The Queen–Her Royal Heiliness?

Als Prinz Harry mit Hakenkreuzbinde als Partygag zu einer Feier einlief, sorgte dies für internationale Schlagzeilen und konnte er eine Gardinenpredigt seiner Großmutter, der Queen über sich ergehen lassen.Doch nun wird über die Nazinähe des britischen Königshaus, welches sich als stramm antifaschistisch während des Krieges gab,berichtet. Auslöser sind alte Familienfilme, die die Sun unter der Schlagzeile „Their Royal Heiliness“ veröffentlichte.Die Queen dürfte „not amused“sein: die englische BILD,The Sun brachte jetzt alte Fimaufnahmen: Die Queen als 7-Jährige beim Hitlergruss im königlichen Familienkreise. Dieses Murdoch-Drecksblatt als neue Antifaschismuspostille sehen zu wollen  ist ja völlig unglaubwürdig, berichtet es doch selbst zumeist mit Naziduktus und bezeichnete Flüchtlinge schon mal als „Kakerlaken“ und „Ungeziefer“. Murdochs Sun dürfte wohl die demonstrativ gezeigte Europa- und Deutschlandfreundlichkeit der Queen nicht passen, weshalb er mittels solcher Geschichten gegen die von den Teilen der konservativen Tories und der UKIP als zu stark empfundene Germanophilie der Queen  in eine nazistische Kontinuität stellen will und die britische Öffentlichkeit aufhetzen will. Es dürfte wohl kein Zufall sein, dass die Geschichte nun nach dem Deutschlandbesuch der Queen und vor dem EU-Austrittsreferendum Camerons aufgekocht wird.Dennoch unbestriiten ist, dass König Edward gute Kontakte zu Nazideutschalnd und Hitler unterhielt. ja diesen auch 1937 mit seiner Frau in München besuchte.Wie weit die ideologische Nähe ging, bleibt noch umstritten: „“Bis heute wissen wir wenig über die politischen Ansichten der königlichen Familie in den 1930ern“, sagt die Historikerin Karina Urbach, die die „Sun“ vor der Veröffentlichung befragt hat. Bekannt sei, dass Edward sich für Faschismus interessierte und 1933 gesagt habe, England brauche diesen auch, da sich nur so der Kommunismus bekämpfen ließe“ (Münchner Merkur v. 20 Juli 2015).Dennoch ist bis heute nichts bekannt geworden, dass Edward oder die britische Oberschicht aktiv die britische Faschisten der Mosleybewegung unterstützten, wie diese auch niemals eine bedeutende Kraft in Großbritannien oder gar eine Massenbewegung wurde.Die britische Faschismusbewegung blieb eine Marginalie und ein Randphänomen, zum einen aufgrund einer starken Arbeiterbewegung, wie aber auch der demokratischen Tradition in Großbritannien, wie das Empire auch Kriegssieger war und nicht unter einem Versailler Vertrag samt horrenden Reperationsforderungen litt, wenngleich es schon Schuldnernation der USA geworden war.Die Sympathien vieler englischer Aristokraten und der englischen Oberschicht für die deutschen Nazis ist ja historisch belegt, sei es nun das Clivedenset oder die berühmt-berüchtigte Anglo-German Fellowship. Hier waren vor allem geopolitische Überlegungen und Antikommunismus die wesentlichen einigenden Kräfte, die Ideologie der Nazis samt ihres glühenden Antisemitismus nicht. Diesbezüglich gibt es auch keine Vorwürfe gegen das Clivedenset oder die Anglo-German Fellowship, ja eher Befremden dieser Kreise, wenngleich sie den anfänglichen Antisemitismus der Nazis, der sich noch nicht zu einem Holocaust ausgeweitet hatte,  als zu vernachlässigenden Kollateralschaden für die britische Balance of Power in Kauf nahmen nach dem Motto: Ein bißchen Rassismus kann sein, wennglcih nicht schön, aber den nationalen Interessen des Empire unterzuordnen. Wer waren diese nazifreundlichen Kreise innerhalb des damaligen britischen Establishments? Zum einen das Clivedenset. Der Begriff Cliveden Set wurde durch den britischen Journalisten Claud Cockburn in der kommunistischen Zeitung „The Week“ geprägt. Der Name leitet sich von Cliveden ab, einem Herrenhaus bei Taplow westlich von London und Landsitz der Astors, wo sich die Mitglieder häufig trafen.Dieser Gruppe gehörten neben Neville Chamberlain Lord Halifax, Samuel Hoare, John Simon, Kingsley Wood, Philip Kerr, Tom Jones, Ernest Brown, Lady Astor sowie Geoffrey Dawson, der Chefredakteur der Times, an.

