Die Propagandastruktur der Erdotürken in Deutschland–ein Fallbeispiel

von Ralf Ostner

Am Tisch in unserem Cafe haben wir einen Erdogantürken. Dachte man bisher, dass der ganz gut integriert sei–er spricht fließend deutsch, ja auch bayerisch, ist ein erfolgreicher Kleinunternehmer, in Deutschland geboren und aufgewachsen, zumal in einer Kleinstadt und nicht in einer anonymen, ghettoisierenden Großstadt, hatte viele deutsche Freunde- so wird man eines besseren belehrt. Zum einen schaut er ausschließlich türkisches Staatsfernsehen mit Erdoganpropaganda, liest türkische und deutsche Verschwörungseiten im Internet. Regelmäßig trifft er sich mit anderen Erdogantürken in einem Türkencafe im Nachbarort, wo auch eine DITIB-Moschee existiert und kommt nach dortigen politischen Diskussionen und einigem Glücksspiel dann immer aufgedreht und gut instruiert zu unserem Tisch und reisst das Gespräch und die Diskussionen an sich, betreibt derart dreist Erdoganpropaganda, dass einige früher gehen, nicht mehr kommen oder sich heftig mit ihm zerstreiten.

Jedoch kann man bei diesen Gesprächen die Struktur der Erdoganpropaganda und seiner islamofaschistischen AKP, alternativ: der faschistischen MHP und Grauen Wölfe, die im Sinne einer Großtürkei und einer Dikatur zusammenarbeiten ganz gut am Fallbeispiel kennenlernen:

Zum einen redet er über soziale Gerechtigkeit wie ein Kommunist, wobei auch nicht ganz, denn er ist auch der Ansicht, dass man die Arbeitslosenunterstützung abschaffen sollte und dafür die Rentner, die ein Leben lang gearbeitet hatten besser finanziell ausstatten solle. Grundsätzlich argumentiert er aber immer so, dass die Deutschen zu blöd sind, weil sie zu niedrigen Löhnen arbeiten, sich ausbeuten lassen, dass es eben Altersarmut gibt und die Leute sich kein Haus leisten können, sondern bei exorbitanten Mieten oder den wenigen Sozialwohnungen wohnen müssen.Seine Kapitalismuskritik ist aber völkisch, da er in produktives und spekulatives Kapital trennt und die Banken die Juden sind und daher raffendes Kapital, das beseitigt werden müsse.Zumal ja der Zins auch eine jüdische Erfindung sei.

Zweites Element ist Geschichtsrevisionismus. Hier knüft er an einen westlichen Schuldkomplex an, Kolonialismus, Rassismus (gegenüber Ausländern, eigentlich nur Türken–Mölln, Solingen, NSU) Nationalsozialismus, die Deutschen haben im Auftrag der Engländer das Osmanische Reich zerstört und sind für die katastrophalen Zustände im Nahen Osten schuld, da sie Kriege förderten und Waffen in dieses Gebiet exportierten. Dazu gehe es den Deutschen wie dem Westen nur ums Öl, weswegen sie die Türkei vernichten und ein ölreiches Kurdistan schaffen wollen nund die PKK unterstützen–angeblich gebe es auch riesige Erdölvorkommen in der Türkei , Syrien und Irak, derer sich die Deutschen bemächtigen wollen.

Drittes Element ist Sexismus und Homophobie. Dass Deutschland von einer Frau regiert wird, empfindet er als Schwäche des deutschen Mannes, wie der Männer überhaupt. Er zeigt einem dann auch immer Smartphonebilder, bei der Merkel nackt, dick und faltig mit Putin auf einem Pferd reitet und dabei hinten von diesem genommen wird.Dass die Bundeswehr schwul ist, davon ist er auch überzeugt und lästert ständig gegen Homosexualität, wie er auch die Tatsache, dass eine Frau Herr über die deutsche Truppe ist als eindeutiges Zeichen wertet, dass die deutschen Männer Weicheier und verschwult wären.

Viertes und fünftes Element ist Illiberalismus und Antisemitismus. Er preist den starken Mann, den Autoritarismus, da Deutschland als schwache Demokratie, die nur den Reichen der EU, den Banken  und den Juden/ Rothschilds diene, zumal Geld die Welt reguiere, die Juden das Geld und somit die Welt und es bei Politzik nur ums Geschäft ginge.Auch brauche es die Todesstrafe für Kinderschänder, Mörder und Terroristen und Erdogan zeige, wie man das machen wird.

Sechstes Element sind die moralischen Doppelstandards.  Wenn Erdogan unterdrückt, ist das gut, weil er somit verhindert, dass die Türkei ein neues Syrien oder ein neuer Irak werde und den Bürgerkriieg verhindere. Wenn Deutschland Erdogan auf seine Diktatur hinweist und ihn daran hindert in Deutschland seine Hetzte zu verbreiten, dann ist das Diktatur,Nazideutschland und Heuchelei, wenn man den Islam und den Islamismus kritisiert, dann kommen die Kreuzzüge und Vorwürfe der „islamophobie“.Wenn Deutschland oder der Westen im Nahen Osten sich einmischt, so tut er dies wegen wirtschaftlicher Interessen, wenn die Türkei dies tut, so tut sie dies abwechselnd einmal nicht, wenn, dann aus humanitären und altruistischen Gründen und andernfalls eben wegen legitimer eigener Wirtschaftsinteressen, die doch eh alle haben und wenn es eine US-amerikanische Supermacht gebe, warum sollte es dann keine Großtürkei/neoosmanisches Reich geben?.Da ist er flexibel, je nachdem auf welche Argumentation des Gegenübers er stösst.

