Schiitischer Islamismus im Irak: Theokratie ala Iran oder islamistische Präsidentschaftsdiktatur ala sunnitische Muslimbrüder?

Ich hatte diese Woche ein Korrespondenz mit einem deutschen Diplomaten, wobei mich folgende Frage beschäftigte: Bei der Beschäftigung mit dem Islamismus wäre auch einmal die irakische Parteienszene wichtig. Ich bin mir unschlüssig, ob die Dawa Partei eine evolutionäre islamistische Partei nach dem Vorbild der Mulimbrüder ist (das iranische Khomeinisystem einer Theokratie lehnen sie ja ab). Der irakische SCIRI wie die Badrmilizen sind proiranisch und befürworten das iranische System. Bei Muktadar el Sadr ist es wohl richtig, dass er Islamist ist, aber er weist auch starke Züge eines irakischen Nationalisten auf und möchte seinen eigenen iorakischen Islamismus, der unabhängig vom Iran ist und auch Irak nicht zu einer Kolonie des Irans werden lässt–ganz wie Großajatollah Sistani. Großajatollah Sistani ist Quietist, lehnt das Khomeinisystem ab und hält sich zumeist aus der Politik heraus, ja übt einen moderaten Einfluß aus. Pompeos Besuch im Irak zeigte, dass genannte Gruppen und Führer sich aus einem Krieg mit dem Iran heaushalten wollen, Mukatadr el Sadr kündigte gar an, sich gegen die USA zu wenden, wenn sie gegen den Iran einen Krieg beginnen wollen.Wie schätzen Sie die irakische Szene ein?

„Lieber Herr Ostner,

Ihre Fragen zum Irak sind zutreffend und auch vor dem Hintergrund des jüngsten Pompeo-Besuchs in Bagdad zeitgerecht.

Nun bin ich kein Irak-Spezialist und kann daher auf Ihre Fragen nur ziemlich allgemein und auf der Grundlage von Gesprächen mit Spezialisten während der letzten Monate antworten. Danach ergibt sich für mich folgendes Bild:

Die westliche öffentliche Meinung und Einschätzung stimmt mit der Realität im Zweistromland nicht überein. Dort sieht die Lage wie folgt aus: Seit 2003 gab es eine weitgehende, nahezu vollständige  ethnische und religiöse Entmischung. Die verschiedenen Gemeinschaften leben in getrennten Wohngebieten mit jeweils eigenen Sicherheitskräften. 

Die Hauptfrontlinie verläuft zwischen Schiiten und Sunniten, die Schiiten dominieren. Das iranische System (Theokratie) wird weder von Muktadar el Sadr noch von Sistani abgelehnt, sie wollen es nur im Irak nach ihren Bedürfnissen umgestalten und inutzen. Beide lehnen die USA und das westliche Modell grundsätzlich ab, wollen sich aber auch nicht von den Persern bevormunden lassen.

Seistani galt manchem Gesprächspartnerals als noch gefährlicher als el Sadr. Warum? Die Antwort meiner Gesprächspartner: Ja, er ist „Quietist“, aber das heißt noch lange nicht, dass er ein „Moderater“ ist. Im Gegenteil: Sistani nimmt als religiöser Führer zwar keine direkte Stellung zu politischen Tagesfragen, aber er hat niemals explizit die Schiiten des Irak aufgerufen, auf Gewalt zu verzichten und sich als Mehrheitsbevölkerung des Landes auf den demokratischen Prozess zu verlassen. Durch sein Schweigen hat er die Radikalen ermutigt: qui tacit consentire videtur! Trifft diese Einschätzung zu? Ich weiß es nicht. Aber El Sadrs Ankündigung, auf Seiten der USA gegen den Iran kämpfen zu wollen, gehört meiner Meinung nach in den Bereich fake news.

Auf der sunnitischen Seite halte ich von der Bezeichnung „evolutionäre Islamisten“ wenig. Moslembrüder sind Moslembrüder, sie wollen die Scharia und bestimmt nicht eine Gesellschaftsordnung westlichen Modells.

