Was ist links und was sind die Aufgaben der Linken? Globalismus oder internationaler Liberalkommunismus als Zukunftsmodelle?

Seit dem Ende des Kalten Kriegs erklären viele Menschen, dass es kein links und rechts mehr gebe, nur noch rinks und lechts und diese Abgrenzungen keine Bedeutungen mehr hätten, ja man auch Querfronten bilden könne. Dass etwa Syriza mit den rechten Unabhängigen Griechen eine gemeinsame Koalition zur Durchsetzung der EU-Austeritätspolitik eingehen, wird da als Beispiel gebracht, dass die bisherigen Unterschiede sich auflösen würden. Oder dass der rechte, neoliberale philipinische Präsident Duterte in seine Regierung maoistische Kommunisten als Minister aufgenommen hat oder nun Teile der ehemaligen Kommunistischen Partei Italiens zum Anti-Establishmentbündnis mit der rechtspopulitischen 5- Sternebewegung Beppo Grillos aufrufen,  scheint selbige These zu unterstreichen. Es wäre so, als wenn die Linkspartei mit der AfD eine gemeinsame Regierung eingehen würde. Meiner Ansicht hängt dies auch damit zusammen, dass es in der traditionellen Linken einen ausgeprägten Nationalismus, der sich vor allem am Nationalstaat orientiert gab, eine gewisse Volkstümelei verfolgte und sich unter Kommunismus nur eine zentralistische Planwirtschaft unter der Diktatur einer Partei vorstellte und daher autoritäre Lösungen aller gesellschaftlichen Probleme bevorzugt.Während Marx , Lenin und Trotzki, die zwar auch autoritär dachten,  noch den Weltmarkt als grossen Vereiniger sahen, die Globaliserung sahen, einen internationalen Weltsowjet als Gegenmodell einer bürgerlichen Globalisierung, die in Nationalismus, Standortkonkurrenz, Imperialismus, Faschismus und Welktriegen münden musste und dies auch tat als Ziel hatten, so wurde dies spätestens unter Stalin, Mao, Ho Chi Minh, Castro, Kim Il Sung,Pol Pot in einen Nationalkommunismus überführt, der reaktionäre rechte Elemente geradezu beförderte. Dennoch polarisieren sich heutige Politiker trotz obiger Beispiele angesichts eines Jahrzehnts der gefeierten Mitte wieder immer mehr in rechts und links, sei es nun Bernie Sanders und Trump, Le Pen und Melechon oder die AfD und die Linkspartei und dass es zu Bündnissen zwischen diesen beiden Extremen ist sehr unwahrscheinlich.Dennoch gibt es Aufrufe Gysis und der Linken ein antifaschistisches Bündnis gegen die AfD mittels Landesregierungen auch mit der CDU einzugehen.Esgibt zwar begrenzt schon die Querfronten, doch bleiben sie ein eher begrenztes Phänomen. SPD-LINKSpartei-Grüne ist so weit entfernt, wie eben schwarz-grün nahe sein könnte. Doch das betrifft vor allem die reformistischen Teile der Linken, die nicht mal einev reale Machtoption haben und sich da anbiedern und keine grundlegenden Systemgedanken mehr wollen.

Jürgen Elsässer, der „Nationalbolschewist“ (Gauland/AfD), der sich für Querfronten ausspricht, wird jedoch von klarer denkenden Rechtsradikalen wie Götz Kubitschek ausgebremst. Kubitschek erklärte ganz offen, dass der Unterschied zwischen Linksnationalisten und Rechstnationalisten eben sei, dass erstere immer noch an die Gleichheit der Menschen glaubten, während die Rechte an die Ungleichheit der Menschen glaubte.Das ist schon ein wesentlicher Hinweis auf eine Unterscheidbarkeit, aber reduziert sich auf den alten Gegensatz zwischen bürgerlichen Aufklärungsidealen von Gleichheit, Brüderlichkeit und Freiheitlichkeit im Gegensatz zu den reaktionären Vorstellungen.

