Gabriels Digitaliserungsstrategie 2025–die Digitalisierung und die Linke

Vor lauter Euro-, Ukraine und Flüchtlingskrise fällt die öffentliche und politische Aufmerksamtkeit gar nicht mehr auf ein Zukunftsthema, das die Welt weitgehend revolutionieren wird, nämlich die Digitaliserung der Wirtschaft und Gesellschaft und Industrie 4.0, die auch als die 4. industrielle Revolution bezeichnet wird.Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Wirtschaftsminisert Sigmar Gabirel jetzt seine Digitalisierungsstrategie 2025 vorgestellt, die der IT-Journalist Nico Luma in einem Beitrag derfolgt portraitiert:

„Anfang der Woche hat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) seine Digitale Strategie 2025 vorgestellt. Dieses Papier hat es in sich, denn es ist ein großer Wurf! War doch die bisherige Digital-Politik der Bundesregierung von Zögerlichkeit geprägt, so legt Gabriel jetzt den Schalter um und lässt seine Kabinettskollegen alt aussehen.

Die wichtigsten Forderungen im Überblick:

– flächendeckend 50 mbit/s als Ziel für den Breitbandausbau war einmal – Gabriel will bis 2025 ein flächendeckendes Gigabit-Glasfasernetz! Das fordere ich seit langem und freue mich sehr über dieses neue politische Ziel!

– Startups stehen im Fokus des Papiers, denn Gabriel will nichts mehr als eine neue Gründerkultur in Deutschland schaffen. Gut so! Startups schaffen Arbeitsplätze mit Zukunft, das hat man nun auch im Wirtschaftsministerium verstanden. Hierfür soll mehr Kapital durch den Staat zur Verfügung gestellt werden, aber auch die Investitionen durch Wagniskapital erleichtert werden.

– Der europäische digitale Binnenmarkt soll vorangetrieben werden, ebenso wie ein verbesserter Rechtsrahmen für digitale Geschäftsmodelle in Deutschland. Spannende Idee: es soll Experimentierräume geben, damit Startups loslegen können, ohne dass sie von eventuell veralteter Regulierung betroffen sind.

– Gabriel will, dass 2025 die Schulabgänger Grundzüge des Programmierens verstanden haben und wissen, wie die Algorithmen das Leben beeinflussen. Ich plädiere ja schon länger für ein Fach Digitalkunde und finde es gut, dass Gabriel dieses Thema vorantreiben will!

– Man will weniger bevormundenden Datenschutz, sondern setzt auf Datensouveränität, damit die Verbraucher selber in der Lage sind, zu entscheiden, was mit ihren Daten passiert.

– Eine neu zu schaffende Digitalagentur soll die Digitalisierung in Deutschland bündeln und vorantreiben, aber auch Anlaufstelle für die Bürger sein.

Das ist alles gut und richtig, vor allem lange überfällig gewesen. Der Branchenverband BITKOM hat gerade Zahlen veröffentlicht, nachdem 79% der deutschen Unternehmen zur internen oder externen Kommunikation immer noch das Fax benutzen. Es gibt da noch viel zu tun und die Impulse aus der Bundesregierung haben gefehlt.

Gabriel hat dies erkannt und nun einfach eine Digitale Strategie 2025 vorgelegt, die nicht nur mit dem Klein-Klein und der Verteilung auf 4 Ministerien aufhört, sondern den Führungsanspruch durch das Wirtschaftsministerium festlegt. Gerade Verkehrsminister Dobrindt (CSU) wird darüber nicht erfreut sein, ist doch sein Ministerium für den schleppenden Breitbandausbau zuständig. Innenminister de Maiziére (CDU) hat beim Thema eGovernment ebenfalls versagt, was wir an den langen Bearbeitungszeiträumen und der Anwesenheitspflicht bei den einfachsten Vorgängen immer wieder am eigenen Leib erfahren müssen.

