Der Echo, Kollegah und die antisemitische „Apokalypse“–was macht eigentlich der Antisemitismusbeauftragte?

von Ralf Ostner

Die Rapper Farid Bang und Kollegah wurden aufgrund ihrer Verkaufszahlen, die die breite Begeisterung der Jugendkultur für ihre Musik widerspiegeln mit dem Echo ausgezeichnet. Als dann den scheinbar wenig interessierten und informierten Echopreisverleihern und anderen damit ausgezeichneten Musikern ihre Liedzeilen wie „Mein Körper ist definierter als Auschwitzinsassen“, „Mach nochmal den Holocaust“ vorgespielt wurden, entwicklete sich eine gewisse Empröung seitens alter Musiker wie Campino, Marius Müller-Westerhagen, Jeanette Biedermann, während andere wie Helene Fischer dazu schwiegen und die Echo-Redaktion sich zuerst auf die Freiheit der Kultur und Meinung berief und dies als kreatives Meisterwerk lobte, das man der Lust an jugendlicher Provokation zuschreiben müsse.Inzwischen wird die Verurteilung einhelliger und brachte auch das ARD eine Sondersendung „Die dunklen Seiten des Raps“, wo auch solche Videos von Kollegah wie „Apokalypse“näher untersucht wurden.

Worum geht es etwa beim Video“Apokalypse“von Kollegah? Die Weltgeschichte verschwörungstheoretisch als jahrtausendlanges Werk des Werkens von satanischen Geheimbünden, die Menschenopferrituale schwarzer Magie begehen , die mittels schwarzer Bücher mit Dämonenkraft bewirkt wird und die daher in einer Bücherverbrennung verbrannt werden müssen, zuletzt dann  mit einer Endschlacht am Tempelberg und um Palästina, bei der alle Juden ausgerottet werden und ein neues Zeitalter beginnt, in dem es nur noch blühende Täler gibt, ein geradezu grünes Paradiesutopia und eine bessere Welt, wie sie auch in den dschihhadistsichen Nashid-Videos von Gotteskriegern oder Jusuf Islam, ehemals Cat Stevens verherrlicht wurden.Zumal verkündet wird, dass nun nach der Ausrottung der dämonischen Kräfte sich Islam, Buddhismus und Christentum versöhnen könnten–bewusst wird das Judentum ausgenommen und als die eigentlich dämonische Kraft dargestellt, die alles Böse auf der Erde verursachte.Dann aber nach der Wiederherstellung des Paradieses kommt eine Krähe geflogen und schmeisst wieder eines jener dämonischen schwarzen Bücher ab und das blühende Tal droht wieder zu ergrauen und zu den apokalytoischen Zuständen zurückzukehren.Der Endkampf ist nie vorbei und muss allerortens geführt werden mit allen Mitteln durch Checker und Durchblicker, die durch dieses Video aufgeklärt wurden:

 

Das interesante und beängstigende ist, dass dieses Weltbild von Kollegah (Illuminaten, Juden, NWO,etc.) von sehr breiten Kreisen geteilt wird, nicht nur bei Jugendlichen. Kollegha hat da also seine Kollegen überall, nicht nur in der jugendlichen Rapszene Und man sieht wie geradezu unmöglich es ist sie mittels rationaler Argumente davon abzubringen.Das macht alle politische Bildung und Artikelschreiben nicht wett, da sie zumeist eh nur noch auf Facebook, Twitter und Youtube unterwegs sind und es dort keine richtige aufklärerische mediale Gegenmacht gibt.Der Versuch einiger linker Gegenaufklärer wie etwa von Floh Kirner, mal ein Aufklärungsvideo gegen die Verschwörungstheorien über die Fed und die Rothschilds zu machen, bleibt da eher die löbliche Ausnahme von der Regel.

