Das Reifezeugnis der gealterten Natasja Kinski

Das Reifezeugnis der gealterten Natasja Kinski

Neben der Blonden von Abba gab es in den 70er Jahren neben Jody Foster auch Natasja Kinski als Jugendschwarm. Vor allem durch den Tatort „Reifezeugnis, in der sie auch mal kurz nackt zu sehen war, was für Öffentlich- Rechtliche schon als halber Porno galt, aber der damaligen Generation als Jugend-Pubertäts-Kultfilm in Erinnerung blieb. Nun erfährt an erstmals mehr über die Hintergründe, wie es dazu kam, wobei man verwundert feststellt, dass Natasja Kinski erst 15 gewesen sein soll. Scheinbar etwas frühreif, denn auch damals hielt man sie für älter. Doch nun liest man:

Nacktszenen mit 15 Jahren Nastassja Kinski will öffentliche Entschuldigung für »Tatort: Reifezeugnis«

Nastassja Kinski möchte, dass der »Tatort«, in dem sie als 15-Jährige nackt zu sehen war, nicht mehr gezeigt wird. In einem TV-Interview erhebt die Schauspielerin Vorwürfe gegen die damals Verantwortlichen.

04.03.2024, 15.45 Uhr

Nastassja Kinski in der »Tatort«-Folge »Reifezeugnis« (mit Marcus Boysen 1977): Im Hotelzimmer geweint
Nastassja Kinski in der »Tatort«-Folge »Reifezeugnis« (mit Marcus Boysen 1977): Im Hotelzimmer geweint Foto: NDR / picture alliance / dpa

Schauspielerin Nastassja Kinski verlangt für ihre Nacktszenen als 15-Jährige im erfolgreichen »Tatort«-Krimi »Reifezeugnis« eine Entschuldigung. »Ich möchte die Leute konfrontieren, die verantwortlich waren dafür«, sagte sie  dem Fernsehsender RTL über den Thriller von 1977. »Und ich möchte eine Entschuldigung – öffentlich.«

Vor zwei Wochen hatte der SPIEGEL gemeldet , dass die Schauspielerin die weitere Ausstrahlung der Nacktszenen verhindern will und Anwälte eingeschaltet hat. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR), der den Film damals unter der Regie von Wolfgang Petersen  (1941 bis 2022) produziert hat, teilte auf dpa-Anfrage am Montag in Hamburg mit: »Der NDR hat vor fast zwei Wochen fristgerecht geantwortet und ein persönliches Gespräch mit dem Programmdirektor angeboten. Der Film ist derzeit auf allen Ausspielwegen gesperrt. Das Gesprächsangebot halten wir aufrecht.«

Der Intimitätscoach Florian Federl sagte dem SPIEGEL im Interview: »Wenn ein Mensch sagt: ›Ich will nicht mehr, dass diese Nacktszene gezeigt wird, und es ist mein Körper‹ – dann müssen wir dem folgen. Nicht aus Kulanz, sondern aus Respekt.«

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Nastassja Kinski ist bereits zu Beginn des Films mit nackter Brust an einem See zu sehen. In dem oft wiederholten Kieler Krimi spielte sie die 17 Jahre alte Schülerin Sina, die mit ihrem verheirateten Lehrer (dargestellt vom 2023 gestorbenen  Christian Quadflieg) eine Affäre hat.

Tatsächlich war sie während der Dreharbeiten aber erst 15. Sie habe sich bei solchen Szenen nicht wohlgefühlt, »obwohl ich den Regisseur mochte, das ganze Team«. Sie sei am Set ohne elterliche Begleitung gewesen, sagte Kinski. »Meine Mutter war nicht eingeladen, das war mit Absicht von der Produktion – so kann ich das nur verstehen.« Sie habe es zwar als ihren Job als Schauspielerin gesehen. »Aber dann ging ich ins Hotel, und dann habe ich geweint.«

»Warum haben sie es nicht anders gedreht?«

Ihre Mutter, die in den Siebzigerjahren in Scheidung lebte, sei finanziell in Not gewesen, sagte die Schauspielerin. Sie habe als Tochter mit der Gage zum Lebensunterhalt beigetragen. »So habe ich auch uns geholfen, meiner Mutter und mir. Das werde ich nie vergessen, das ist wie gestern. Wir waren in einer wirklich schlimmen Situation, und als die Angebote kamen, war das ein Glück für mich und meine Mama.«

Sie stelle sich mit Blick auf »Reifezeugnis« die Frage: »Warum haben sie es nicht anders gedreht? Derselbe Effekt, dieselbe Geschichte, Lehrer, Schüler, das Drama, mit dem Jungen, aber anders gedreht, sodass man nicht alles sieht.«