Allerdings fehlt in dem Papier ein sehr wichtiges Thema: was passiert eigentlich mit all den Menschen, die durch die Automatisierung der Industrie ihren Job verlieren? Während in der Schweiz, den Niederlanden und Kanada die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen in vollem Gang ist, ignoriert die deutsche Politik dieses Thema beharrlich. Dabei ist eigentlich allen klar, dass durch Startups viele neue Jobs geschaffen werden können, aber Industrie 4.0 vor allem klassische Arbeitsplätze bedrohen wird, vom Fabrikarbeiter bis zum Sachbearbeiter! Auf diese Entwicklung brauchen wir Antworten, bevor eine neue Phase der Massenarbeitslosigkeit einsetzt!

Die Digital Strategie 2025 ist ein gutes Papier, aber geduldig darf es nicht sein. Wenn wir als größte Volkswirtschaft Europas den Anschluss bei der Digitalisierung nicht völlig verpassen wollen, dann müssen diese Punkte jetzt auch zügigst umgesetzt werden!“

Während also die Digitalstrategie vor allem die organisatorischen, institutionellen und technologischen Aspekte zur Förderung der Digitaliserung betont, wird den gesellschafts- und arbeitsmarktspolitischen Technologiefolgen keinerlei Aufmerksamkeit geschenkt, also wie sich die mögliche Massenarbeitslosigkeit sozial gestalten und abfedern lässt, wobei Luma auch eine Diskussion um ein bedingungsloses Grundeinkommen für wichtig hält. Ebenso wird der Datenschutz hintenangstellt und etwaige arbeitsrechtliche Regulationen für Start-ups. Bezeichnend auch, dass Nico Luma davon spricht, dass Europa die Digitalisierung „nicht völlig verpassen“soll, d.h. also auch mit Digiatlsierungsstrategie auf absehbare Zeit hinter anderen Volkswirtschaften immer noch im Nachtreffen sein wird. Europa hat eben kein Silicon Valley und die IT-Entwicklung wurde über Jahrzehnte verschlafen. Auch gab es keine Initiative ein europäisches Google, Apple, Facebook,etc. zu entwickeln oder gar zu fördern, wie dies etwa als europäisches Projekt mit dem Airbus gegen die US-amerikanische Boeing geschah, also Industriepolitik mit staatlicher Förderung.

Mal sehen, ob die beabsichtigte Digitalisierungsagentur dies ändern kann. Jedenfalls bräuchte diese Kompetenzen aus mehren Ministerien oder muss mit diesen vernetzt werden, denn die Digitaliserung umfasst alle gesellschaftlichen Bereiche, bis hin zu dem Bildungsminsiertium und den Lehrplänen für Schulen, damit die Schüler Basiswissen der digitalen Revolution und des Programmierens  erlernen und auch lernen, was ein Algorithmus ist. Vielleicht wird dann Google-Chef Eric Smiths Buch „The New Digital Age“Standardlektüre in den Schulen. Aber auffällig bleibt, wie wenig sich Gabriel um die gesellschaftspolitischen Folgen des Einsatzes dieser neuen Technologie kümmert, ja diese bisher ignoriert.Dabei wäre dies gerade für die Sozialdemokratie und Linke ein zentrales Thema.Aber Gabriel erklärte ja, dass die SPD vor allem „Wirtschaftspartei“sein solle und scheint Fragen der sozialen Verwerfungen da hinten anzustellen, ja eher auf vermutete positive Folgen der neuen Technologie zu hoffen. Michael Spreng fragt sich angesichts des Niedergangs der SPD:

“Die Alternative wäre, wie es so schön heißt, sich neu aufzustellen: die SPD braucht ein neues Megathema (Altersarmut im Schulterschluss mit den Gewerkschaften vielleicht), eine neue Führungsfigur (Martin Schulz oder Olaf Scholz vielleicht). ”