Jedoch ist die Berufung auf die Gleichheit der Menschen,dieses von allen, auch Linken vorgetragene „Buntsein“,  unabhängig von Religion, Rasse, Geschlecht und anderen Identitäten ein relativ schwaches Alleinstellungsmerkmal für eine Linke, da dies auch bürgerliche Kräfte und Reformisten teilen, zumal eben auch das Kapital und seine globalistische Entwicklung das Prinzip der Gleichheit der Menschen nur noch aufgrund von Leistungsfähigkeit und Sozialdarwinsismus unterscheiden, aber Religion, Rasse, Geschlecht oder Ethnie ihm ziemlich egal sind ,solange diese Leute gut.als individuelle Arbeitsnomaden oder eben im Team funktionieren zwecks Kapitalakkumalion. Es ist auch kein Zufall, dass die UNO-Menschenrechtscharta da keine Diskriminierung aufgrund von Klassen kennt, sondern sich dem bürgerlich-kapitalistischen Ideal von Gleichheit anschließt und auch Sozialdarwinismus nicht bannt. Von daher ist die Berufung einer Linken auf die Gleichheit des Menschen kein Alleinstellungsmerkmal und ohne den Kampf gegen soziale Diskriminierung unvollständig.

Ich möchte daher mal auf eine andere Vision kommen, um überhaupt noch eine Perspektive für links aufzuzeigen.

Die letzten verbliebenen linken Systeme schwanken recht autistisch zwischen dem Sozialismus des 21. Jahrhunderts Venezuelas, dem staatskapitalistisch-oligarchischem System Chinas oder Vietnams oder den Ideen einer Arbeiterbeteiligung an den Betrieben einer Ludwig Erhardtschen sozialen Marktwirtschaft einer Sarah Wagenknecht, die auch ein Gauweiler lobt, vielleicht noch zwischen Forderungen von Teilen des Silicon Valleys, deutscher Unternehmer und der Piraten nach einem bedingungslosen Grundeinkommen, zumal alle ja Nordkoreas System ablehnen.

Dies sind die wesentlichen Impulse der Linken und daran orientieren sich die meisten. Neue Überlegungen oder die Notwendigkeit mal etwas ganz Neues zu entwerfen und zu diskutieren, finden bisher nicht statt. Ausgespart bleibt auch die weitere Produktivkrfatentwicklung von Industrie 4.0 und der Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft, sowie eben die ganzen neuen Produktivkraftentwicklungen im Silicon Valleys und ähnlicher Orte, wo schon längst auch künstliche Intelligenz, Transhumanismus ala Ray Kurzweil und seinem Menschheit 4.0 und anderes diskutiert wird. Das Interview mit Deutschlands Starpopulärphilosophen David Precht mit Sarah Wagenknecht ist mir da noch in guter Erinnerung. Precht versuchte Wagenknecht klarzumachen, dass im Silicon Valley riesige Produktivkraftentwicklungen vor sich gehen, ja es eben auch die „Californian Ideology“gibt, die mittels ihrer technologischen Produktivkraftsentwiclungen heute die wesentlichen Treiber der Utopienproduktion ist. Mit all ihren utopischen, sozialdarwinistsichen Ausformungsmöglichkeiten.Wagenknecht wusste wie die meisten Linken gar nicht worüber Precht sprach. Es ist auch bezeichnend, dass ein Claus Kleber in seinem ZDF-Beitrag „Silicon Valley–Schöne neue Welt“ kurz vor Mitternacht über das Silicon Valley und die visionären Technologien dem Publikum überhaupt einmal nahebringen muss, was im Silicon Valley schon seit Jahrzehnten geschieht. Jedenfalls zeigt dies wie auch die mangelnde Literatur innerhalb der Linken bezüglich Produktivkraftentwicklungen, dass dies ein weißer Fleck ist. Wie schon bei den als Nebenwidersprüchen erklärten Frauenemanzipation, Emanzipation der Homosexuellen, dem Ignorieren ökologischer Fragen,etc. scheint die Linke nun auch die ganzen neuen Fragen der kommenden Produktivkraftentwicklung und ihrer gesellschaftlichen, nicht nur wirtschaftlichen Implikationen  mal wieder gehörig zu verschlafen.

