Kurznotiz: Libyen-das Jemenszenario und die EU

Frage an einen verdienten Diplomaten des deutschen AAs:

General Haftar hat jetzt einen herben Rückschlag erlitten. Die Einheitsregierung hat die Stadt Gharyan eingenommen, de Haftar als Operations- und Kommandobasis für seine Offensive gegen Tripolis diente. Nun steht Tarhuna als nächses im Visier. Damit scheint Haftzars Plan, ganz Lybien zu erobern und unter seine Kontrolle zu bringen vor einem Scherbenhaufen, wobei die Einheitsregierung sich auch türkischer Hilfe sicher ist. Interessant, dass Haftar nu angekündigt hat, türkische Schiffe angreifen zu wollen.Nun weiß ich nicht, inwieweit er dazu in der Lage ist, dürfte seine Marine doch eher ein marginales Elend darstellen, aber es bleibt abzuwarten, wie Erdogan darauf reagieren wird. Die NZZ schrieb noch, dass die EU nun handeln solle und die Bemühungen um einen Waffenstillstand nicht mehr ausreichen, ja ein jemenitisches Szenario in Lybien drohe, wobei aber festzuhalten ist, dass im Jemen ausländische Streitkräfte Angriffe fliegen, in Libyen bisher nicht. .Unklar aber bleibt, was die EU denn in Lybien tun soll, mit welchen Zielen über einen Waffenstilstand hinaus  und Mitteln, zumal ja Frankreich und Italien hierbei auch zwei diametrale Positionen einnehmen.Momentan ist ja selbst ein Waffenstillstand scheinbar schon ein hohes Ziel. Wie sehen Sie das?

Antwort:

Lieber Herr Ostner,
es wird in Libyen weiter hin und her gehen.
Nachdem es Haftar nicht gelang, Tripolis rasch zu nehmen, musste er wieder zurück.
Wenn seine Gegner es nicht schaffen, Benghazi zügig zu nehmen, bleibt die Lage wie vor Haftars Offensive: Jemen-Szenario! Und ein Beispiel für die Hilflosigkeit der EU!

Meine Antwort:

der Begriff Jemenszenario passt nur zur Hälfte, denn die dortioge Eskalation im Jemen findet weniger durch die Bodentruppen der Houthimilizen und der Gegenkräfte statt, sondern diese Massaker sind vor allem ausgezeichnet durch das brutale Eingreifen ausländischer Luftwaffe und Raktenbeschüssen hier Saudiarabiens und der VAE mit Unterstützung der USA. Soweit ist es noch nicht in Libyen. Aber General Haftars Drohung türkische Schiffe anzugreiifen zielt weniger darauf ab, dass er deren Logistikunterstützung für die von der Türkei, Deutschland, Italien und der UNO unterstützten Islamistenregierung in Tripolis unterbinden will, sondern es wird eher darauf spekuliert, dass sich hieraus ein internationales Eingreifen der USA, Russlands, Israels, Ägyptens, der VAE, Frankreichs zu seinen Gunsten erfolgen könnte. Seine eigene Marine sind bessere umgerüstete Fischkutter, die bestenfalls Schlepper und Flüchtlingsboote angreifen oder abfangen können, aber sich bei weitem kein Trafalgar mit einer türkischen Marine leisten könnten. Er will also wohl einen Konflikt mit der Türkei und gegen die Muslimbrüder und Islamisten seitens der ihn unterstützenden Kräfte provozieren, in der Hoffnung, dass diese offen auf seiner Seite eingreifen werden, er will den Konflikt noch offener internationalisieren. Dies halte ich jedoch eher für eine desperate Aktion, die nicht von Erfolg gekrönnt werden sein wird. Also Jemenszenario eher in dem Sinne eines ewigen Hin und Hers.

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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