Der Exorzist ist tot, es lebe der Exorzismus

von Ralf Ostner

Die FAZ vermeldet:

„Der bekannte Teufelsaustreiber der katholischen Kirche ist tot. Pater Gabriele Amorth sei im Alter von 91 Jahren gestorben, meldete Radio Vatikan am Samstag. Nach Angaben seines Verlages erlag er am Freitag in einer Klinik in Rom einem Lungenleiden.

Der aus dem norditalienischen Modena stammende Amorth war als langjähriger Chef-Exorzist der Diözese Rom international bekannt geworden. Zuletzt hatte er erklärt, die Terroristen des Islamischen Staates IS seien vom Teufel besessen. „Der IS ist Satan“, schrieb er 2015 auf seiner Facebook-Seite „L’ultimo esorcista“ (Der letzte Exorzist). Dies gelte auch für Hitler und Stalin, hatte er 2006 in einem Interview mit Radio Vatikan gesagt.„Ich spreche jeden Tag mit dem Teufel“, hatte Amorth im Jahr 2000 in einem Interview der britischen Zeitung „Sunday Telegraph“ gesagt. Er rede dann Latein. Der Teufel antworte auf Italienisch.““

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/der-bekannteste-exorzist-pater-gabriele-amorth-ist-tot-14440124.html

Der Teufel spricht italienisch, nicht deutsch, englisch, Suaheli, chinesisch, spanisch und scheint nicht polyglott zu sein–wohl eher ein Südländer und Latinlover, ein sehr eurozentrisches Teufelchen auch, dieser Satan.Nun kann man den IS, Hitler, Stalin allerdings als massenmörderisch und als die Inkarnation des Bösen sehen, selbst Hannah Arendt sprach von der „Banalität des Bösen“, dennoch ist dies keine analytische Herangehensweise, die Erklärungen bringen könnte, warum diese politischen Bewegungen entstanden sind, weswegen sie so wirkungsmächtig und massenmörderisch wurden. Die katholische Kirche erklärt diese einfach damit, dass sie vom Teufel besessen waren. Gottlosigkeit kann ja zudem im Falle des IS nicht so einfach unterstellt werden wie bei Hitler und dem Atheisten Stalin.

Zudem es auch bezeichnend ist, dass der Chefexorzist der Katholischen Kirche Yoga, , Fernsehen, Harry Potter und Homosexualität auf eine Stufe mit IS, Hitler und Stalin gestellt werden:

„Amorth, der im Zweiten Weltkrieg im Widerstand gegen die  Faschisten kämpfte und 1951 Priester wurde, machte häufig Schlagzeilen mit kontroversen Äußerungen. So verurteilte er auch  Yoga, das Fernsehen oder die Harry-Potter-Saga als Teufelszeug.

„Die Menschen glauben, es ist nur ein Kinderbuch, aber es führt zur Zauberei und damit zum Bösen“, kritisierte er die Romanserie von  J.K. Rowling. Über Homosexuelle sagte er: „Wer Dinge tut, die den Gesetzen Gottes widersprechen, ist nicht unbedingt besessen, wird aber vom Teufel geleitet.““.

Die Katholische Kirche erfreut sich ihres durch die Aufklärung und den demokratischen Rechtsstaats erzwungenen moderateren Images, doch es ist bezeichnend, dass sie solche Gruppen wie Opus Dei weiterhin beherbergt, überlegt, die Piusbrüder wieder aufzunehmen wie auch den Exorzismus weiterhin als Institution erhält und die Internationale Vereinigung der Exorzisten 2014 auch offiziell anerkannt hat:

„In seiner Laufbahn nahm der studierte Jurist seit Mitte der 1980er Jahre nach eigenen Angaben rund 70 000 Exorzismen vor. Zur Teufelsaustreibung gehören das Besprengen mit Weihwasser, die Anrufung Gottes und das Handauflegen. Auch mit 90 Jahren war  Amorth noch aktiv. Im strikten Sinn vom Teufel besessen seien aber  nur rund 100 Menschen gewesen, räumte Amorth ein. 1990 gründete er die Internationale Vereinigung der Exorzisten, der er bis zum Jahr 2000 auch vorstand. Sie wurde 2014 vom Vatikan offiziell anerkannt.“

Den Glauben an den Teufel teilte auch Papst Benedikt, Josef Ratzinger:

