Grüner Wohlstand für alle-ein Parteitag zwischen Adenauer und Ludwig Erhard

Grüner Wohlstand für alle-ein Parteitag zwischen Adenauer und Ludwig Erhard

Bei Begriffen ist grün-wokes Publikum sehr sensibel. So standen bei dem Grünenparteitag vor allem 3 Begriffe im Zentrum der Kritik: „Ordnung“ in Zusammenhang mit Migration, “Wohlstand“ und ein Adenauerzitat. Bei Ordnung könnte man noch an die Ordoliberalen denken, aber hier ging es um Flüchtlingsströme und nicht um Wirtschaft. Ansonsten ungewollt und unbewußterweise ein grüner Parteitag zwischen Adenauer und Ludwig Erhard.

„Grüne streichen Adenauer-Zitat aus Wahlprogramm – „Wohlstand“ bleibt“

Auf ihrem Parteitag in Karlsruhe beschließen die Grünen ihr Europawahlprogramm. Ein Zitat von Ex-Bundeskanzler Konrad Adenauer wollte die Basis dort aber nicht stehen haben.

Nach den Wahlen des Bundesvorstandes und der Europawahlliste haben die Grünen am Samstag ihren Parteitag in Karlsruhe mit Beratungen über das Europawahlprogramm fortgesetzt. Dabei musste der Bundesvorstand gleich zu Beginn eine inhaltliche Niederlage hinnehmen.

Adenauer-Zitat sorgt für Ärger an der Grünen-Basis

Im Entwurf des Programms hatte die Grünen-Spitze auch ein Zitat vom ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer, aufgenommen. Der CDU-Politiker hatte vor rund 70 Jahren gesagt: Diese Einheit Europas „war ein Traum von wenigen. Sie wurde eine Hoffnung für viele. Sie ist heute eine Notwendigkeit für uns alle.“

Doch an der Basis der Grünen hatte die Passage für großen Ärger gesorgt. Mehrere Anträge hatten gefordert, das Zitat zu streichen. Sie wollten nicht, dass das einzige Zitat in dem mehr als 100 Seiten dicken Programm einem Konservativen gewährt wird. Die Mehrheit der Delegierten folgten einem entsprechenden Antrag.

„Adenauer war in seiner Zeit und ist bis heute wohl problematisch“

Zuvor hatte die Antragstellerin Shirin Kreße aus dem Kreisverband Berlin-Mitte in ihrer Rede betont, Adenauer sei in seiner Zeit selbst für CDU-Politikerinnen zu sexistisch gewesen. „Adenauer war in seiner Zeit und ist bis heute problematisch.“ Er habe sich lange geweigert, eine Frau als Ministerin zu ernennen, weil er Frauen für zu weich hielt.

Kreße kritisierte auch den Umgang Adenauers mit ehemaligen NS-Kadern: „Adenauer trägt die Verantwortung für die Reintegration von NSDAP-Spitzenfunktionären in höchste Staatsämter.“ Zudem habe Adenauer über Jahre sozialdemokratische Politiker, inklusive Willy Brandt, mit dem Nachrichtendienst bespitzeln lassen.

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„Ein Zitat kann nicht unabhängig von der Person betrachtet und gedeutet werden“, führte Kreße weiter aus. Ihre Vision von Europa sei feministisch, antifaschistisch und heiße nicht Konrad Adenauer.

Roth versucht, Position des Vorstands zu retten

Im Anschluss versuchte die Kultur-Staatssekretärin, die Parteilinke Claudia Roth, die Position des Bundesvorstands nochmal zu stärken. „Ja, Adenauer war ganz sicher kein Feminist“, sagte Roth. Es gehe in dem Zitat aber um den Beginn der europäischen Idee.

„Er hat versucht, die Hand gegenüber Frankreich auszustrecken. Er hat versucht, zur Versöhnung beizutragen“, betonte Roth in ihrer Gegenrede. Dieser Satz von Adenauer sei der Beginn einer tiefen Freundschaft mit dem Nachbarland gewesen.

Das Wort „Wohlstand“ bleibt im Programm

Der Bundesvorstand schlug vor, das Wahlprogramm mit Zitaten von zwei Frauen zu ergänzen. Doch weder diesem Vorschlag noch der Argumentation von Claudia Roth folgte die Grünen-Basis. Der Begriff „Wohlstand“, den ein Teil der Basis streichen wollte, bleibt dagegen im Programm. Die Verhandlungen über das Programm werden noch bis Sonntag fortgesetzt. Am Samstagabend wird eine hitzige Debatte über den Kurs in der Migrationspolitik erwartet.

https://m.focus.de/politik/deutschland/wegen-sexismus-gruene-streichen-adenauer-zitat-aus-wahlprogramm_id_252604486.html

Adenauer geht nicht, Wohlstand schon. Wohlstand für alle? Ach, das war doch der Erhard, aber der war Feminist. Nitrebitz und so. Der Ludwig Erhard, falls das die Grüne Jugend noch wieß und nicht der Heinz Erhardt, der auch so witzige Sätze wie Habeck brachte: „Wir werden alle ärmer!“. Ja, meint grüner Wohlstand Wohlstand für einige oder gar Wohlstand für alle samt trickle-down effect oder nicht gar Masseenteignung und – verarmung von sogenannten Modernisierungsverlierern für einen grünen Wasserstofftechnologiestandort Deutschland , während eine gutsaturierte grüne Blase samt Modernisierungsgewinnern da die Einkommens- und Besitzkonzentration- und polarisiserung samt weiterer Zementierung gesellschaftlicher Machtverhältnisse vorantreibt? Oder „Deutschand schafft sich ab“ und „deindustrialisiert sich“? Wahrscheinlich ist etlichen Grünen der Erhardsche Wohlstandsbegriff zu wenig postmaterialistisch, postfordistisch ( Ford: „Der internationale Jude“ -Auto und Antisemit! Dann eher schon Toyota, Kaizen und lean production, aber inzwischen auch nicht mehr so) und postkapitalistisch, bzw. ESG-Reset-kapitalistisch und postmodern, nicht die Davos-WEF-Reset Schwabische Hausfrau anstatt der Schwäbischen Hausfrau Merkel , zumal Habeck ja meinte:“ Wir werden alle ärmer“. Dann doch lieber Wohlstand für alle? Vielleicht nicht im Sinne von BSP-Wachstumstonnenideologie, sondern Bruttonationalglück, aber soweit wie Bhutan gehen Grüne bisher auch noch nicht. Interessant dass Claudia Roth Adenauer verteidigt: Sicherlich kein Feminist und kein Vertreter klassischer und realpolitischer feministische Außenpolitik, aber zusammen mit De Gaulle war der Alte angry white man eben doch ein lupenreiner Europäer. Black Lives matter für einen konservativen Schwarzen, wenn auch wegen innerer Immigration und mit Globke nicht ganz antifaschistisch-lupenrein wie Exil- Willy, den Fremde Heere Ost Reinhard Gehlen observieren liess. SPIEGEL-Affäre gegen Landesverräter Rudi jetzt mal nicht erwähnt. Zumindestens war Adenauer und Erhardt kein Sklavenhalter und Kolonialist wie Maggelan und George Washington. Das könnte es dann vielleicht für PoC-Natives der Grünen wieder einfacher machen , zumal wenn Claudia Roth das sagt. Aber eben dann wieder nicht. Konrad wurde gestrichen, der Wohlstand blieb.

„Wahlprogramm: Grüne vor Europawahl: Für Lebensqualität oder Wohlstand?

Nach der Aufstellung ihrer Kandidatenliste für die Europawahl sind die Grünen am Wochenende in die Debatte zu ihrem europapolitischen Fahrplan für die nächsten Jahre eingestiegen. Die Diskussionen zum Europawahlprogramm sollen am Sonntagnachmittag abgeschlossen werden.

Einige der rund 800 Delegierten stoßen sich an dem Begriff «Wohlstand» im Kapitel zur Wirtschafts-, Energie- und Klimapolitik. Sie schlagen stattdessen den Begriff «Lebensqualität» vor, da «Wohlstand» ihrer Ansicht nach vor allem «im Sinne einer konsumistischen Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen verstanden» werde.

https://www.zeit.de/news/2023-11/25/gruene-vor-europawahl-fuer-lebensqualitaet-oder-wohlstand

Jedenfalls steht der Begriff Wohlstand nun nicht mehr zur Disposition, auch wenn er seitens der Grünen neu definiert sein will, wie man damals schon das gesamtwirtschaftliche Zielviereck mittels neuem Keyensianismus zu einem 8- Ziele-Eck schon mal ausbaute und propagierte. So sind die Grünen auch stolz, dass ihre erweiterte  Wohlstandsdefinition nun auch erstmals in den Jahreswirtsrchaftsbericht 2022 einging, auch wenn das jetzt alles wieder durch das Bundesverfassungsgerichtsurteil wieder auf der Kippe steht.

„Jahreswirtschaftsbericht

Wohlstand ist mehr als Wirtschaftswachstum

Wir Grüne im Bundestag streben schon lange eine neue Definition von Wohlstand an, denn Wohlstand ist für uns mehr als Wirtschaftswachstum.

28.01.2022

  • Der wirtschaftliche Ausblick ist verhalten optimistisch, doch noch bremsen Lieferengpässe, Preissteigerungen bei Vorprodukten und Energie sowie nicht zuletzt die Pandemie die Wirtschaftsleistung.
  • Die Aufgabe, die Transformation zu klimaneutralem Wirtschaften zu schaffen, braucht ambitioniertes Handeln in vielen Bereichen: Investitionsanreize, Quoten für klimafreundliche Produkte, mehr erneuerbare Energien und Fachkräfte bis hin zu schnelleren, einfacheren und weniger bürokratischen Verfahren.
  • Erstmals zeigt der Jahreswirtschaftsbericht nun auch, wie es um die Quellen des Wohlstands bestellt ist – und damit auch die langfristigen Wachstumschancen der Wirtschaft. Um echten Wohlstand zukunftsfähig zu machen, muss Wirtschaftspolitik auch Umwelt, Klima und soziale Gerechtigkeit in den Blick nehmen.

Der Jahreswirtschaftsbericht 2022 zeichnet für das laufende Jahr einen verhalten optimistischen Ausblick. Die Auftragsbücher der Industrie sind voll, Materialengpässe werden sich voraussichtlich nach und nach lösen. Die Wirtschaftsleistung (BIP) hat im Jahr 2021 um 2,7 Prozent zugelegt. 2022 dürfte der Aufwärtstrend anhalten und das Wachstum mit 3,6 Prozent stärker ausfallen.