Nancy Astor and her husband, Waldorf Astor held regular weekend parties at their home Cliveden, a large estate in Buckinghamshire on the River Thames. Those who attended included Philip Henry Kerr (11th Marquess of Lothian), Edward Wood (1st Earl of Halifax), Geoffrey Dawson, Samuel Hoare, Lionel Curtis, Nevile Henderson, Robert Brand and Edward Algernon Fitzroy. Most members of the group were supporters of a close relationship with Adolf Hitler and Nazi Germany. The group included several influential people. Astor owned The Observer, Dawson was editor of The Times, Hoare was Secretary of State for Foreign Affairs, Lord Halifax was a minister of the government who would later become foreign secretary and Fitzroy was Speaker of the Commons.(…) During the weekend of 23rd October 1937, the Astors had thirty people to lunch. This included Geoffrey Dawson (editor of The Times), Nevile Henderson (the recently appointed Ambassador to Berlin), Edward Algernon Fitzroy (Speaker of the Commons), Sir Alexander Cadogan (soon to replace the anti-appeasement Robert Vansittart as Permanent Under-Secretary at the Foreign Office), Lord Lothian and Lionel Curtis. They were happy that Neville Chamberlain, a strong supporter of appeasement was now Prime Minister and that this would soon mean promotion for people such as Lothian and Lord Halifax. According to Norman Rose, Lord Lothian gave a talk on future relations with Adolf Hitler. „He wished to define what Britain would not fight for. Certainly not for the League of Nations, a broken vessel; nor to honour the obligations of others. As he had explained to the Nazi leaders, ‚Britain had no primary interests in eastern Europe,‘ areas that fell within ‚Germany’s sphere‘. To be dragged into a conflict not of Britain’s making and not in defence of its vital interests would bedevil relations with the Dominions, fatal for the unity of the Empire. For the Clivedenites, this was always the bottom line… In effect, Lothian was prepared to turn central and eastern Europe over to Germany.“ Nancy Astor supported Lothian: „In twenty years I’ve never known Philip to be wrong on foreign politics.“ Geoffrey Dawson also agreed with Lothian and this was reflected in an editorial in The Times that he wrote a few days later. Lionel Curtis was the only member of this group that had doubts about Lothian’s plans.”

http://spartacus-educational.com/Clivenden_Set.htm

Enge Kontakte bestanden zur Anglo-German Fellowship. In der Anglo-German Fellowship waren diejenigen britischen Industriellen, Bankiers und höchsten Beamten vertreten, die ein Bündnis mit dem nationalsozialistischen Deutschen Reich förderten. So schrieb das Mitglied der Fellowship, der Beherrscher des englischen Kohlebergbaus Lord Londonderry am 25. Februar 1936 an Hermann Göring:

Großbritannien müsse gemeinsam mit Deutschland dem Bolschewismus entgegentreten, denn diese Lehre werde, wenn sie Erfolg hat, eine weltweite Katastrophe von einem Ausmaß herbeiführen […] das sich keiner vorstellen kann