„Es ist am Morgen eines Maitages im Jahr 2009. Joseph Ratzinger ist bereits seit vier Jahren Papst. Im Laufe seines Pontifikats hat er mehrfach über den Satan gesprochen. Ich verstehe, daß für ihn der Teufel ein existentes Wesen ist, das gegen die Kirche kämpft und handelt. Und gegen ihn. Andernfalls ließen sich seine Sätze über den Teufel nicht erklären. Am 25. März 2007 sagte der Papst beim Besuch der Pfarrei St. Felizitas in Rom: „Jenen, die weiter sündigen, ohne jede Form von Reue zu zeigen, ist die Zukunft die ewige Verdammnis, die Hölle, weil das Festhalten an der Sünde zum Scheitern unserer ganzen Existenz führen kann. Das ist das tragische Schicksal, das den erwartet, der in der Sünde lebt, ohne Gott anzurufen. Nur die göttliche Vergebung gibt uns die Kraft dem Bösen zu widerstehen und nicht mehr zu sündigen. Jesus ist gekommen, um uns zu sagen, daß Er uns alle im Paradies haben will und daß die Hölle, von der man in unserer Zeit wenig spricht, existiert und ewig ist für jene, die ihr Herz vor Seiner Liebe verschließen.“

Ebenso in seiner Predigt am Gründonnerstag 2011: „Wir erleben heute wieder schmerzlich, daß dem Satan gestattet ist, die Jünger sichtbar vor aller Welt zu sieben. Und wir wissen, daß Jesus für den Glauben des Petrus und seiner Nachfolger betet. Wir wissen, daß Petrus, der über die unruhigen Wasser der Geschichte dem Herrn entgegengeht und zu versinken droht, immer wieder von der Hand des Herrn gehalten und über die Wasser geführt wird.““

http://www.katholisches.info/2012/02/02/der-letzte-exorzist-das-neue-buch-von-don-gabriele-amorth-und-paolo-rodari-der-teufel-furchtet-die-papstliche-liturgie/

Papst Franziskus wird dafür gerühmt, dass er Jesuit sei, sozial und aufgeklärt. Das Image der Jesuiten als Helfer der Armen (wie man sie etwa aus Bud Spencer- und Terence Hill-Filmen kennenlernte) und Verbreiter aufgeklärten Denkens beruht hierbei jedoch auf einer Verzerrung deren wirklicher historischer Rolle. Die Jesuiten beschäftigten sich innerhalb der katholischen Kirche am meisten mit Naturwissenschaften, Philosophie und neueren Gedankenströmungen, hatten selbst immer neuestes Wissen, versuchten dieses auch weiterzugeben zu Zwecken der Missionierung.

So versuchten die Jesuiten auch die chinesischen Kaiser zu Christen zu machen, indem sie am kaiserlichen Hofe ihr Wissen um Mathematik, Astronomie und Medizin zur Verfügung stellten, in der Hoffnung man könne die jeweiligen Herrscher christianisieren und damit einem Katholischen Weltgottesreich unter der Herrschaft des Papstes  inkorperieren.Von diesem Missionierungsstreben der Herren Mattheo Ricci und Adam Schalls zeugt heute noch die von Jesuiten gebaute Sternwarte in Peking . Die Chinesen hielten es mit den Jesuiten wie sie es heute mit ausländischen Firmen taten–sie nahmen gerne das technologische Wissen, blieben aber Konfuzianer und Chinesen und warfen die Ausländer im Bedarfsfalle eben hinaus.

Zwar beschäftigten sich die Jesuiten mit Naturwissenschaften und Medizin, waren auch sehr gebildet, aber nur zum Zwecke diese Erkenntnisse unter Kontrolle des Vatikans und seines Weltbildes zu konservieren. So hatte Gallileo Gallilei und andere Naturwissenschatler regen Austausch mit den Jesuiten, letzteren waren auch deren neue wissenschaftliche Erkenntnisse bekannt, dennoch sah der Vatikan und sein jesuitischer Prätorianerorden dies als Bedrohung der kirchlichen Lehre und Teufelswerk, weswegen die Jesuiten auch Gallilei und andere denunzierten und Ketzerprozesse unterzogen, die leicht mit dem Scheiterhaufen hätten enden können, obgleich sie genau wussten, dass Gallilei recht hatte. Aber sie verstanden sich als die Prätorianergarde Gottes, des Papstes und der Kirche und nicht der Naturwissenschaften.

