Krieg zwischen Saudiarabien und Iran- Schlachtfeld Irak

Die durch Trumps ausgelöste Polarisierung der Nahostregion durch seinen Waffendeal und durch seine antiiranische Rede, in der er einen Regimechange propagierte, steigern den Regionalkonflikt zwischen Saudiarabien und dem Iran. Einige Beobachter reden schon von der Möglichkeit eines saudi-iranischen Krieges, was eher unwahrscheinlich ist. Denn da beide geographisch nicht aneinander angrenzen, bliebe nur der militärische Austausch zwischen Mittelstreckenraketen und ein paar maritimen Konflikten auf unterster Ebene.

Insofern es zu einer Auseinandersetzung zwischen Saudiarabien und dem Iran kommt, wäre das Austragungsgebiet der Irak, vergleichbar mit Jemen. Nun sind einige Geopolitiker ohnehin der Ansicht, dass der Irak in drei Staaten aufgelöst gehöre: In einen kurdischen Norden, in einen sunnitischen Mittelirak und ein schiitisch dominiertes Baghdad samt Südirak. Kurden, Sunniten und Schiiten würden so chirurgisch getrennt und zum Frieden gebracht. An dieser Vorstelung ist einiges falsch, vor allem diese holzschnittmäßige Zuordnung von Ethnien und geographischen Gebieten.

Zuerst sind die Kurden unterteilt in PUK und KDP seitens der Kurdenführer Barzani und Talibani. Dann kommt noch die türkische PKK dazu, die den Nordirak wie auch Nordsyrien als Operationsbasis für ein Kurdistan sieht, dass stalinistisch-marxistisch das Gebiet des Südostens der Türkei, Nordirak, Nordsyriens und Teilen des Irans als kommende Einheit sieht. Barzani will eher einen kurdischen Staat im Nordirak mit eigenen Erdöleinnahmen der Erdölstädte Kirkuk und Mossul, ja auch ein Referendum, während Talibani im Gesamtirak verbleiben will. Barzani wiederum strebt nun während die Peshmerga zusammen mit der irakischen Armee Mossul vom IS zurückerobern ein Referendum an, während die Türkei und die irakische Zentralregierung dies als möglichen Seperatismus, der zu einem unabhängigen Kurdenstaat im Nordirak führen könnte ansehen und mit Intervention drohen. Wie sich Saudiarabien hier positioniert, ist noch unbekannt. Soweit zu „den“ Kurden.

Die Sunniten haben sich in Auflehnung gegen den schiitischen Ministerpräsident Maliki zusammengeschlossen, ja selbst Teile von Saddam Husseins sunnitischer Baathpartei hatten sich mit den sunnitischen Stämmen und dem IS zusammengetan, als sie die Unterdrückung durch Malikis Schiitisierung des Staatsapperates und der Gesellschaft kontern wollten. Inzwischen ist der IS bei den säkularen sunnitischen Kräften wie auch der sunnitischen Stämme aufgrund seiner Brutalität auch gegen eigene Leute diskreditiert, es besteht aber durchaus die Möglichkeit, dass sich sunnitische Stämme und andere säkulare Sunniten wieder unter einer neuen Gemeinsamkeit zusammentun, um einer schiitischen Überherrschaft, die sie unterdrücken will, Paroli zu bieten. Diese Kräfte, vielleicht auch Teile der Kurden würden dann von Saudiarabien aufgerüstet. Entscheidend aber sowohl für Kurden und Sunniten wird jedoch sein, wie sich die Schiiten verhalten werden, die Haupteinflußfaktor des Irans im Irak sind.

Die Schiiten und auch der Irak werden vor allem durch die Autorität des schiitischen Großajatollah Sistani zusammengehalten, der im Irak bei allen Seiten große Autorität und Ansehen genießt, da er als neutraler Vermittler tätig ist. Sistani ist Quietist, ist gegen das iranische Modell eines theologischen Gottesstaates, in dem ein geistiges Oberhaupt der Chef der Nation ist und seine Geschicke bestimmt. Sistani ist zwar für die Trennung zwischen Staat und Religion, mischt sich aber in Krisenmomenten immer ein um die Einheit des Irak zu stablisieren. Sistani ist aber schon sehr alt, wird in absehbarer Zeit auch sterben oder könnte Ziel eines Attentats werden, wobei die Nachfolge nicht klar ist, wie auch die Fortexistenz einer Quietismusrichtung. Welche schiitischen Kräfte hält Sistani bisher zusammen?