Renten sollen ja jetzt laut CSU und nun CDU das neue Wahlkampfthema werden–da wäre die SPD auch schon wieder spät dran.Vielleicht wäre die Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft und Industrie 4.0 ein Zukunftsthema, da es sich hierbei um eine 4.industrielle Revolution handelt, die das Leben und Arbeitsleben aller Menschen völlig umkrempeln wird.Ein Wunder, dass dies kaum von den Parteien und den Medien aufgegriffen wird, obwohl geschätzt wird, dass ca. 40% der Arbeitsplätze gefährdet sind. Gabriel hat seine “Digitalisierungsstrategie 2025″vorgestellt, jedoch keiner darauf reagiert. Ebenfalls hat Gabriel die sozialen Verwerfungen der Digitalisierung gar nicht thematisiert, was ja ein klassisches Thema für Gewerkschaften und SPD wäre. Selbst die AfD hat sich inzwischen des Themas Digitalisierung ganz zaghaft angenommen, wobei sie darauf hinweist, dass man keine neue Migration brauche, da die Arbeitsplätze knapp werden und die Produktivitätssprünge durch Industrie 4.0 die Wirtschaftskraft Deutschlands so steigern können, dass dadurch auch eine Lösung der Altersvorsorge gegeben sein könnte.

Digitalisierung und Industrie 4.0 erfordern eine politische Antwort, wie man den technologischen und damit einhergehenden gesellschaftlichen Wandel aktiv zum Besseren der Bevölkerung gestalten kann. Digitaliserung ist ein Querschinttsthema, das alle anderen Bereiche von Bildungs-, Kultur- bis Migrations- ,Renten-,Finanz- ,Sozial-, Arbeitsmarktpolitik durchzieht. Man könnte das Thema in all seinen gesellschaftlichen Folgewirkungen und Facetten durchdeklinieren.Das Thema hätte auch den Vorteil die technikaffine junge Bevölkerung wieder aktiv für gesellschaftspolitische Fragen zu gewinnen weit über das Potential der jungen Startup-Gründer, der „Jugend forscht“-Erfinder, Handyappbenutzer, der Internetpartei Piraten und des Chaos Computer Clubs hinaus.Die SPD in der marxistischen Tradition müsste begreifen, dass die Revolutionierung des Unterbaus auch eine weitgehende Revolutionierung des Überbaus nach sich zieht. Sie begreift sich aber als Wirtschaftspartei ala Gabriel, die nur den technologischen Wandel fördern, nicht aber seine gesellschaftspolitischen Folgen gestalten will. Mal wieder reagiert Politik nur, anstatt aktiv zu gestalten und Ziele zu formulieren.Auch hier verpennt die SPD mal wieder ein Zukunftsthema oder will keine Panik unter der Bevölkerung schüren angesichts der kommenden 4.industriellen Revolution. Wahrscheinlich wird dies erst wieder thematisiert, wenn die negativen gesellschaftlichen Folgen von Massenarbeitslosigkeit, Einbrechen der Sozialsysteme,etc. gehäuft und intensiv auftreten. Dann wird sich aber die Bevölkerung fragen, wieso die Politik da nicht schon vorausschauend agiert und gestaltet hat und mal wieder nur reagiert.Das grenzt an aktive Unterlassung! Linkspartei–übernehmen Sie!

Auch wäre das Thema Digitalisierung und Industrie 4.0 ein Thema für marxistische Theoretiker, aber zum Thema dieser Revolutionierung der Produktivkräfte und des daher einhegehenden Wandels des Überbaus gibt es bisher fast gar nichts. Außer einem kurzen Papier der Marxistischen Gruppe zur New Economy und der Zusammenbruchstheorie der Krisisgruppe und Robert Kurzs infolge einer vermeintlichen historischen Schranke des Kapitals, dem die abstrakte Arbeit ausginge infolge der mikroelektronischen Revolution, sowie dem „Manifest gegen Arbeit“gibt es über dieses Thema keine relevante Diskussion und Forschung.Auch hier wäre es Zeit daran etwas zu ändern, wenn man den Marxismus noch als gesellschaftsrelevante Wissenschaft proklamieren will.

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Ergänzung: Die Linkspartei hat zu dem Artikel folgende Stellungsnahme verfasst:

 

Prof. Dr. Anni Seidl/11.4.16

Meinung zum Beitrag von Ralf Ostner „ Gabriels Digitalisierungsstrategie 2025 – die Digitalisierung und die Linke

Der genannte Beitrag verweist auf ein wesentliches und dringend zu debattierendes Problem der notwendig zu führenden Strategiedebatte in der Linken. Die genannte Digitalisierungsstrategie hat vor allem in jenen Bereichen unseres Landes bereits Einzug gehalten, die im Zentrum der Wirtschaftspolitik dieser Bundesregierung stehen und die seit längerem debattiert werden, aber leider kaum politisch wahrgenommen werden, aber Teil der Ängste in bestimmten Bevölkerungsteilen sind.

