Hongkongs Oppositionsführer Joshua Wong in Berlin: Forderung nach Regimechange

Der Auftritt des Hongkonger Oppositionsführers Joshua Wongs auf der Pressekonferenz in Berlin ließ nichts an Klarheit über die Ziele vermissen.Hongkong solle eine richtige Demokratie und die Frontstadt Berlin im neuen Kalten Krieg gegen die KP China werden. Es folgten Analogien zum Zusammenbruch des Kommunismus und dem Fall der Mauer.Eine eindeutige Feinderklärung an die KP China ,die einer Regime -changeforderung gleichkommt.Es geht Wong schon nicht mehr nur um die Rücknahme des Auslieferungsgesetzes und den Reset des 1997er Konsenses.Merkel hält sich zurück,Maas prescht vor.Der deutsche Botschafter wird einbestellt, der chinesische Botschafter erklärt,dies werde den bilateralen Beziehungen schaden.Interessant,dass Wong sich Deutschland als erstes Reiseziel ausgesucht hat.Merkeldeutschland hat er da als liberaldemokratische Weltmacht eingeschätzt, zumal auch mit dem Mythos der friedlichen Revolution.Deutschland werden da scheinbar Wunderkräfte zugetraut und es ist von hohem symbolischen Wert. Es wird interessant werden,ob er auch in die USA reist und von Trump empfangen wird oder nicht.

Meiner Ansicht nach überschätzt Wong aber die Macht Deutschlands,das eben keine Grossmacht ist.EU hin oder her.Und schon kaum etwas kann Deutschland ausrichten, wenn es nicht zusammen mit den USA agiert, Bei Trump ist dies keine Selbstverständlichkeit. Im Falle einer schwarz-grünen Regierung dürfte die Gewichtung auf Menschenrechte und Demokratie und damit einhergehende Spannungen mit China zunehmen,zumal es möglich ist,dass Peking dem Treiben nicht mehr allzu lange zusieht. Zumal kommt Wong zu einer Zeit nach Deutschland, als eine Rezession bevorsteht. Obgleich die deutsche Wirtschaft wie die USA China immer mehr als Konkurrenten auffasst, bleibt es weiterhin trotz aller Appelle des BDIs die Exportabhängigkeit vom größten deutschen Handelspartner zu diversifizieren und abzubauen weiterhin ein wichtiger Markt. Weder Deutschland noch die EU beabsichtigen mit China einen Handelskrieg Trumpscher Dimensionen zu beginnen, zumal man ja bezüglich Iran, Klimaschutz, Multilateralismus momentan mehr außenpolitische Gemeinsamkeiten mit China hat als mit der Trump-USA. Berlin dürfte eher darauf setzen, dass Wong vielleicht seine Maximalforderungen zurücknimmt und zum 1997er Konsens zurückkehrt. einen Kompromiss eingeht und auf ihn in dieser Richtung Einfluss nehmen. Aber abzuwarten bleibt, wie sich Trump verhalten wird.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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