Olala- sind wir nicht alle ein bißchen rassistisch?

Olala- sind wir nicht alle ein bißchen rassistisch?

Ich war heute mal mit einem Freund im Kino. Olala-angekündigt als eine französische Komödie. Nur zu empfehlen. Viel besser als „Monsieur Claude und seine Töchter“ , auch nicht als Zielgruppe Chinesen, Schwarze, Juden/Araber, sondern erst einmal die alte deutsch- französische Erzfeindschaft aufleben lässt, als hätte die Friedensnobelpreisträger und Staatsmänner Briand /Stresemann und De Gaulle/Adenauer nie existiert. Der ähnliche Handlungsplot wie zuvor: Nicht die Töchter heiraten, sondern die Tochter eines französischen Adeligen, dessen Familie wohl den Terreur und die Gulliotinen der französischen Revolution überlebt hatte will den Sohn eines französischen Peugothändlers heiraten, der deutsche Konkurrenzautos haßt, während der Aristokrat Mercedes fährt, da Peugot nicht standesgemäß ist. Französischer Adeliger und französischer Peugothändler begreifen sich als der jeweils noch bessere und französischer Franzose, wobei hier eben vor allem Ständesdünkel, Klassenzugehörigkeit und Snobismus, lange historische Familientradition und daraus angebliche bedeuten Rolle und Verantwortung behauptet werden, zwischen Klassen, Rassen, Nationalismus, Blut -und Bodenfragen, Adel und Arbeiterklasse ohne dass das Bürgertum gleich wieder die Guillotinen herausholt aber eben alles sehr witzig und political uncorrect dargestellt, Ein französischer Oberklassenaristokrat, der auf Tradition, Blutlinien, lange Familienhistorie von Pipim über Karl den Großen , Kreuzzügen und anderen bedeutenden westeuropäischen ,vor allem italienischen Adelshäusern wie Venezien ahnenmäßig als deep historic state blauen und edlen Blutes sich darstellt und Verantwortung sich als eigentliche Identität und tragende Säule der Grand Nation begreift und ins Zentrum der Auseinandersetzung stellt. Was ist französisch? Ein Gentest von beiden Elternhälften, den die Tochter eher als aufheiternden Gag mitgebracht hat, soll da Aufklärung bringen und sorgt fürs völlige Idenitätschaos, da eben zumindetens genetisch nicht so alles reinrassig französischen Blutes ist , plötzlich Ahnenadern nach Deutschland, Portugal, dem britischen Königshaus und Cheroke- Indianer von Buffallo BIlls europäischen Volkerschauen als möglicher Seitensprung und „morpher Zweig“ zeigen und sich daraus witzige Dialoge und Streit bis hin fast zu Handgreiflichkeiten gibt samt Amokfahrt in ein US- Fastfood- Restaurant, um die Plastikstatue von Buffalo Villa umzufahren. wobei zum Ende, die Leute befreit von ihrem Identiätsstandesdünklen als Menschen wieder in einem Happy End zusammenkommen sollen, wenn sie sie sich von Klassen, Rasse, Gentestergebnissen oder eingebildeten Identitäten wieder als Menschen emanzipieren , zudem unter dem Aspekt der alles übergreifend macht. Zwar weiß jeder Mensch ,dass das idealistisch ist, aber es ist eben die Botschaft des Films, wie damals Gorbi von der Spezies Mensch angesichts des Atomkriegs redete oder etwa ein Carl Schmitt entgegnete „Wer Menschheit sagt , lügt“ Jedenfalls ist Oh Lala in Film und Appell an eine Menschheit, die sich erst mal Jenseits von Klassen Rassen oder Kulturkreisen organisiert, aber deren Existenz klar benennt ,sehr sympathischen wenngleich platt, da sich wieder alles in anstehender Schwangerschaft und Heirat auflöst und dadurch allen ein Happy Emd sucht. Aber egal: Ein wahres Inferno von historischem Namedropping, nationalsitischer und rassistischer Klischees, die da aufgrund eines Gentests aufeinanderprasseln, auch so aufeinander konfrontiert werden, wie der Regisseur eben sagte: „Sind wir nicht alle ein wenig rassistisch?““. Also nicht die Leugnung dieser Rassismen, die Verschweigung irgendwelcher political uncorrect words, sondern eben die Herausstellung dieser allseits eistierenden Rassismen ganz offensiv und daraus erhoffter Selbstreflektion, zumal mit einem sehr pädagogischen Happy End, wenn man Klasse, Rasse. Blut/Gene. Geschlecht Heimat, Tradition und Nation dekonstruiert und in eine neue multikulturelle Einheit einer friedlichen Koexistenz nach Erkenntnis der eigenen Fehler und Vorurteile erhofft wird. Woke Idioten könnten diesen Film nur noch als letztes Aufgebot weißer angry white Westeuropeans untereinander sehen, zumal sich darüber erregen, dass statt PoC Schwarze gesagt wird, man auch Indianer statt natives sagt und keine Chinesen, Transgender ,Schwarze, Asiaten oder Osteuropäer und Slawen diesmal Gegenstand waren. Egal. ein herrliches Sperrfeuer an Rassismuswitzen, gegenseitiger Klischees und Stereotypen, wie sie halt teils wahr sind und historischen Bezug haben und dann eben wieder nicht oder zu „morphen Zweigen“ der Adelslinie führen, Seitensprüngen bis zu den Indianerfrauen von Buffalo Bills Völkerschauen nebst Wehrmachts- Resistance-Schwangerschaften. , die ein Genealogie, Stammbaum, wenngleich schon kein Arierausweis nicht weglassen kann, aber eben der Gentest., Nicht die political korrekte Vermeidung der Nennung all dieser gegenseitgen Rassiamen, sondern die volle Artikulation und offenes Aussprechen all dieser wonnig aufeinanderprallen lassen und daraus erhoffter Selbstreflektion und daraus Lernen, sind das Erfolgsrezept dieses Films wie auch seine pädagogische Reeducationabsicht. .Jedenfalls kann man 1 !/2 Stunden dauerlachen angesichts dieses antirassistischen bewußt politisch unkorrekten und unwoken Komödienspektakels , das nicht dieses inzwischen grün deutsch-puritanisch- wassertrinkende neosaubere Spießertum und Unterdrückertum hat, das da eventuell einem noch eine einen wegen Hatelaugh, wenn Hatespeech-Vorwürfe nicht gehen denunzieren würde. Ich und mein Freund konnten jedenfalls 1 1/2 Stunden herzlich lachen, während bei Restpublikum, das scheinbar mehr politisch korrekt, woke oder einfach nur humorlos zu sein schien, nur mal einige wenige sporadisch und verdruckste Lacher kamen, ja vielleicht das Ganz auch nur als rassistisch begriffen und da eher in Schockstarre eingefroren war, vielleicht da sich nicht eingestehen wollte, wie der Regisseur de Filmes ja so ehrlich feststellend fragte: „Sind wir nicht alle ein wenig rassistisch?“. Zumal keiner als weißes Papier völlig vorurteilsfrei sozialisiert wurde, zudem in einer früher dominant weißen Mehrheitsgesellschaft, wobei des aber eben Rassismus nicht nur bei Weißen, sondern bei allen Menschen und Hautfarben und Nationalitäten..Inzwischen scheint sich da im französischen Film ein Muster heraus zu entwickeln, wie bei den Deutschen wenngleich hier zumeist mehr in prekärer Hauptschul-Pennäler-, bestenfalls Mittelschichtenperspektive seit „Türkisch für Anfänger“ und „Fuck You Goethe“ oder die ZDF- Serie „Doppelhaushälfte“, wobei dies nicht sehr angenehme. lockere positive Beispiele sind, die Identitätsfragen auch mit einem gewissen Humor und nicht so woke und fürchterlich bierernst thematisieren.

MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

KÖNNEN MILLIONEN FRANZOSEN IRREN?

Kaum ein Filmgenre ist so vielgestaltig und ergiebig wie die Komödie: Es gibt Beziehungskomödien, Liebeskomödien, Buddy-Komödien, Screwball Comedies, Horrorkomödien, Slapstick-Komödien, Verwechslungs- oder Tragikomödien. Spätestens seit den beiden Megasellern Willkommen bei den Sch’tis und Ziemlich beste Freunde ist noch eine weitere Untergattung hinzugekommen: die französische Erfolgskomödie. Seit dem enormen Erfolg der beiden Filme, die zusammen in Deutschland über 11 Millionen Zuschauer in die Kinos lockten, ist die krisengeschüttelte deutsche Filmverleih-Landschaft geradezu darauf versessen, den Erfolg von damals zu wiederholen – doch keiner der designierten Nachfolger und Repräsentanten der beiden cineastischen Goldesel konnte bislang an deren berauschende Zahlen anknüpfen. Nun schickt sich mit Monsieur Claude und seine Töchter ein weiterer Kandidat an, auf den Spuren seiner erfolgreichen Vorgänger zu wandeln – und tatsächlich könnte diesem Film mehr Zuschauerzuspruch beschieden sein. Schließlich verfügt er über all die bewährten Zutaten, die aus einer Komödie einen potenziellen Kinohit werden lassen und verbirgt unter der heiteren Oberfläche eine spitze Analyse der multikulturellen Gesellschaft, bei der buchstäblich alle Beteiligten ihr Fett abbekommen.

