Chinesenrevolte in Paris–die neue Weltmacht kümmert sich um ihre Auslandschinesen

von Ralf Ostner

Revolten und Jugendrebellionen wegen Polizeigewalt ist man ja aus den Pariser und französischen Banlieus gewohnt. Sarkozy wollte diese gleich mit einem Kärcher wegspritzen und da mal ordentlich aufräumen, da man von diesen aufsässigen, prekären Arabo-Franzosen ja eh nichts anderes gewöhnt ist. Nun aber krakelen gebildete, bis dahin völlig integriert gemeinte und bessergestellte französischstämmige Chinesen, da ein Mitglied ihrer vermuteten Gemeinschaft Opfer von Polizeigewalt wurde. Hunderte französische Chinesen gingen deswegen auf die Strasse, schmissen Feuerwerk, prügelten sich mit der Polizei und protestierten mit Spruchbannern,

Was war passiert? Die französische Polizei wurde wegen Ruhestörung zu einem Wohnhaus gerufen, klingelte an der Tür, wurde jedoch nach mehrmaligem Klopfen dann auch nicht reingelassen. Worauf sie die Tür eintrat. In der Wohnung sollen sich nach chinesischer Darstellung eine unbescholtene chinesische Familie befunden haben, die gerade beim Fischessen bei schöner, wenngleich mal wieder für europäisches Gehör zu lauter Musik war, wobei der chinesische Hausherr, ein Herr Liu  gedachte den Fisch mit einer Fischschere zu tranchieren. Als die Polizei eintrat, wäre er auf sie zugelaufen, empört über das ungefragte Eindringen und hätte sich lauthals darüber beschwert. Die französichen Polizisten hätten da nur einen aggressiven Menschen vorgefunden, der auf sie zulaufend trotz Mahnung nicht anhielt und eine gefährliche Schere in der Hand hatte, weswegen sie das Feuer eröffneten und ihn ungewollt töteten. Shit happens und man könnte auch noch die Details,ob ein Warnschuss sinnvoll gewesen wäre oder man die Tür nicht hätte eintreten sollen, diskutieren.Jedenfalls sind da zweierlei Fakten zu dem Fall interessant:

Erstens, die Solidarisierung und krakelige Demonstration gegen französische Polizeigewalt, die aber völlig nationalistisch aufgeladen war, da so getan wurde, als wollte jetzt der französische Staat und seine Polizei allen Auslandschinesen an den Kragen. Es wurde weniger als Demonstration gegen Polizeigewalt, sondern als Anschlag auf alle Chinesen in Frankreich und das Chinesentum schlechthin hochstilisiert. Der Chinese wurde demzufolge nicht wegen seines Fischtranchiermessers abgeknallt, sondern weil er Chinese gewesen wäre.Könnte man noch meinen, dass es sich hierbei um die Meinung einiger chinesischer Schwachköpfe handeln würde, so zeigt der weitere Verlasuf, dass es sich um eine höchst politische Angelegenheit handelte.

Denn:Der französische Botschafter wurde in Peking einberufen, um Stellung zu dem Fall des Herrn Lius zu nehmen. Im Gespräch wurde angedeutet, dass Herr Liu ein ehrenwertes Mitglied der französischen Chinesen gewesen sei, für dessen Schutz im Name aller Auslandschinesen sich die Volksrepublik China zuständig fühle. Kurz; Hier wurde dem französischen Botschafter mitgeteilt, dass sich irgendeine staatliche Zwergmacht, die mal eine Grand Nation war, sich nicht an chinesischen Herrenmenschen, die einer 5000 Jahre alten Zivilisation angehören und nun der neuen Weltmacht noch vor den USA angehören, so behandeln könnten wie irgendwelche Untermenschen wie prekäre und unzivilisierte Banlieu-Arabofranzosen, die noch ein Überbleibsel ihres unverdauten Kolonialismus wären.

