Die OPEC, Saudiamerica und North Stream 2

Katar will aus der OPEC austreten. Das klingt erstmals als Massnahme gegen den US-saudischen Boykott gegen Katar aufgrund seiner Türkei- und Irannnähe und alle drei Länder inklusive Russland und China stützen ja einander.. Kann aber Katar die OPEC so schwächen mit seinen 5% der Weltfördermenge? Eher unwahrscheinlich. Zumal eben gerade Saudiarabien selbst eine Studie zirkuliert hat, was denn bei einer Auflösung der Opec geschehe, die es selbst anstreben könne, um die Förderlimits zu umgehen. Experten weisen darauf hin, dass es schon früher Austritte aus der OPEC gegeben habe, wenngleich von unbedeutenden Staaten wie Ghana oder Ecuador, der grösste Schnitt mal mit Indonesien erfolgte, die dann aber wieder eingetreten seien. Die eigentliche Frage ist nicht, ob da mindere Staaten aus- und dann wieder austreten, sondern, dass Saudiarabien nun selbst überlegt die OPEC aufzulösen, zumal sie auch Trump ein Ärgernis ist—Saudiamerica first? Will die frackingstarke USA und das wichtigste OPEC-Land Saudiarabien da ein Bündnis gegen die Welt ohne OPEC eingehen.

Ob Saudiarabien soweit geht, bleibt noch fraglich, da es  dann eben in einer Zwangsehe mit den USA wäre ohne andere Optionen, zumal auch die Frage ist ob ein Saudiamerica den weltweiten Ölmarkt so beeinflussen könnte.Oder will Muhammed Bin Salmann nicht nach allen Seiten zeigen, dass Saudiarabien immer noch ein global player ist, der mit allen Optionen drohen kann, um sie dann zu Zugeständnissen zu zwingen. Die Khasogghimordaffäre ist ja schon fast vergessen, auch wenn die Türkei noch etwas stichelt. Nachdem die CIA ihn für den Mord verantwortlich machte, ahebn sich Trump und Pompeo nun vor ihn gestellt und als Unschuldslamm dargestellt, zumal Trump ja selbst erklärte, selbst wenn er es gewesen wäre, ihm das egal sei.Zudem ist neben dem Öl auch das Naturgas ein wesentlicher Energielieferant und hier sind Katar, Iran und Russland die wesentlichen Produzenten, nicht Saudiarabien oder die USA.Mal eshen, ob sich auch noch eine LNG-OPEC fomriert, von der nichts zu sehen ist.

Interessant in diesem Zusammenhang, dass die FAZ in Bezug auf Deutschland auch mal einen Aufklärerartikel schreibt „Woher kommt das deutsche Öl?“. Während viele noch glauben aus dem Nahen Osten, zeigt die Statistik vor allem Russland mit 40%, dann Grossbritannien und Norwegen, desweiteren Kasachstan als wichtigste Erdöllieferländer. Irak, Iran, Saudiarabien fast nichts, etwas aus Algerien, Lybien und Nigeria.

Kurz. Die Deutschen haben sich grossteils aus dem Nahen Osten verabschiedet und setzen auf europäische und russische und postsowjetische Zulieferer. Deswegen wohl auch Trumps Wut gegen Deutschland. Aber selbst, wenn North Stream 2 nicht käme, so wäre doich Russland, die europäischen Staaten und die psotsowjetischen Staaten wie Kasachstan und Aserbeidschan die wesentlichen Zulieferer. An der Grundstruktur würde das nichts ändern. Auch wenn mehr LNG Marke USA verkauft würde.

Die deutsche Regierung scheint die Kalkulation zu haben, dass Russland ein allemal sicherer und kostengünstigerer Öllieferer ist als die USA oder der Nahe Osten, inklusive der Transitländer Polen und Ukraine, die immer wieder Öl abzapfen und Deutschland in Konflikte mit Russland verwickeln könnten. In Deutschland scheint die Devise zu herrschen: Russland wird so verlässlich sein wie die Sowjetunion, da es sich nicht seinen eigenen Devisenbringer abschneiden will, zumal es auch schon recht folgenlose Streitigkeiten um das Erdgasröhrengeschäft Deutschlands mit der Sowjetunion unter der Schmidt/Kohl-Regierung mit der Reagan/Bush-Administration gab wie halt nun mit Trump wegen North Stream 2 und LNG..Über die infolge der Ukrainekrise geforderte EU-Energieunion hört man inzwischen auch nichts mehr, wahrscheinlich auch weil die verschiedenen europäischen Staaten ihre eigene Energiepolitik machen.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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