Trump und Merkel in Gebärdensprache und Fakenews

Ich hatte bei einer Weihnachtsfeier die Gelegenheit eine Gebärdendolmetscherin kennenzulernen und wollte da einmal mehr wissen. Zuerst ist interessant, dass es keine internationale Gebärdensprache gibt, sondern wirklich jedes Land seine eignene Gebärdensprache hat–ob nun Deutschland, Österreich, England, die USA, China,Indien, Russland, Brasilien oder Palau.Dabei hatte ich gedacht, dass es so eine Art Leitsprache gibt, die sich international wie das Englisch durchsetzt–weit gefehlt. Nicht einmal zu einem Gebärdensprachen-Esperanto reicht es, auch der allen Jugendlichen verständliche „Fuck“-Mittelfinger ist nicht standartisiertes Gebärdensprachgut.

Dann stellte ich die drängendsten Fragen: Wie man denn Merkel und Trump in der Gebärdensprache „sagt“. Ich hatte mir bei Merkel eigentlich ihre Handraute erwartet, die viele Verschwörungstheoretiker  ja auch als Freimaurersymbol interpretieren. Weit gefehlt. Zumindestens in österreichischer Gebärdensprache mimt man mit den Zeigefingern der beiden Hände Merkels nach unten gezogene hängende Mundwinkel nach. Oder aber die andere Variante: Man zeichnte mit beiden Händen die Länge ihres Frisurendes auf den Schultern nach. Trump wird ebenso frisurentechnisch in Gebärdensprache übersetzt. Mit der rechten Hand deutet man mit einer wischenden Handbewegung überhalb der Stirn einen  Rechtsscheitel an, der aber auch für wirr im Kopf und crazy gedeutet werden könnte. Die Gebärdensprache ähnelt also etwas der Karikatur, da sie körperliche Alleinstellungsmerkmale als Hilfsmittel des Wiedererkennungswertes einsetzt. Desweiteren werden über die Stellung der Hände auch die Zeitformen angegeben. Sind die Hände nah an der Brust, so ist dies Vergangenheit, sind sie auf mitteler Höhe ist dies Gegenwart und sind sie weiter vom Körper entfernt ist dies Futur und Zukunft.

Gebärdendolmetschen findet man beim ARD, ZDF und ORF auf Phönix TV, ich schalte dann regelmäßig nach anfänglicher Neugier wieder auf die originale Tagesschau oder das Heute Journal oder die ZIB-Ausgabe ohne Gebärdendolmetscher, da mich das Gefuchtle nervös macht und eine Reizüberflutung ist, zumal man eben nichts versteht, wenngleich ich immer versuche mir da Erklärungen zu liefern, was die eine oder andere Geste denn dolmetschtechnisch bedeuten könnte, aber mehr vor einem Rätsel denn einer Erklärung stehe.

Witzig war auch, wie hochrangige Politker und Prominente Gebärdendolmetschern ausgeliefert sind. Bei der Beerdigung Nelson Mandelas in Südafrika wurde bei der Eröffnungsveranstaltung ein Gebärdendolmetscher eingesetzt, der die Begrüssungsreden der Weltgemeinschaft auch gebärdendolmetschen sollte. Interessant war, dass den Tauben zuerst auffiel, dass es sich um einen Scharlatan oder Demagogen handelte. Scheinbar fuchtelte der gute Mensch einfach nur wahrlos mit den Händen umher, während die angetretene Politikprominenz darauf vertraute, dass jedes ihrer bedeutungsschwangeren Worte auch für die Tauben dieser Welt gebärdendolmetscht wurde.Ob der gute Mann nur bedeutungslos rumfuchtelte, blieb dahin gestellt, denn hier wäre ja auch denkbar, dass ein Gebärderndolmetscher die Gunst der Stunde nutzt, um demagogische, womöglich hochpolitische Reden zu halten. Genauso hätte er dolmetschen können „Es lebe die Revolution“oder „Wie gut, dass es Mc Donalds gibt“ (Produktplacement) oder aber „Nieder mit den Polit-Bonzen“. Ob es sich um einen Scharlatan handelte oder um einen gewitzten Demagogen, der unbotmässige Botschaften in die Welt der Tauben pustete, können wir Gehörigen nicht beurteilen.Da bleibt man eben doch auf einen richtigen Gebärdendolmetscher angewiesen. Jedenfalls ein weiteres mögliches Betätigungsfeld bezüglich der Fakenews-Kampagne. Nicht auszudenken, wenn Putin nicht nur die Demokraten-emails hackt und Fakenews betreibt, sondern auch die Gebärdendolmetscher inflitriert! Ein Betätigungsfeld, das Heiko Maaß schnellstens thematisieren sollte!!!

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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