Und selbst das dringt nicht mehr durch, wenn schon von Echokammern gesprochen wird.Zumal eben ein Gegenstandpunkt und ähnliche Analysen des Weltgeschehens von Jugendlichen schon gar nicht mehr gelesen werden, sie sich nur noch über soziale Medien und Youtube-Clips informieren, kurz, prägnant, mit eingängiger Storyline, mythisch beladen, ästhetsich gemacht.Die Analyse von Staat und Kapital wird ersetzt durch vielerlei Geheimbünde und letztendlich die Juden, die alles kontrollieren und jahrtausende schon die Weltgeschichte bestimmen.Bezeichnend auch, dass dies zum Shoatag geschah und nun 70 Jahre Israel gefeiert werden und es nun einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung gibt. Formelle Sachen, die scheinbar nicht viel nützen.So schrieb etwa Michael Spreng auf seinem Blog:

„Es gibt offenbar keine Widerwärtigkeit mehr, die den Opfern des Holocaust und ihren Nachkommen erspart bleibt. Die Verhöhnung ihrer Leiden wird zum künstlerischen Marketing-Gag, zur gezielten Provokation, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Nach dem Skandal um den antisemitischen Text der Rapper Farid Bang und Kollegah und ihre Auszeichnung mit dem „Echo“ nimmt jetzt der Kabarettist Sedar Somuncu am Überbietungswettbewerb antisemitischer Geschmacklosigkeiten teil. Er ist Regisseur einer Aufführung des Theaterstückes „Mein Kampf“ von George Tabori in Konstanz.

Die Premiere soll am höchsten Feiertag aller Nazis stattfinden, am 20. April, dem Geburtstag Adolf Hitlers. Besucher die eine Hakenkreuzbinde tragen, dürfen kostenlos zur Premiere, den zahlenden Gäste wird ein Davidstern empfohlen. Eine Idee des Theater-Intendanten Christoph Nix.

Wie gestört muss der Geist eines Menschen sein, um überhaupt auf eine solche abstoßende Idee zu kommen? Welcher Zeitgeist weht, wenn Künstler glauben, mit solchen Provokationen gesellschaftlich noch akzeptiert zu werden? Wird der Bruch des wichtigsten deutschen Tabus zum Rapper-Spaß, zum Theater-Jux?

Die Rapper, der Theater-Intendant und Somuncu sind wahrscheinlich keine bewussten Antisemiten, aber sie tragen dazu bei, das eine neue Stufe der Verrohung erreicht worden ist, wie Marius Müller-Westernhagen sagt. Sie wird geduldet oder sogar ausgezeichnet von einem Teil der Öffentlichkeit, der jede Sensibilität und jedes Geschichtsbewusstsein abhanden gekommen ist.

Es wird für Juden ohnehin immer gefährlicher, in Deutschland zu leben. Jüdische Kinder werden in der Schule gemobbt, Kippa-Träger in der Öffentlichkeit bespuckt und angegriffen. Juden trauen sich nicht mehr, ihre David-Sterne öffentlich zu tragen.

Eine unheilvolle Allianz aus deutschen Rechtsradikalen („Schluss mit dem Schuldkult“) und muslimischen Juden-Hassern bedroht den gesellschaftlichen Konsens, der Jahrzehnte lang in Deutschland galt: nie wieder Antisemitismus. Hoffentlich reicht der Rest-Konsens wenigstens noch so weit, dass die Konstanzer Premiere in dieser Form nicht stattfindet.

Aber selbst dann, wenn dies passiert: der Schaden ist nicht mehr zu reparieren. Judenhass, Geschmack- und Gedankenlosigkeit sind ein gefährliches Bündnis eingegangen, das Deutschland zum Schlechteren verändert.“

Helene Fischer hat jetzt erstmals Position bezogen. Das wird den Elsässer und die AfD ärgern, da sie sich nicht nur gegen Antisemitismus ausprach, sondern auch gegen menschenfeindliche Propaganda und betonte, dass sie alle Menschen, egal welcher Herkunft und sexuellen Orientierung gleich möge und dieselben Rechte für sie fordere. Da musste zwar Druck gemacht werden, aber er hat gewirkt.Dennoch verweist Anabel Schunke auf der Achse des Guten richtigerweise, dass die Appelle von Campino, der Entrüsteten und Helene Fischer bei den Kollegahhörenden Jugendlichen gar keine Wirkung entfalten würden, man sich also andere Mittel überlegen müsse, wie man diese Idioten isoliert und bekämpft:

Kollegah kommt gleich!

Es hat mich stets beruhigt, zu wissen, dass gemeinhin ein Unterschied zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung existiert. Dass es die Political Correctness und die damit einhergehende Angst vor sozialen Sanktionen sind, die den multikulturellen Traum oberflächlich aufrechterhalten und weniger die tatsächliche Überzeugung vieler Menschen.

