Reaktionen auf Fukushima

Pünktlich am Montag tagte der Nationale Volkskongress der VR China.Hierbei wurde der neue 5-Jahresplan mit 56 Gegenstimmen und 38 Enthaltungen angenommen, der eine Verachtfachung der Atomkraft in China vorsieht, inklusive AKWs in der Küstengegend.

Im People´s Daily wurde die Katastrophe in Japan zwar erwähnt, aber mit den kundigen Kommentaren eines Meterologen versehen, dass etwaige radioaktive Wolken nicht in Richtung Chinas zögen.Über die Rolle der eigenen Atomkraft kam weder ein Kommentar noch sonst ein Artikel, diese wird als gott-/parteigegegeben hingenommen. Von der demokratischen Opposition Chinas konnte man bisher auch noch keine Stellungsnahmen zur Atomkatastrophe und der Rolle der Atomkraft in China lesen.Selbst bei der immerwährenden KP-kritischen Falungong kann man auf ihrer Webseite nur Artikel darüber lesen, dass China seine Nuklearkontrollen für eingehende Schiffe in den Häfen verstärkt hätte und dass Kernfusion eine interessante Alternativtechnologie sei. Zentral in das Herz treffend wurde aber auch von dem Falungongzentralorgan „Neue Epoche“ keine programmatische Stellungsnahme zu Chinas Atomkraft abgegeben, noch irgendeine Stellungsnahme zu den Beschlüssen des Nationalen Volkskongresses getätigt.Nun hat die KP China vorerst einmal den Bau neuer AKWs aufgeschoben, um eine Sicherheitsprüfung vorzunehmen.Es bleibt abzuwarten, ob dies nur Hinhaltetaktik ist oder auch weitere Folgen hat.

Indien und Pakistan kündigten an, ihre Atomkraft weiter auszubauen.Südkorea ebenso–mit der Neuerung, dass es nun auch Fusionreaktoren herstellen und fördern will.

Die EU setzte einen Sondergipfel an, bei dem die Sicherheit von europäischen Atomkraftwerken auf den Prüfstand kommen soll.

Zu schnellen oder partiellen Ausstiegen wollte sich von den EU-Ländern ausser Deutschland niemand bereit erklären.Frankreich, das 80% seines Stromes aus Atomenergie bezieht, könnte selbst bei bestem Willen nicht über Nacht aussteigen.Und selbst in Deutschland hat Merkel nur ein 3-monatiges Moratorium für 7 ältere Reaktoren verkündet, das nach Ablauf der kommenden Landtagswahlen , jederzeit wieder zurückgenommen werden kann.Man sollte dies eher ein Landtagswahlenmoratorium nennen, zumal Merkel offensichtlich darauf hofft, dass in 3 Monaten andere Themen die Medien beschäftigen werden.

Die brandenburgische Regierung hat Polen in einem offenen Brief dazu aufgefordert, seine neuen AKWs in deutscher Grenznähe nicht zu bauen.Bisher keinerlei Resonanz.

In den USA erklärte Obama, dass man auch hier Sicherheitsprüfungen vornehmen werde, aber am geplanten Ausbau der Kernkraft im wesentlichen festhalten wird.In Russland erklärte Medwedjew, dass russische Atomkraft sicher sei und an den Neubauten festgehalten werde, sowie an den 17 ausländischen Reaktoren, die Russland für andere Länder bauen will.

Die vielzitierte Weltgemeinschaft scheint sich eher auf eine stillschweigende Hinhaltetaktik eingeschworen zu haben– das Maximum bisher sind Sicherheitsüberprüfungen, aber eben keine klareren Massnahmen wie etwa partielle Abschaltungen– bisher also eher: business as usual statt Atomwende.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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