Worum geht es in diesem Artikel ?

  1. geht es um Fragen und Konsequenzen für unsere Partei , resultierend aus der begonnenen neuen Etappe der Produktivkraftentwicklung in Gestalt der Digitalisierung bzw. der 4. industriellen Revolution.

Wir agieren gegenwärtig noch in unserer politischen Organisationskultur,so

wie sie im 19 . Jahrhundert, d.h. in Formen des politischen Lebens

zu Beginn der Arbeiterbewegung , entstanden sind( Versammlungen mit Reden,

Demos, Kundgebungen u.ä.). M.E. Erfordert das sich verändernde Arbeitszeit-

regime, veränderte Freizeit- und Erholungsbedürfnisse, neue Lebensansprüche

das Nachdenken über eine neue politische Organisationskultur. M.E. Wird

immer wesentlicher, dass die Bürger eingebunden, mitgenommen werden

wollen in den Prozess der Veränderungen. D.h. Neue Organisationskultur

ist m.E. Vor allem das sich verändernde und wachsende Demokratieproblem.

2. Im Artikel wird zurecht darauf verwiesen, dass bisher in den Digitalisierungs-

konzepten die gesellschaftlichen und wachsenden sozialen Folgen (

Arbeitslosigkeit, Familienverträglichkeit u,v,a.,m., )ausgeklammert werden.

Muss sich dem nicht gerade eine linke , auf soziale Gerechtigkeit setzende

Partei zu wenden ? Neue Ansprüche an Gewerkschaften entstehen, wo sind

sie ? Wo sind Angebote der Linken an die Gewerkschaft , an gemeinsames

Nachdenken ?

  1. Veränderungen des Arbeits- und Lebensprozesses haben Auswirkungen auf das gesamte Denken und Handeln, auf Psyche, Mentalität usw. und das unter Bedingungen der Globalisierung, der Internationalisierung. Wo stellen wir die damit verbundenen Fragen , wie bereiten wir die Menschen darauf vor, bzw. wer bereitet sie darauf vor? Überlassen wir das „Menschenfängerparteien „?

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Ein Bekannter schrieb:

 

Zum Digitalisierungsartikel: Keine Ahnung, ob die Stellungnahme von
„Anni Seidl“ eine Linkspartei ist und ob das in Deinem Sinn ist. Dass
die Arbeit im Internetmarketing, Webdesign und dem ganzen IT-Umfeld
verblödet kann ich anekdotisch bestätigen. Vielleicht sollte man das mal
genauer erforschen, warum auch nicht. Wachsende Zweifel kommen mir
allerdings an der ökonomischen Bedeutung dieses Industrie 4.0 hypes. Für
einen Kommunisten ist ein technischer Fortschritt eine gute Sache, aber
die Konsumgüterindustrie macht ja seit lager Zeit nur mehr einen kleinen
Teil der Ökonomie aus. Und die Arbeitsplätze sind seit jeher disponabel.

 

Mein Kommentar:

 

Dass Arbeitsplätze schon immer disponabel waren, ist ja so eine Nichtsaussage, dass man damit solche Veränderungen wie eine 4.industrielle Revolution einfach als nichtig und halt schon immer so gewesen und nicht weiter wichtig erklärt.Klingt irgednwie: Alles wie gehabt, es ändert sich nichts, alles beim Alten. Marx hätte sich im Grab umgedreht.Auch habe ich in keiner Zeile geschrieben, dass ich das Utopia unter kapitalistichen Bedingungen erhoffen würde.Und:

 