Ähnlich hatte sich die Regisseurin Julia von Heinz schon 2019 gegenüber »Zeit Online« geäußert : »Man lässt sie mit freiem Oberkörper im Wohnzimmer telefonieren, ohne dass es eine inhaltliche Notwendigkeit hat. Das waren die Siebzigerjahre, die Zeit des ›Schulmädchen-Reports‹.«

Intimitätscoach Federl weist auf die Umstände hin, wie eine solche Szene heute gedreht würde: »Man bräuchte ein Vorgespräch, eine Szenenvereinbarung und eine Choreografie für das, was gefilmt werden soll. Ich würde den Dreh unterstützen, damit alles einvernehmlich abläuft. Am Ende gäbe es ein Debriefing, in dem wir nachbesprechen würden, wie es für alle Beteiligten war.«

Man müsse heute mehr Leute bezahlen, die sich um die Darstellerin kümmern, sagte er dem SPIEGEL : »Vielleicht wäre es für die Produktionsfirma am einfachsten, eine volljährige Schauspielerin zu nehmen, die aussieht wie 15. Davon gibt es ja viele«.

Nastassja Kinski will öffentliche Entschuldigung für Nacktszenen in »Tatort: Reifezeugnis« – DER SPIEGEL

Tja, gerade wegen der Nacktszenen wurde sie damals ja zum angehimmelten Jugendschwarm junger Männer. Aber scheinbar hat man die Not ihrer Mutter da ausgenutzt und die 70er waren eben auch die Jahre der sogenannten sexuellen Revolution. Und der Reifezeugnis- Tatort war auch nicht so ein Schmuddel-Schulmädchenreport. Tja, da wird auch ein Stück Geschichte und Nostalgie mit vernichtet. Aber gut, wenn sie es nicht mag, ist das ja verständlich .Interessant aber, dass es neben Awarenessteams jetzt auch Intimitäts-Coaches gibt. Ob es da eine Berufsausbildung dafür gibt?

Ein Bekannter kommentierte auch noch:

„Ja, wenn sie es nicht will, dann will sie es nicht. Kann man ja verstehen, dass man mit 63 keine Lust mehr hat, dass sich alle den eigenen Körper im Alter von 15 anschauen, auch wenn der schön war (die Fotos von der Armen, die man heute sofort präsentiert bekommt, wenn man sie googelt, sind es definitiv nicht).

In den 70ern war das eben wirklich einfach so. Ich hätte es natürlich auch nicht gerne gesehen, wenn ein Regisseur meine Tochter mit 15 Nacktszenen hätte drehen lassen, die alle Menschen sehen konnten. Allerdings weiß ich auch, dass es viele Mädchen gab (und gibt), die das ganz anders sahen – sonst hätte auch der Playboy nicht diese vielen Nacktmodells bekommen. Zu welcher Sorte die Kinskis damals gehörten, können wir nicht wissen. Es ist möglich, dass sie sich wirklich geschämt hat.

Allerdings kann man sich des Gedankens nicht völlig entziehen, dass sich heute niemand mehr für Nastassja Kinski interessiert, und ihr diese Bedenken jetzt deshalb kommen. Wenn das wirklich so schlimm war, dann hätte sie das doch  vermutlich schon vor 10 Jahren gesagt. Na ja, vielleicht war sie da auch noch mehr an den Tantiemen interessiert, die sie bekommt, wenn der Film gezeigt wird.

Zumindest weiß ich, dass ich es wegen dieses Tatorts sehr bedauert habe, dass meine Eltern keinen Fernseher hatten. Die Kunde von diesen Bildern interessierte mich natürlich als 15-Jähriger auch sehr …“

Ja, wie gesagt. Wenn sie es nicht will, dann soll man das respektieren .Zumal es von den Regisseuren schon grenzwertig ist bezüglich einer Minderjährigen. Gab es da keinen Jugendschutz? Aber bei Typen wie Harvey Weinstein oder eben auch ihrem Vater Klaus Kinski, der ihre Schwester wie sie in ihrem Buch schildert auch sexuell mißbrauchte, braucht man sich nicht zu wundern.

In fortgeschrittenem Alter hatte sie da keine Probleme mit Nacktszenen, etwa in Catpeople, wo das mehr erotisch denn pornographisch rüberkommt, zumal mit Filmmusik von David Bowie. Aber ihre besseren Filme waren „Revolution“ über den USA-amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, in dem sie eine antibritische Rebellin mit Al Pacino spielt. Ansonsten kommt sie noch bei Wim Wenders Paris-Texas vor, wo ein Vater seine Tochter in den USA sucht und als Peepshowgirl wiederfindet-aber auch keine Nacktszenen. Seitdem kann ich mich an keine Filme mehr mit ihr erinnern-sie hatte sich dann glaube ich mehr ins Familienleben zurückgezogen.

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