzumachen. Näheres erfuhr  man nicht. Dann gab es ja noch den Hollywoodfilm in den 60er Jahren mit Spartakus- Kurt Douglas als,US-Militärberater für die israelische Armee , der mit Senta Berger als wackerer IDF-Kriegsbeauty Seit an Seit die Araber zurückkämpfte, wo man schon Zweifel an der israelischen Version haben konnte. Aber vielleicht wollten sich da auch die Amis wichtiger machen als sie waren-zumal im zeitlichen Umfeld des gloriosen 67er Krieges. Eine österreichische UN-Mitarbeiterin aus Graz gab mir mal in den 90er Jahren ein Buch eines ehemaligen israelischen Ministers, der den 48er und Nachfolgekriege bis zum Libanonkrieg als Insider scheinbar miterlebt hatte und eher von militärische Stärke und durchaus offensiven Zielen Israels berichtete. Nun gut, im Kreisky- Waldheim, Haider- Strache- Kickel- Österreich mit Wien als Hauptsitz der OPEC und der UNO vielleicht auch nicht unbedingt eine seriöse Quelle.

Thomas von Ostensacken empfahl noch als interessante Lektüre zu 1947/48: Collins/Lapierre O Jersualem

In meiner hessichen Schulzeit und bayerischen Gymnasiumszeit war Geschichte Israels, des Judentum und auch Holocaust nie Thema und ein weißer Fleck, Das da was Schlimmes passierte sein musste, bekam man als Jugendlicher  so am Rande schon mit, Stichwort Gaskammern, zumal einem aber zumeist erzählt wurde, das habe ja keiner ahnen können oder hätte keiner gewußt und nur einige Nazis wären daran beteiligt gewesen, aber erst der US- Film „Holocaust“ thematisierte das mal breitenwirksam und öffentlich (nebst Alexander Haleys „Roots“) ,zumal die hochgefeierte Gruppe 47 zum Holocaust ja in ihren Büchern von Lenz bis Grass auch beharrlich dazu schwieg. Man musste, insofern man daran interessiert war, da eher die Rowohlt- Taschenbuchreihen besorgen. KZ Dachau war auch mehr politische Gefangene als Vernichtungslager für Juden. Den ersten Juden habe ich bewußt erst in den 90er Jahren kennengelernt und in Asien Tourigruppen gerade von der IDF gedienten israelische Jugendlichen, die recht eskapadisch in Südostasien raus aus dem konflikträchtigen Nahen Oste geflohen waren und auch keine Lust hatten über Politik oder gar deutsche Geschichte zu hören oder zu diskutieren, da eher die Augen verdrehten, da sie scheinbar von den deutschen Schuldkomplexen auch etwas genervt waren und auch über Erfreulicheres sprechen wollten. Ansonsten war man an der Uni mehr von antiisraelischen, antiimperialistischen Propararaberfans der Linken und Rechten umgeben.

Der Streit um Israel Antisemitismus und den Hamaskrieg im Gaza geht nicht nur an den Unis weiter, sondern erfaßt nun auch wackere Linke wie Bernie Saders.

“How the Left’s Israelophobia Turned Into an Inquisition of Their Champion Bernie Sanders | Opinion

Published Feb 22, 2024 at 2:49 PM ESTUpdated Feb 22, 2024 at 2:51 PM EST

By Brendan O’Neill

chief political writer of spiked, author of „A Heretic’s Manifesto: Essays on the Unsayable“

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Ibet the last thing Bernie Sanders expected upon his arrival in Ireland and Britain was to be met by angry protesters—to find himself heckled and damned as a sellout by the kind of radicals who would have been shouting his praises just six months ago. And yet that is what happened: Some of Britain’s Bernie Bros have morphed into Bernie bashers.

Why? Because he refuses to describe Israel’s war on Hamas as a „genocide“ and he doesn’t approve of the boycott, divestment, and sanctions movement against Israel.

Quick—cast him out. Unperson him. He has ventured outside the parameters of acceptable Left-wing thought and must be punished.

It all kicked off in Dublin. Senator Sanders, who is on these isles to promote his book, Why It’s OK To Be Angry About Capitalism, was speaking at University College Dublin. A group of pro-Palestine protesters assembled at the entrance to the venue, all wearing the uniform of the virtuous: a keffiyeh. „It’s OK to be angry about capitalism, what about Zionism?“ they chanted.

It got heated inside, too. Sanders was interrupted by audience members. „Resistance is an obligation in the face of occupation!“ one shouted. „Occupation is terrorism!“ yelled another.

Sanders kept his cool with his reply: „Good slogan, but slogans are not solutions,“ he said.

It continued at Trinity College the next day. Sanders was in conversation with the Irish journalist Fintan O’Toole. Outside, a small but noisy gaggle of anti-Israel agitators displayed a banner that said: „Boycott Apartheid Israel.“

„Free Palestine!“ they chanted. (Deliciously, a woman who was queuing for the Sanders event bellowed „from Hamas!“ every time they said it.)