Ob das nur ein Hype ist oder eben nicht eine 4. industrielle Revolution, wie dazumal die Dampfmaschine, ist noch nicht so klar. Jedenfalls hat die Digitalsierung jetzt schon erste zaghafte Auswirkungen, sei es die brenneden Uberautos, die die Taxikafhrer von Brasilien bis Indien bis Frankreich anstecken (nur die deutschen Taxifahrer warten da wie bei Lenin wieder auf die Lösung der Bahnsteigkarte oder vielleicht kann man dies auch als Resistenz egen Maschinenstürmerei und progressiv sehen–unklar…),die jetzige Diskussion um Altersarmut und die Errettung durch die Digitalsierung oder die neue Diskussion um die Flexibiliserung der Arbeitszeiten. Also „Hype“ist es ja gerade nicht, zumal eben in den Medein und seitens der Parteien solche Sachen wie Gabriels Digiatlsierungsstrategie und der Forschungsgipfel zur Digitalkserung außer von Phönix TV überhaupt nicht thematisert werden. Man hat eher den Eindruck, dass sich zu dem Thema samt gesellschaftlicher Folgen beharrlich ausgeschwiegen wird. Hype ist dies nur innerhalb von Wiutrschaftskreisen, die sich auf einschneidende Veränderunge einstellen und sich da viel erhoffen, aber eben auch befürchten. ASber seitens der Linken, wie auch der Gesamtgesellschaft und der Medien kann ich keinerlei „Hype“ausmachen. Nicht mal auf ARTE kam bisher etwas dazu.Und wie gesagt: Seitens linker Theoretiker ist das auch nicht thematisert. Es war zentral bei Robert Kurz und der Krisisgruppe mit ihrer Zusammenbruchstheorie und wuurde von Karl Held damals als „Business as usual“ abgetan. Ich glaube eher, dass beide Positionen falsch sind, die Wahrheit eher in der Mitte liegt. Aber bisher beschäftigt sich die Linke ja gar nicht damit–bis auf ein paar Randnotizen hat sie dazu nichts gebracht und du selbst siehst das ja auch mehr als „Business as usualk“ala Karl Held und siehst da nur „Hypes“. .

Dazu sind die ganzen bisherigen marxistischen Theoretiker vor allem nur Ökonomisten. Sie betrachten alles unter der Perspektive variables Kapital, konstantes Kapital, orgnaische Zusammensetzung des Kapitals, veilleicht noch Profitrate–das war´s dann aber. Aber die Entwicklung der Produktivkräfte darüber hianus mit all ihren technologischen und gesellschaftlichen Folgen wird gar nicht thematisert, auch nicht die Ideologiebildung, die daraus entsteht (dazu hatte ich ja mal den Futurismus, den Superheldencomicartikel und weiteres geschrieben–oder eben Stichwort: Kalifornische Ideologie. Wie gesat: Als David Precht Sarah Wagenknecht mit der Tatsache konfrontierte, dass die Linke außer Verteilungsfragen keine eigenen Visionen hat, die aber das Silicon Valley von dem Tarnshumanismus/Posthumanismus bis zum Futurismus fast täglich als Heilsversprechungen aussendet, kam gar nichts.Und schau dir auch mal den Heinrichs an: Da kommt zwar Kilmawandel, Umweltverschmutzung,etc., aber eben auch nichts zur Digitaliserung und Industrie 4.0. Also ich weiss nicht, woher du dir deinen „hype“herbeihallunizierst.

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Mein Bekannter meinte darauf:

 

Hi Ralf,

ich habs mal getestet: Eine google-Suche nach „Industrie 4.0“ liefert
2,16 Mio Treffer. Ganz oben stehen – neben der unvermeidlichen Wikipedia
– die Seiten des Wirtschafts- und des Bildungs-/Forschungsministeriums,
dann kommt eine Seite eines Projekts dieser beiden Ministerien
(http://www.plattform-i40.de): hier gehts es um die Chancen für die
deutsche Industrie. Gefolgt von GTAI (einer Marketingfirma),
DIN (wir brauchen neue Standards!) und Siemens (recht nüchtern: bieten
ihre Techologien zur Ressourcenoptimierung und Integration an). Dann Die
Zeit mit typischem, ironisch-distanzierten Feuilleton
(http://www.zeit.de/zeit-wissen/2016/01/industrie-4-0-kuenstliche-intelligenz-maschinen)
und der Spiegel versucht sich sachlich an der Problematik
(http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/hannover-messe-industrie-4-0-und-internet-der-dinge-a-1027553.html).