Ebenso fehlt die Diskussion um andere Wirtschaftssysteme als die oben genannten linken Entwürfe. Hier haben bürgerliche, ja sogar exfeudalistische Ideologen schon die Führung übernommen. Sei es nun die sharing economy eines Jeremy Riffkin, der auch schon einmal einer Merkel Vorträge hält, sei es nun das Bruttonationalglücks Bhutans, das den bisherigen BSP- Ökonomismus ganzheitlich infrage stellt und ein neues Wirtschaftsmodell in Aussicht stellt, das schon von der Enquettekomission des Deutschen Bundestags diskutiert wird, aber bei der Linken gar nicht wahrgenommen wird.Man mag diese Systeme zwar kritisieren, aber es zeigt eben, dass bürgerliche und sogar exfeudalistische Kräfte scheinbar mehr neue Gesellschaftsentwürfe und pseudoantikapitalistische Modellbildung drauf haben als die Linke.Die Heilsversprechen einer sharing economy und ihrer Utopie, wie auch ihre konterrevolutionäre Rolle verdeutlicht der südkoreansiche Philosoph Byung Chul- Han in einem Beitrag der SZ sehr gut:

Kommunismus als Ware, das ist das Ende der Revolution

Aus heutiger Sicht wirken die notwendigen Angaben wie Beruf, Schulabschluss oder Entfernung zum Arbeitsplatz fast lächerlich. Es war eine Zeit, in der man glaubte, dem Staat als Herrschaftsinstanz gegenüberzustehen, der den Bürgern gegen deren Willen Informationen entreißt. Diese Zeit ist längst vorbei. Heute entblößen wir uns aus freien Stücken. Es ist gerade diese gefühlte Freiheit, die Proteste unmöglich macht. Im Gegensatz zur Zeit der Volkszählung protestieren wir kaum gegen die Überwachung. Freie Selbstausleuchtung und -entblößung folgt derselben Effizienzlogik wie die freie Selbstausbeutung. Wogegen protestieren? Gegen sich selbst? Diese paradoxe Situation bringt die amerikanische Konzeptkünstlerin Jenny Holzer mit ihrem „truism“ zum Ausdruck: „Protect me from what I want.“

Es ist wichtig, zwischen setzender und erhaltender Macht zu unterscheiden. Die systemerhaltende Macht nimmt heute eine smarte, freundliche Form an und macht sich dadurch unsichtbar und unangreifbar. Das unterworfene Subjekt ist sich hier nicht einmal seiner Unterworfenheit bewusst. Es wähnt sich in Freiheit. Diese Herrschaftstechnik neutralisiert den Widerstand auf eine sehr effektive Art und Weise. Die Herrschaft, die Freiheit unterdrückt und angreift, ist nicht stabil. Das neoliberale Regime ist deshalb so stabil, immunisiert sich gegen jeden Widerstand, weil es von der Freiheit Gebrauch macht, statt sie zu unterdrücken. Die Unterdrückung der Freiheit provoziert schnell Widerstand. Die Ausbeutung der Freiheit dagegen nicht.

Nach der Asienkrise war Südkorea gelähmt und geschockt. Da kam der IWF und gab den Koreanern Kredite. Dafür musste die Regierung die neoliberale Agenda gewaltsam gegen Proteste durchsetzen. Diese repressive Macht ist die setzende Macht, die häufig auf Gewalt zurückgreift. Aber diese setzende Macht unterscheidet sich von der systemerhaltenden Macht, die im neoliberalen Regime sich sogar als Freiheit gibt. Für Naomi Klein ist der gesellschaftliche Schockzustand nach Katastrophen wie der Finanzkrise in Südkorea oder Griechenland die Gelegenheit, die Gesellschaft gewaltsam einer radikalen Neuprogrammierung zu unterwerfen. Heute gibt es in Südkorea kaum Widerstände. Es herrscht dagegen ein großer Konformismus und Konsens mit Depression und Burn-out. Südkorea hat heute weltweit die höchste Suizidrate. Man wendet Gewalt gegen sich selbst an, statt die Gesellschaft verändern zu wollen. Die Aggression nach außen, die eine Revolution zur Folge hätte, weicht einer Selbstaggression.