Es ist beruhigend zu wissen, dass sich der gemeine Bürger abseits der akademischen Blase und linksgerichteten Parteien einen feuchten Kehricht um gendergerechte Sprache und Toiletten schert. Dass der Islam für manch einen Journalisten und Politiker zu Deutschland gehört, ganz sicher aber nicht zur Lebenswelt eines Großteils der Bürger. Kurzum: Dass die Bevölkerung normaler tickt als der alltägliche Wahnsinn, der sich in Politik und Medien offenbart, suggeriert.

Was beruhigt, kann jedoch genauso gut frustrieren, wenn das Pendel einmal in die andere Richtung ausschlägt. Die Debatte um die Echo-Auszeichnung für Farid Bang und Kollegah mag in den Medien noch nicht gänzlich verstummt sein, bei der betreffenden Zielgruppe ist sie nie angekommen. Während wir Medienschaffenden noch die Grenzen der künstlerischen Freiheit abstecken, bewirbt mein Lieblings-Onlineshop schon seit Tagen Kollegahs neue Klamottenkollektion, die bei den Fans einschlägt, wie Bananen in der DDR.
Das Problem sind die Fans

Und so zeigt sich einmal mehr, dass sich das Problem weder an Ausschlüssen oder Nicht-Ausschlüssen von Veranstaltungen, noch an den „Künstlern“ selbst manifestiert, sondern an den Fans, die ihre Musik, ihre Klamotten und Konzertkarten kaufen. Der Erfolg eines Künstlers am Markt bemisst sich eben nicht nach einer vorgegebenen Moral oder Kriterien des „guten Geschmacks“, sondern nach der Nachfrage. Nichts könnte das besser verdeutlichen als ein Musikpreis, der vorrangig nach Verkaufszahlen vergeben wird.

Sicherlich hätte man sich in einer Republik, in der sonst bei jeder Gelegenheit von Medienschaffenden, Prominenten und Politikern „Haltung gezeigt“ und „Zeichen gesetzt“ werden, schon vor der Echo-Verleihung so etwas wie einen „Aufstand der Anständigen“ gewünscht, der sich sonst bei jeder auch nur gefühlten Bedrohung „von Rechts“ ohne viel Aufwand zusammentrommeln lässt. Es hätte zweifelsohne das eigene Geschmacksempfinden geschont, wenn man diesen Proleten die öffentliche Plattform entzogen hätte, oder zumindest jemand der alten linken Socke Campino zur Seite gesprungen wäre, indem man geschlossen den Saal verlässt. Solche Aktionen setzen jedoch voraus, dass das eigentliche Problem erfasst wird. Dass dies bei einer Mehrheit der Verantwortlichen und Prominenten vor Ort nicht der Fall war, ließ sich u.a. an den geistreichen Kommentaren von bedeutenden Denkern wie Angelo Kelly und Fernsehkoch Nelson Müller auf der anschließenden After-Show-Party erkennen.

Die Zeit einer künstlerischen Avantgarde, die Kritik an den herrschenden Verhältnissen, ungeachtet von politisch korrekten Erwägungen, übt, scheint zumindest in der jungen, „hippen“ Generation ein für alle Mal vorbei. Mit Campino, Peter Maffay, Klaus Voormann und Marius Müller-Westernhagen zeigt ausschließlich die alte Riege im Musikgeschäft Flagge gegen den unsäglichen Opportunismus der Veranstalter, denen es wohl vorrangig darum ging, von diesem Skandal zu profitieren und die sich insofern nicht von jenen gewissenlosen Menschen unterscheiden, die mit der Vermarktung von „Künstlern“ wie Farid Bang und Kollegah ihr Geld verdienen.
Einstudierte Empörungswellen

Und dennoch: Schlimm sind nicht in erster Linie die Reaktionen auf das Ergebnis, auf die Nominierung, den Auftritt. Schlimm ist, welchen Erfolg Rapper wie diese vor allem bei der jungen Generation haben, die sie mittlerweile zu großen Teilen prägen und dass die Diskussion ausgerechnet an dieser Generation vollkommen vorbeigeht. Es sind vornehmlich jene jungen Muslime, deren rassistische und antisemitische Ausbrüche wir mittlerweile auf den Schulhöfen und auf den Straßen dieses Landes erleben dürfen.