Wenn man heute von Jesuiten spricht, dann denkt man zuallererst an Jesuitenschüler wie CDU-/ATTAC- Heiner Geißler, die nun keinen reaktionären Eindruck machen, vergisst aber die historischen Urspürnge und die Geschichte der Jesuiten.

Auf zahlreichen Verschwörungsseiten wird dem Papst, dem Opus Dei und den Jesuiten auch eine führende Rolle bei der Entstehung der Bilderbergergruppe und der Europäischen Gemeinschaft sowie der NATO unterstellt und wird hierbei die Figur des polnischen Politberaters und Literaturwissenschaftlers Josef Retinger zentral gesehen, der kurzzeitig einmal ein Priesterseminar besucht hatte:

http://vatikanische-nwo.blogspot.de/2009/11/jozef-retinger-und-das-heilige-romische.html

Dass bei dieser Darstellung wohl vieles übertrieben ist und auch teilweise falsch, bedeutet nicht, dass die katholische Kirche nebst Jesuiten und Opus Dei auch im Nachkriegseuropa nicht versuchten mittels Geheimdiplomatie  ihren Einfluß auf weltliche und vor allem christliche Politiker und Elitekreise auszuüben, wie umgekehrt die katholische Kirche ein Verbündeter und Instrument der westlichen Regierungen und vieler klerikalfaschistischer Diktaturen in Spanien, Portugal wie auch in Lateinamerika im Kalten Krieg gegen den Kommunismus war und mit der Ernennung des Polen Wojtilla zum Papst Johannes Paul 2 über Solidarnosc-Polen den Warschauer Pakt unterminierte und schließlich im Zusammenspiel mit den protestantischen Kirchen in der DDR die Revolution 1989 hervorbrachte, die den Kommunismus in Europa zum Zusammenbruch brachten.

Und mit Franziskus als Papst der Katholischen Kirche erhalten nun die Jesuiten ein deutlich positiveres Image als sie es haben sollten.Dass sie aber immer noch an alten Ideologien festhalten, zeigt eben, dass sie den Exorzismus beibehalten haben und nun auch die Internationale Vereinigung der Exzorzisten offiziell anerkannt haben. Wenn die katholische Kirche und die Jesuiten mal so könnten wie sie wollten, würde man wohl viele ihrer alten Glaubenssätze und entsprechenden Verhaltensweisen wieder lebendig und in Tat und Aktion sehen. Davor bewahrt uns jedoch der Säkularismus, die Wissenschaft und der demokratische Rechtsstaat, der die Religion in ihrem Wirken begrenzt und moderiert.Sonst wäre Teufelsaustreibung und Exorzismus wohl bald wieder so ein weitverbreitetes Instrument wie die Inquisition.

 


Ein Kommentar zu “Der Exorzist ist tot, es lebe der Exorzismus”

  1. Ein Kommentator schrieb:
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    Hallo Ralf,

    bevor du nun selbst zum Anhänger von Verschwörungsseiten wirst: Als es noch den „Index Verborum“ gab, wurde Hitlers „Mein Kampf“ im Gegensatz zu Rosenbergs „Mythus des 20. Jahrhunderts“ nicht aufgenommen. Ein Kardinal Hudal konnte seine Nächstenliebe Massenmördern in Not, wie Mengele und Eichmann zuwenden. Wären Hudal und sein Papst, Pius XII. dann nicht auch vom „Teufel besessen“ gewesen?

    Du siehst, man könnte gegen dieses übel dualistische und brandgefährliche Gefasel schon Argumente suchen, finden und vortragen. Ich würde gerne
    die aporia (Ratlosigkeit) dieser Narren sehen.

    Aktiv war Amorth auch mit 90 noch. Aber wie erfolgreich sein Handeln war, weiß ich nicht. Man kann viele Kritik an der katholischen Kirche üben. Aber die katholische Kirche vertritt den Grundsatz der tätigen Nächstenliebe. Es reicht nicht, Menschen in Not zu bedauern – der Gläubige muss laut Jakobusbrief Menschen in Not helfen. Das ist mir lieber als „evangelischer Arbeitsethos“ mit Sozialdarwinismus im Handgepäck.

    Wie sich die Kirchen entwickeln, kann ich dir nicht sagen. Aber sie werden wesentlich mehr Bedeutung und Einfluss erhalten, als in den vergangenen Jahrzehnten.