Heute gibt es keine kooperierende, vernetzte Multitude, die sich zu einer globalen Protest- und Revolutionsmasse erheben würde. Vielmehr macht die Solitude des für sich isolierten, vereinzelten Selbst-Unternehmers die gegenwärtige Produktionsweise aus. Früher standen Unternehmen miteinander in Konkurrenz. Innerhalb des Unternehmens war dagegen eine Solidarität möglich. Heute konkurriert jeder mit jedem, auch innerhalb eines Unternehmens. Diese absolute Konkurrenz erhöht zwar die Produktivität enorm, aber sie zerstört Solidarität und Gemeinsinn. Aus erschöpften, depressiven, vereinzelten Individuen lässt sich keine Revolutionsmasse formen.

Man kann den Neoliberalismus nicht marxistisch erklären. In ihm findet nicht einmal die berühmte „Entfremdung“ von der Arbeit statt. Heute stürzen wir uns mit Euphorie in die Arbeit bis zum Burn-out. Die erste Stufe des Burn-out-Syndroms ist eben die Euphorie. Burn-out und Revolution schließen sich aus. So ist es ein Irrtum zu glauben, dass die Multitude das parasitäre Empire abwirft und eine kommunistische Gesellschaft installiert.

Die Ökonomie des Teilens führt zu einer Totalkommerzialisierung des Lebens

Wie steht es heute mit dem Kommunismus? Überall wird Sharing und Community beschworen. Die Sharing-Ökonomie soll die Ökonomie des Eigentums und des Besitzes ablösen. „Sharing is Caring“, „Teilen ist Heilen“, so heißt eine Maxime der „Circler“ im neuen Roman von Dave Eggers, „The Circle“. Die Pflastersteine, die den Fußweg zur Firmenzentrale von Circle bilden, sind durchsetzt mit Sprüchen wie „Sucht Gemeinschaft“ oder „Bringt euch ein“. Caring is Killing, sollte es aber eigentlich heißen. Auch die digitale Mitfahrzentrale „Wunder Car“, die jeden von uns zum Taxi-Fahrer macht, wirbt mit der Idee der Community. Es ist aber ein Irrtum zu glauben, dass die Sharing-Ökonomie, wie Jeremy Rifkin in seinem jüngsten Buch „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ behauptet, ein Ende des Kapitalismus, eine globale, gemeinschaftlich orientierte Gesellschaft einläutet, in der Teilen mehr Wert hätte als Besitzen. Im Gegenteil: Die Sharing-Ökonomie führt letzten Endes zu einer Totalkommerzialisierung des Lebens.

Der von Jeremy Rifkin gefeierte Wechsel vom Besitz zum „Zugang“ befreit uns nicht vom Kapitalismus. Wer kein Geld besitzt, hat eben auch keinen Zugang zum Sharing. Auch im Zeitalter des Zugangs leben wir weiterhin im „Bannoptikum“, in dem diejenigen, die kein Geld haben, ausgeschlossen bleiben. „Airbnb“, der Community Marktplatz, der jedes Zuhause in ein Hotel verwandelt, ökonomisiert sogar die Gastfreundschaft. Die Ideologie der Community oder der kollaborativen Commons führt zur Totalkapitalisierung der Gemeinschaft. Es ist keine zweckfreie Freundlichkeit mehr möglich. In einer Gesellschaft wechselseitiger Bewertung wird auch die Freundlichkeit kommerzialisiert. Man wird freundlich, um bessere Bewertungen zu erhalten. Auch mitten in der kollaborativen Ökonomie herrscht die harte Logik des Kapitalismus. Bei diesem schönen „Teilen“ gibt paradoxerweise niemand etwas freiwillig ab. Der Kapitalismus vollendet sich in dem Moment, in dem er den Kommunismus als Ware verkauft. Der Kommunismus als Ware, das ist das Ende der Revolution.