Innovation und Transformation schaffen neue Chancen

Diesem Aufschwung werden die noch vor dem Sommer angekündigten Gesetzesinitiativen des grünen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck weiteren Schub geben. Sie schaffen klare und ambitionierte Rahmenbedingungen für klimafreundliche Investitionen.

Viele Unternehmen stehen in den Startlöchern und wollen investieren – deshalb ist es wichtig, jetzt für Verlässlichkeit und Planbarkeit zu sorgen. Der Instrumentenkasten des Jahreswirtschaftsberichts umfasst dabei wirksame Maßnahmen wie die Einführung von Klimaverträgen (Carbon Contracts for Difference), den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft und die Planungsbeschleunigung.

Kurzfristig wird mit Blick auf die Pandemielage auch dort weiter verlässliche Unterstützung erfolgen, wo es notwendig ist. Mittelfristig geht es darum, die Transformation deutlich zu beschleunigen. Dazu werden auch die strukturellen Herausforderungen, wie etwa der Fachkräftemangel oder die Rohstoff-Knappheiten, systematisch und ganzheitlich in den Blick genommen.

Quellen des wirtschaftlichen Erfolgs langfristig sichern

Erstmals in seiner Geschichte blickt der Jahreswirtschaftsbericht auch auf das große Ganze und wagt sich an eine breitere Definition nachhaltigen Wirtschaftens. In einem neu konzipierten Kapitel werden fünf Wohlfahrts- und Nachhaltigkeitsindikatoren unter die Lupe genommen:

  • Wachstum, Einkommen und Beschäftigung;
  • Umwelt und Klima;
  • Bildung, Forschung, Innovation;
  • Soziales, Demografie, Integration;
  • nachhaltige Finanzen und gleichwertige Lebensverhältnisse.

Alle diese Indikatorensets hängen mit einer robusten, nachhaltigen volkswirtschaftlichen Entwicklung zusammen. Beispielsweise setzt der Bericht den Fokus auf die Gleichstellung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt und echte Vereinbarkeit zwischen den Geschlechtern. Dies ist mittel- und langfristig mitentscheidend für ein hochqualifiziertes Fachkräfteangebot und damit einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren einer auf Wissen und Know-how basierenden Wirtschaft.

Die sinkende Treibhausgasintensität unserer Wirtschaft zeigt, dass es möglich ist, Wachstum und Emissionen zu entkoppeln. Dass diese aber noch deutlich schneller sinken müssen, um Klimaneutralität 2045 zu erreichen, macht deutlich, wie dringlich weitere Anstrengungen sind.

Nicht erst seit dem Stern-Report im Jahr 2006 ist klar: die Kopplung von wirtschaftlicher Erholung an Klimaschutz, soziale Verteilungsgerechtigkeit und ein dynamisches Innovations- und Gründungsgeschehen rechnet sich in der Zukunft enorm, während jedes Zögern bei Maßnahmen zur Emissionsverringerung uns teuer zu stehen kommen würde.

Seit Jahren setzt sich die grüne Bundestagsfraktion deshalb für eine Wohlstandsberichterstattung ein. Dass diese nun in den Jahreswirtschaftsbericht eingeflossen ist, ist gesellschaftlich und ökologisch wie auch ökonomisch ein Meilenstein.

Den Jahreswirtschaftsbericht 2022 finden Sie hier.

https://www.gruene-bundestag.de/themen/wirtschaft/wohlstand-ist-mehr-als-wirtschaftswachstum-1

Vom Narrativ des Wohlstands wollen sich auch die Grünen nicht verabschieden, nicht Verzichts- und Verbotspartei genannt werden, zumal eben auch und gerade „Europa“ mit dem Versprechen eines Friedens-, Wohlstands- und Demokratieprojekts gegründet wurde. Jedenfalls eine sehr scharfe Kritik an dem Wohlstandsversprechen der Grünen formuliert der aus dem deindustrialisierten, inzwischen entfossililisierten Ruhrgebiet stammende Blog Ruhrbarone:

„Die grünen Fesseln lösen sich. Es ist Zeit für Optimismus und Zukunftsglauben. Legen wir los!

24. November 2023 | Stefan Laurin


Die Zeit der grünen Hegemonie ist vorbei. Neuer Optimismus statt der alten Angst sind nun angesagt.

Liest man den Artikel von Bernd Ulrich, dem stellvertretenden Chefredakteur der Zeit, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, hat man das Gefühl, als ob hier jemand stellvertretend für ein ganzes Milieu, dessen Zentralorgan das Hamburger Wochenblatt ist, die weiße Fahne hisst: Ulrich rät den Grünen, die Ampel zu verlassen: „Finanzpolitisch wäre mit dem Ende der Ampel viel gewonnen, klimapolitisch wenig bis nichts verloren, personalpolitisch gäbe es Fortschritte und die für dieses Land nicht unwichtigen Grünen könnten auf neue Weise zu sich kommen und Wege aus der Zumutungslosigkeitsideologie ausprobieren.“ Was Ulrich den Grünen und Bundeskanzler Olaf Scholz vorwirft, ist, dass die Grünen nie ehrlich waren, wenn es darum ging, den Bürgern zu sagen, welche Opfer die ökologische Transformation erfordert, und dass Scholz immer dagegen gewesen sei, sie den Menschen zuzumuten: „Die Ideologie der Zumutungslosigkeit wird von den Menschen gerade in der Ökologie nicht geglaubt, weswegen die Grünen, denen das Thema wirklich wichtig ist, mehr als alle anderen stets im Verdacht stehen, den Menschen mehr abverlangen zu wollen, als sie öffentlich zugeben. Obendrein stimmt das auch noch.“

Was Ulrich verkennt: Ohne die Legende des ökologischen Umbaus der Gesellschaft ohne Opfer wäre nicht nur der Aufstieg der Grünen als Partei, sondern auch der des grünen Denkens, das fast alle Parteien übernahmen, zur hegemonialen Ideologie der Bundesrepublik undenkbar gewesen. Es war das Gebäudeenergiegesetz (GEG), erdacht von Habecks damaligem Staatssekretär Patrick Graichen, das diese Illusion zerstörte. Die Menschen rechneten nach und stellten mit Erschrecken fest, wie teuer der Umbau der Heizungssysteme für sie wird, egal ob Hausbesitzer oder Mieter. Und ihnen wurde auch klar, dass die Umsetzung des GEG nicht nur am Mangel an Monteuren und Wärmepumpen scheitern würde, sondern dass es reine Ideologie war, bei dem das Klima nur eine Nebenrolle spielte: Der Weiterbetrieb der im Frühjahr abgeschalteten drei Reaktoren hätte beim aktuellen Strommix mit 450 Gramm CO2 je Kilowattstunde 12,8 Millionen Tonnen CO2 im Jahr eingespart. Die Wärmewende mit ihrer Bevorzugung der Wärmepumpen sollte dagegen bis 2030 nur 10,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Dass auch die Verkehrswende vor allem Nachteile bringen würde, war schon vorher jedem klar, der einmal nachrechnete, wie lange der Weg zur Arbeit dauern würde, wenn er statt auf das Auto auf die Bahn nimmt – falls er überhaupt in der Nähe einer Bahnverbindung wohnt. Ulrichs Text zeigt, dass die Grünen Politik vor allem für die Ulrichs des Landes machten: Gutverdienende Akademiker in den besseren Vierteln der großen Städte, für die Verzicht keine Frage des Müssens, sondern eine des Lebensstils ist.

Noch vor einem Jahr erklärten Grüne in Gesprächen selbstsicher, dass die Hegemonie ihrer Politik und Kultur nicht nur den Erfolg der eigenen Partei beflügeln würde, sondern alle demokratischen Parteien zum Ergrünen bringen würde. Dafür gab es sogar ein historisches Beispiel: Nach der Gründung der Bundesrepublik wurden auch CDU und FDP mehr oder weniger sozialdemokratisch und zu Varianten der SPD. Nach einer kurzen, in ihrer Bedeutung für Deutschland überschätzten Phase des „Neoliberalismus“, die ab Mitte der 90er Jahre gut zehn Jahre anhielt, wurden dann die Grünen für alle anderen zu Role Models. Alles, wofür die Grünen eintraten, war nicht nur en vogue, sie schienen den einzigen gangbaren Weg in die Zukunft zu kennen: Erneuerbare Energien statt Kohle, Gas und Atom, eine offene multikulturelle Gesellschaft, in der Minderheiten endlich gehört werden, dazu natürlich ein Umbau der Landwirtschaft, der Ernährung, vieler Verhaltensweisen und der Arbeit.

Den neuen Menschen, der da geschaffen werden sollte, beschrieb der Soziologe Andreas Reckwitz in seinem Buch „Die Gesellschaft der Singularitäten“: Menschen, die nicht einfach nach Wohlstand streben, sondern nach einem besseren Leben, für die Konsum eine Möglichkeit ist, das eigene Verantwortungsbewusstsein mit dem Wunsch nach Abgrenzung zu verbinden: Manufactum statt Ikea, der teure Wein von dem Winzer, den man regelmäßig besucht, statt der Kiste Bier aus dem Getränkemarkt, und eine Arbeit, bei der es vor allem um Sinn gehen soll und das Geld, dessen Vorhandensein in mehr als ausreichende Menge vorausgesetzt wurde, keine entscheidende Rolle spielen sollte: Am besten etwas mit Kultur, Medien oder Wissenschaft und idealerweise weltweit vernetzt.

Man fühlte sich den Anywheres zugehörig, die angeblich überall auf der Welt Zuhause waren, nicht den Somewheres, die beruflich und privat an einen Ort gebunden waren. Natürlich war das alles eine Illusion, wie es überhaupt erschreckend war, dass Reckwitz seine Ausführungen ernst und nicht ironisch meinte: Für kaum jemanden aus dieser Schicht gab es tatsächlich die Möglichkeit, auch im Ausland zu arbeiten. Auf jemanden, der Teil der Kulturverwaltung in Neuss, Berlin oder Jena ist, warteten keine spannenden Aufgaben in New York, Tokio oder Rio de Janeiro, sondern höchstens die Fahrt mit dem Lastenfahrrad zum nächsten Biosupermarkt.

