Behaltet Deniz Yücel-befreit die Hunderttausenden politischen Gefangen in der Erdogantürkei

Denis Yücel ist nun freigelassen. Jubelchöre über der deutschen Republik, obwohl gleichzeitig neue Oppositionelle, ob HDP, Journalisten oder CHP verhaftet und angeklagt werden. Zumal auch die Erdogan-Türkei neben der Verhaftung von über Hunderttausenden Menschen nun auch noch offen erklärt neue Großgefängnisse für die nächsten 100 000 neuen politischen Gefangegen bauen zu wollen. Free Deniz Yücel ist doch nur dazu gedacht, dass sich jetzt die deutsch-türkischen Beziehungen wieder „normalisieren“, was bedeutet, dass man die Repression der Erdogantürkei ansonsten hinnimmt, ihr vielleicht auch noch Visaerleichterungen, Zollunion, Waffenlieferungen aufgrund neuer „pragmatischer Partnerschaft“ angedeihen lassen will. Wäre da nicht, dass Erdogan nun auch offen der USA in Nordsyrien droht, ihr eine „osmanische Ohrfeige“ zu verpasse, zugleich Territorialstreitigkeiten um Zypern und die Agäis mit Griechenland anfängt. Mehr Feind, mehr Ehr, scheint es. Die FDP, Özdemir von den Grünen und Sahra Wagenknecht fordern da zurecht eine härtere Linie gegen die Erdogantürkei und keine Beschwichtigung. Aber die deutsche, französische und EU-Kommisionspolitk geht nun dazu über den hochgehypten Freilassungsfall Denis Yücel als Ausgangspunkt für eine „pragmatische Partnerschaft“ mit der Türkei zu sehen, bei der diese nicht zwar EU-Mitglied, aber NATO-Mitglied und mit allen Rechten bei der Zollunion bleibt, die erweitert werden soll. Kurz: Die Freilassung Denis Yücels wird als Auftakt für die Etablierung einer „pragmatischen Partnerschaft“mit der Türkei gesehen, wie sie Deutschland, Frankrecih und die EU auch mit Saudiarabien und China unterhält.Von dahersollte man all jenen Free Deniz- Unterstützern mal entgegenhalten, ob sie mit der Situation in der Türkei zufrieden sind, wenn ihr Idol freigelassen wird angesichts der über Hunderttausenden verhafteten Oppositionellen und den kommenden Präsidentschaftswahlen, bei denen Erdogan sich als alleinigen Diktator ernennen wird und dafür auch schon Großgefängnisse für weitere 100 000 politische Gefangene bauen lässt.Da wäre es besser, wenn die Türkei Deniz Yücel in Haft belassen hätte und man die Wahrnehmung der immer repressiveren Situation in der Türkei nicht so verschönern könnte.Man sollte nicht wegen der Freilassung einer mediengehypten und staatspolitisch hochgekrönten symbolischen Individualpersonalie die Repression der Türkei dadurch legitimieren, dass nun alles gut sei, nachdem man eine Person freilässt, während neue Personen festgenommen werden und Hunderttausende Personen in Erdogans Knästen schmachten. Daher: Behaltet Denis Yücel, wie auch die anderen Oppositionellen und lasst sie alle oder eben keinen frei!

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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