http://www.sueddeutsche.de/politik/neoliberales-herrschaftssystem-warum-heute-keine-revolution-moeglich-ist-1.2110256

Byung Chul-Hans Statement, dass man den Neoliberalismus nicht marxistisch erklären könne, stimmt nur teilweise, da man den wirtschaftlichen Teil des Neoliberalismus durchaus marxistisch und sehr gut erklären kann, aber er verweist eher darauf, dass der heutige Marxismus der Linken sich vor allem auf Ökonomiestudium und nicht auf Produktivkraftentwicklung und deren gesellschaftliche, geopolitische und ideologischen Implikationen in bester Tradition der Frankfurter Schule mit ihrer Ideologiekritik erweitert, sondern dies getrennt, wenn überhaupt macht und kein holistisches, ganzheitliches Bild vom Kapitalismus, seinen Entwicklungen und Gesetzmäßigkeiten und seiner Kritik und daraus entstehenden Gegenmodellen entwirft, die man aber auch bei ihm vermisst.Byung vertritt da auch nur eine auf Hip gemachte postmoderne Schule des Dekonstruktivismus,der sich vor allem sehr liberal auf die Instrumentalisierung des Freiheits- und Transparenzbegriffs fokusiert und der die Möglichkeiten einer Revolution grundsätzlich infrage stellt, zugleich aber zum Widerstand aufruft.