Besonders groß war die Arroganz dieses Milieus gegenüber der Arbeiterklasse. Der Zeit-Literaturchef Adam Soboczynski schrieb 2018: „Es gibt sie natürlich nach wie vor, aber sie sind unsichtbar. Keine satisfaktionsfähige Serie zeigt ihren Alltag (eher kommt eine krasse 4-Blocks-Unterschicht ins Bild), kein Werbespot würde sie zum Handlungsträger machen, niemand in meiner Akademikerschicht sieht sie noch als über die Dienstleistung hinausgehenden Bezugspunkt oder gar als Vorbild, nach dem man sein Leben ausrichtet. Sie sind nicht arm, sie sind nur unbedeutend und out.“ Das neue, grüne Zeitalter war natürlich postindustriell. Wohlstand war kein Thema mehr, erklärte Reckwitz 2017 in der Zeit: „Das Politische in der Spätmoderne kreist nicht mehr um Verteilungsfragen, sondern stark um kulturelle Fragen.“

„Das war natürlich Unsinn: Der Luxus, sich über Kulturfragen Gedanken machen zu können, wurde in Deutschland damals von einer seinerzeit noch boomenden Exportindustrie und ihren Beschäftigten erwirtschaftet. Niedrige Energiepreise sorgten dafür, dass die Wohnung warm und die Fahrt zur Arbeit oder der Wochenendausflug bezahlbar war. Die ideologisch grüne Transformationspolitik, die ja schon von Bundeskanzlerin Angela Merkel spätestens seit dem Doppelausstieg aus Kohle und Kernkraft betrieben wurde, sorgte durch steigende Energiepreise dafür, dass diese Basis des Wohlstandes zunehmend zerstört wurde. Der Überfall Russlands auf die Ukraine sorgte dann in der Folge für eine weitere, rasante Preissteigerung. So etwas kann ein Land durchstehen, wenn klar ist, dass es sich um eine Phase handelt, die vorübergeht. Krisen kommen vor. Aber mit dem GEG wurde den Menschen klar, dass die Zeiten nicht wieder besser werden, egal wie sich der Krieg entwickelt. Wäre den Menschen bewusst, wie sich die längst beschlossenen CO2-Steigerungen auswirken werden, würde das die Stimmung noch einmal deutlich drücken.

Ulrich hat Recht, Grüne Politik bedeutet ein Mehr an Zumutungen. Und das nicht nur im wirtschaftlichen Bereich: Durch die Politik der offenen Grenzen werden vor allem preiswerte Wohnungen knapp. Und es werden auch keine neuen günstigen Wohnungen mehr entstehen, denn Bauen wird auch durch die gestiegenen Energiepreise nie mehr günstig sein. Die vergangenen Wochen, in denen es in zahlreichen Städten zu antisemitischen Hassdemonstrationen kam, die vor allem von Zuwanderern mit arabischem Hintergrund ausgingen, dürften vielen die Illusion eines friedlichen und freundschaftlichen Zusammenlebens genommen haben. Der Soziologe Aladin El-Mafaalani sieht sogar das Ende des gesellschaftlichen Zusammenhalts: „Wenn man sich damit beschäftigt, was früher den gesellschaftlichen Zusammenhalt erzeugt hat, den Kitt der Gesellschaft, dann waren das im Schwerpunkt keine Werte.“ In der Entstehungszeit der liberalen Demokratien sei klar gewesen, dass die Bevölkerung eine gemeinsame Geschichte hatte, oft auch eine gemeinsame ethnische Herkunft, kulturelle oder nationale Traditionen, die sie verbanden, oder auch ähnliche religiöse Bekenntnisse, eine gewisse Ordnung, was Männer oder Frauen machen, und was die richtige Sexualität sei. Nicht auf alle Staaten hätten alle Punkte zugetroffen, aber doch immer mehrere von ihnen. „Das alles haben die Menschen weitgehend geteilt, auch wenn es immer schon emanzipatorische Bewegungen gab, Menschen, die dagegen waren, aber man hatte eine ganz große gemeinsame Basis.“ Die habe gesellschaftlichen Zusammenhalt erzeugt und viele verschiedene Konfliktfelder beruhigt. „Alles, was ich beschrieben habe“, sagt El-Mafaalani mit Blick auf die modernen westlichen Gesellschaften, „trägt heute nicht mehr. Wir können nicht mehr sagen, dass wir eine gemeinsame ethnische Herkunft, ein gemeinsames religiöses Bekenntnis oder auch nur tragfähige kulturelle oder nationale Traditionen oder ein klares Geschlechterverhältnis haben.“ Alles, was er aufgezählt hat, sei heute weitgehend durch emanzipatorische Bewegungen bekämpft worden: „Das, was einen Großteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts erzeugt hat, wurde durch Liberalisierung und Emanzipation abgeschwächt.“ Dazu muss man wohl, was El-Mafaalani nicht sagt, auch die Offenheit für Zuwanderung zählen. Und auch der letzte Kitt bröckelt.

Das Versprechen früher wäre gewesen: „Wir sind eine Wachstumsgesellschaft und am Wachstum werden alle teilhaben.“ Das war ein Zukunftsversprechen, das zurzeit immer weniger gelten würde. Für die Gesellschaft sei das ein Problem: „Wir haben kaum noch vergangenheits- und zukunftsorientierte Bindekräfte.“ Nach den langen Jahren der Hegemonie grünen Denkens, der in seinem Gefolge sich ausbreitenden postmodernen Theorien, die den Westen und die Aufklärung denunzierten und zu einem Kulturrelativismus führten, für den das Individuum, die Menschenrechte und die Naturwissenschaften nichts anderes mehr waren als Konstrukte einer bösartigen Bande Weißer, geschaffen, um die Welt auszubeuten und zu unterdrücken, muss nun die Frage beantwortet werden, wie die Trümmer dieser Ära beseitigt werden. Der erste Schritt wird in einer Selbstvergewisserung bestehen müssen: Die europäische Kultur, geprägt durch Christentum und Aufklärung mit Wurzeln in der griechischen und römischen Antike und Impulsen aus dem Judentum, ist nicht der Paria auf dieser Welt. Sie hat fast alle bedeutenden Erfindungen hervorgebracht, dazu den Rechtsstaat, die moderne Medizin, die Demokratie und den Kapitalismus. Bewegungen wie den Nationalsozialismus hat sie unter großen Opfern und der allzu oft vergessenen Hilfe von Menschen aus den damaligen Kolonien erfolgreich niederbekämpft. Es gibt viele Gründe für den Westen, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Gründe zu glauben, er sei strukturell bösartiger und grausamer als andere Gesellschaften gibt es nicht.

Dann muss sich unsere Gesellschaft fragen, wie sie leben will. Die Antwort darauf ist, folgt man den Umfragen, einfach: frei, sicher und im Wohlstand in einer Umwelt, die nicht vom Untergang bedroht ist. Folgt man dem Soziologen Steffen Mau, einem der Autoren des Buches „Triggerpunkte“, ist die Gesellschaft in Deutschland nicht polarisiert; die meisten Menschen sind gegenüber Minderheiten tolerant und aufgeschlossen und leugnen nicht den Klimawandel. „Die Einstellungen zu Armut und Reichtum, zu sexueller Diversität, zur Migrations- und zur Klimafrage driften nicht auseinander“, sagte Mau im Gespräch mit dem Spiegel. Allerdings würden sich bei allem ökologischen Umbau die Menschen vor allem mit einem geringen Einkommen fragen: „Kann ich mir das leisten?“ Bis zum Urteil des Verfassungsgerichts zur Finanzierung des „Klima- und Transformationsfonds“ wollte die Ampel diese Frage mit Schulden beantworten. Künftige Generationen hätten dann für die Bewahrung des sozialen Friedens gezahlt. Dieser Weg ist nun zum Glück versperrt.

Pragmatismus ist gefragt, nicht das ideologische Denken, für das die Grünen und ihre Anhänger stehen, die zu Andersdenkenden, wie die Zeit berichtete, weniger Kontakte haben als muslimische Zuwanderer. Ulrich hat es gut erkannt: Die Zeit der Seinigen ist vorbei. Bei der Energiegewinnung wird das Land auf Technik und nicht auf Verzicht und den Wunderglauben an ausreichenden günstigen Strom aus Wind und Sonnenkraft setzen. Es wird eine Renaissance der Kernenergie geben; es muss mehr naturwissenschaftliche Forschung geben, auch in Bereichen wie Kern- und Gentechnik. Und es muss ein Konsens hergestellt und durchgesetzt werden, was das Zusammenleben mit Zuwanderern betrifft: Mit wem will man zusammenleben, und welche Anpassungen erwartet man? Die Frage ist nicht ethnisch zu beantworten, sondern politisch und kulturell: Wer vom Kalifat träumt, Jagd auf Juden macht und diese Gesellschaft und ihre Regeln verabscheut, wer von Freiheit, Demokratie und Aufklärung nichts hält, hat in diesem Land nichts zu suchen. Warum sollte man zu den schon vorhandenen radikalen Idioten, die Deutschland traditionell in großer Zahl hervorgebracht hat, noch zusätzliche importieren?

Globale Probleme wie der Klimawandel müssen global und mit modernen Technologien gelöst werden. Die Menschen des globalen Südens sind, was ihre Erwartungen an das Leben betrifft, nicht anders als die des Westens: Wohlstand, Sicherheit, eine gute Zukunft für die Kinder, eine schöne Wohnung, iPhone und ein Auto – die Wunschzettel unterscheiden sich nicht großartig. Das Ziel muss sein, die Wünsche wahr werden zu lassen. In den vergangenen 200 Jahren wurden durch den politischen, technischen und wirtschaftlichen Fortschritt die Wünsche von Milliarden Menschen wahr. Nie war die Armut geringer als heute. Die grüne Ideologie war eine Ideologie der Angst. Die grünen Fesseln lösen sich. Es ist Zeit für Zukunftsglauben, Optimismus und Tatendrang.  Legen wir los.

https://www.ruhrbarone.de/die-gruenen-fesseln-loesen-sich-es-ist-zeit-fuer-optimismus-und-zukunftsglauben-legen-wir-los/227045/

Dies will die deutsche Ikone von (Black) Friday for Future Deutschland  Luise Neubauer, zudem auch Mitglied der Grünen Jugend nicht gelten lassen, zumal sie meint, dass die bisherige Klimaschutzpolitik nicht enegrisch genug und zu dezentral betrieben wurde:Zudem solle man sich nur auf den Klimaschutz konzentrieren und nicht wie die nun des Antisemitismus bezichtigte Greta samt FFF International auf weltpolitische Themen, aber sie will auch das als „Kulturkampf“ führen.