Vier Töchter haben Claude Verneuil (Christian Clavier) und seine Frau Marie (Chantal Lauby) großgezogen. Die Familie, die im beschaulich-gemütlichen Ort Chinon an der Loire residiert, gehört zu den Vermögenden im Lande, ihnen und ihren Kindern fehlt es an nichts – wenn die Töchter doch nur etwas mehr Fingerspitzengefühl bei der Auswahl ihrer Ehemänner an den Tag legen würden. Denn die Verneuils sind nicht nur treue Gaullisten, sondern auch ebenso glühende Katholiken. Und da die bisher schon verheirateten Töchter einen Juden, einen Araber und einen Chinesen mit in die Familie gebracht haben, wünschen sich die – wie sie betonen – enorm toleranten Eltern nichts sehnlicher als einen Schwiegersohn Nummer 4, der der römisch-katholischen Kirche nahe steht. Zumal schon allein deswegen, weil sich die familiären Zusammenkünfte aufgrund der verschiedenen religiösen Auffassungen ausnehmen wie ein streitbares Konzil der Weltreligionen. Nun soll man ja bekanntlich vorsichtig sein mit den eigenen Wünschen (sie könnten ja in Erfüllung gehen) – und genau das müssen auch die Verneuils am eigenen Leibe erfahren. Denn Charles, der „Zukünftige“ der jüngsten Tochter Elodie, ist zwar katholisch, doch es gibt da einen kleinen anderen Makel, der die Toleranz der Verneuils auf eine harte Probe stellt…

Im Prinzip variiert Monsieur Claude und seine Töchter den „Culture Clash“ von Willkommen bei den Sch’tis (Frankreichs Süden gegen den Norden) und Ziemlich beste Freunde (Unterschicht gegen Upper Class) in die eigentlich sehr sensiblen Bereiche Religion und Herkunft – und das könnte gerade angesichts der seit einigen Jahren schwelenden Angriffe auf die multikulturelle Gesellschaft bös ins Auge gehen. Zumal Philippe de Chauveron Vorurteile und Klischees nicht ängstlich umschifft, sondern diese immer wieder gezielt einstreut, um sie anschließend lustvoll zu zerpflücken.

Doch es gibt noch eine zweite Traditionslinie der französischen Komödie, der sich Monsieur Claude und seine Töchter verpflichtet fühlt – und die reicht wesentlich weiter zurück. Ziemlich deutlich erinnert jener Claude Verneuil nämlich an den Inbegriff des bürgerlich-konsverativen Spießers, der von Louis de Funès — just in diesen Tagen mit einem Thementag bei 3sat anlässlich seines 100. Geburtstags geehrt — in unzähligen Filmen verkörpert wurde. Lässt man all die Gegenwartsbezüge außer Acht, die Monsieur Claude und seine Töchter aufbietet, könnte man ohne Mühe einen typischen de Funès-Film aus der Geschichte destillieren. Die leicht erregbare und im Verlauf der Geschichte immer wild entgleisende Mimik und Gestik des auf harte Proben gestellten Spießbürgers, die Wortkaskaden, die Gags am Rande der Schicklichkeit und „political correctness“ – all dies steht in der jahrelang verkannten Tradition des Genies aus Courbevoie, der vor allem in Deutschland aufgrund entsetzlicher Synchronfassungen lange Zeit auf ein reines Blödelimage reduziert wurde. Man darf durchaus vermuten, dass Philippe de Chauveron dieses humoristische Erbgut sehr wohl bewusst ist, immerhin gibt es an einer Stelle sogar einen ganz direkten Bezug auf Die Abenteuer des Rabbi Jacob / Les aventures du Rabbi Jacob (1973).

„Sind wir nicht alle ein wenig rassistisch?“, lässt de Chauveron an einer Stelle einen der Schwiegersöhne fragen und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Statt immer auf andere zu deuten, wenn es um Missverständnisse und Vorurteile geht, regt dieser Film an, den Rassisten und Intoleranten in uns selbst zu entdecken – und ihn auszulachen. Dass dem Film genau das auf recht charmante Weise gelingt und Monsieur Claude und seine Töchter darüber hinaus mit fein dosiertem Witz und gepfefferten Dialogen unterhält, gehört zu den angenehmsten Überraschungen, die in den letzten Jahren aus Frankreich zu uns auf die große Leinwand kommen. Und so bleibt am Ende allein die Frage im Raume stehen, ob dem Lachen ein Erschrecken folgt, wenn man erkennt, dass dieser Spießer in uns selbst steckt.