Konkret habe ich nur erfahren, dass 4.0-Roboter menschliche Kollegen
nicht mehr so einfach in Stücke schneiden.

Klar ist Industrie 4.0 kein iPhone, aber der Begriff wird von der
Politik und den führenden IT-Firmen durchaus gehypt und die sachliche
Substanz dahinter ist mehr als dürftig.

Das heißt natürlich NICHT, dass die technologische Entwicklug nicht
untersucht werden sollte. Ich hab Dir dazu vor ziemlich genau einem Jahr
einiges geschrieben. Zur Ergänzung:

1. Die industrielle Reservearmee gehört nicht nur seit Anfang an zum
Kapitalismus, sie ist auch äußerst nützlich. Das gibt man nicht gerne
zu, aber die vierte industrielle Revolution ist eine gute
Rechtfertigung: weil wer dann rausfällt, eben die nötigen Fähigkeiten
vermissen lässt. Die Opfer haben dann (neoliberal) eben Pech gehabt oder
werden (sozialdemokratisch) zum Fürsorgeobjekt.
2. Die Tatsache, dass es für die Produktion immer weniger Menschen
bedarf, erzeugt im Kapitalismus einen Widerspruch: eventuell einen
ökonomischen, wie Krisis meint (halte ich auch für fragwürdig, sollte
aber diskutiert werden), oder einen sozialen (wenn der technische
Fortschritt zur Verelendung führt – was freilich schon seit den
Webstühlen der Fall war).
3. Schon heute gibt es einen riesigen IT-Sektor: da wird erstens
(aufgrund des Erzeihungssystems) keine revolutionäre Änderung mehr
eintreten; zweitens ist dieser Sektor zwar wunderbar in die
Wertschöpfungskette integriert, hat aber ebenso offensichtlich mit
sinnvoller Gebrauchswertsproduktions nichts zu tun (der Gebrauchswert
ist zwar auch „kapitalistisch“ und keine überhistorische Nützlichkeit:
aber SEO, Internet-Marketing, „Produktion“ von Web-„Content“ hält
niemand für ernsthaft nützlich).
4. Technologie wird „nationalisiert“. Technologischer Fortschritt wird
tendentiell schädlich, wenn er nicht im eigenen Land stattfindet.

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M;eine Antwort:

Eben, wenn du in Google Industrie 4.0 eingibst, wirst du viele Ergebnisse finden. Aber warum nicht soviele Treffer in den Medien, bei den Parteien,noch wäre dies ein ernstzunehmendes Thema der öffentlichen Wahrnehmung. Das ist bisher eine reine Insideridiskussion, die die Linke bisher auch nicht mal selbstaktiv aufgegriffen hat.Und wie du sgats: Im Internet gibt es da auch bur vage Definitionen und Versionen davon, so dass nicht einmal dir klar wird, was das eigentlich sein soll. Da empfehle ich dir eben das Buch von Eric Smith „The New Digital Age“, das aber auch nur Teilsapsekte abbildet und zumal auch viele futuritische Spießerphantasien.Dass eine industrielle Reservearmee nützlich ist,keine Frage. Aber du tust so, als würde die planvoll gezüchet und hergeführt seitens des Kapiatls und als wäre dies nicht eher eine marktsponatne Entwicklung, die keine Umfangsbegrenzungen kennt. Auch fehlt bei dir die Frage der Demographie („Deutschland stirbt aus“) und die Migration („Fachkräftemangel“) und alle damit verbundenen Fragen. Allein schon an diesem einfachen Beispiel siehst du die Unzulänglichkeit linker Theoriebildung, wie auch die gesamte Frage der Ideologiebildung durch die neuen Technologien.Du solltest mal „Big Bang Theory“ansehen, um dir da ein popkulturelles Produkt der kalifornischen Ideologie reinzuziehen, die Altlinke ohenhin nicht mehr imstande sind nachzuvollziehen.Über die Nützlichkeit des Ganzen kann man zudem auch trefflich diskutieren–wäre eben mal Zeit, dass man das als konkrete gesellschaftliche Febatte organisiert.Wäre auch eine Auifgabe der Linken.