Kurzum: Die politische Kräfte des Irak stehen mit Ausnahme der Barzani-Kurden nicht auf Seiten der USA und des Westens, sondern in Opposition dazu. Das bedeutet natürlich nicht, dass sie den Iran unterstützen, aber sie werden sich auf nicht auf die Seiten der USA stellen, sondern sich allenfalls ihr Stillhalten mit viel Geld abkaufen lassen. Anschließend verfolgen sie materiell gestärkt ihre anti-westlichen Ziele weiter.

Mit großer Sorge sehe ich vor diesem Hintergrund, dass Washington – unser wichtigster Verbündeter – unter Trump denselben Fehler begeht wie andere republikanische Administrationen vor ihm, nämlich eine militärische Intervention in einem arabischen bzw. islamischen Land ohne sorgfältige Lagebeurteilung und Vorbereitung. Die Folgen waren jedesmal katastrophal. Ich erinnere an die Libanon-Intervention in den 80er Jahren („redeployment on our ships“), an Somalia („Black Hawk Down“), Afghanistan, Irak, Libyen („Bengazi“). Nun werden die Kosten an Gut und Blut für die USA und die Welt im Falle des Iran noch höher! Die jetzige US-Administration unter Trump, Bolton und Pompeo lässt den Beobachter verzweifeln – und die Führer in Moskau und Peking frohlocken. Für sie ist es ein Geschenk des Himmels, tertius gaudens zu sein.“

Ihre Einschätzung von Großajatollah Sistani finde ich interessant. Man muss aber auch festhalten, dass er bisher noch keine Führerfigur mit direktem Machtanspruch ala Khomeini war, noch ein Referendum ala Iran 1979 über eine islamistische Verfassung angestrebt hat. Ob er das nicht will weil er Quietist ist oder aber weil es die riakischen Machtverhältnisse nicht zulassen, bleibt offen. Ich hatte diese Diskussion schon mit Vertretern mit Voice of America und Radio RFE/RL in Prag und als ich meinte, Sistani könne sich als der neue Khomeini erweisen, heftigen Widerspruch erhielt. Laut deren Experten sehe Sistani zwar wie Khomeini aus, man dürfe sich aber nicht von seinem Äußeren (schwarzer Turban, grauer Bart) täuschen lassen, der Mann sei Quietist und unbedenklich, ja gerade der benötigte Moderator, um die Lage im Irak zu stabilisieren. Zudem wurde auf Sistanis Marsch nach Baghad verwiesen, als er mit einem Hilfskonvoi Muktadar El Sadr zu Hilfe kam, da sich dieser mit den USA militärisch angelegt hatte und die Amis ihn einfach plattmachen wollten. Zudem sahen einige Neocons wie Reuel Marc Gerecht in den Schiiten und in Großajatollah Sistani und seiner damaligen Fatwa für den Nachrkiegsirak schon im Jahre 2004 das Nahen der Demokratie:

„Ayatollah Democracy

Arrogant, dogmatic, and anti-American, Iraq’s Shiite clerics are the last people enlightened Westerners want to see in power. Let’s hope they prevail

The political future of Iraq may be determined here. The town is home to Grand Ayatollah Ali al-Husseini al-Sistani, Iraq’s most influential Shiite cleric and the man who, on June 29 of last year, issued a fatwa that almost instantly unraveled America’s go-slow planning for the postwar reconstruction of Iraq. The fatwa asserted that the United States had no legitimate role to play in determining Iraq’s new political makeup—an announcement that made international headlines and exerted a profound effect on Iraqi public opinion. Yet almost no observer has pointed out what was most remarkable about the fatwa—namely, that despite its having been issued by a powerful religious leader who has devoted his life to the study of Islamic law, it was a flawlessly secular proclamation that clearly and concisely established „the people“ as the final arbiters of Iraq’s political system.