Luisa Neubauer über die Klimabewegung: „Wir sind in einem Kulturkampf“

Klimaaktivistin Luisa Neubauer über die UN-Klimakonferenz, Greta Thunberg und die Frage, warum Klimapolitik in Deutschland so zäh ist.

Luisa Neubauer, FFF Germany

wochentaz: Frau Neubauer, was genau erwarten Sie von der COP, der UN-Klimakonferenz, die nächste Woche beginnt?

Luisa Neubauer: Die COP wird nicht der Ort werden, an dem wir einen Weltfrieden organisieren. Die COP hat es schwer genug, und in der jetzigen Situation würde ich es als freundliches Wunder bezeichen, wenn wir da einigermaßen gesammelt wieder rauskommen als Klimabewegung und als ökologische Zivilgesellschaft. Und wenn wir es schaffen, das Ende der fossilen Ära etwas näher bringen und uns weltweit im besten Falle klarer in die Augen gucken können, als wir es gerade tun.

Sie sagten im Spiegel, wenn die internationalen Klimabewegungen bei der COP das palästinensische Leid ins Zentrum der Debatten stellten, dann würden die Deutschen das jüdische Leid und den Terror der Hamas dazufügen. Ist diese klimaaktivistische Lage nicht deprimierend?

Nein. Ich bin ja nicht Aktivistin, weil ich von Selbstmitleid viel halte. Es wird viel um die Situation in Gaza gehen und es ist hochproblematisch, dass international der Eindruck erweckt wird, Deutschland würde sich nicht angemessen dafür interessieren, wie in Gaza Zivilisten geschützt werden können. Wenn das vor Ort ein Thema ist, ist es auch ein sinnvoller Beitrag, den wir zur Vervollständigung des Bildes leisten können, den Terror der Hamas zu erwähnen.

Wie bewerten Sie das Jahr 2023, was Menschenschutz angeht, früher Klimaschutz genannt?

Es ist ein Jahr der Ehrlichmachung. Dieses Jahr hat nichts versteckt an Krise und hat Wohlfühllösungen als Wohlfühllösungen offengelegt. Dieses Jahr hat gezeigt, dass die Zeit der Einzelkrisen vorbei ist, sie kommen in Dreifachpaketen, in Form von kriegerischen Konflikten, Energieknappheiten, Rechtsrucken. Wir haben gesehen, dass das Sprechen über Klima die Fragen beinhaltet, wie man die Demokratie schützt vor Populismus. Wir haben gesehen, dass diejenigen, die jetzt nicht losziehen und Ansagen machen, Ansagen gemacht bekommen von den Krisen und Katastrophen. Ich glaube, es ist ein Jahr, in dem wir unfreiwillig enger zusammengerückt sind.

Nicht auseinandergerückt?

Nein, das hat mit der Pandemie angefangen, auf einmal waren wir alle ein Infektionsherd, eine biologische Gemeinschaft. Jetzt sind wir auf eine andere Weise Teil einer Gemeinschaft, die sich mit der Invasion Russlands in der Ukraine und nun der Lage im Nahen Osten Fragen von Krieg und Frieden stellen muss und aufeinander angewiesen ist, um eine Chance haben, da durchzukommen. In immer mehr Bundesländern sieht man, wie auf einmal das gesamte demokratische Spektrum zusammenrücken muss, um eine Chance zu haben, gegen Rechtsextreme zu bestehen. Man kann die Zeit als Weltenbruch verstehen. Wenn man jedoch genau hinguckt, folgt überall eine Gemeinschaftsbildung, mal leiser, mal lauter. Meistens eine zwangsläufige Gemeinschaftsbildung.

Ein Jahr, in dem auch die klimabedingten Katastrophen weiter zugenommen haben, hätte auch für die Bundesregierung eine Chance sein können, Klimapolitik zu forcieren, zu begründen und mehrheitsfähig zu machen. Stattdessen wurde Klimapolitik von fast allen Seiten als Katastrophe geframt und abgeräumt. Wie ist das passiert und was folgt daraus für Sie?

Wenn wir mal für eine Sekunde annehmen, dass es nie ums Klima und Moleküle ging, sondern immer auch um Demokratie, Macht, Gefühle und Kultur, dann sind wir sofort an dem Punkt, dass man als Kanzler oder sagen wir Vizekanzler die besten Argumente für das beste Gesetz der Welt haben kann, aber gegen Wände läuft, wenn man keine Geschichte dafür hat, wie uns das als Land an einen besseren Ort bringt. Wir haben auch gesehen, was passiert, wenn Klima als Nischenprojekt eines einzelnen Ministeriums verstanden wird oder gar als Privatprojekt von Robert Habeck. Da steckt ein Teufelskreis der Ampel drin.

Welcher ist das?

Wenn du den dramatischen Zustand unseres ökologischen Systems politisch anerkennen willst, brauchst du große und unglaublich gute Lösungen. Wenn du aber keinen Konsens in der Regierung hast und nur halbgare Lösungen, von denen du weißt, dass sie dem Zeitdruck, unter dem wir im Klimakollaps stehen, eigentlich nicht gerecht werden, dann kannst du die Drastik der Lage nicht vermitteln. Wenn du die Krise verzwergst, musst du auch die Lösungen verzwergen, sonst geht das nicht auf.

Und dann sind auch die halbgaren Lösungen zu viel?

Ja, weil du die Krise so verzwergt hast. Dann nimmt dir niemand ab, dass er selbst in seinem privaten Keller oder an seiner Ernährung etwas machen muss.

Spiegelt die Zerrissenheit der Regierung nicht die Zerrissenheit der Gesellschaft?

Nein. Was in der Ampel passiert, lässt sich nicht mit dem Zustand der Gesellschaft rechtfertigen. Es gibt in Deutschland bis heute eine große Mehrheit, die sagt, natürlich müssen wir uns und unsere Kinder schützen und unserer internationalen Verantwortung gerecht werden. Und es gibt eben auch große Anteile, die eine legitime Angst haben, dass das für sie soziale Nachteile bringt. Das sind geradlinige Arbeitsaufträge.

Was sind die Konsequenzen aus dieser Analyse für Ihre eigene Politik?

Wir machen das jetzt als Fridays fünf Jahre und haben dafür gesorgt, dass fast jede Institution und jede demokratische Partei etwas zum Klima zu sagen hat und keine Debatte mehr ohne Verweis auskommt auf die existentielle ökologische Krise. Die Ziele sind gesetzt. Wir haben alle Bedingungen erfüllt, um theoretisch unseren Klimazielen gerecht zu werden. Wir haben technisch bewiesen, dass es geht. Wir haben die Geschäftsmodelle. Theoretisch hätte man auch die Finanzmittel, das wird mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes jetzt schwieriger, aber auch das geht.

Aber?

Der große Haken ist die gesellschaftliche Machbarkeit. Was braucht es, um substantiell Rückhalt zu organisieren für eine Transformation? Wie wird gerechte Klimapolitik zu einem neuen Versprechen für sozial-ökologische Sicherheit? Darum geht es. Jetzt ist der Augenblick, wo die Fridays von einer Klima- zu einer Klimagesellschaftsbewegung werden müssen.

Mal uncharmant gefragt: Die Erfolgsgeschichte von Fridays for Future (FFF) ist unbestritten, aber ist denn da heute überhaupt noch jemand hinter Ihnen?

Klimaaktivistin Luisa Neubauer

„Die Mediengesellschaft hat leichte Atttachment Issues mit Greta.“

Ich weiß nicht, ob das auf so ein Politiker-Ego-Mythos zurückgeht, dass Menschen annehmen könnten, ich könnte das, was ich tue, mal eben aus eigener Kraft heraus tun. Damit meine ich nicht das Organisieren, das ist eh klar, dass das nicht allein geht. Ich meine das Sprechen, das Übersetzen, das Beschimpft- und Bedrohtwerden. Ich könnte hier nicht sitzen, wenn ich nicht Teil einer Gemeinschaft wäre, die mit mir zusammen diese Sachen macht. Das wäre nicht aushaltbar, zumindest für mich nicht, ohne zynisch zu werden oder emotional zu vereinsamen.

2023 ist das Jahr, in dem von interessierten Seiten erst die Klimapolitik in der Folge des Gebäude-Energie-Gesetzes desavouiert wurde und auch noch mit der des Antisemitismus geziehenen Fridays for Future-Gründerin Greta Thunberg die Klimamoral.

Das ist Ihre Wahrnehmung.

Was ist Ihre?

Was gescheitert ist, ist Klimapolitik als Nischen- und business as usual-Politik. Die Idee ist aufgeflogen, dass man einen Sondertopf zusammenschustert, mit dem man ein bisschen grüne Wirtschaftsförderung macht. Die Idee ist aufgeflogen, man könne eine Gesellschaft transformieren, ohne dass die etwas davon weiß. Das ist dramatisch, weil uns die Zeit fehlt, aber wir haben immerhin in aller Klarheit gesehen, wie es nicht funktioniert.

Sehen Sie den Verlust der Klimamoral, für die Thunberg stand?

Da würde ich unterscheiden zwischen einer Mediengesellschaft, die in meinen Augen leichte Attachment Issues mit Greta hat und einer Zivilgesellschaft, die selbstbewusst für ihre eigene Moral einsteht.

Was meint ‚Attachment Issues‘ mit Thunberg?

Ich möchte überhaupt nicht rechtfertigen, dass jüdisches Leid von Greta nicht erwähnt wurde. Aber Greta ist auch eine Projektionsfläche für eine Medienwelt, die in ihr lange gesucht hat, was kein Mensch sein kann. Und nun ist diese Medienwelt entgeistert, dass Greta das, was sie nie sein wollte, auch nicht ist. Diese Dynamik verstehe ich nicht als mein Problem.

Um es in der „Mit dem Klima kann man nicht verhandeln“-Logik zu sagen: Die Erderhitzung ist nicht durch eine richtige Sprechposition beeinflussbar, sondern nur durch globale Nullemissionen. Was halten Sie davon?