Junge Männer, die von Gleichaltrigen umgeben sind, die entweder ihre Ansichten teilen oder denen schlicht das Bewusstsein dafür fehlt, um sich an ihrem Verhalten zu stören. Jahrzehnte des Ignorierens und Leugnens des muslimischen Antisemitismus haben Spuren hinterlassen, deren Früchte wir jetzt ernten. In diesem gesellschaftlichen Klima ist und bleibt „Kolle“, wie ihn seine Fans nennen, der „Boss“ – daran ändern auch zurückgegebene Echos, eine empörte Presse und schockierte Politiker nichts.

Es ist dies letztlich das Ergebnis einer Erinnerungs- und Geschichtskultur, einer gesellschaftlichen Debatte, in der es schon lange nicht mehr um Bewusstsein, um Strukturen von Rassismus, Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit und Co. geht, sondern um einstudierte Empörungswellen, die sich nach nichts anderem als den Regeln einer dem Zeitgeist unterliegenden political correctness richten. Und Antisemitismus aus dem islamischen Kulturkreis gehörte bis jetzt eben nicht zu den politisch korrekten Kategorien, für die es Applaus gab, weshalb es all die Jahre vorher niemanden interessierte, was Farid Bang und Co. da fabrizierten.

Nein, ein Problem, das schon in den Familien, in den Moscheegemeinden, in den Schulen und im heimischen Kinderzimmer beim Hören der preisgekrönten Musik beginnt, endet nicht mit zurückgegebenen Preisen und zurückgetretenen Verantwortlichen. Genau genommen ist das, was gerade an blankem Hass in die Öffentlichkeit dringt, nicht zuletzt auch aufgrund der aktuellen Zuwanderungspolitik, die von nicht wenigen, die sich jetzt empören, ausdrücklich unterstützt wird, erst der Anfang. Deutschland wird vielfältiger und Kollegah und Farid Bang sind lediglich Ausdruck dieser Vielfalt.
http://www.achgut.com/artikel/kollegah_kommt_gleich

Anabel Schunke hat völlig recht, dass dieser kanakenproletige Antisemitismus seitens türkischer und arabischer Jugendlicher, der dann auch von deutschen Jugendlichen gerne gehört wird aufgrund der Islamophilie der deutschen Linken und Mainstreammedien samt Musiker jahrelang verharmlost wurde. Man erinnere sich noch an Peter Maffay, der Bushido bei Erlangung des Integrationspreises unterstützte. Erst als in einer ARD-Talkshow Maffay im Beisein von Bushido und Sido ein gewaltverherrlichendes, semidschihhadistisches Video der beiden vorgespielt wurde, in dem Burkatragende IS-Frauen mit Kalaschnikow und Dschihhadisten gezeigt und glorifiziert wurden, war Maffay platt und versuchte sich erstmals davon zu distanzieren, was er eigentlich gefördert hatte. Aber dieses Beipiel zeigt nur die jahrelange Tabuisierung und Unterdrückung von Kritik an arabo-türkischen Antisemitismus als Islamophobie und Islamhass.

Ich habe auch schon mal überlegt, ob man nicht eine Bewegung von Gegenrappern organisieren sollte, die Kollegah als dümmliche Kanakprolls lächerlich machen und ihnen mit Gegenrap begegnen–etwa mit Zeilen wie:

Ich schick dich in den Ofen,
so geschieht´s mit Kollegah und allen Doofen.

etc, usw. Frage: Begibt man sich da nicht auf dieselbe Ebene und ist nicht zu erwarten,dass sie das als Aufruf für einen Battle-Slam wahrnehmen und wieder neue Gegenbattleraps verfassen, die sie noch populärer machen.Die Diskussion, wie man diese menschenfeindlichen Kräfte bekämpft ist eröffnet. Nicht nur gegen die AfD-Höckes, sondern auch genauso gegen die arabo-türkischen Antisemiten, seien sie die Jugendlichen der 3. Einwanderergeneration oder den dazukommenden Flüchtlingen.Der neu geschaffene Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung hat da ein scheinbar eine Lebensaufgabe und ein Mammutprojekt vor sich.



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