Desweiteren: Die Erfahrungen, dass es meist auf der revolutionären Linken nur die Alternative zwischen Anarchismus und Kommunismus gab, also zwischen völliger Dezentralität und totalitärer Zentralistät, die auch die Ebenen der Ökonomie und der Politik gleichschaltete, zeigt eben, dass man sowohl eine neue Ökonomie braucht, wie auch ein anderes politisches System und zudem die Verbindung zwischen beiden Subsystemen mittels einer verbindlichen Ordnung oder Verfassung hergestellt werden muss. Nun hoffen einige, dass nach einer Revolution sich alles spontan aufgrund einer höheren Ratio selbstorganisieren würde, es keinen Staat,vielleicht noch eine Verwaltung und nicht einmal das, sondern sich eine totale, sich selbstdurchorganiserende Gesellschaft einstellen würde, während ich daran nicht glaube, sondern eher davon ausgehen, dass eine linke Gesellschaft mehrere Verfassungsentwürfe in die Breite diskutieren, vorschlagen würde, es also ein breiter Partizipationsprozess mit breiten gesellschaftlichen Erörterungen, Diskussionen, die um die besten Modelle streitet und nicht etwas  Aufokroytiertes wäre, zur Abstimmung vorlegen sollte, die eine Gewaltenteilung und eine mehr an Poppers offener Gesellschaft orientierte Gesellschaft zur Abstimmung haben solte. Das passt zum einen totalitären Freunden des Leninschen demokratischen Zentralisums gar nicht und das ist auch gut so,denn man muss eine klare Trennklinie zu ihnen aufmachen.  Nun werden da zwei Vorwürfe dagegen von der anderen, mehr anarchokommunistischen Seite erhoben: Zum einen, dass eine Verfassung totalitär sei und top-down. Wie gesagt: Man hätte da schon einige Vorschläge, die aber abänderbar, diskutierbar und auch abstimmbar wären. Dagegen möchte ich zudem argumentieren, dass eine Verfassung halt die klaren politischen und ökonomischen Kompetenzen der Arbeiter- und sonstigen Vertretungen und ihrer Verbindung zu einem neuen Wirtschaftssystem festlegt, es also keine Willkür gibt, sondern eben eine Rule of Law.Zum zweiten ist mir dieser sich selbstorganisierende Begriff von Gesellschaft zu schwammig. Er setzt vorraus, dass es eine Art Schwarmintelligenz gebe, die alles nach einem höheren Prinzip der Vernunft aus sich selbst heraus selbstorganisieren würde. Die anarchistischen Selbstverwaltungsversuche der Geschichte, die sich niemals zuvor Gedanken über eine Verfassung gemacht hatten, sondern alles dem freien Spiel des Chaos und der freien Kräfte überantwortet, die bestenfalls noch einige lokale Genossenschaften und Kooperativen mit Basisdemokratie wie Hippies vielleicht bei ihren Landkommunen hervorbrachten,sprechen da klar dagegen, wie eben auch die dann totalitären Gegenplanungen des Leninismus und Stalinismus, die schon ihre Verfassungen im Gepäck hatten, aber gar nicht zur Diskussion oder gar Abstimmung stellten und in die Lücke des libartärkommunistischen Chaos der Anarchisten dann ihre totalitären Regime durchsetzen konnten und zumeist die anarchistisch-kommunistischen Leute bekämpften und umbrachten, da sie spätestens seit Kronstadt nicht ins zentralistische Staatszentralwirtschaftskonzept reinpassten, wie auch alle Bürger und sonstigen Reaktionäre. . Nur als Beispiel die Räterepublik in München, bei der ein Anarchoökonom als Silvio Gesell und zentralistische Enteigentümer leninistischer Provienz mit Anweisung Lenins gegeneinanderarbeiteten und für das totale Chaos sorgten oder im Spanischen Bürgerkrieg die Auseinandersetzung zwischen anarchistischer POUM und den Stalinisten.Beide Extreme der völligen Planlosigkeit und der Hoffnung auf Selbstorganisation, wie auch der völligen zentralistischen Planung mit aufoktroyiertem System und Verfassung sollte man als geschichtliche Lehre eben vermeiden.Wenn man eine Revolution machen wollte, sollte man verschiedene Verfassungsentwürfe zur Wahl stellen,diese und Alternativen dazu breit diskutieren und die revolutionären Massen darüber abstimmen lassen.Auch sollten diese Verfassungen so beschaffen sein, dass sie eben Gewaltenteilung und andere normale Freiheiten und Minderheitenschutz als selbstverständlich voraussetzen und mindestens so liberal sind wie bürgerlich-kapitalistische Demokratien.Churchills Diktum, dass die kapitalistisch-bürgerliche Demokratie das kleinste aller sonstigen Übel sei und sich daher historisch als einziges funktionsfähiges, humanes System herausgestellt hat, woraus ja dann Fukuyama das welthistorische „Ende der Geschichte“, also den totalen Sieg der bürgerlich-kapitalisischen Demokratie verkündete, müsste eben nicht durch nostalgisch anarchisch- oder zentralistisch-kommunistische Systeme entgegengearbeitet werden, sondern durch ein System, dass keine Regression ist, sondern ein besseres Übel hervorbringt, eben einen Globalismus oder Liberalkommunismus.Churcill wie Fukuyama wie auch alle liberal-bürgerlich-kapitalistischen Apologeten übersehen eben in ihrer Logik, dass der Kapitalismus ein systemimmanentes Krisensystem ist, zumal nationalstaatliche Konkurrenz kennt und deswegen nach Zeiten des Aufschwungs immer wieder in Krisen oder eben „säkulare Stagnation“, wenn nicht gleich Weltfinanz- und wirtschaftskrisen zwangsläufig eintritt, die den liberal-bürgerlichen Charakter des Systems eben immer wieder durch autoritäre, wenn nicht gar faschistische Bewegungen und erhöhten Konflikten zwischen den Nationalstaaten, bestenfalls zum Handelskrieg, schlechtestenfalls zum Krieg oder gar Weltkrieg eskalieren lässt.Von daher ist Churchills Statements die Betraschtung eines statischen Charakters des bürgerlich-kapitalistiusch-demokratischen Systems, das aber aufgrund seiner Politökonomie diese Stabilität niemals länger haben kann und daher systemaffimierend total verharmlosend ist.

Desweiteren sollte man eine grundlegende Kritik des Nationalstaats bringen hin zu einer Diskussion zu mehr internationaler Kooperation, globalen Institutionen, ja auch eines Weltstaats, eines Weltsowjets oder zumindestens grösseren Einheiten, da alle Linke sich im Nationalstaat eingebürgert haben und keine grössere Weltvision mehr haben.Die Geschichte des Kommunismus des 20. Jahrhunderts war vor allem eine Geschichte der Nationalkommunismen und hat ihren letzten tragischen Ausläufer heute noch in Nordkorea.