In Deutschland verstehe ich den Wunsch, sich auf Emissionen zu konzentrieren und sich die ganzen Widrigkeiten der Welt nicht auch noch auf die Schultern zu legen. Das hat auch eine politisch-pragmatische Berechtigung. In weiten Teilen des globalen Südens und auch sonst in der Welt verhalten sich Krisen anders. Da können nur die frei über Klima sprechen, die vorher für Demokratie und Meinungsfreiheit gekämpft haben. Das ist alles eins und da sind Emissionen ohne Haltung undenkbar. Die große Frage für den privilegierten Teil der Welt lautet: Wie stehen wir denen bei, die unseren Beistand brauchen, und vergessen gleichzeitig nicht, dass auf der richtigen Seite zu stehen nicht reicht, wenn wir gewinnen wollen?

Wie hat sich aus der Rückschau die Letzte Generation auf die Arbeit von FFF ausgewirkt?

Die Letzte Generation steht vielleicht sogar etwas sinnbildlich für die Gesamtsituation. Die dachten, die Fridays haben den gesellschaftlichen Rückhalt organisiert und nun können wir in ganz kurzer Zeit viele Menschen überzeugen, weitere Schritte zu gehen, indem wir uns auf die Straße kleben. Das ist nicht aufgegangen.

Warum nicht?

Der Augenblick, in dem man sich darauf ausruhen will, dass es „die Leute“ ja „schon wissen“, ist genau der Augenblick, in dem sich der Populismus der fossilen Zyniker mit an den Tisch setzt. Auch bei der Klimapolitik dachte man, die Überzeugungsarbeit sei geleistet und nun könne man loslegen. Wenn man eine Sekunde aufhört, zu sprechen und zu erklären, ist das Momentum weg. Man darf aber auch nicht vergessen: Es kam Corona, es kam Krieg in Europa und dann auch noch, womit ich nicht gerechnet habe, ein Kanzler …

… Olaf Scholz, SPD …

… der sich als Klimakanzler zur Wahl stellt und mit Amtsantritt das Klima ganz hinten in seine Schublade legt und den kleinen Koalitionspartner im Regen stehen lässt.

Hat die Letzte Generation auch FFF die Luft abgedreht, weil die positive und gemeinsame Geschichte in eine negative und polarisierende kippte?

Nein, die positive Geschichte ist ja da, die haben wir geschrieben. Die Geschichte handelt von einer Bewegung, die Generationen und Kontinente für die schlimmste aller Krisen begeistert, die das beste in Menschen hervorholen kann.

Sehr blumig.

Das ist die Geschichte, die wir brauchen, um uns nicht einreden zu lassen, dass es unmöglich ist, nur weil andere anderes probiert haben. Das Jahr 2019, das Jahr von explosiven Massenprotesten, einer Klima-Europawahl, einem Green Deal für Europa, dem ersten Klimagesetz, einem greifbaren Kohleausstieg, Divestment überall, alles in kürzester Zeit, das war eine historische Ausnahme, das war nicht, wie Bewegungen normalerweise kämpfen müssen. Genau das tun wir.

Was heißt denn das konkret?

Man darf sich nicht für eine Sekunde einbilden, dass wir schlicht in einem technokratischen Transformationsprozess sind. Wir sind in einem Kulturkampf am Ende der fossilen Ära. Die fossilen Zyniker, ob in der Politik, in der Gesellschaft oder in der Wirtschaft, die Klimaziele boykottieren, die Angst vor Wärmepumpen statt vor Klimakrisen verbreiten, die mit jedem Schnitzel einen Freiheitskampf führen, haben in diesem Jahr deutlich gemacht, dass wir eben nicht in einem kleinen Umbau sind, von fossilem Stahl zu grünem Stahl und drumherum ein bisschen Fahrradstraße. Die haben sehr deutlich gemacht, dass sie ihr Widerstandsprojekt darin sehen, jede einzelne fossile Maschine zu beschützen, als ginge es um alles. Ist das rational: Nein. Ist das verantwortungslos: Ja. Wir müssen anerkennen, dass wir nicht in einem WG-Ökoprojekt sind, sondern in einen Rocky-Modus reinmüssen.

Was ist das?

Wir müssen gewinnen wollen. Es braucht die beste Strategie, die besten Leute, die beste Politik, es braucht alle Kraft, Widerstandsenergie und auch dreckige Finger.

Weil Sie vom Rocky-Kampfmodus sprechen: In einem Zeit-Interview haben Sie dafür plädiert, „sanft“ zu sein. Wie passt das zusammen?

Die Welt ist gerade nur sehr bedingt unserer Freund, die Krisen der Welt sind nicht nachsichtig mit uns. Deswegen müssen wir die Nachsicht in uns selbst mobilisieren. Das heisst, in uns eine Wärme zu erhalten, die uns die Kraft gibt, uns der Welt nicht zynisch zuzuwenden. Wenn wir in dieser Lage nicht Empathie für uns selbst organisieren können, dann stelle ich mir schwierig vor, Empathie für Menschen an anderen Orten zu mobilisieren.

Nachsicht mit sich selbst könnte auch nach Niederlage klingen.

Nein. Nachsicht heißt nicht, sich eine Entschuldigung dafür zu suchen, nichts zu tun, sondern zu akzeptieren, dass wir nicht alles tun können, aber etwas tun müssen. Es heißt, sich nicht entmutigen zu lassen von Fehlern, sondern das als Grundlage zu nehmen, es besser zu machen. Die Idee eines inneren Friedens braucht eine Renaissance, sonst weiß ich nicht, wie wir künftig frei sein wollen, uns in der Welt zu bewegen.

Wie lange wollen Sie eigentlich noch als Funktions- und amtlose Aktivistin weitermachen, Frau Neubauer?

So lange es gebraucht wird.

https://taz.de/Luisa-Neubauer-ueber-die-Klimabewegung/!5972554/

Man darf gespannt sein, ob Friday for Future, die Grüne Jugend, die linkswoken Teile der SPD und der Grünen in ihren Parteien bleiben oder nun zur noch grüneren und woken verbliebenen Linkspartei der Wissler-Trotzkisten , die nach Wagenknechts Ausscheiden nun einen gewissen Mitgliederzuwachs trotz Fraktionsverlust verzeichnete, überlaufen wird, zumal dort Carola Rackete an der Startrampe fürs Europaparlament steht.

Die Sache Energiewende scheint nun nach dem Heizpumpnegesetz einiges weiteres an Konturen anzunehmen. Beachtlich die 10 Mrd. Euroinvestition in Namibia für Wasserstofftechnologie -das entspricht BASF in China, aller ausländischen Investitionen in Mexko. nur jetzt in der deutschen Exkolonie und gemessen am BSP Namibias. So geht Dekolonisierung und postkoloniale Wiedergutmachung des Kolonialismus jenseits von Beninbüsten?! Scheint aber eher ein Rekordwert in Namibia. Leider werden bei den anderen Staaten in folgendem Artikel keine Zahlen genannt .Interessant aber ,dass man Afrika zugestehen will eine eigene verarbeitende Industrie für Rohstoffe des Global South für den Global North aufzubauen. Ob das die Chinesen auch machen? Erinnert stark an die 50er und 60er Jahre, als der italienische ENI-Chef Enrico Matthei  Iran und arabischen Ölförderstaaten anbot, weiterverarbeitende Industrie samt Raffinerien für Vorprodukte der Petrochemie in ihren Ländern aufzubauen-was den angelsächsischen Ölmultis und der US-Regierung nicht gefiel. Matthei kam dann bei einem Flugzeugabsturz ums Leben und die Pläne wurden aufgegeben.

Afrika-Konferenz in Berlin : Scholz verspricht, grünen Wasserstoff „in großen Mengen“ zu kaufen

Olaf Scholz gemeinsam mit den Staats- und Regierungschefs afrikanischer Staaten und deutschen Kabinettsmitgliedern am Montag in Berlin Bild: dpa

In Berlin treffen sich Vertreter mehrerer afrikanischer Staaten mit der Bundesregierung. Es geht um mehr deutsche Investition – und ein wachsendes Selbstbewusstsein.

Bei einer Konferenz mit den Staats- und Regierungschefs mehrerer afrikanischer Staaten in Berlin hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) deutsche Unternehmen zu mehr Engagement auf dem Kontinent ermutigt und die Bedeutung für die deutsche Energiewende hervorgehoben.

„Erneuerbare Energien, klimafreundliche Technologien, der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft über Länder und Kontinente hinweg, wirtschaftliche Diversifizierung, all das birgt ein unglaubliches Potential für eine engere Zusammenarbeit zwischen uns und den wachsenden Ländern auf unserem Nachbarkontinent, für eine Zusammenarbeit zum Wohl beider Seiten“, sagte Scholz. „Diese gerechte Energiewende bringen wir zusammen mit der EU und mit afrikanischen Partnerländern voran.“ Er sicherte zu, dass Deutschland „grünen Wasserstoff in großen Mengen abnehmen“ werde. Das biete große Chancen für afrikanische Länder.

Scholz sprach am Montag auf der Investitionskonferenz im Rahmen der G-20-Initiative „Compact with Africa“, die unter der deutschen G-20-Präsidentschaft 2017 angestoßen worden war. Sie versammelt besonders reformwillige afrikanische Staaten und soll sie attraktiver für ausländische Investitionen machen. Dazu gehören unter anderem Ägypten, Äthiopien, Benin, Senegal, Togo und Tunesien. Scholz hob hervor, dass Länder, die Teil der Initiative sind, im Vergleich zu Gesamtafrika wirtschaftlich überdurchschnittlich abschnitten. Auch deshalb gebe es immer mehr Beitrittswünsche, auch Angola, Kenia und Sambia waren als Beitrittsinteressenten bei der Konferenz.

Mit Blick auf erneuerbare Energien verwies Scholz auch darauf, dass man die Länder mit entsprechendem Potential dabei unterstützen wolle, „lokale Wasserstoffwirtschaften und deren Wertschöpfungsketten aufzubauen“. Das passt zu dem Bedürfnis und den Bestrebungen in zahlreichen afrikanischen Ländern, nicht mehr nur die Rolle als reiner Rohstofflieferant in einer globalen Wirtschaft zu spielen, sondern eine verarbeitende Industrie im eigenen Land aufzubauen. Nicht nur bei erneuerbaren Energien.

Botswana als Vorbild

Als Vorbild wird häufig Botswana genannt, das vor Kurzem mit dem Diamantenkonzern De Beers ein Abkommen um weitere zehn Jahre verlängert hat. Botswanas Regierung setzte durch, dass ihr Anteil an den geförderten Rohdiamanten von aktuell 25 sukzessive auf 50 Prozent steigt. Außerdem soll der Konzern mehr Geld in einen Fonds investieren, der Botswanas Wirtschaft zugutekommt. Botswana will sich damit weiter zu einem Schleif- und Handelszentrum für Diamanten entwickeln.

