US-Asien-Strategien zwischen Westpazifik und Indischem Ozean

Bei der Frage, was die wesentlichen Herausforderungen für die USA in Asien sein werden, besteht weitgehend Konsens, dass dies China sein wird. Bei der Beurteilung, wo der Schwerpunkt einer strategischen Antwort hierauf zu legen sei , gab es bislang noch Differenzen in der Asien-Strategengemeinschaft der USA.

Die neue Airsea Battle-Doktrin von US Navy und US Airforce identifizieren hierbei neben dem Iran und dem Perischen Golf China und den Westpazifik als die beiden weltstrategischen hotspots für die USA(http://www.csbaonline.org/4Publications/PubLibrary/R.20100219.Why_AirSea_Battle/R.20100219.Why_AirSea_Battle.pdf)//(http://www.csbaonline.org/4Publications/PubLibrary/R.20100518.Air_Sea_Battle__A_/R.20100518.Air_Sea_Battle__A_.pdf).

Ähnlich argumentierte auch Robert Kaplan, Senior Fellow am Center for New American Security in seinem programmatischen Artikel im The Atlantic Monthly „How we would fight China“ (http://www.theatlantic.com/doc/200506/kaplan) , in dem er die steigende maritime Präsenz Chinas als zentrale Herausforderung für die USA im 21. Jahrhundert ansieht und  recht detailiert Gegenkonzepte vorschlägt. Einige Zeit später relativierte Kaplan dann seine Aussagen, indem erin dem Artikel „The Geography of Chinese Power“  in der Foreign Affairs auf Chinas steigende maritime Präsenz und seinen steigenden Einfluss zu Lande hinwies.(http://www.foreignaffairs.com/articles/66205/robert-d-kaplan/the-geography-of-chinese-power).

Neuerdings fokusiert Kaplan seine Überlegungen,wie einer Seemacht China zu begegnen sei, auf den Indischen Ozean: So in seinem neuen Buch: „Monsoon-The Indian Ocean and the Future of American Power , das in der Foreign Affairs rezensiert wurde und welches er unter dem gleichnamigen Titel in einer programmatischen Abendvorlesung am US Naval War College hielt(http://www.usnwc.edu/KaplanEveningLecture).

Der Auslinreport des American Enterpise Institutes—Indo-Pazifik als Synthese von Westpazifik /Airseabattle und  Kaplans Indischem Ozean

Während also die US Navy und US Airforce sich vor allem auf den Westpazifik konzentrieren, so sieht Kaplan und andere US-Strategen den Indischen Ozean als zukünftiges Hauptkampfgebiet für US-Politik in Asien.Diesen Spagat versucht nun der neue shooting star des American Enterprise Institutes, Michael Auslin mit seinem Strategieentwurf „Security in the Indo-Pacific—Toward a Regional Strategy“ (http://www.aei.org/docLib/AuslinReportWedDec152010.pdf)zu überwinden, indem er gleichermaßen den Westpazifik UND den Indischen Ozean als strategische Schwerpunkte in einem Gebiet „Indopazifik“ zusammenfasst und dieses Gebiet mittels zweier konzentrischer strategischer Dreiecke als Basis einer zukünftigen geopolitischen Sicherheitsarchitektur zu kontrollieren gedenkt, die die bisherige zumeist bialterale „hub-and spoke“-Strategie der USA in diesem Raum ersetzen sollen.Eine solche Strategie sei notwendig, da die bisherige US-Politik vor allem reaktiv gewesen sei und zumal ohne klare Vision:

“The U.S.goverment has not issued a formal statemént about ist Asian policy since the 1998 Department of Defense report The United States Security Stratgey fort he East Asia-Pacific Region.In that document, however, there is little overarching vision of U.S.goals for East Asia; rather the report is largely reactive“.

Zwei strategische konzentrische Dreiecke als Basis einer neuen Sicherheitsarchitektur Asiens

Das äußere Dreieck umfasst: Indien– Japan/Südkorea—Australien. Das innere: Indonesien/ Malaysia, Vietnam und Singapur .Wie Airsea- Battle und Kaplan sieht Auslin auch China als größten Herausforderer, wenngleich er betont, dass eine Hedgingstrategie allein gegen China nicht ausreiche, um ein ausreichendes Fundament der Kooperation der Mitgliedsstaaten der konzentrischen Dreiecke abzugeben.

“Security policy in the Indo-Pacific must not be reduced to hedging against China´s rise or limited to attempting to shape Chinese behavior, but rather must be focused on the Indo-Pacific commons as a whole (…)This new strategy for security in the Indo-Pacific commons is not designed explicitly to promote democracy, liberalism, or a freedom agenda. It aims to be a realistic strategy for ensuring stability and the interests of nations that contribute to Indo-Pacific prosperity, including the United States(…) Encouraging a more liberal Indo-Pacific is therefore a political goal as well as a strategy. From this perspective, then, the United States is not a status quo power, nor should its policies be status quo. The desire to enhance liberal political and social systems around the globe is as much part of the U.S. security policy tradition as is restraint in the use of force.(…) This is not a plan for an Asian NATO, but it is also not a call for a value-neutral strategy .”

Hier klingt das Ganze etwas widersprüchlich.Demokratiepromotion wird befürwortet, aber umgekehrt wieder abgelehnt.Eine deutliche Gratwanderung, denn in diesem Falle könnte ja ein autoritär regiertes Vietnam weniger Interesse an solch einer Kooperation für einen liberalen Indo-Pazifik haben.Ebenso übersieht Auslin etwas die schleichende Islamisierung solch asiatisch-islamischer Demokratien wie Malaysia und Indonesien (in Malaysia wird die islamische PAS immer stärker und in Indonesien haben die religiösen Gruppen mehr Einfluss als die säkularen Parteien–obwohl noch in der Unterzahl und auf Aceh wurde inzwischen die Scharia wieder eingeführt).Das könnte sogar mehr auf Hungtingtons Wertegemeinschaft: Konfuzianismus-Islam hinwiesen, denn auf eine liberle Pazifikgemeinschaft,wenn man denn Werteorientierungen als Massstab nimmt.Implizite Demokratieförderung statt expliziter Demokratieförderung—wie dies genau in der Praxis aussehen soll, darüber bleibt der Auslinreport eine Antwort schuldig. Zwar will er keine Wertegemeinschaft ala NATO, aber dann umgekehrt wieder doch keine Werteneutralität. Es ist jedoch seit längerem der erste visionäre Entwurf einer US-Strategie für Asien, die wahrscheinlich noch ausgearbeitet werden wird.Inwieweit er Grundlage der faktischen US-Politik wird, bleibt zu beobachten.

Ralf Ostner (Dipl-Politologe/staatlich geprüfter Übersetzer in der chinesischen Sprache)

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
Dieser Beitrag wurde unter Asien abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.