Irak: Islamistenführer Muktadar al Sadr im Bündnis mit der atheistischen Kommunistischen Partei Iraks (KPI) gegen Iran und die USA

von Ralf Ostner

Die kommenden Wahlen im Irak ergeben interessante neue Bündnisse neben der dominanten Dawa-Partei. Der islamistische Schiitenführer Muktadar al Sadr möchte  nun, dass seine islamistische Partei der Aufrechten ein Bündnis mit der atheistischen Kommunistischen Partei Iraks eingeht. Die KPI war vor allem in den 50 er und 60er Jahren sehr stark, dass die Sowjetunion schon hoffte, dass der Irak kommunistisch würde, aber die panarabische Baathpartei Saddam Husseins zerschlug dann unter Mithilfe der US-amerikanischen CIA die KPI, weswegen sie zu einer marginalen Existenz verdammt wurde. Nach dem Zusammenbruch der kommunsitischen Sowjetunion sollte sich ihre Bedeutungslosigkeit noch beschleunigen.

Um noch etwas Aufmerksamkeit zu erhaschen, schwenkte die KPI als erstes ihre Fahne, als US-Truppen fernsehgerecht in Baghdad einmarschierten und die Statue Saddam Husseins stürzten. Bevor die US-Truppen die US-Fahne über die Statue hängten, prangte als erstes die rote Fahne der Kommunisten.Infolge der sich verschärfenden Wirtschaftskrise, der konfessionellen Spannungen, der zunehmenden Korruption, des Aufkommens des IS und dem zunehmenden Einfluß des Irans auf die irakische Politik erstarkte die KPI wieder etwas, wenngleich sie immer noch eine recht kleine Parteiu bleibt.Jedoch hat sie einen guten Ruf unter den armen Schichten des Iraks als soziale, nationale und nicht korrupte Kraft, die sich zudem gegen ausländische Beeinflußung, sei es durch die USA oder Iran ausspricht.

Genau dieses Image will sich der islamistische al Sadr und seine Partei der Aufrechten nun zunutze machen, indem der schiitische Islamist nun ein Bündnis mit der atheistisch-säkularen KPI eingehen will.Während die KPI säkular, für Frauengleichberechtigung, Trennung von Religion und Staat eintritt, steht Muktadar al Sadr für das exakte Gegenteil, bis hin zum Verbot von Alkohol und Zigaretten. Al Sadrs soziale Basis deckt sich zum Teil mit dem der KPI: Die armen Slums in Ost-Baghdad (Sadr City), Hilla, Amara and Basra nebst anderen Städten. Aber er hat auch eine breite ländliche Basis, über die die mehr urbane KPI nicht verfügt.KPI und die Partei der Aufrechten haben die soziale Basis gemeinsam, wie sie auch national und antikorrupt sind.Muktadar el Sadr möchte gerne einen islamistischen Schiitenstaat unter seiner Kontrolle, der aber von den proiranischen Kräften und dem Iran unabhängig ist, weswegen er auch wie die Dawapartei neuestens von Saudiarabien umgarnt und unterstützt wird.

Dem Iran wiederum passt dies überhaupt nicht.Ali Akbar Vilayeti, ein Berater von  Irans Obersten Geistigen Führer Ali Khamenei kündigte bei seinem Besuch in Baghdad im Februar an, dass der Iran niemals wieder ein Erstarken von Säkularen, Liberalen und Kommunisten im Irak zulassen würde.Al Sadrs neues Bündnis mit der KPI setzt nun dazu einen antisektiererischen, antiiranischen Kontrapunkt.

Was sich die KPI ausmalt, ist fraglich. Das Bündnis dürfte mehr al Sadr nützen als der KPI–sie dient ihm nur als Lockköder. So neu sind solche Bündnisse auch nicht. Die kommunistische Tudehpartei im Iran hatte sich 1979 auch mit Ajatollah Khomeini verbündet, da sie in ihm wie auch die Sojwetunion eine antiamerikanische und antiimperialistische Kraft sah, um den Schah zu stürzen. Khomeini einmal an der Macht, zerschlug dann die Tudehpartei, errichtete seinen Gottesstaat und ließ die Kommunisten, Säkularen und Liberalen in die Folterkeller verbringen und sie massenhaft erschießen.Die KPI ist für den schiitischen Islamisten Al Sadr ein nützlicher Idiot und Steigbügelhalter, der auch säkulare Kräfte für seine Liste mobilisieren will, in der trügerischen Hoffnung al-Sadr würde sie nach einer Machtergreifung tolerieren.Vorerst ist er aber dazu nicht stark genug, weswegen sich diese Frage akut auch nicht stellt.

 

 



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