Auch mit Blick auf die Förderung von grünem Wasserstoff wird in verschiedenen Ländern am Aufbau weiterführender Industrien gearbeitet. So haben in Namibia vor Kurzem die Bauarbeiten an dem ersten Eisenwerk auf dem Kontinent begonnen, das ausschließlich mit grünem Wasserstoff betrieben wird. Das Projekt, das von der Bundesregierung unterstützt wird, soll nach namibischen Angaben im Jahr 15.000 Tonnen Eisen ohne Kohlendioxidemission produzieren. Das Eisen wiederum könne in Deutschland als Vorprodukt für die Herstellung von „grünem“ Stahl für Windturbinen oder Autos verwendet werden, hieß es.

In Namibia entwickelt das Hyphen-Konsortium, an dem das deutsche Energieunternehmen Enertrag beteiligt ist, derzeit eines der größten grünen Wasserstoffprojekte auf dem Kontinent. Investitionen von zehn Milliarden Dollar sind geplant, das ist fast so viel wie das aktuelle Bruttoinlandsprodukt von Namibia.

Auch Südafrika will zu einem der wichtigsten Produzenten von grünem Wasserstoff aufsteigen, wobei der Rohstoff und die weiteren Erzeugnisse sowohl für den Export als auch für die eigene Transport- und Bergbauindustrie vorgesehen sind. Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa sprach unlängst von einer der wichtigsten Wachstumsbranchen des Landes. Südafrikas Elektrizitätsminister übernahm im September den Vorsitz der „Africa Green Hydrogen Alliance“, die im vergangenen Jahr von sechs afrikanischen Staaten – Ägypten, Kenia, Mauretanien, Marokko, Namibia und Südafrika – gegründet wurde. Äthiopien und Angola gehören mittlerweile ebenfalls dazu.

In Berlin berichteten am Montag einige afrikanische Repräsentanten auf der Konferenz von hohen Wachstumsraten bei deutschen Investitionen in ihren Ländern. Scholz sagte, von der Konferenz solle das Signal ausgehen: „Sie können auf Deutschland als Partner zählen.“

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/afrika-gipfel-in-berlin-es-geht-um-mehr-deutsche-investitionen-19327487.html

Es muss scheinbar nicht immer Afrka sein, sondern geht auch scheinbar über Near-shoring in Europa, auch wenn Global Britain da den Brexit hingelegt hat:

“Germany and UK in talks over 400-mile hydrogen pipeline under the North Sea

The proposals are at an early stage, with ideas under consideration including a direct route between the two countries, or alternatively going via Norway.

By Jon Stone

November 16, 2023 3:39 pm CET

LONDON — Germany has asked the U.K. to consider the construction of a 400-mile hydrogen pipeline under the North Sea to provide it with hydrogen — as Europe’s largest economy searches for ways to break its dependence on fossil fuels.

The country’s Green Vice Chancellor Robert Habeck raised the idea of a pipeline at a meeting with U.K. Business Secretary Kemi Badenoch earlier this month, according to two people familiar with discussions.

Germany is set to become by far Europe’s largest hydrogen import market over the coming decades, with plans to buy roughly 70 percent of the hydrogen it needs to reach its net zero goals from abroad.

The country’s climate strategy places a particularly strong emphasis on the fuel, as it grapples with how to decarbonize its vast industrial sector — including processes that do not lend themselves to electrification.

The Russian invasion of Ukraine has also raised new questions about energy security and reliance on gas from the east.

The proposals for a hydrogen pipeline to the U.K. are at an early stage, with ideas under consideration including a direct route under the North Sea to Germany, or alternatively going via Norway.

The German government is keen to move to a feasibility study for the project, while the U.K.’s Department for Energy Security and Net Zero says it is keen to become a hydrogen exporter and wants to understand the options available.

Under the economic model envisaged, the U.K. would harness its vast offshore wind reserves to make the hydrogen, and then pump the product under the North Sea to fuel the industry of its continental neighbor.

Betting on hydrogen

Sectors like steelmaking, chemicals, and cement are difficult to electrify at scale with current technology and Germany is betting on hydrogen to do much of the heavy lifting.

Germany and Norway have already agreed to build such a pipeline by 2030. A joint feasibility study for that project is already underway and is considered a blueprint for work on a U.K. link.

In September, U.K. Energy Minister Martin Callanan went to Berlin to sign a joint “declaration of intent” with the German government that saw both parties pledge to work together to accelerate production and trade in hydrogen.

Scotland, with its vast potential to generate green electricity through offshore wind, could be a major beneficiary of the plan and is a potential site for the U.K. end of the pipeline.

The Scottish government in October allocated £200,000 in funding to the Net Zero Technology Centre in Aberdeen for a study investigating “feasibility of an export route from Scotland to Germany.”

The center estimates that a new-build hydrogen pipeline would cost £2.7 billion, have the capacity to meet 10 percent of European hydrogen import demand, and could be online by the mid-2030s.

The Scottish government’s hydrogen action plan, published in December 2022, says that there is “potential to not only export hydrogen by ship, but also to establish new pipelines or to repurpose existing pipeline infrastructure to facilitate the transport of hydrogen from Scotland to Europe.” It adds that “multiple options” could be used for export “at different scales.”

A U.K. government spokesperson said: “We want to play a key role in exporting hydrogen to other countries, including in Europe, where we see increased demand for hydrogen alongside already established energy trading and interconnection with the U.K.

“We recently signed a Hydrogen Partnership with Germany which will enhance cooperation and share expertise between the two countries. We look forward to agreeing the next steps under the partnership.”

https://www.politico.eu/article/germany-and-uk-in-talks-over-400-mile-hydrogen-pipeline-under-the-north-sea/

 Anders als sein Nachfolger Joe Kaeser, der auch schon auf Grünenparteitagen sprach und FFF-Obermeier und Grüne Jugend-Luise Neubauer in den Aufsichtsrat von Siemens lotsen wollte, hält der frühere Siemenschef  und damalige Vorsitzende des Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft von Pierer nichts von dem Green New Deal der EU und der gesamten Wasserstofftechnologie:

„Ex-Siemens-Chef über die Ampel-Pleite„Die grüne Methode ist am Ende“

Heinrich von Pierer über die gescheiterte Subventions- und Wirtschaftspolitik der Koalition

Am Ende ihres Lateins: Vizekanzler Robert Habeck (54, Grüne), Kanzler Olaf Scholz (65, SPD) und Finanzminister-Chef Christian Lindner (44, FDP)
Sind am Ende ihres Lateins (v.l.): Vizekanzler Robert Habeck (54, Grüne), Kanzler Olaf Scholz (65, SPD) und Finanzminister-Chef Christian Lindner (44, FDP) Foto: Kay Nietfeld/dpa

Von: Heinrich von Pierer* 23.11.2023 – 00:37 Uhr

Die Regierung ist brutal aus ihren Träumen gerissen worden. Man fragt sich, warum erst das Verfassungsgericht bemüht werden musste, um diesen offensichtlichen Rechtsverstoß festzustellen. Wenn die Ampel-Regierung jetzt nicht endlich handlungsfähig wird und ein Konzept vorlegt, das den Namen auch verdient, dann geraten wir noch tiefer in den Schlamassel.

Schon jetzt bescheinigen uns die Wirtschaftswissenschaftler eine „verfestigte Investitionskrise“. Investiert wird nur, wenn die Unternehmer auch Vertrauen haben. Das Vertrauen vieler Unternehmer in die Politik schwindet.

Sorgt sich um den Standort Deutschland: der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer (82)
Sorgt sich um den Standort Deutschland: der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer (82) Foto: imago images/Sven Simon

Nach zwei Jahren Ampel-Koalition ist die grüne Methode am Ende: Bei jedem Problem, immer wenn die Ideologie auf die Wirklichkeit traf, wurde mit Subventionen reagiert.

Die Wirklichkeit lässt sich aber nicht auf Dauer wegsubventionieren, Probleme werden so nur größer.

SPD, Grüne und FDP müssen jetzt – nach zwei Jahren in der Regierung! – beweisen, dass sie in der Lage sind, ein schlüssiges Gesamtkonzept zu erarbeiten. Bisher hatten die drei Koalitionspartner das nicht. Nicht ökonomisch, nicht wirtschaftspolitisch und nicht energiepolitisch. Es gab nur Einzelmaßnahmen, zusammengehalten mit Geld, das die Regierung nie hatte: Schulden.

Besonders der Wirtschaftsminister hat sich hinter Wort-Girlanden wie „transformatorischer Angebotspolitik“ versteckt.

Nun müssen alle, wirklich alle Subventionen überprüft werden. Wenn wir mit Milliarden Chipfabriken fördern wollen, dann muss sichergestellt sein, dass dort wirklich das Modernste vom Modernen hergestellt werden soll. Die Parteien können das Sozialsystem nicht immer weiter überdehnen. Arbeiten muss sich lohnen, nicht das Nicht-Arbeiten. Umwelt, Wirtschaft, und Soziales müssen zusammenpassen.

Abgeschaltet – ohne dass es eine echte Alternative für ausreichend Günstig-Strom für die Industrie gibt: Kernkraftwerk Isar 2
Abgeschaltet – ohne dass es eine echte Alternative für ausreichend Günstig-Strom für die Industrie gibt: Kernkraftwerk Isar 2 Foto: Armin Weigel/dpa

Besonders dramatisch ist die ideologische Fehlplanung im Energiebereich:

▶︎ Wir schalten die Kernkraft ab, haben aber keine ökonomisch sinnvolle Alternative parat.

▶︎ Zu den Plänen vom grünen Wasserstoff, auf den ganze Industriezweige und Kraftwerke umgestellt werden sollen, ist zu sagen: Grüner Wasserstoff ist sehr teuer – und schlicht nicht im nötigen Ausmaß verfügbar. Zumindest nicht innerhalb so kurzer Zeit.

▶︎ Als Puffer für die erneuerbaren Energien sollen 20 oder mehr Gaskraftwerke gebaut werden. Die sind so teuer und unwirtschaftlich, dass die Industrie diese nicht freiwillig – also nur gegen immense staatliche Subventionen – baut. Diese Gaskraftwerke laufen dann vielleicht 1000 oder 1500 Stunden im Jahr – und kommen dann auf einen Strompreis von 10 bis 12 Cent/kWh. Bei den abgeschriebenen Kernkraftwerken waren wir bei 2 Cent – und haben jährlich gut 30 Millionen Tonnen CO₂ eingespart.