Das französische Innenministerium macht nun Peking, chinesisch gelenkte NGOs und die chinesische Mafia, also die Triaden für die Unruhen verantwortlich:

“French domestic intelligence has reacted to the popular protests by launching a reactionary media campaign, seeking to discredit the Liu family’s supporters, and more broadly all the organizations in the Chinese community hostile to police violence—which it implies are agents either of Beijing or the Chinese mob.

On March 30, Le Parisien published an article summarizing a note of the General Directorate of Internal Security (DGSI). It reportedly alleges that the Chinese mob, including a “big fish” tied to prostitution and gambling, is trying to “infiltrate” the protests. It also claimed that “someone close to the Chinese Communist Party and a secret agent, both of whom have infiltrated the NGO movement in France,” were joining the protests because “Beijing is very nervous about the operations of mafia networks.”

At the same time, according to Le Parisien, the DGSI complained that protesters were rejecting all accusations that they were being manipulated by Beijing or the mob: “Indeed, the movement is gathering many young people, who are very militant, and who do not want to hear anything about Beijing’s influence or mafia groups.”

The next day, FranceInfo published extracts from another DGSI briefing which, this time, placed the blame squarely on “the Chinese authorities,” which it said are “actively implicated in leading the protests.” The passages cited from this note sought to whip up suspicion and hysteria against the protesters. It added that Chinese NGOs in France “are very directly manipulated by Chinese diplomatic and consular authorities” and “seem unusually mobilized.””

https://www.wsws.org/en/articles/2017/04/04/lius-a04.html

Interessant finde ich vor allem, dass Asiaten immer als friedliche, unterwürfige Mathestreber und Musterschüler dargestellt werden, die nicht protestieren und zu allem die Klappe halten. Von Arabern, Afroamerikanern und anderen Nafris ist man da anderes Auftreten gewohnt.Da scheint sich ein neues Selbstbewußtsein mit dem Aufstieg zur neuen Weltmacht widerzuspiegeln. Bonanza müsste heute auch neu gedreht werden: Die Ranch gehört einer chinesischen Familie und der Koch ist nicht mehr Hop Sing, sondern Hoss Cartwright.

Die Türkei wie China widerlegt etwas die These der Demokratisierungstheorie, wonach sich ab einem gewissen Prokopf-BSP auch eine Mittelschicht herausbilde, die liberal sei und die Demokratsierung mit dem wirtschaftlichen Erfolg mit sich bringen würde.In beiden Fällen verhalten sich diese neuen Mittelschichten und Neureichen wie Wohlstandschauvinisten, denen der wirtschaftliche Erfolg ihres Landes zu Kopf steigt, weswegen sie nun jeweils nach Weltmachtstatus drängen und ihre autoritären Führer samt deren Chauvinismus eifrig befeuern. Und Teile ihrer Diaspora führt sich dann auch als neue Herrenmenschen auf und sieht Rückenwind durch ihr Heimatland, das man als neue kommende Weltmacht sieht. Zu diesem Thema empfiehlt sich die Lektüre des Roman “Der Untertan”von Heinrich Mann oder dessen DDR-Verfilmung als Lesetip. Ich empfehle die DDR-Verfilmung von Heinrich Manns “Der Untertan”, da diese besser ist als das Buch und zumal auch noch eigene, im Roman nicht vorhandene Episoden einbaut. Z.B. die Szene, als der stolze Untertan und Unternehmer seines Kaisers Dietrich Heßling vor der deutschen Elite seine neueste Erfindung präsentiert: ” Meine Herren! Die deutsche Klopapierrolle mit aufgedruckten patriotischen Sinnsprüchen, damit deutscher Geist den entlegensten Winkel unseres Vaterlandes und der Welt durchdringe!”.Darin wird genau dieses aufkommende neue Bürgertum und dessen Wohlstandschauvinismus beschrieben, das Deutschland in zwei Weltkriege und die Katastrophe führte.Betrachtet man sich die jetzigen türkischen und chinesischen Untertanen, so scheinen sie sich genauso zu verhalten.



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