 

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Mal sehen, wie sich die Debatte innerhalb der Linken um Digitalsierung und Industrie 4.0 noch weiter entwickelt. Jedenfalls hat das chinesische Staatsfernsehen inzwischen Interesse daran gefunden und mich einen Artikel dazu veröffentlichen lassen auf der Webseite von CCTV

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China-Germany enter Digitalization 4.0 era

Editor: 李琨 丨CCTV.com

04-08-2016 17:07 BJT

By Ralf Ostner, English and Chinese translator based in Munich, Germany

There hasn’t been much talk on the coming digitalization of the economy, society, known as the 4th industrial revolution. Beijing´s new Five-Year Plan hopes to transform China’s export-orientated, low tech economy into a high-tech industry driven by the domestic market.

The Chinese government recognizes that digitalization and industry 4.0 are a technological revolution, which would increase productivity and output, allowing China to catch up with developments of these new industries.

Chinese President Xi Jinping had visited the Silicon Valley, Ca., USA and Chinese Vice Premier Ma Kai and Alibaba founder Jack Ma both took a trip to the leading electronics and IT-fair worldwide, CEBIT in Hannover, Germany (CEBIT touted digitalization and industry 4.0), as well as signing a technology cooperation agreement between China and Germany that are clear signals Beijing seeks to gain access to new technologies.

While Silicon Valley and Bangalore, India remain the leading centers of software production and IT technology, Europe has succumbed to a slowdown in IT development.

There is no Silicon Valley in Europe. The lack of innovation, venture capital and cooperation between universities and start ups, the missing military industrial complex in Europe are the main reasons why the continent’s IT economy is still underdeveloped.

While Europeans are good at building cars, ships and aircraft, engineering, chemical and electronics industry; strong IT technology is missing.

Europe had slept through the microelectronic revolution since the 1980s and didn´t create its Microsoft, Apple, Ebay, Google, Facebook, Amazon or giant IT companies as China did with Alibaba, Baidu, Tecent (QQ & WeChat),etc.

Google is thinking about building its own cars and German carmakers could face new competitors in traditional markets. There are many mid-sized IT companies in Germany, so called champions with German SAP as the biggest, but nothing comparable to huge American IT companies.

Many German companies are specialized in industry 4.0 and in its applications in the manufacturing sector; and China hopes to obtain German industry 4.0 knowledge.

Berlin wants to change the situation. German Minister for Economic Affairs Gabriel has published a “Digitalization strategy 2025″ with the following goals: Germany wants to build a gigabyte glasfibrenet by 2025. Startups can receive tax breaks, face fewer regulations, enjoy state subsidies, and incentives to set up start ups.

There should be a united European digital market with similar standards and European cooperation. A digitalization agency will be set up, which integrates different responsibilities of other ministries and would be under the command of the Ministry for Economic Affairs.

The school system will implement courses for basic knowledge in digitalization, computer programming so every pupil can learn algorithms before finishing school.

In Europe, Germany and Great Britain are the leading countries for startups at the moment and they want to create an innovative start-up culture, comparable to the USA.

What digitalization will mean for a future society is described by Google-CEO Eric Smith´s book, “The New Digital Age”, digitalization will influence the whole economy, transform the daily lives of billions of people, cause a new industrial revolution, and alter relations between nation states and its citizens.

Yet, Smith´s book only highlights some aspects of our future without defining its whole development. Chinese discussions about internet sovereignty would play a crucial role in state-to-state relations.

A big issue for all countries transitioning to industry 4.0 and digitalization will be how they manage massive unemployment. Although startup companies create many new jobs, other jobs will be lost in the manufacturing industry.

Some commentators in the USA and Europe have introduced the model of an unconditional basic income to resolve the problem.

Nevertheless, most countries do not have concepts on how to deal with the labor market impact of the digitalization and industry 4.0. Accordingly, Western and Asian states should learn from each other to solve problems together.

http://english.cctv.com/2016/04/08/ARTIiCriV1yTkapXRslAUiDZ160408.shtml

 

 

 

 

 

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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