Zum einen die Dawapartei, bei der unklar bleibt, ob sie eine säkulare Kraft ist oder eine Art schiitischer Muslimbruderschaft, in der ein Maliki wie in Erdogantürkei- oder Mursiägypten eine islamofaschistische Diktatur herbeibringen wollte. Maliki hat die Schiitisierung des Staats- und Gesellschaftssystems vorangetrieben und die Koalition der sunnitischen säkularen Baathisten mit den sunnitischen Stämmen und IS war da die Reaktion darauf. Maliki begründete seine Säuberung des Staatsapperates und der Gesellschaft damit, dass sunnitische Baathisten einen Putsch gegen ihn planten und er diesem zuvorkommen musste. Inwieweit Maliki und seine Dawapartei nun eine säkulare Schiitenparttein oder eine Art schiitische Muslimbruderschaft ist, bleibt unklar. Sein Nachfolger nun betrieb unter Druck der Obamaregierung die Inklusion von Sunniten und Kurden.

Als nächste große Schiitengruppe ist der SCIRNI unter dem Hakkimclan  zu verzeichnen, der sehr eng mit dem Iran zusammen ist und auch ein theokratisches System im Irak haben möchte.Zudem schickt der Iran immer mehr Revolutionsgardisten und Theologen nach Irak, um diesen von seiner quietistischen Ausrichtung wegzubewegen, wie auch die vom Iran ausgerüsteten Schiitenmilizen bei der Bekämpfung des IS sich Lorbeeren verdienen, aber auch für ihre Rachefeldzüge gegen Sunniten bekannt sind.

Zuletzt gibt es dann noch die Schiitenmilizen um Muktadar al Sadr.Die Sadrs waren eine angesehene theologische Familie und nach dessem Vater wurde auch der Stadteil Baghdads Sadr-City benannt. Muktadar nun wiederum kämpft zwischen vielen Fronten. Zum einen ist er ein irakischer National- und Sozialrevolutionär, der die Einheit des Iarks gesichert und die Eigenständigkeit vom Iran gesichert wissen will. Zum anderen hätte er gerne einen islamistischen Gottesstaat, verfügt aber selbst nicht über die Qualifikation eines schiitischen Theologen wie sein Vater, wenngleich er eine zeitlang im Iran war, um sich dies zuzulegen, wenngleich ohne Erfolg. Ob es an ihm oder am Iran lag–dahingestellt.Muktadar ist für seine ungezügelte spontane Militanz berühmt, scheint so eine Art schiitischer Röhm zu sein und musste von Großajatollah Sistani gerettet werden, als er die US-Besatzungstruppen angriff und von den USA ausgelöscht werden sollte. Sistani rettete den heißblütigen Muktadar el- Sadr mittels einer Friedensfahrt im Autokorso vor der Feuerkraft US-amerikanischer Vernichtung.Muktadar gilt da eher als zuverlässige, sich selbstauslöschende Hilfkraft für größere Ziele. Sistani sieht ihn als pubertierenden Jungspund, der aber guten schiitischen Willens sei, aber vor seinen eigenen Überreaktionen bewahrt und resozialisiert werden müsse.

Zumindestens wäre ein Krieg zwischen Saudiarabien und dem Iran nicht so einfach in der Dreiteilung Kurden, Sunniten und Schiiten zu sehen. Zumal eben im Iran ein Rouhanni eher dafür steht mit dem Irak gute Beziehungen zu haben, dem Irak kein iranisches Modell aufzwingen zu wollen, während seine iranischen Gegensüiber um Raisi, Ahmadinedschad und den Revolutionsgarden, Sistani am liebsten zugunten der Revolution des Iraks in Richtung iranischen Gottesstaat beseitigt sehen würden.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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