Iran und der Persische Golf: Die kommende Konfrontation mit den USA?

Während im Iran gerade ein innenpolitischer Machtkampf zwischen dem Obersten Geistlichen Führer Khameini und Präsidenten Ahmadinedschad tobt, sowie die demokratische Opposition um Moussawi und Kharroubi verstärten Repressionen ausgesetzt ist (Hausarrest für Moussawi, Forderung nach der Todesstrafe für Moussawi und Kharroubi durch einige Parlamentarier und Kleriker), wird der Iran auch aussenpolitisch offensiver. Neuerdings erklärt er den Persischen Golf als rein persisches Gewässer, während der Golfkooperationsrat, der die anderen Golfanrainer vertritt, dem heftig widerspricht. Zuletzt tat sich Irans Generalstabschef Major General Firouzabadi mit der Bemerkung hervor, dass es eine arabische Diktatorenfront im Golf gebe und der Persische Golf für immer persisch bleibe :

The interior ministers of the six nations that are members of the [Persian] Gulf Cooperation Council (GCC) met in Abu Dhabi on Tuesday. They denounced Iran and asserted that the Persian Gulf does not belong exclusively belong to the Islamic Republic. The ministers declared, „The Gulf is Arab and it will remain as it is.“ They said that recent remarks by Major General Hassan Firouzabadi, chief of staff of Iran’s armed forces, were „provocative, irresponsible, and contrary to the principles of good neighborliness, mutual respect, and noninterference.“ On Saturday, Firouzabadi condemned what he called an „Arab dictatorial front“ in the Persian Gulf and claimed that the „Persian Gulf has belonged to Iran forever.“ In a statement two days later, GCC Secretary-General Abdullatif al-Zayani declared, „The Gulf belongs to all states on its shores, and Iran has no right to claim otherwise as it owns nothing from the Gulf but its territorial waters.“

http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/tehranbureau/2011/05/the-moslehi-blowback-ahmadinejad-allies-arrested-top-aides-targeted.html

Konfliktpunkt wird dabei immer mehr Bahrain, in dem saudische Truppen zur Niederschlagung der dortigen demokratischen, zumeist schiitischen Opposition einmarschiert waren, während Teheran sich immer mehr zur Schutzmacht aller Schiiten erklärt. Neuerdings sind nun auch kriegerische Töne von Seiten Khameinis Militärberater zu hören:

Wegen Einsatz in Bahrain: Teheran droht Saudi-Arabien mit militärischer Einmischung

18:41 19/04/2011
MOSKAU, 19. April (RIA Novosti).
Der Militärberater des iranischen geistlichen Führers, Yahya Rahim Safavi, hat Saudi-Arabien laut dem TV-Sender Al-Dschasira wegen des gegenwärtigen Militäreinsatzes in Bahrain scharf kritisiert und mit einer militärischen Einmischung in die Angelegenheiten des Königreiches gedroht.

Safavi, Ex-Kommandeur des Corps der “Islamischen Revolutionshüter”, beschuldigte Saudi-Arabien, das Mitte März seine Truppen nach Bahrain geschickt hatte, „der Unterdrückung des Volkes von Bahrain“ und bezeichnete das Handeln von Riad als „eine bewaffnete Einmischung, die dem Völkerrecht widerspricht“.

Laut Safavi könnte der saudi-arabische Militäreinsatz in Bahrain Anlass für eine ausländische Einmischung in Saudi-Arabien selbst geben, sollte es in diesem Land zu verstärkten Massenprotesten kommen.

Der Iran besitze genügend Kräfte, um einen Antwortschlag gegen jeden zu führen, „der in Versuchung gerät, den Iran zu überfallen“, so der Militärberater.

Nach dem Ausbruch von Unruhen in Bahrain, wo die schiitischen Moslems (75 Prozent der Bevölkerung) einen Ausbau ihrer Rechte und ihres Einflusses in dem sunnitisch beherrschten Land forderten, schickte das sunnitische Saudi-Arabien rund 1000 Soldaten nach Bahrain. Der schiitisch dominierte Iran zeigte eine empfindliche Reaktion. Daraufhin warf Saudi-Arabien dem Iran eine rücksichtslose Einmischung in die inneren Angelegenheiten der arabischen Golfsstaaten vor.

http://de.rian.ru/security_and_military/20110419/258884424.html

Die USA haben sich schon länger auf einen möglichen Konflikt mit Iran um den Persischen Golf eingestellt. Ihre neue Air-Sea-Battle-Doktrin identifiziert als kommende Hauptkonfliktpunkte weltweit den Westpazifik und die VR China und zum anderen den Persichen Golf und die Islamische Republik Iran. Sehr detailiert werden in dem Air-Sea-Battle Irans militärische Potentiale aufgelistet und Gegenmassnahmen evaluiert.Verteidigungsminister Robert Gates erklärte, dass die USA künftig keine grösseren Landkriege mehr führen wollten. Der erwartete Konflikt dürfte sich daher zu Luft und See abspielen, insofern er begrenzbar ist—deswegen auch der Name Air-Sea-Battle, das eine Vereinbarung zwischen US Navy und US Airforce ist und den Einsatz von Landstreitkräften eher ausschliesst. Detailiert ist die Air-Sea-Battledoktrin nachzulesen unter:

http://www.csbaonline.org/publications/2010/02/why-airsea-battle/

http://www.csbaonline.org/publications/2010/05/airsea-battle-concept/

Doch Iran beschränkt sich neuerdings nicht mehr nur auf den Persischen Golf. Nachdem die neue ägyptische Regierung im Februar 2011 diplomatische Beziehungen mit Teheran aufgenommen hatte, genehmigte sie erstmals die Passage von iranischen Kriegsschiffen durch den Suezkanal in Richtung Mittelmeer. Das neue Versöhnungsabkommen zwischen PLO und Hamas wurde ebenso unter Vermittlung Ägyptens und Irans zustande gebracht–unter Ausschluss der USA. Teheran scheint seinen politischen und militärischen Aktionsradius ausweiten und auch aktiv bei den kommenden Gazahilfskonvois mitspielen zu wollen, um mit der panislamischen Agenda eines neue Palästinenserstaates sich ebenfalls als Schutzmacht aufzuspielen. Die Reibungsflächen Irans mit den USA und Israel werden daher in Zukunft sicher zunehmen.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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