Chemiegasattentat in Salisbury–weitgehend symbolische Reaktionen

von Ralf Ostner

Es gibt inzwischen in der Chemiegasaffäre klare Reaktionen. GB, die Trump-USA sowie über 69 Staaten haben sich mit Großbritannien solidarisch erklärt und die Ausweisung russischer Diplomaten  beschlossen. GB und die Trump-USA gehen noch weiter und erklären russische Spionagenetzwerke in ihren Staaten vernichten zu wollen.Russland wiederum erklärt daraufhin Diplomaten der es sanktionierenden Länder ebenso ausweisen zu wollen.

Trotz aller gegenseitigen Reaktionen bleibt dies doch mehr ein symbolischer Streit. Auf westlicher Seite haben sich mehrere Todesfälle in der russischen Exilgemeinde in London und russische Provokationen, sei es nun riskante Flugmanöver der russischen Luftwaffe gegenüber NATO- Flugzeugen, maritimen Störmanövern, Hacker- und Cyberangriffen, Unterstützung rechtspopulisticher Parteien bis hin zum Front National. Putins Rede zur Lage der Nation zu einer kritischen Masse angereichert, die nun in der Skripalkrise ihren vorläufigen Höhepunkt findet. Die Feindschaft zwischen beiden Lagern ist klar.

Ob Putin hinter den Giftmorden steht, keinesfalls so. Denn erst erklärte GB, dass es sich bei dem Gift um Anthrax, dann Sarin und dann erst um Nowitschok handele. Zuerst erklärte GB, dass die Vergifteten das Gift bei ihrem Rußlandbesuch untergejubelt bekommen hätten, nun heißt es, dass das Gift mittels eines Schmiermittels am Haus der Geschädigten angebracht wurde. Reichlich unsichere und sich ändernde Versionen.Zumal nun auch nicht nur Putin mit Glanzergebnissen bei der Präsidentschaftswahl gewählt wurde, sondern Theresa May nun im Unfragen ebenso ganz nach oben katapultiert wurde durch die Giftgasaffäre.

Umgekehrt weist GBs Außenminister Boris Johnson darauf hin, dass Rußland zuerst erklärte, dass es seine Nowitschokproduktion eingestellt hätte, dann doch zugab, dass es über Produktionsstätten verfüge, dann zuletzt sich darauf flüchtete, dass es Nowitschokproduktionen auch in den USA, Tschechien, Schweden und Slowenien gebe. Interessant dabei, dass es genug Chemiewaffenexperten der Sowjetuinion gab, die nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in so nahezu allen westlichen Staaten unterkamen, auch in der britischen Chemiewaffenfirma Porton Down, das gerademal 10 Kilometer vom Tatort Salisbury liegt.

Man sollte also angesichts dieser undurchsichtigen Datenlage eine Untersuchung durch eine unabhängige Kommission fordern und die Ergebnisse abwarten. Gleichzeitig ist der Diplomatenkrieg ja mehr eine symbolische Aktion, da GB Putinfreundliche Oligarchen , die der City of London und dem britischen Finanzstandort Gelder bringen, nicht sanktioniert, wie auch keine Sanktionen im Gas- und Ölbereich gefordert werden, da beide Seiten wissen, dass es dann desaströs würde, Auch Forderungen Putinfreunde wie Gazprom-Schröder zu sanktionieren, werden etwa seitens EU-Kommisars Öttinger zurückgewiesen, da dies den Öl- und Gassektor betreffen würde, der in dem Neuen Kalten Krieg weiterhin ein Tabu ist.



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