Sistani’s fatwa is worth quoting.

The Occupational Authority in no way has the authority to choose members for the drafting committee of a Basic Law. In no way does any authority exist for such a drafting committee to represent the lofty interests of the Iraqi people or to translate into law the wishes and basic identity of the Iraqi people, the pillars of which are the glorious faith of Islam and society’s values. The current [American] plan discussed is fundamentally unacceptable.

Accordingly, popular elections are necessary so that each Iraqi who is of voting age can choose his representative for a constituent assembly. And then any Basic Law written by this assembly must be approved by a national referendum. It is incumbent upon all believers with their utmost commitment to demand this, and asserting the truth of this path is the best way that they can participate in this process.

In Islamic history this opinion is unprecedented. Its references to Islam verge on the pro forma. It makes no allusion to any duties that man owes to God (huquq Allah), which is a theme common in both traditional and modern fundamentalist thought. Instead it speaks the language of inalienable rights: one man, one vote; and a constitution written by elected representatives and approved by popular referendum. In this one bold stroke Sistani managed to launch, and garner popular support for, a project that Muslim progressives have only ever dreamed of: establishing a democratic political order sanctioned and even protected by the clergy. (…)

Sistani’s efforts build on the unintentionally democratic consequences of Iran’s experience with Ayatollah Ruhollah Khomeini. It was in Najaf that Khomeini perfected his political theory of a cleric-led Islamic revolution. He lived in Najaf from 1965 to 1978, when Iran’s Shah Mohammad Reza Pahlavi unwisely had Saddam Hussein boot him out of Iraq; Najaf was too close for comfort for Pahlavi. Khomeini and his lieutenants moved to a Paris suburb, where, no longer under Iraqi surveillance, they let loose a torrent of anti-Shah propaganda by radio, cassette, telephone, and fax—and soon showed that the Islamic clergy could call a king to account. Khomeini transformed the Shiite clergy into an organized vanguard to propel the masses into the streets. In 1979 he submitted the idea of an Islamic republic to an up-down popular vote. Regular elections, with some element of competition, are now essential to the regime’s conception of its own legitimacy.

But Khomeini was obviously not a democratizer. His goal was to install a ruling clerical elite devoted to the Koranic concept of an absolute God. Once in power, he and his colleagues gutted the Iranian constitution (initially drafted by pro-revolution liberals), removing any meaningful commitment to democracy. In the process he demolished the legitimacy, though not the fact, of absolute clerical rule, thus paving the way for Sistani’s current efforts.

Even among those who view Sistani as a stabilizing force in Iraq—he has, after all, reached out to Sunni Arab clerics, has worked against the young anti-American Shiite firebrand Muqtada al-Sadr, and usually recommends cooperation, not confrontation, with the occupation—suspicions about his political intentions abound. Some look askance at his „Persianness.“ Like many other Shiite clerics in Iraq, he is Iranian by birth and early education. There is something unsettling in many American—and in many secular Iraqi—eyes about the political ascendancy of Persian mullahs, even if they’ve spent more than fifty years in Iraq. Some people simply don’t believe that one of them will ever be able to subordinate Islamic holy law to the ever-changing norms and dictates of democracy.

My view, based on conversations I’ve had during the past several months with Shiite clerics in Iraq, is more sanguine. In Najaf I met with Izz al-Din al-Hakim, the youngest son of Iraq’s second most powerful Shiite cleric. „Khomeini was a great man,“ Hakim told me evenly, as he guided me through Najaf’s twisting walkways to the home in which Khomeini had lived—an old, unpainted, sand-scratched wooden house with small barred windows. „He triumphed over the Shah, who was not a good man to his people. But Khomeini is the past. His way is not the future of Iraq.“ I also met Sheikh Muhammad al-Haqqani—a highly respected teacher and senior cleric of Iranian origin, who is close to Sistani. At his religious school in Najaf, Haqqani invited me to join a group of Iraqi and Iranian clerics for a spread of lamb, chicken, and river fish. „We want a non-Islamic government that is respectful of Islam,“ he told me during lunch. „There is a serious discussion of the Islamic Republic and the idea of Islam in Iraq. After Saddam there is a strong desire to have more Islam here. We will not be Turkey. The Turkish Republic is offensive to the idea of Islam. However, very few people want to see an Islamic revolution and the velayat-e faqih [Iran’s „rule of the jurisconsult“]. There is no strong desire here to copy the Islamic Republic.“