(Joachim Kurz)
–––––––––––––––––––––––––––––––––—

In jedem Jahr gibt es mindestens einen französischen Film, der hierzulande als der „Komödienhit aus Frankreich“ beworben wird. Vor zwei Jahren war es Ziemlich beste Freunde, in dem aus dem weißen, gelähmten, reichen Mann und seinem schwarzen Pfleger aus einem Banlieue gute Freunde wurden, im letzten Jahr war es Paulette, in dem eine Rentnerin mit dem Dealen von Hasch Geld verdient und sich nebenbei an ihren schwarzen Enkel gewöhnte. Abgesehen vom Erfolg haben diese Filme gemeinsam, dass sie ihren Witz aus dem Zusammenprall verschiedener Milieus und dem Verstoß gegen politische Korrektheit ziehen. Auf dieses Muster greift nun auch Regisseur Philippe de Chauveron in seinem Film Monsieur Claude und seine Töchter zurück, der in den ersten drei Wochen in Frankreich bereits 5,6 Millionen Tickets verkaufte. Der Film beginnt mit einem Zusammenschnitt von drei Trauungszeremonien, in denen erst Odile (Julia Piaton) den jüdischen David (Ary Abttian), dann Isabelle (Frédérique Bel) den Muslim Rachid (Medi Sadoun) und Ségolène (Émilie Caen) den Chinesen Chao (Frédéric Chau) heiratet. Die Eltern machen jedes Mal ein etwas gequälteres Gesicht, auch ist auffällig, dass auf Seiten der Braut nur der engste Familienkreis anwesend ist und die vierte Tochter Laure (Élodie Fontan) immer näher an die Eltern heranrückt. Nein, einverstanden sind Marie (Chantal Lauby) und Claude (Christian Clavier) mit der Wahl ihrer Töchter nicht, hatten sie doch auf katholische Franzosen als Schwiegersöhne gehofft, die so gut in ihr großes Haus im Loiretal passen würden. Stattdessen aber kommt es bei Familientreffen zu allerhand Missverständnissen und Streitigkeiten über Vorurteile und Stereotype, die schließlich in dem Vorwurf gipfeln, Claude sei Rassist. Beleidigt ziehen sich Claude und seine Frau daraufhin zurück. Doch Marie ist nicht glücklich mit dieser Situation, also werden alle Töchter zu Weihnachten eingeladen – und vorab werden alle Anwesenden beschworen, sich gut zu benehmen. Tatsächlich kommt sich die Familie wieder näher, doch neue „Bedrohung“ schwelt bereits am Himmel: Laure hat sich ebenfalls verlobt – und zwar ausgerechnet mit Charles (Noom Diaware), der von der Elfenbeinküste stammt und schwarz ist.

Hauptsächlich setzt Monsieur Claude und seine Töchter also auf das bewährte Komödien-Erfolgsrezept von Culture Clash und Witze über politische Korrektheit, das Regisseur Philippe de Chauveron nur wenig variiert. Claude ist ein wohlhabender Steuerberater und überzeugter Gaullist, der sämtliche Vorurteile glaubt und verkündet. Auch die Schwiegersöhne erfüllen die zu erwartenden Stereotype: David will unbedingt mit einer Geschäftsidee reich werden, Chao ist meist freundlich und ein erfolgreicher Banker, Rachid verteidigt als Anwalt doofe Kiffer aus dem Einwandererviertel Barbès. Die Frauen sind allesamt verständnisvoller als die Männer, die an ihren jeweiligen Traditionen und Vorurteilen festhalten wollen, deshalb sind sie es auch, die für Schadensbegrenzung zuständig sind – und natürlich werden am Ende alle feststellen, dass sie doch gar nicht so verschieden sind und es nicht notwendig ist, an Weihnachten drei Puten (halal, koscher und mit chinesischer Marinade) auf den Tisch zu stellen. Regisseur Philippe de Chauveron setzt somit vor allem auf Potenzierung des Komödienerfolgsrezepts: Wenn die Witze eines alten, reichen, weißen Mannes über seinen schwarzen Pfleger, einer alten, weißen Dealerin über ihren schwarzen Schwieger- und Enkelsohn und das Zusammentreffen einer portugiesischen und französischen Familie (Portugal mon amour) schon lustig und erfolgreich waren, dann ist das Zusammentreffen eines wohlhabenden weißen Franzosen mit einem arabischen, jüdischen, chinesischen und schwarzen Schwiegersohn gleich viermal so lustig – vor allem, wenn auch noch die zukünftige Schwiegerfamilie mit einem ebenso ignoranten Vater hinzukommt. Jedoch schleicht sich bei dieser Formel mit Verlauf des Films die Missstimmung ein, dass die meisten Pointen auf eine Hierarchierung setzen: ein Schwarzer ist schlimmer als ein Chinese, der schlimmer ist als ein Jude, der schlimmer ist als ein Moslem – und am schlimmsten, so lautet tatsächlich ein Gag, wäre ein Roma gewesen. Und sobald sich dieser Gedanke erst einmal eingestellt hat, vergeht einem in einigen Szenen das Lachen ganz gehörig.