Bisher ist die Linke in Sachen Diskussion um die Produktivkraftentwicklung und ihre Implikationen, die Diskussion eines neuen Gesellschafts- und Wirtschaftssystems, sowie linken Verfassungen als auch der Perspektive einer Transzendierung über den Nationalstaat hinaus ein einziges totes Biotop und hat daher auch keine Ausstrahlungskraft. Das gilt es zu ändern. Vielleicht ist die neue Vision der Linken: Globalismus oder internationalistischer Liberalkommunismus- in Abgrenzung zu den anarchistischen, libertärkommunitischen Schwarmintelligenzvorstellungen einer sich selbstorganisierenden Gesellschaft, die nur im Chaos und neuem Leviathan endet  oder stalinistischen Zentralstaatstotalitarismen und zumal mit internationalistischer Ausrichtung im Gegensatz zum bisherigen Nationalkommunismus und seinem „Sozialsmus in einem Land“. Ebenso stellt sich die Frage, inwieweit sich ein solcher Liberalkommunismus ökonomisch und politisch von der reformitischen Sozialdemokratie unterscheidet. Der Weltmarkt und die Globalisierung treiben auf eine internationale Arbeitsteilung der Produktivkräfte und eben auf eine internationale Organisation in Form eines Globalismus hin.

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Grundlegendere Gerdanken zum Globalismus:

 

Manifest des Globalismus (Teil 1)

http://www.global-review.info/2015/09/18/identitat-globaliserung-und-ich-bin-malala/

Manifest des Globalismus (Teil 2)

http://www.global-review.info/2015/12/22/manifest-des-globalismus-gegen-kapitaklismus-kommunismus-und-nationalstaatenkonkurrenz-teil-2/

 

 

Über Ralf Ostner

Ralf Ostner geboren 1964 in Frankfurt am Main, 1984 Abitur in Bayern--Leitungskurse: Physik und Kunst/ Schülerzeitung. Studium der Physik (Nebenfächer: Mathematik, Chemie), Wirtschaftsgeographie (Nebenfächer: BWL, VWL) und Studium der Sinologie. 1991 Abschluss als staatlich geprüfter Übersetzer in der englischen und chinesischen Sprache am Sprachen- und Dolmetscher-Institut/München (Leiter der Chinesisch-Abteilung: Herr Zhang, ehemaliger Dolmetscher von Deng Xiaoping und Franz-Josef Strauß).Danach 5 Jahre Asienaufenthalt: China, Indien, Südostasien (u.a. in Kambodscha während des ersten Auslandseinsatzes der Bundeswehr, Interviews mit Auslandschinesen, Recherche im Karen-Guerillagebiet in Burma, Unterstützung einer UNO-Mitarbeiterin während den Aufständen in Nepal und bei UNO-Arbeit in Indien), Australien. Danach 5 Jahre als Dolmetscher, Delegationsbegleiter und Übersetzer in München. Abendstudium an der Hochschule für Politik /München (Schwerpunkt: Internationale Beziehungen). Abschluss als Diplom-Politologe (Diplomarbeit: Die deutsch-chinesischen Beziehungen 1989-2000 unter besonderer Berücksichtigung der SPD-Grünen-Regierung). Delegationsbegleitung von Hu Ping, Chefredakteur der chinesischen Dissidentenzeitung "Pekinger Frühling" (New York)und prominentester Vertreter eines chinesischen Liberalismus bei seiner Deutschlandtour (Uni München, Uni Mainz, Berlin/FU-Humboldt) bei gleichzeitigem Kontakt mit Liu Liqun (Autor des Buches "Westliches Denken transzendieren"/ heute: Deutschlandberater der chinesischen Regierung).Chefredakteur der Studentenzeitschrift UNIPOL . Projekte am Goethe-Institut und bei FOCUS TV. Seit 2000 Übersetzer (chinesisch-deutsch), Graphiker, freier Schriftsteller und Blogger.
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