The clerics I spoke with were aware of the stakes, at home and abroad. „We need the Americans, but the Americans need us,“ I was told by Sayyid Ali al-Waiz, a senior Shiite cleric at Baghdad’s Kadhimein shrine, one of the holiest in Iraq. „Democracy in the Middle East will not be possible without us.“ Dressed in white, Waiz was bedridden and weak (if not dying) from twenty-three years of detention under Saddam. When I asked about the possibility that an anti-democratic Shiite militancy would gain the upper hand in Iraq, Waiz mildly reproved me: „We are all agents of Sistani, who is our marja [’source of emulation’—the highest rank for a Shiite cleric]. He is a rational religious scholar. He wants us to live religious lives, but not have religion dictate politics. We must have democracy, not revolution, in Iraq.“

https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2004/09/ayatollah-democracy/303423/Dennoch glaube ich wie sie, dass sowohl Sistani wie El Sadr auf einen islamistischen Staat hinarbeiten, vielleicht nit mittels einer Theokratie aber nach Muslimbbrudervorbild durch einen gewählten Präsidentendikator und fraglich bleibt auch die Rolle der Dawapartei. Da El Sadr keine theologischen Weihen wie Sistani und Khomeini oder sein eigener  Vater hat, kann er auch keine Theokratie nach iranischem Vobild etablieren, da er da selbst nicht die Kredenzien hätte. Oder aber falls er das wollte, müsste er einen anderen geistlichen Führer ranlassen oder schmierenkommödienhaft selbst zum Ajatollah ernannt werden. Die Dawapartei dürfte auch keine Theokratie ala Iran vorschweben, eher eine islamitische Präsdientschaftsdiktatur nach Vorbild der sunnitischen Muslimbrüder. Modell Erdogan,, Ennadah-Ghannouchi oder Ägypten-Mursi. Der irakische SCIRI wie die Badrmilizen sind proiranisch und ein Teil befürwortet das iranische System .Ich schätze auch im schiitischen Islamismus dürfte es da verschiedene Modelle geben. Irak ist da eigentlich das Inkurbationszentrum für den schiitischen Islam geworden, Kerbala/Nadjaf und Qom als Gegenpole, wie damals im Kommunismus Peking/Moskau. El Sadr dürfte aber nicht mächtig genug sein, eine Präsdientschaft zu erreichen, da braucht es eher die Dawa, aber auch diese muss Kolaitionen mit säkularen Kräften eingehen wie jetzt auch Muktadar el Sar mit den Kommunisten eine konfessionsübergreifende Allianz geformt hat. Meiner Ansicht nach sind die politischen Gruppen im Irak heterogener als die im Iran 1979, von daher auch nicht so einfach ala Khomeini 1979 ein theokratisches System zu errichten, da auch die Gegnerschaft zu einem solchen Sytsme in die Schiiten weit hineinreicht. Zumal fällt auch der Überraschungsmoment ala Iran 1979 weg und hat auch das iranische Ajatollah- und Mullahregime viele Gegner unter den Schiiten. Ich habe auch nicht geschrieben, dass El Sadr im Falle eines Krieges mit dem Iran auf Seiten der USA mitkämpfen würde–eher ist das Gegenteil zu erwarten. cht