▶︎ Zur lähmenden und kostenintensiven Überregulierung mag man schon gar nichts mehr sagen. Da wartet der Prüfstand schon lange.

Aber wir müssen nicht einmal vieles neu machen. Wir müssen nur vieles von dem, was die Ampel wollte, NICHT machen.

Es geht nicht um den kompletten Umbau unseres Landes. Deutschland muss nur wieder fit gemacht werden.

Die vom Kanzler ausgerufene Zeitenwende ist da: Die Ampel wird Kassensturz machen und Einschnitte vornehmen müssen, Prioritäten setzen müssen. Endlich! Und wir werden das schaffen. Mit Krisen haben wir schon immer umgehen können.

*Heinrich von Pierer war von 1992 bis 2005 Vorstandsvorsitzender und von 2005 bis zum 25. April 2007 Aufsichtsratschef der Siemens AG. Er beriet Kanzler wie Helmut Kohl, Angela Merkel und Gerhard Schröder

https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/ex-siemens-chef-ueber-die-ampel-pleite-die-gruene-methode-ist-am-ende-86181916.bild.html?t_ref=https%3A%2F%2Fm.bild.de%2Fpolitik%2Finland%2Fpolitik-inland%2Fex-siemens-chef-ueber-die-ampel-pleite-die-gruene-methode-ist-am-ende-86181916.bildMobile.html

Ob es so einfach ist wie Pierer sagt. Einfach vieles nicht tun? Zurück zu billigem Russengas? Und das US- LNG? Ifo-Fuest befürchtet ja eher das Unterlassen notwendiger Investitionen. Pierer fordert eigentlich den Abbruch der Energiewende, bzw. den Ausstieg aus dem Einstieg, deren Hauptelement die (grüne) Wasserstofftechnologie ist. Zu teuer. Soll man jetzt die gerade mit GB und Italien vereinbarte Wasserstoffpipeline samt die 10 Mrd.Euro Investition in Namibia wieder rückgängig machen? Er sagt aber nicht, was man ansonsten haben will. Öl, Gas, Kohle ,Atom wie die AfD. Technologieoffen und der Markt wird es richten und regeln wie die FDP? .Letzteres übersieht aber, dass man für jede Energieform auch eine Infrastruktur braucht, die wahrscheinlich auch nicht ausschließlich durch private Investitionen und gegebenenfalls eben staatlichen Subventionen zu errichten ist. Man hat seitens der Union auch noch nicht gehört, dass sie sich offen gegen Wasserstofftechnologie ausgesprochen hätte. Zudem wollen alle Parteien mit Ausnahme der AfD die CO2steuern/Preise kräftig erhöhen. Mit oder ohne sozialen Ausgleich und man hat eher über das Tempo und Umfang der Erhöhung unterschiedliche Vorstelliungen. Auch hat noch keiner gesagt, was die Alternative zu Habecks Heizpumpen sein soll.

Nun kommt aber ein zentraler Angriff auf die apokalyptischen Szenarien des Klimawandels von einem ehemaligen Physik- Nobelpreisträger, der zudem nicht verdächtigt wird zum Klimaleugnerlobby- NGO- und Mediennetzwerk der Öl- und Gasmultis zu gehören. Hat ein Physiker überhaupt die Kompetenz eines Klimafirschers?  Jedenfalls aufgrund des Nobelpreises ein gewichtiges Pfund für Zweifel an „der Wissenschaft“, auf die sich alle berufen. So langsam kriegt man den Eindruck, die Energiewende wird fast ganz abgeräumt. Siemens-Pierer fordert auch den Ausstieg aus der Wasserstofftechnologie . Alles lassen wie es ist oder war, scheint so die zunehmende Stimmung. Keine Experimente wie die Adenauer- CDU in den 50ern? Oder führen diesmal alle Wege nach Moskau und billigem Russengas? Scheinbar kommt jetzt das andere Extrem als Gegenbewegung.

„Physik-Nobelpreisträger John F. Clauser leugnet den Klimawandel – „Planet ist nicht in Gefahr“

Stand: 25.11.2023, 19:01 Uhr

John F. Clauser hat den Physik-Nobelpreis gewonnen – und sorgt jetzt mit der Leugnung des Klimawandels für Aufsehen. Führende Klimawissenschaftler sind alarmiert.

Baltimore – Auf einer feurigen Pressekonferenz im Hotel Four Seasons prangerten Redner am Dienstag (14. November) den Klimawandel als einen Schwindel an, der von einer „globalen Kabale“ verübt werde, zu der die Vereinten Nationen, das Weltwirtschaftsforum und viele führende Vertreter der katholischen Kirche gehörten.

Es hätte wie eine Randerscheinung wirken können, wäre da nicht die Qualifikation eines Redners gewesen. John F. Clauser, der im vergangenen Jahr den Nobelpreis für Physik erhielt, erklärte am Dienstag, „dass es keine Klimakrise gibt“ – eine Behauptung, die dem überwältigenden wissenschaftlichen Konsens widerspricht.

Bei der Veranstaltung wurde Clausers bemerkenswerter Wandel seit der Verleihung einer der renommiertesten Auszeichnungen der Welt für seine bahnbrechenden Experimente mit Lichtteilchen in den 1970er Jahren deutlich. Seine jüngste Leugnung der globalen Erwärmung hat führende Klimawissenschaftler alarmiert, die davor warnen, dass er seinen Status dazu nutzt, die Öffentlichkeit über einen planetarischen Notfall in die Irre zu führen.

Nobelpreisträger Clauser weist Bedenken zurück

Der 80-jährige Clauser, der eine dröhnende Stimme und weißes Haar hat, das er oft ungekämmt lässt, hat diese Bedenken zurückgewiesen. Er sagt, Skepsis sei ein wichtiger Teil des wissenschaftlichen Prozesses.

„In den 1970er Jahren gab es einen überwältigenden Konsens darüber, dass das, was ich tat, sinnlos war“, sagte er in einem Interview nach der Pressekonferenz. „Es hat 50 Jahre gedauert, bis meine Arbeit mit dem Preis ausgezeichnet wurde. So lange dauert es, bis sich Meinungen ändern“.

Die Veranstaltung am Dienstag wurde von der Deposit of Faith Coalition organisiert, einer Gruppe von mehr als einem Dutzend katholischer Organisationen, die argumentiert, dass „diejenigen, die die gott- und familienfeindliche Klima-Agenda vorantreiben, herausgefordert und bloßgestellt werden müssen“. Clauser, der Atheist ist, brauchte einige Überzeugungsarbeit, um als Hauptredner aufzutreten, wie ein Sprecher der Koalition einräumte.

Zu den anderen Rednern gehörten Marc Morano, ein ehemaliger republikanischer Kongressmitarbeiter, der eine Website betreibt, die die Mainstream-Klimawissenschaft ablehnt, und Alex Newman, ein Journalist für rechtsgerichtete Medien, der dazu aufgerufen hat, den „Klimaschwindel“ aufzudecken. Beide Männer nahmen den ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore und seinen Dokumentarfilm von 2006 über die Gefahren des Klimawandels mehrfach aufs Korn.

Physik-Nobelpreisträger Clauser: „Es gibt keine Klimakrise“

Clauser, der einen grauen Blazer, schwarze Jeans und Teva-Sandalen trug, wirkte beschwingt, als er die Bühne betrat. Er ließ eine PowerPoint-Präsentation ablaufen, die mit dem Ausruf begann: „Großartige Neuigkeiten! Es gibt keine Klimakrise!“

„Auch wenn es viele Leute verärgern mag, meine Botschaft ist, dass der Planet nicht in Gefahr ist“, sagte Clauser vor etwa einem Dutzend Zuhörern im Konferenzraum des Hotels und anderen, die den Vortrag online verfolgten. „Ich nenne mich selbst einen Klimaleugner“, fügte er hinzu. „Man hat mir gesagt, das sei politisch nicht korrekt. Also bin ich wohl ein Klimakrisen-D-Wort-Mensch.“

Clauser prahlte damit, dass er letztes Jahr, als die Nobelpreisträger des Jahres 2022 ins Weiße Haus eingeladen wurden, ein privates Treffen mit Präsident Biden im Oval Office hatte. Er sagte, er habe Bidens Klima- und Energiepolitik kritisiert, worauf der Präsident geantwortet habe: „Das klingt nach rechter Wissenschaft.“

Die Washington Post konnte diesen Bericht nicht bestätigen; ein Sprecher des Weißen Hauses reagierte nicht sofort auf eine Anfrage nach einem Kommentar.

Die große Mehrheit der Klimawissenschaftler ist sich einig, dass die globale Erwärmung katastrophale Folgen für heutige und künftige Generationen haben wird. Sie warnen, dass Hitzewellen, Hungersnöte und Infektionskrankheiten bis zum Ende des Jahrhunderts Millionen zusätzlicher Menschenleben fordern könnten, wenn die Menschheit die Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe nicht rasch reduziert.

Klimaleugner haben heute weniger Einfluss

Der Einfluss der Klimaleugner hat in den letzten Jahrzehnten abgenommen, da die wissenschaftlichen Erkenntnisse klarer geworden sind und die Auswirkungen der globalen Erwärmung immer deutlicher zutage treten. Doch eine kleine Gruppe lautstarker Skeptiker – darunter mehrere prominente Physiker – hat sich hartnäckig gehalten.

Clauser, der noch nie eine von Fachleuten begutachtete Arbeit über den Klimawandel veröffentlicht hat, hat sich vor allem auf eine Botschaft versteift: Die Temperatur der Erde wird in erster Linie durch die Wolkenbedeckung bestimmt, nicht durch die Kohlendioxidemissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Er ist zu dem Schluss gekommen, dass die Wolken eine kühlende Wirkung auf den Planeten haben, so dass es keine Klimakrise gibt.

Michael Mann, ein Klimawissenschaftler an der Universität von Pennsylvania, bezeichnete dieses Argument als „reinen Müll“ und „Pseudowissenschaft“. Die „besten verfügbaren Beweise“ zeigen, dass Wolken tatsächlich einen Nettoerwärmungseffekt haben, so Mann in einer E-Mail. „In der Physik nennen wir das einen ‚Vorzeichenfehler‘ – es ist die Art von Fehler, bei dem sich ein Studienanfänger schämt, wenn er dabei erwischt wird“, sagte er.

