Unwort des Jahres: Clan

Es wird jetzt von der Politik und den Medien gehypt: Die Clankriminalität.Was ist ein Clan? Ist eine Großfamilie mit 10 Angehörigen schon ein Clan oder ab 50 oder ab 100 oder ab 1000? Wieviele Clans gibt es und was ist die Definition? Ab wann ist ein Clan kriminell? Wenn einige Angehörige kriminell sind oder der Großteil oder alle? Gibt es auch nichtkriminelle Clans? Wieviele Ausländer in Deutschland oder Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland leben in Clans? Zudem teilte das BKA mit, dass es in Deutschland etwa 50 kriminelle Clans gebe. In den Medien tauchen seit über einem Jahrzehnt auch immer wieder dieselben 4-5 selben Clans auf. Ist dies solch ein Massenphänomen oder nicht eher die exotische Ausnahme? Besteht das Organisierte Verbrechen dominant aus Clans und Großfamilien (libaneisch, türkisch, arabisch, italiensisch, albanisch) oder etwa eher nicht? Bevor man in den Medien und von der Politik keine grundsätzlichen Definitionen, Einordnungen und Informationen erhält, sollte man dieses alarmistische und sensationalistisch mediengehypte Clangerede nicht unrelektiert übernehmen.Bei Wikipedia erfährt man auch nur folgendes und liest sich dies weniger dramatisch:

„Die Entstehung des Phänomens der Clan-Kriminalität geht bis in die 1980er-Jahre zurück. Damals herrschte im Libanon Bürgerkrieg, weshalb insbesondere kurdische und palästinensische Familien nach Deutschland migrierten. Hier war ihnen jedoch zunächst der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt und auch ihre Kinder traf keine Schulpflicht. Diese Umstände gelten heute als eine Ursache für das Entstehen entsprechender Parallelgesellschaften und deren Delinquenz. Teile der Großfamilien verlagerten sich auf illegale Aktivitäten, um ihren Lebensstandard zu heben (…) Kriminelle Großfamilien siedeln sich vor allem in Ballungszentren an. Als besonders betroffen gilt Berlin, wo die Polizei von 15 bis 20 entsprechenden Clan-Gruppierungen ausgeht und wo auch der bekannte Abou-Chaker-Clan residiert. In der Hauptstadt wird mindestens ein Fünftel der organisierten Kriminalität Clan-Strukturen zugerechnet. Als weitere Schwerpunkte gelten die Bundesländer Bremen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. In Nordrhein-Westfalen ist das Phänomen dabei vor allem im Ruhrgebiet und dort in Städten wie Duisburg,Essen, Dortmund und Gelsenkirchen verbreitet. Die Polizei des Bundeslandes geht von rund 50 aktiven Clans aus, die teilweise auch im ländlichen Raum aktiv seien. InNiedersachsen sind 13 Städte bekannt, in denen sich Angehörige von Großfamilien niedergelassen haben. InBaden-Würtemberg, Sachsen, Hamburg und Saarland ist Clan-Kriminalität weniger ausgeprägt, die Protagonisten stammen zudem zumeist nicht aus dem arabischen Bereich, sondern vomBalkan und Osteuropa. Keinerlei Clan-Aktivitäten sind dagegen in Bayern und Schleswig-Holstein sowie den ostdeutschen Bundesländern Brandenburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Meckelnburg-Vorpommern bekannt.“

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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