Am 2. Dezember 1935 erfolgte die erste Generalversammlung in der Zentrale des Unilever-Konzerns, ab Herbst 1936 fanden regelmäßig monatliche Zusammenkünfte statt. Die Fellowship führte massiv prodeutsche Propaganda in Großbritannien. Jahrelang lud man hohe SA– und HJ-Führer, Diplomaten, Minister und Kommunalpolitiker in Londoner Clubs und auf Landsitze ein. Unter den Gästen und Rednern befanden sich der spätere Außenminister Ribbentrop, Generalfeldmarschall von Blomberg, der nationalsozialistische Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten, Himmlers Adjutant Hajo Freiherr von Hadeln und Herzog Carl Eduard (Sachsen-Coburg und Gotha). Zu den Reichsparteitagen der NSDAP in Nürnberg fuhr regelmäßig eine starke Abordnung der Fellowship. Es wurde eine eigene Zeitung, die Anglo-German Review, herausgegeben. Insgesamt 50 Mitglieder beider Häuser des Parlaments hatten sich der Fellowship angeschlossen. Lord Londonderry besuchte drei- bis viermal im Jahr Hitler und Göring. Enge Beziehungen bestanden zum Cliveden Set.

Der sowjetische Agent Kim Philby war Mitglied der Organisation,[4] Hitlers Spionin, Stéphanie zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst, Ehrenmitglied.[5]

Die einflussreichsten Mitglieder der etwa 600 bis 800 Mann starken Vereinigung waren:

Darüber hinaus waren folgende Konzerne, Gesellschaften und Banken durch Vorstands- oder Direktoriumsmitglieder vertreten:

  • Lloyds Bank
  • Barclays Bank
  • Midland Bank
  • National Provincial Bank
  • British Westinghouse Electric Company
  • British Overseas Bank
  • Commercial Union Assurance Bank
  • Phoenix Assurance Company

Lord Mount Temple legte am 19. November 1938 das Amt des Präsidenten nieder und stellte zusammen mit 20 anderen Mitgliedern die Tätigkeit ein. In der Öffentlichkeit trat sie ab November 1938 kaum noch in Erscheinung. Dies kam fast einem Zerfall der Fellowship gleich, nach der Besetzung der Rest-Tschechei hörte die Gesellschaft auf zu bestehen.Am 8. Juni 1939 schrieb Londonderry an Franz von Papen, dass er seine Meinung geändert habe nachdem Deutschland die Tschechoslowakei überrannt habe, dies habe gezeigt „dass ein von Deutschland gegebenes Versprechen keine reale Grundlage habe“, und er führte aus:

„Wir sind zutiefst aufgebracht über die Art und Weise, wie Deutschland offenbar seine Vorherrschaft auf der Welt durchzusetzen versucht, und entschlossen, uns diesem Vorhaben entgegenzustellen, ganz gleich, was dieser Widerstand erfordern mag.“[6]

In einem Brief vom 2. April an Neville Chamberlain begrüßte Londonderry die Britisch-französische Garantieerklärung an Polen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Anglo-German_Fellowship