Wissenschaft ist von Clausers Theorie nicht überzeugt

Andrew Dessler, Professor für Atmosphärenwissenschaften an der Texas A&M University, stimmte dem zu. „Wolken verstärken die Erwärmung“, sagte Dessler in einer E-Mail und fügte hinzu: „Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat das letzte Jahrhundert damit verbracht, [den Klimawandel] zu untersuchen, und zu diesem Zeitpunkt ist praktisch alles, was passiert, vorhergesagt worden. John Clauser und seinesgleichen ignorieren dies, weil sie keine ernsthaften wissenschaftlichen Kritiken vorbringen“.

Anton Zeilinger, ein österreichischer Physiker, der letztes Jahr gemeinsam mit Clauser den Nobelpreis erhielt, sagte in einem Interview, er habe „großen Respekt“ vor Clausers wissenschaftlicher Strenge, obwohl er darauf hinwies, dass er kein Experte für Klimawissenschaften sei.

Im Jahr 1972 führte Clauser bahnbrechende Experimente zur Quantenverschränkung durch, einem Prozess, bei dem zwei oder mehr Teilchen so gekoppelt sind, dass jede Veränderung an einem Teilchen eine gleichzeitige Veränderung am anderen auslöst, selbst wenn sie durch große Entfernungen getrennt sind. Die Experimente bestätigten ein Phänomen, das Albert Einstein berühmt als „spukhafte Fernwirkung“ bezeichnet hatte. Sie ebneten auch den Weg für Technologien wie Quantencomputer, die Probleme lösen können, die für klassische Computer zu komplex sind.

„Als Einstein seine Ideen vorstellte, galt er als verrückt und als Außenseiter“, so Zeilinger, emeritierter Physikprofessor an der Universität Wien. „Es ist in der Wissenschaft schon vorgekommen, dass die Mehrheit völlig falsch lag. Ich habe keine Ahnung, ob das hier der Fall ist, aber die Wissenschaft muss offen für Diskussionen sein.“

Emeritierter Physikprofessor: Globale Erwärmung ist gut für die Menschheit

Einige Physiker haben entscheidende Beiträge zum weltweiten Verständnis des Klimawandels geleistet. Im Jahr 2021 wurde der Nobelpreis für Physik an die Wissenschaftler Syukuro Manabe aus den Vereinigten Staaten und Klaus Hasselmann aus Deutschland für Arbeiten verliehen, die die Grundlage für aktuelle Klimamodelle bildeten. Andere haben sich als Klimaskeptiker einen Namen gemacht.

William Happer, ein emeritierter Physikprofessor der Princeton University, vertritt die Ansicht, dass die globale Erwärmung gut für die Menschheit ist. Unter Präsident Donald Trump diente Happer als leitender Direktor im Nationalen Sicherheitsrat, wo er eine umstrittene Initiative zur Neubewertung der Klimawissenschaft durch die Bundesregierung beaufsichtigte.

Richard Lindzen, ein pensionierter MIT-Physiker, hat in ähnlicher Weise kritisiert, was er als „Klima-Alarmismus“ bezeichnet hat. Und Steven E. Koonin, ein Physiker, der unter Präsident Barack Obama als Unterstaatssekretär für Wissenschaft im Energieministerium tätig war, schrieb den Bestseller „Unsettled: What Climate Science Tells Us, What It Doesn‘t, and Why It Matters“.

„In der Physikgemeinschaft gibt es eine skeptische Haltung gegenüber der Klimawissenschaft“, schrieb Nadir Jeevanjee, ein Physiker bei der National Oceanic and Atmospheric Administration, in einer kürzlich erschienenen Kritik an Koonins Buch.

In einem Interview sagte Jeevanjee, dass die Klimawissenschaft zwar auf der Physik basiere, aber nicht alle Physiker Experten für Klimawissenschaft seien. Aber das hat einige angesehene Physiker nicht davon abgehalten, sich als Experten darzustellen und Zweifel zu säen, sagte er. „Wenn sie reden, hören die Leute zu“, sagte Jeevanjee, der betonte, dass er in seinem eigenen Namen und nicht im Namen der NOAA sprach. „Es schürt die Flammen der Leugnung.“

Einige Physiker, die den wissenschaftlichen Konsens über den Klimawandel ablehnen, wurden von fossilen Brennstoffunternehmen finanziert. Wei-Hock „Willie“ Soon, ein Astrophysiker, der behauptet, dass Schwankungen in der Sonnenenergie den größten Teil der globalen Erwärmung verursacht haben, nahm von 2005 bis 2015 mehr als 1,2 Millionen Dollar von der fossilen Brennstoffindustrie an, ohne diesen Interessenkonflikt in den meisten wissenschaftlichen Arbeiten offenzulegen.

Clauser bekommt kein Geld aus der Energiebranche

Clauser sagte, er erhalte kein Geld von Öl-, Gas- und Kohleinteressen. „Wenn ich nach Asien reise, bekomme ich ein riesiges Honorar für meine Vorträge“, sagte er im Interview nach der Veranstaltung am Dienstag. „Aber diese Konferenz hat mir kein Honorar für mein Kommen gegeben. Das Beste, was ich bekomme, sind Flugkosten und Hotel. Ich lebe nur von meinen Ersparnissen.“

Im Juni hielt Clauser die Grundsatzrede auf einer Konferenz über Quanteninformationswissenschaft in Seoul und erklärte dem Publikum, dass „ich nicht glaube, dass es eine Klimakrise gibt“. Die Rede kam einen Monat, nachdem er dem Vorstand der CO2 Coalition beigetreten war, einer Gruppe, die behauptet, dass Kohlendioxid für den Planeten von Vorteil ist.

Clauser wurde nicht überall willkommen geheißen. Im Juli sollte er vor dem Unabhängigen Evaluierungsbüro des Internationalen Währungsfonds ein Seminar über Klimamodelle halten, doch dann wurde die Veranstaltung ohne Erklärung „kurzerhand abgesagt“, wie die CO2-Koalition damals in einer Erklärung mitteilte.

Am Dienstag sagte Clauser, ihm sei zunächst gesagt worden, dass die Veranstaltung als Debatte mit einem Autor eines Berichts des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten Nationen umgestaltet werden würde. Aber diese Idee wurde nie umgesetzt“, sagte er.

Ein Sprecher des Büros lehnte es ab, einen Kommentar abzugeben, und reagierte nicht auf Nachfragen, ob die Veranstaltung verschoben werden könnte.

Möglicherweise erreicht Clausers Botschaft auch nur ein begrenztes Publikum. Von den rund ein Dutzend Teilnehmern an der Pressekonferenz in Baltimore waren zwei Journalisten und mehrere andere Mitglieder der Deposit of Faith Coalition.

Auf die Frage nach der geringen Teilnehmerzahl nahm Clauser, der ein Emphysem hat, das durch das Rauchen von Zigaretten in jungen Jahren verursacht wurde, einen Zug aus seinem Inhalator und zuckte mit den Schultern.

„Ich bekomme eine angemessene Menge an Fanpost, einige davon von Leuten, die behaupten, Klimawissenschaftler zu sein“, sagte er. „Das meiste davon ist sehr positiv.“

Zur Autorin

Maxine Joselow ist Redakteurin und Moderatorin von The Climate 202 bei der Washington Post.

https://www.fr.de/wissen/planet-nicht-gefahr-erde-physik-nobelpreistraeger-klimawandel-leugner-john-clauser-zr-92690485.html

Die ganze Klimadebatte ging von Physikern und Chemikern aus. Meteorologie ist ein Teilbereich der Physik. Syukuro Manabe hat in den 60er Jahren das erste Atmosphärenmodell entwickelt. Er arbeitete übrigens eng mit Meteorologen der Münchner LMU zusammen. Seine deutschen Kooperationspartner wandten sich allerdings von seiner Methode ab, weil sie nicht daran glaubten, dass man den Klimawandel so leicht berechnen könne. Es mussten dafür zu viele Faktoren außeracht gelassen werden. Manabe setzte sich aber durch. Aber natürlich gibt es in der Physik und in der Meterologie noch immer viele Renegaten, die nicht so recht an die auf Manabe aufbauenden Methoden glauben. Die „überwältigende Mehrheit“, die „97 Prozent“ sind Schlagworte, mit denen man versucht, solche Zweifel auszuräumen, aber es ist schon interessant, dass Anton Zeilinger sich so respektvoll über Clauser äußert und darauf hinweist, dass die Mehrheit schon oft danebengelegen hat. Das ist in der Wissenschaft tatsächlich die Regel. Es gibt immer die Mehrheitsmeinung, bis jemand kommt, der sie umstürzt.

Syukuro Manabes Weltklimaformel, die für Klimaschützer den Status von Einsteins Relativitätsformeln kann man nachlesen unter:

https://climate-dynamics.org/wp-content/uploads/2016/06/manabe67.pdf.

Zur Klimakonferenz in Paris waren sie auch als Projektionen vom britischen Künstler Liam Gillick in der Pariser Metro an den Videoscreen zu sehen. Ob die schulstreikenden Schüler von Fridays for Future und die Klimakritiker sie denn auch je mathematisch durchdrungen und geprüft haben?

Gliechzeitig liest man:

„Daten der US-Behörde NOAA 2023 wird wohl wärmstes Jahr seit Aufzeichnungsbeginn

Die Wahrscheinlichkeit liegt bei mehr als 99 Prozent: Laut einer Prognose der US-Behörde NOAA wird 2023 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Vorhersage der Amerikaner deckt sich mit der von europäischen Kollegen. „

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimakrise-2023-wird-wohl-waermstes-jahr-seit-aufzeichnungsbeginn-a-8e12bd0a-9ed4-4cc0-9840-4dfca017b3a3

Nur gab es vor 174 Jahren nur an sehr wenigen Stellen Aufzeichnungen. Es ist seriöser, über die Zeit seit Ende des 2. Weltkrieges zu sprechen. Da war es natürlich gerade besonders kalt, was die Dinge wieder verzerren würde. Ich denke mal, niemand sollte der Auffassung sein, dass der Ausstoß von CO2 harmlos ist. Aber es ist auch falsch, in Panik zu verfallen, und deshalb sollte man sich etwas zurücklehnen und die Maßnahmen nicht so verschärfen, dass sie Europa abwürgen. Denn dann können wir sehr schnell in die Prozesse nicht mehr eingreifen.

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