Again, Sanders was heckled by hotheads. „Ceasefire now!“ they shouted. At one point, in the words of Trinity News, Sanders „threw up his right arm in frustration and looked at O’Toole, as if to ask him what would be done.“

It is little wonder he felt frustrated. Sanders was there to talk about capitalism, yet angry youths kept badgering him about Zionism. He is used to a fawning response from Socialist twentysomethings, and yet now some were effectively accusing him of being complicit in a „genocide.“ It’s quite the downfall for one of the West’s best-known leftists.

The turn on Bernie is underpinned by a belief that he is too soft on Israel. The radical Left will never forgive him for initially supporting Israel’s war on Hamas. Even his more recent position—he now says there should be a ceasefire—is not good enough for these people, who seem to measure an individual’s moral worth by how much he hates the Jewish State.

They want Bernie to say the G-word. They want him to damn Israel as uniquely barbarous. They want him to agree with them that it is right and proper to single Israel out for boycotts and sanctions.

In short, they want him to fall into line. They want him to bend the knee to their Israelophobic ideology.

These illiberal demands on Bernie to bow down to correct-think continued when he arrived in the U.K. A group of communists protested against him in Liverpool. Normally, Sanders would have been shown only love in a historically radical city like Liverpool, said the Liverpool Echo, but this time, „the atmosphere was different,“ for one simple reason: „his refusal to brand Israel’s actions in Gaza as ‚genocide‘.“

Sanders‘ resistance of the G-word haunted him in his media interviews, too. Ash Sarkar of Novara Media, a key outlet of Britain’s bourgeois Left, asked him three times if he would call Israel’s war on Hamas a „genocide.“ He refused and it went viral. Armies of ersrtwhile Bernie fans damned him as a „genocide denier.“

There is something quite nauseating in this spectacle of an elderly Jewish man being pressured to denounce the world’s only Jewish State as genocidal. Millennial Gentiles who want to trend online might be happy to throw around the G-word. But Senator Sanders, who lost family in the Holocaust, clearly has a deeper moral and historical understanding of what genocide is. And it seems he is not willing to sacrifice that understanding at the altar of retweets or an easy ride.

Good for him.

Sanders‘ father was born in Poland, where most of his family were exterminated by the Nazis. Sanders is a son of the Shoah, a descendant of survivors of the greatest crime in history. To subject him to the modern equivalent of a showtrial in which you demand that he scream „Genocide!“ at Israel feels unconscionable. As does branding him a „genocide denier.“

Why won’t he call Israel’s war on Hamas a „genocide“? Maybe, says a writer for the Jewish Chronicle, it’s because he lost so much of his family to Hitler’s gas chambers and therefore he „knows what a genocide is, what a war crime is.“ He knows that while the war in Gaza, a war started by Hamas, is „horrible,“ to use his word, it cannot in any way be compared to the Nazis‘ conscious efforts to vaporize an entire ethnic group.

There has been a Inquisition vibe to some of the Bernie-bashing in Britain. At times it has felt cruel. The sight of fashionable, privileged Israel-bashers haranguing a man who will have heard stories from his own father about the genocidal mania of the Nazis has come across like Jew-taunting rather than political critique.

More broadly, this unseemly episode gives us a glimpse into the authoritarian impulses behind the Left’s obsessive opposition to Israel. Israelophobia, it seems, is less a rational political stance than a borderline religious conviction. There are true believers, who dutifully repeat the G-word like a mantra, and sinful outliers, who refuse to treat Israel as uniquely „problematic.“

One’s moral fitness for radical society is increasingly judged by one’s willingness to treat Israel as the most wicked nation in existence. The dangers of making hostility to the Jewish State a requirement of being a Good Leftist should be clear to everyone.

Sanders is wise to resist this tyrannical zeitgeist, and to say what he believes rather than what he believes will be popular.

Brendan O’Neill is the chief political writer of spiked. His new book, A Heretic’s Manifesto: Essays on the Unsayable, is available now.

The views expressed in this article are the writer’s own.

How the Left’s Israelophobia Turned Into an Inquisition of Their Champion Bernie Sanders | Opinion (newsweek.com)

Der arme Bernie. Erst als der nette alte Opa und Hoffnungs- und Gralsfigur der Millenials-Gen Z- Progressive-Jugend gefeiert, jetzt als angry white old man und Völkermörder angeklagt Bei Corbyn und der Labourlinken im UK lief es ja gerade anders rum. Jedenfalls will man den jüdischen Bernie als Überlebenden einer Holocaustfamilie jetzt zwingen von einem Genozid im Gaza zu sprechen.

Merkels ehemaliger Militärberater General Vad kommentierte noch:

„Man sieht es auch an diesem Beispiel:  es werden in fast allen Diskursen nur noch Haltungen abgefragt.“ 

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