Grosse Teile des britischen Establishments und der Aristokratie sahen in Nazideutschland ein Bollwerk gegen den Kommunismus und die Sowjetunion, sahen zumal auch Frankreich und die Sowjetunion als bedrohlicher für britische Interessen und das Empire an als das durch den Versailler Vertrag besiegte und geschwächte Deutschland. Als Gegengewicht zu Frankreich und der Sowjetunion wollten sie Deutschland stärken, um in der Tradition der Balance of Power keine Macht entstehen zu lassen,die Kontinentaleuropa dominieren würde. Die von Frankreich unterhaltene Kleine Entente, das Militärbündnis Frankreichs mit den ost- und mitteleuropäischen Staaten betrachteten diese Kreise als zu schwach und als zu zersplittert, um einer sowjetischen Invasion etwas entgegenstellen zu können. Daher setzten sie auf eine Stärkung Nazideutschlands , dem sie auch eine Saturierung im Osten zugestanden. Das Clivedenset und die Anglo-German Fellowship waren daher auch starke Unterstützer und Initiatoren der Appeasementpolitik Chamberleins. Hitler war selbst anglophil, sah in den Briten auch Arier und träumte von einem deutsch-italienisch-britischen Bündnis. In seinem zweiten Buch von 1928 beschreibt er seinen Glauben, dass sich Großbritannien aus einem Krieg in Europa heraushalten würde mit dem Argument, dass Frankreich Großbritannien aufgrund seines Kolonialbesitzes das Empire mehr herausfordere als Deutschland und dass die kommunitische Sowjetunion als grössere Gefahr wahrgenommen würde als ein expandierendes Deutschland. Hitler rechnete nicht nur mit einer Neutralität Großbritanniens angesichts eines expandierenden Deutschlands in Kontinentaleuropa, ja sah sogar die Möglichkeit eines deutsch-britisch-italienischen Bündnisses gegen den Rest der Welt, zumal er auch irrational die britische, deutsche und italienische Rassenmentalität enger beieinander sah als die franzäsische und die russische Volksmentalität.Daher fühlte er sich anfangs bestätigt, als die tschechischen Garantiemächte Großbritannien und Frankreich das Münchner Abkommen unterzeichneten, wie sie auch auf den Einmarsch in die Resttschechei es bei Protestnoten und einer Garantie für Polen beliessen. Hitler dachte, dass sich beide Westmächte auch bei einem Einmarsch Deutschlands  in Polen heraushalten würden, zumal die Stoßrichtung sich ja auch – ausgesprochen in „Mein Kampf“, unausgesprochen beim Hitler-Stalin-Pakt– mittelfristig gegen die Sowjetunion richten würde.Hierbei überschätzte Hitler den Antikommunismus Großbritanniens, wie auch seine Feindschaft zu Frankreich und übersah, dass der gesellschaftliche Konsens innerhalb des britischen Establishments die Balance of Power war.Als sich dann aber Deutschland mit der Annektion der Resttschechei in ihren Augen zu offensiv benahm, schwenkte die Anglo-German Fellowship um und unterstützte die Garantie für Polen, die dann auch nach Hitlers Einmarsch in Polen zum Zweiten Weltkrieg und den Kriegseintritt Großbritanniens gegen Nazideutschland führte. Schon diese Tatsache hätte Hitler eine klare Warnung sein müssen, dass sich Großbritannien nicht aus einem Krieg in Europa heraushalten würde–aber ähnlich wie Wilhelm, Bethmann-Hollweg und die deutschen Militärs schon mittels des Schliefenplans vor dem Ersten Weltkrieg sich darauf verliessen, dass sich Großbritannien bei einem deutschen Durchmarsch durch Belgien heraushalten und neutral bleiben würde, so dachte dies Hitler bei Polen. Ob Erster oder Zweiter Weltkrieg–verblüffend ist immer wieder, dass sich die deutschen Eliten darauf verliessen, dass sich Großbritannien aus einem Krieg in Kontinentaleuropa heraushalten würde.Schon1938 löste sich denn auch die Anglo-German Fellowship auf.Die Unterstützung der Nazis durch diese Teile des britischen Establishment erfolgte anfänglich mehr aus geopolitischen und taktischen Gründen und als sich diese als Fehlkalkulation erwiesen, wurde sie auch prompt eingestellt. Dass die Sun nun nach dem Queenbesuch und vor dem EU-Austrittsreferendums Camerons die Queen und die Royals als Nazisympathsianten darstellt, dürfte wohl eher mit der aktuellen Entwicklung Europas zu tun haben, da Teile der Tories und der UKIP eine durch Deutschland dominierte EU befürchten und daher germanophile Kontakte anderer Teile des britischen Establishments wie eben der Queen unterbinden und diese Leute zu einer gewissen Distanzierung bewegen wollen.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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