Außerdem wird den Charakteren durch diese Potenzierung keine Zeit für eine Entwicklung gegeben, sondern sie bleiben auf ihre bloße Funktion beschränkt. Zwischentöne schleichen sich nur selten ein – wenn Chao beispielsweise auf die Bitte seiner Frau, er solle sich zurückhalten, entgegnet, er solle also den Chinesen geben, gibt diese Dialogzeile der Figur ein Bewusstsein, das überwiegend zu selten zu sehen ist. Auch wenn Rachid plötzlich inbrünstig die Marseillaise anstimmt und die Schwiegersöhne zu Claudes Überraschung bekennen, sie seien glühende Fans der Équipe Tricolore, zeigt diese Szene auf amüsante Weise noch einmal Claudes Verblendung, gibt den Figuren aber zudem Gelegenheit, mehr als Schablonen zu füllen. Insgesamt jedoch setzt Philippe de Chauveron zu selten auf Differenzierung, sondern lieber auf einen Gag. Daher hat Monsieur Claude und seine Töchter seinem Thema auch nichts Neues hinzuzufügen – und ihm fehlen berührende Momente.

Dass der Film in einigen Szenen doch Spaß macht, liegt daher vor allem an Chantal Lauby, die nach Portugal mon amour abermals die konservative, aber bemühte französische Ehefrau spielt, und Christian Clavier, der perfekt in die Rolle des Spießbürgers passt. Außerdem kommt mit Charles’ Vater eine weitere Dimension der Vorurteile hinzu – für ihn sind Franzosen arrogante Kolonialherren, bei deren Feiern es nicht genug zu essen gibt. Und hier kommt es nach dem obligatorischen Besäufnis und der finalen Rettung der Hochzeit in letzter Sekunde dann zu einer Vereinigung der Familien – und zwar nicht trotz, sondern dank der Vorurteile.

Monsieur Claude und seine Töchter | Film, Trailer, Kritik (kino-zeit.de)

Auch hier wieder wie in Monsieur Claude katholischer Oberschichtenadeliger, dessen Töchter heiraten wollen, diesmal soll ein DNA-Test für Verwirrung sorgen. Erinnert auch ein wenig an den  älteren US-Film „Wer kommt denn da zum Frühstück?“ mit Spencer Tracy und Sydney Portier, wi die weiße Bürgerstochter einen schwarzen Arzt heiratet, wobei letzteres keine Komödie war, eher liberaler Civil rights movement -PC. Die Franzosen scheinen das mehr mit Humor anzugehen, wobei ich in dem Artikel interessant finde, dass sie Louis De Funes da als Vorgänger sehen, wobei Rabbi Jacob wirklich klasse ist-könnte in Deutschland nie gedreht werden, wahrscheinlich war er deswegen hier auch beliebt. Wobei Die Polizisten von St. Tropez und Phantomas wirklich  mehr Klamauk war. Wobei Brust oder Keule ja auch klasse war. Aber scheinbar kam das dann auch als Gegenreaktion auf die französische Noir-Welle und die Catherine Deneuve- Filme , dass man es etwas leichter wollte. Ebenso wie die Belmondo-und Delon-Welle in den 70er und 80ern.In den 90er Jahren sind mir außer Die wunderbare Welt der Amelie keine weiteren französischen Filme in Erinnerung geblieben. Interessant finde ich aber auch den Ansatz des Regisseurs „Sind wir nicht alle ein bisschen rassistisch?“. Wohl geeigneter als woke PC. Aber angesichts Ban Lieu-Unruhen, islamistischen Anschlägen scheinen viele Franzosen das eben nicht so amüsant und lustig zu betrachten, wie etwa die Wahlergebnisse von Marine Le Pen oder auch zwischenzeitlich Eric Zamour zeigen. Nicht nur in Frankreich.

Kommentare sind geschlossen.