Dennoch ist unser „Erdogantürke“kein AKPler, sondern wahrscheinlich ein Grauer Wolf von der MHP, da er sehr verächtlich über Religion spricht und diese als Verdummungsinstrument der Besitzenden gegen das Volk sieht, dem nur ungebildete, arme und alte, zumal kranke Menschen folgen und sich verarschen lassen würden.So würde kein islamofaschistischer AKPler über Religion oder gar den Islam reden, sondern nur ein MHPler. Daher sollte man vorsichtig sein, wenn man von „den Erdogantürken“spricht. Faktisch handelt es sich um eine Symbiose aus Erdogans islamofaschistischer AKP, der faschistischen MHP, also Grauen Wölfen und enttäuschten nationalistischen Kemalisten, die vor allem durch ihren Nationalismus und ihren Kurdenhass in dieses Bündnis getrieben werden. Im wesentlichen ist es aber eine Symbiose zwischen AKP und MHP, wobei sich die AKP auch gegen die MHP eines Tages richten wird, wenn sie sie nicht mehr braucht und genug Macht hat, wie Erdogan jetzt die Gülenbewegung, die einst sein islamofaschistischer Bündnispartner war, verfolgt. Daher ist es wichtig sich bei aller Symbiose einmal die ideologischen Trennlinien der AKP zur MHP und den Grauen Wölfen bewusst zu machen.

Die MHP ist eine faschistische Partei, die ideologisch im Gründungsmythos des Ergenekontals ansetzt, das die Keimzelle eines homogenen, biologistisch-rassisch reinen Turkvolks gewesen und von einem Grauen Wolf als Torwächter geschützt worden sei. Als dieser wegfiel, sei das Turkvolk über die Welt ausgeschwärmt und hätte ein türkisches Reich aller Turkvölker von der Türkei über den Kaukasus und Zentralasien bis hin zu Ostturkestan in China begründet.Selbst die Mongolen und Dschingiskhan werden von einigen MHPlern als eigentliches Turkvolk gesehen, das welthistorisch ein Imperium und Großreich begründet habe. Die MHP war zwar in der Attatürktürkei immer der Verbündete des kemalistischen Militärs gegen Demokratie und Kommunismus, aber sah die kleintürkische Lösung der säkularen Attatürktürkei nie als befriedigende Lösung, da sie die Macht der Türkei begrenze und diese als neues Turkreich wiederauferstehen  sollte. Der Islam wurde da zwar auch als verbindendes Element der Turkvölker gesehen, aber eben nicht als entscheidend konstituierendes Moment, mehr als Tradition und Volksbrauchtum denn als eigentlich begründende Ideologie.Dieser Panturkismus erlebte ja auch unter dem säkular-konservativen  Ministerpräsidenten Özal eine kurze Renaissance, die dann aber auf wenig Resonanz im Kaukasus und Zentralasien stieß und wieder aufgegeben wurde.

Anders Erdogans AKP. Hier spielt der Islam die wesentliche Rolle bis zur Negierung der Evolutionslehre an den Schulen, Kopftüchern, Geschlechtertrennung oder als konstituierendes Element eines neoosmanischen Reiches, das sich in Verbindung mit anderen Muslimbrüdern des Greater Middle East von der arabischen Halbinsel über Nordafrika und muslimischer Völker im Kaukasus und Zentralasien bis hin nach Xinjiang in China eine Ummah bilden soll unter seiner Herrschaft.

MHP und AKP sind sich zwar in ihren expansionistischen Reichsträumen einer Türkei, die zur Weltmacht aufsteigen soll wie auch ihrer Ablehnung jeglicher Demokratie als westlich-dekadentem Modell einig ,aber in der ideologischen Begründung nicht: Während die MHP eher rassisch-völkisch denkt, so die AKP eher islamisch. Solange es noch die HDP, die CHP und alle demokratisch-säkularen Kräfte in der Türkei sowie die prowestlichen Kemalisten in Militär und Geheimdienst zu beseitigen gibt, werden AKP und MHP weiter zusammenarbeiten und beide uns als „Erdogantürken“ in ziemlicher Eintracht entgegentreten. Hat Erdogan aber eine gewisse Machtfülle erreicht, wird er sich auch der völkisch-rassisch-nationalistischen MHP entledigen wie er dies auch schon mit der Gülenbewegung tat.

In der letzten Zeit hält  sich unser „Erdogantürke“ mit Vorwürfen an Deutschland eher zurück und sucht die Gemeinsamkeiten in einer Männerstammtischrunde wie eben Sexismus, Homophobie, soziale Gerechtigkeit.Erschreckend, dass da einige dann auch noch darauf anspringen. Jedenfalls dosiert er seine Propaganda recht geschickt zwischen diesen Elementen je nach politischer Tageslage. Mut hat er, denn bisher sitzt er allein unter Deutschen an unserem Stammtisch und keiner hat ihn bisher aufgefordert abzuhauen–da ist man scheinbar ist zum Erbrechen tolerant und meinungspluralistisch oder es fehlt eben einfach der Mut der deutschen Weicheier, da mal ein Machtwort gegenüber dieser islmaofaschistischen Propaganda zu sprechen und diese zu unterbinden, was man sonst bei jedem anderen Rechtsextremen tun würde. Vielleicht fürchten aber auch einige den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit, des Rassismus und der Islamophobie.

 

 



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