Mit evolutionären Islamisten verbinde ich gerade nicht die Vorstellung einer sich an westlichen liberalen Demokratien orientierenden Islamisten. Ich unterscheide zwischen revolutionär-militante und evolutionäre Islamisten Beide haben als Ziel einen islamistischen Gottesstaat mit Scharia, die in ihrer Form auch etwas unterschiedlich sind. Es bezeichnet die Wahl der Mittel, nicht des Ziels. So schrieb ich in dem Manifest des linken Counterhjiahds:

„Islamismus sind zwei wesentliche Strömungen: Die offen-aggressive, militaristische, putschistisch.militante Variante des Islamischen Staats, der Taliban, der Boko Haram, der Al Shabab, der Al Kaida, der Al Nusra, der Ahrar al Sham, der Jayes el Islam, der Jayesh el Fatah, der Junus al Sham,etc. Die mittels militärischer Machtergreifung und Guerillakrieg die Macht und Territorium erlangen wollen. Islamisten sind für uns auch genauso die evolutionären Islamisten, die sich am Anfang friedlich und evolutionär geben, ihre eigenen Geheimdienst, Milizen, Zivilgesellschaft, karikativen Sozialstaatsorganisationen aufbauen, um dann als breit verankerte Massenpartei demokratisch gewählt zu werden und demokratisch legitimert auch Referenden abhalten zu können, die die Demokratie beseitigen und eine islamistische Diktatur ganz demokratisch herbeizubringen.“

Nun mal eine steile These von mir: Sistani, el Sadr und Dawa wollen einen islamistischen Staat nach sunnitischem Präsidentschaftsdikaturmodell der Muslimbrüder und der AKP , aber die heterogenen Machtverhältnisse im Irak und auch die Stärke der säkularen Schiiten und anderer Gruppen haben anders als die relativ homogene schiitische Bewegung im Iran 1979 dazu geführt, dass sie das zwar wollen, aber aufgrund der diffusen Machtverhältnisse nicht können.Deswegen haben wir noch eine Demokratie im Irak.Die Frage ist, ob ein Krieg der USA mit dem Iran die schiitschen Islamisten homogener werden lässt oder weiter heterogenisiert.

Meiner Ansicht nach vereinfachen Sie die Schiiten ähnlich grobschnitzartig wie Scholl Latour zu sehr als homogenen Block. Zwar zeigte Malikis Antisunnitenpolitik, die aber auch der Angst geschuldet war, dass Baathisten wieder einen Putsch oder Aufstand herbeiführen könnten, wie auch die Mobilisierungskraft des Islamischen Staates unter den Sunniten , dass diese Grobtrennung schon stimmt, aber man muss auch sehen, dass es etwa konfessions- und über ethnische Gruppen übergreifende Bündnisse wie etwa el-Sadrs Wahlbündnis oder andere schiitische Parteien gibt, in deren Reihen auch Sunniten aufzufinden sind. Zumal nach den Erfahrungen mit Maliki und IS, die sich gegenseitig hochkatalysiert haben, auch ein gewisser Lerneffekt eingetreten ist., der aber umgekehrt auch nicht irreversibel sein muss.

Interessant aber wird die Frage, wie die schiitischen Parteien im Falle eines US-Kriegs mit dem Iran reagieren. Meine Einschätzung: Sistani und Dawa werden sich wie auch die säkularen Parteien heraushalten, SCIRI/Badrmilizen und el-Sadr samt andere proiranische Milizen, die gute Kontakte zu Irans Revolutionsgarden haben  in der Gefahr stehen sich gegen die USA zu positionieren, um dann wieder mittels Sistani gezügelt zu werden, der ihnen klarmachen will, dass es um den Wiederaufbau und nicht die weitere Zerstörung des Iraks geht, der sicher wäre sollte das Land in einen Krieg reingeziogen werden. Zumal die US-Besetzung vorrüber ist und nur noch 5000 US-Truppen im Land stehen, deren Abzug gefordert wird., aber deren wegen man wohl keinen Krieg mit den USA riskieren will, zumal John Bolton ja jeden Anschlag auf US-Truppen im Irak und anderswo als vom Iran inspiriert darstellen und dann als Vorwand für Militärschläge oder eben einen Krieg erst recht nutzen könnte. Wie Saudiarabien bezüglich der Sunniten im Irak und zu den anderen Parteien agieren wird, bleibt auch noch ein Parameter in dem Konflikt und könnte den Konfessionskrieg eventuell wieder anfachen.

