Chinas Neue Seidenstrasse auch als Mittel den Yuan zur Weltwährung zumachen?

Inzwischen liest und hört man ja viel über Chinas Neue Seidenstrasse. Die Motivation, eigene Überkapazitäten abzubauen, überschüssiges Kapital zu investieren, neues Weltwirtschaftswachstum zu generieren, ein sinoznetrisches Welthandelssystem und eine von China im 21. Jahrhundert dominierte neue multipolare Weltordnung zu schaffen.Neben der Neuen Seidenstrasse besteht bei China mit seinem Programm China 2025 auch noch das Ziel weltweit führende Hochtechnologienation zu werden und auch den chinesischen Yuan zum Weltgeld aufsteigen zu lassen. Einen Etappensieg konnte China hier mit der Akzeptanz des Yuan als Reservewährung durch den US-kontrollierten Internationalen Währungsfonds (IWF) erzielen.

In dem neuen Buch „Chinas Neue Seidenstrasse-Kooperation statt Isolation-Der Rollentausch im Welthandel“ von Wolf D. Hartmann, Wolfgang Maennig und Run Wang wird aber auch noch die These vertreten, dass Chinas Neue Seidenstrasse und die Gründung der Asiatischen Infrastrukturinvestitionsbank (AIIB) auch ein Mittel zu dem Zweck ist, den Yuan bei seinem Aufstieg zur Weltwährung zu helfen. Nicht durch direkte Konkurrenz zum Dollar, sondern mittels der Schaffung eines AIIB-Currencywährungskorbes- und somit Währungsblocks, innerhalb dessen der Yuan dominant wird. So schrieben die Autoren:

„Für Großprojekte wie die OBOR-Initiative spielen die Finanzierung und die Stärke der chinesischen Währung eine entscheidende Rolle. Lange Zeit wurde der wirtschaftliche Aufschwung Chinas als einseitig industriell untermauert betrachtet. Doch das hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Heute schon spielt die chinesische Währung im Handel eine größere Rolle als der Euro, wenn auch in Relation zum US-Dollar noch eine relativ kleine. Die chinesische Zentralbank, die People´s Bank of China (PBoC), ist längst auf dem Weg ihre Währung zu einer der internationalen Leitwährungen zu machen. Dazu entkoppelte sie den Renminbi(RMB) tendenziell vom US-Dollar. Der Wert des Yuan soll künftig über einen Währungskorb bestimmt werden, den CFETS RMB-Index. Das China Foreign Exchange Trade System (CFETS) wirkt dafür als Namensgeberin. (…) China bemüht sich also intensiv, seine Währung international unabhängiger aufzustellen und auch gegenüber anderen Weltwährungen direkt kovertierbar zu gestalten. Für jede internationale Beteiligung an den OBOR-Projekten sind Währungsstablität und KOnvertierbarkeit einscheidende Vorraussetzungen (…) 57 Länder unterzeichneten am 29.Juni 2015 in Peking die Gründungsurkunde der AIIB. Ergebnislos versuchte Washington, den chinesischen Gegenentwurf zur Weltbank aufzuhalten. Der Entwicklungsbank für Asien traten auch wichtige europäische Player nach und nach bei-Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien (…) Neben der Entwicklung der MItgliedschaft in der AIIB und den Versuchen der US-Amerikaner gegenzusteuern, ist entscheidend, in welcher Währung die Kredite vergeben werden. Hierbei geht es vor allem um drei Möglichkeiten:

-Nutzung des US-Dollars (bisher überwiegend der Fall)

– Nutzung des Renminbi/Yuan

– Nutzung eines Währungskorbs der MItgliedstaaten der AIIB

China strebt dabei geschickterweise keinesfalls direkt an, den Yuan durchzustezen, sondern setzt eher auf die Währungskorblösung im Sinne einer „AIIB Currency“. Mit der Währungskorblösung hofft die AIIB, auch im Hinblick auf mögliche Turbulenzen der Währungen stabiler zu werden. Erfahrene Banker sehen jahrelange Streitigkeiten um die spezielle Zusammensetzung eines speziellen AIIB-Währungskorbes und empfehlen mit dem US-Dollar zu starten und später einen Mix aus Dollar und Yuan durchzustezen. Andere führende Ökonomen sehen Chinas Wettlauf um mehr Einfluss im Weltwährungsgeschäft geschwächt, wenn die Dominanz des Dollars auch in den geplanten großen Infrastrukturinvestments bestehen bleibt.“

( Die Neue Seidenstrasse, S.40 ff.).

Es bleibt zu beobachten, inwieweit die Neue Seidenstrasse Fortschritte macht und wie China seinen Währungskorb entwickelt. Rückschläge sind da keineswegs ausgeschlossen.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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