Und um eine unwahrscheinlichere , aber auch nicht ganz auszuschließende Option zu bedenken: Was passiert, wenn der Iran im Falle eines Airseabattles und Cyberwars der USA gegen seiun Land, die Vorwärts- und Eskalationsvariante wählt und iranisches Militär und Revolutionsgarden in den Irak einmarschieren lässt in Hoffnung auf schiitische Solidarisierungseffekte und zum Schließen des schiitischen Halbmonds bis Syrien, Libanon und mit Unterstützung der Hamas den Konflikt ausweitet, vieeleicht auch Nordsaudiarabien mit seiner Schiitenbevölkerung einnimmt, bzw, über Südirak Saudiarabien angreift und vielleicht auch gegen Israel wendet, vielleicht auch zum European Song Contest in Jerusalem? Wie würden Sistani, el-Sadr und die anderen Schiiten und Iraker, ja Araber dann reagieren, zumal die USA dann vielleicht doch überlegen müssten, ob Airseabattle und Luftschläge nebst Cyberwar reichen oder man sic nicht doch zu „boots on the ground“gezwungen sehe, sollten die Stellvertreterkräfte nicht ausreichen. Wahrscheinlicher wäre aber dann, dass die USA den Iran dann so in Schutt und Asche legen würden, dass auch alle verzweifelten Expansionsmanüver im Falle des Kollaps der Heimatfront zusammenbrechen würden.

Trump hat jetzt Rohuani Gespräche angeboten, er müsse nur anrufen, solle aber auf keinen Anruf von Trump warten. Rouhani hat jetzt erklärt, dass er sich Gespräche vorstellen könne, wenn Trump wieder dem Atomdeal beitrete und die Sanktionen aufhebe, was dieser natürlich nicht machen wird. Trump geht es um Neuverhandlungen, die bewirken, dass der Iran generell sein Atomprogramm einstellt, seine Raketenprogramm auf Eis legt, seine Revolutionsgarden und Stellvertretermilizen in Syrien, Jemen, Irak zurückholt, die Unterstützung von Hisbollah und Hamas samt Heiligen Dschihhad in Palaästina aufgibt. Der Iran soll als expansive Regionalmacht ausgeschlatet werden und sich in einen friedlichen Ölzulieferer verwandeln, der auf Revolutionsexport im Greater Middle East verzichtet. Und sollte dies nicht geschehen geht es Bolton im Kern erst einmal darum die iranischen Atomanlagen und die wesentlichen Raketenstätten zu vernichten. Das ist aber nicht so einfach wie im Falle Osiraks/Irak, wo die Israelis einen überirdischen Testreaktor bombadierten, der zumal noch nicht im Betrieb war. Die iranischen Atomanlagen sind aber übers Land verstreut,teils verbunkert und gehärtet. Ich kenne mich da militäriisch nicht so aus, ob das die vielgepriesenen earth penetrators bewerkstelligen könnten. Und wie sieht es eigentlich mit der radioaktiven Verschmutzung aus–bleibt die lokal begrenzt? Wobei Bolton hofft, dass es nach solch einem Militärschlag nicht zu einem Gegenschlag und den vielzitierten Flächenbrand kommt, zumal er auch der Ansicht ist, dass sich Rußland außer einigen obligatorischen Protestnoten in der UNO heraushalten wird. Und etwaige Flüchtlingswellen und DRogenflut betrifft den Witrschaftskonkurrenten Europa, während die USA über dem sicheren Teich sitzen.Gleichzeitig dürfte aber klar sein, dass Nordkoreas Kim angesichts der Entwicklungen im Iran von Denuklearisierung nichts wissen will.


Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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